Coming Out Tagebuch - Einleitung
Dieser ein wenig in Tagebuchform aufbereitete Text schildert meine
Erlebnisse, Gedanken und Gefühle angefangen vom ersten prägenden und
für den Weg zum Coming Out wichtigen Ereignis im Frühjahr 2001 bis
heute. Ich habe das alles aufgeschrieben, weil
ich es für mich selbst wichtig und interessant finde und nicht vergessen
möchte. Da ich selbst ähnliche Texte anderer Leute teilweise regelrecht
verschlungen habe, möchte ich meine Erfahrungen gerne über das Internet
anderen zugänglich machen, für den Fall dass sich jemand dafür interessiert
und es vielleicht auch beim eigenen Coming Out hilft.
Den ersten Teil dieses Tagebuchs habe ich nachträglich aufgeschrieben,
daher sind die Daten nur ungefähre Werte und die Texte nur eher
sachliche Zusammenfassungen aus dem Gedächtnis. Ab August 2004 wird die
Schilderung dann tageweise mit mehr Einzelheiten fortgesetzt
und ab September 2004 fließen auch meine jeweiligen Gefühle und Gedanken
mehr mit ein, da ich die Einträge täglich bzw. 1-2 Tage im Nachhinein
schreibe, das also noch alles frisch ist.
Die Namen in dieser veröffentlichten Fassung wurden zum Schutz
der Persönlichkeitsrechte Anderer größtenteils geändert.
Kontakt: marc@rosa-panther.de
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Coming Out Tagebuch - Vorgeschichte (Frühjahr 2001 bis August 2004)
Frühjahr 2001
Alles fing damit an, dass ich mit Andreas telefonierte, den ich über
Diskussionen in Newsgroups kennengelernt hatte, und er mir erzählte,
dass sich vier andere, aus dem Usenet bekannte (und ihm teilweise
persönlich schon bekannte) Leute in Bielefeld treffen wollten. Da
ich in einem Dorf in der Nähe von Osnabrück wohne, und man in
45-60 Minuten nach Bielefeld fahren kann, bot sich das an, mal ein
paar Leute persönlich kennenzulernen, und so fragte ich per Mail
nach, ob ich auch kommen dürfte.
Schon im Vorhinein wurde dann vorgeschlagen, ins "Magnus" in
Bielefeld zu gehen, ob ich damit ein Problem hätte. Wie ich von einer
Arbeitskollegin, die in Bielefeld wohnt, erfuhr, handelt es sich
dabei um eine schwul-lesbische Kneipe. Sie war aber auch schon
dortgewesen und meinte, da könnte man beruhigt auch als Hetero
hingehen.
So kam es dann, dass ich am vereinbarten Termin nach Bielefeld
fuhr. Wir trafen uns zuerst im Zimmer von Nils, der seinen
Zivildienst bei Bethel ableistete und dort auch im Wohnheim ein
Zimmer hatte. Nachdem alle da waren, fuhren wir dann ein Stück im
Auto und gingen dann zu Fuß zum Magnus. Wir, das waren Nils
(etwa so alt wie ich, 21 oder 22), sein Freund Markus (1-2 Jahre
älter), Tobias (18 oder 19) und Thomas (wohl so um die 30).
Im Magnus ergatterten wir den einzigen noch freien Tisch, und
warum er noch frei war, merkten wir kurz danach: Es wurde dort
die Lindenstraße auf einem Fernseher oder einer Leinwand direkt
über unserem Tisch gezeigt. Da wir die eh nicht gucken wollten,
war das für uns egal, nur dass halt quasi alle über uns auf die
laufende Sendung schauten... Wir haben uns aber trotzdem in der
Zeit weiter unterhalten.
Im Laufe des Treffens (vor allem im Magnus als Szenekneipe) kam es
natürlich auch zu Zärtlichkeiten zwischen Nils und Markus.
Während wir anderen drei uns weiter unterhielten, lehnten die
beiden sich schonmal aneinander, küssten sich etc. Das war das
erste Mal, dass ich live und bei Jungen in meinem Alter homosexuelle
Zärtlichkeit sah. Ich musste etwas grinsen bzw. lächeln darüber,
aber später auf der Heimfahrt im Auto, als ich alleine über das
Erlebte grübeln konnte, merkte ich, dass es einen starken Eindruck
in mir hinterlassen hatte. Ich konnte das erst nicht so festmachen,
aber es war eine Art beschwingtes Gefühl, eine sehr schöne
Erinnerung, die mich nicht wieder loslassen wollte. Und ich merkte
noch etwas anderes: Dass ich Nils eigentlich ganz süß gefunden
hatte.
Als ich Andreas von dem Treffen erzählte, sagte ich das so natürlich
nicht, sondern meinte, dass die beiden super nett seien und es
ein toller Abend gewesen wäre. Im Stillen fand ich das Pärchen
aber noch besser als nur super nett. Zu dem Zeitpunkt hätte ich
aber mit niemandem darüber reden können, ich musste mir erst
einmal selbst über meine Gefühle klar werden.
In den folgenden Wochen und Monaten lag ich viele Abende vor dem
Einschlafen grübelnd im Bett und überlegte, ob ich schwul sein
könnte. Ich legte mir Argumente zurecht, die dafür sprachen, und
fand keine, die dagegen sprachen. Ich informierte mich im Internet
über Coming Out und wie andere das bei sich entdeckt hatten. Ich
beobachtete mich selbst und merkte, dass ich mir manche
Teenieserien im Fernsehen hauptsächlich wegen der mitspielenden
Jungs anschaute und die teilweise süß fand. Und dass mich Mädels
in dieser Hinsicht eigentlich nicht interessierten.
Trotz allem blieb der Gedanke "Bin ich wirklich schwul oder möchte
ich es vielleicht nur sein, weil ich diese Begegnung mit Nils
und Markus so toll fand"? Ich kam mehr und mehr zu dem Schluss,
dass ich vermutlich schwul bin, aber wollte mir das noch offen
halten und überlegte mir, dass ich einfach mal abwarte, bis ich
mich in jemanden verliebe, und dann gucke, ob es Mädchen oder Junge
ist. Dann gab es da auch noch die Dawsons Creek Folge, in der
Jack plötzlich sagte, er sei schwul. Er hatte vorher aber mit
Joey geschlafen oder das zumindest vorbereitet (ich habe die Folge
nicht mehr so genau in Erinnerung). Ich weiß noch gut, dass ich
mir dachte "wie kann er sagen, dass er schwul ist, wenn es da keinen
Freund gibt, den er liebt, und sogar was mit einem Mädel hatte".
Ersteres kann ich aus heutiger Sicht (geschrieben im September 2004)
besser nachvollziehen, letzteres werde ich wohl nie verstehen können,
da es in meinem Leben nie eine Freundin gab.
Irgendwann 2001 oder 2002
Ich hatte die Seite www.gaystation.de entdeckt, kannte den Betreiber
(Nickname "Keks") auch aus dem Usenet, und fragte ihn per Mail unter
Schilderung meiner Gedanken und Gefühle, ob ich schwul sein könnte.
Nach längerer Zeit fragte ich nochmal nach, weil er nicht geantwortet
hatte, und er meinte, er hätte sehr viele solcher Mails zu beantworten,
würde mir gerne ausführlich antworten, und das könnte noch Monate
dauern. Spätere Nachfragen bis ins Jahr 2003 hinein führten immer
wieder zu ähnlichen Aussagen.
Januar 2003
Meine Ausbildung zum Fachinformatiker endete (nach wegen guter Leistungen
um ein halbes Jahr vorgezogener Prüfung). Ich wurde zunächst befristet
bis Ende 2003 weiter beschäftigt, aber das mir bekannt war, dass die
finanzielle Lage der Firma nicht so gut war (daher auch die befristete
Anstellung), hatte ich schon den Gedanken gefasst, zum Wintersemester
dann ein Studium der Technischen Informatik an der FH Osnabrück anzufangen.
Ich hatte die Zusage, dass mein Vertrag dann im September in einen
Studentenvertrag umgewandelt werden könne und ich als Student wohl auch
problemlos über das Jahresende hinaus weiterbeschäftigt werden könne
(400 Euro Basis).
September 2003
Ich hatte mich also um den Studienplatz beworben und war angenommen
worden (wegen Wartesemester durch Zivildienst/Ausbildung; mein
Abischnitt war leider nicht so gut). Mitte September startete eine
Studienvorbereitungswoche für Erstsemester. Programm: Viel Mathe zur
Wiederholung (ich war ja auch schon eine Weile aus der Schule raus,
war zu dem Zeitpunkt 23 Jahre alt) und (das interessierte mich mehr)
Informationsveranstaltungen zum Studiumsorganisation, Führungen durch
die FH, Einführung in die Bibliothek etc. An manchen Veranstaltungen
(z.B. "Studieren im Ausland") habe ich nicht teilgenommen.
Olaf, ein Mitschüler aus der Berufsschule, wollte das selbe Fach
studieren, musste aber noch arbeiten und konnte an der Vorbereitungswoche
nicht teilnehmen. Also kam ich da allein hin und kannte erst einmal
niemanden. Ein Teil des Programms sah jeden Tag gleich aus: Es begann
morgens mit Mathe-Vorlesungen, und Mittags/Nachmittags schlossen sich
Tutorien an, in denen Mathe-Übungsaufgaben gerechnet wurden, aber auch
von den Tutoren (Studenten aus höheren Semestern) Fragen beantwortet
und Interessantes erzählt wurde. Ich setzte mich eigentlich immer an
dieselben Plätze, und ab dem zweiten Tag hatte ich auch immer den
selben Kommilitonen neben mir sitzen (er hieß Ulf), mit dem ich ins
Gespräch kam und dann auch die Aufgaben im Tutorium zusammen rechnete.
In der Mitte der Woche fragte ich ihn dann auch einfach mal nach seiner
Mailadresse und Handynummer, für den Fall, dass man mal irgendwas
verabreden wollte oder Hilfe bei den Aufgaben brauchte (teilweise war
auch zuhause noch was zu rechnen). Wir schrieben uns dann auch einige
Mails hin und her, und ich merkte plötzlich, dass ich tierische
Herzklopfen bekam, wenn ich eine Mail von ihm bekam, und dass ich
mich freute, in der FH mit ihm zusammenzusein. Ich deutete meine
Gefühle und Reaktionen mit der Zeit zurecht so, dass ich mich wohl in
ihn etwas verliebt hatte, und damit verdichteten sich auch die Zeichen,
dass ich wohl schwul sei.
Nun musste ich natürlich zuerst einmal herausfinden, ob er schwul ist
oder nicht. Ich bin nicht der Typ, der solche Gefühle ewig für sich
behalten kann, denn ich hätte dann die Angst, dass er vielleicht genauso
empfindet und wir uns nie gegenseitig offenbaren...
Also fragte ich per Mail wiederum bei "Keks" nach, der mir immer noch
nicht auf meine nun schon zwei Jahre zurückliegende Mail geantwortet
hatte, und meinte, dass es nun wohl ziemlich sicher sei, dass ich
schwul sei, und wie ich denn das bei ihm herausfinde. Ob ich fragen
sollte, ob er ne Freundin hat - und was wenn er einfach "nein" sagt?
Okay, so richtig helfen konnte mir Keks auch nicht, nur insofern, dass
ich nicht scherzhaft "oder nen Freund?" fragen soll, sondern ernsthaft,
damit er sich nicht veralbert fühlt und deswegen die Unwahrheit sagt.
Es war aber schwierig, in der FH mit Ulf mal allein zu sein, bzw.
wenn dann war es der Weg zum Parkplatz, und er erzählte andere Dinge,
so dass es schwierig war, das Thema entsprechend auf so etwas zu lenken.
Nachdem wir in der ersten oder zweiten Studienwoche unsere Zugänge für
das EDV-Schulungszentrum der FH erhalten hatten, konnten wir uns da
auch von zuhause auf den Unix-Maschinen einloggen. Ich zeigte Ulf
dann Befehle, mit denen wir quasi chatten konnten, wenn wir beide
auf demselben Rechner eingeloggt waren, und so einen Chat nutzte
ich dann, um mal vorsichtig das heikle Thema anzuschneiden. Zuerst
schrieb ich ihm, dass mir aufgefallen war, dass er häufig sowas wie
"diese schwule Matheaufgabe" sagte, und fragte, ob er was gegen Schwule
hätte. Das verneinte er und schrieb zurück, er würde mehrere Schwule
kennen, das sei kein Problem für ihn. Ich weiß nicht, ob ich noch
was schrieb, oder ob er dann gleich fragte: "Hast Du Gefühle für
andere Männer?". Nun schrieb ich, dass das wohl der Fall sei, und
meinte auch vorsichtig, dass da für ihn auch wohl Gefühle seien.
Zu diesem Zeitpunkt muss mein Herz zum Zerbersten geklopft haben.
Ich wusste nicht, wie er reagieren würde. Meine schlimmsten Befürchtungen:
er könnte sich von mir angeekelt abkehren, nichts mehr mit mir zutun
haben wollen. Oder gar anderen davon erzählen.
Aber er reagierte sehr positiv: Er sei zwar 100% hetero, aber er
hätte kein Problem mit meinen Gefühlen für ihn.
Es änderte sich dann auch absolut nichts an unserem Verhalten
einander gegenüber, nur dass er mich, als wir mal allein waren,
nochmal auf meine "Neigungen" (so drückt er sich immer gerne aus...)
ansprach und wielange ich das schon wüsste und so.
November 2003
Das Studium ging nun erstmal seinen normalen Lauf und ich war nur
am Überlegen, ob ich anderen davon erzählen sollte. Ulf zog im
November mit anderen Kommilitonen in einer WG in Osnabrück
zusammen. Stefan, einer von den beiden studierte auch mit uns
technische Informatik, und wir redeten häufig miteinander, und ich
schaute mir deren WG mal beim Renovieren und Einziehen an. Als
ich einmal mit Stefan zum Auto ging, um mit ihm zu der Wohnung zu
fahren, begegneten wir noch in der FH auf der Treppe einem Mädel,
und Stefan sagte was über die, ich hatte aber überhaupt nichts
mitbekommen. Da mokierte er sich darüber, und meinte,
ich hätte wohl immer nur Computer im Kopf und mit was für einem
Problem ich gerade beschäftigt wieder beschäftigt gewesen wäre.
Ich war nahe daran, mich in dem Moment bei ihm zu Outen, aber
habe es dann doch nicht gewagt.
Als ich Ulf später davon erzählte, meinte er, er würde es Stefan
nicht sagen, aber ich müsste das natürlich selbst wissen. Warum
er es nicht tun würde, konnte er auch nicht sagen. Aber es war
schon bei Stefan auch die Angst, dass er es (wenn auch aus Versehen)
weitererzählen könnte bzw. mich unüberlegt im Beisein von anderen
darauf ansprechen könnte. Daher habe ich es dann doch erstmal
gelassen.
Dezember 2003
Über Weihnachten und Neujahr war Vorlesungsfrei. Ich begann
für die im Januar anstehenden Klausuren zu lernen. Hin und wieder
schrieb ich mir Mails mit Ulf, und Ulf und Stefan riefen mich
unabhängig voneinander an Sylvester nachts an, allerdings schon
ziemlich betrunken. Zumindest Ulf wusste davon nachher nichts
mehr.
Wie ich so zuhause an langen Winterabenden über meinen Unterlagen
hockte und lernte, merkte ich, dass ich Ulf ziemlich vermisste.
Und mir wurde auch klar, dass ich mir Nähe und Zärtlichkeit
von ihm wünschte, die ich aber nie bekommen könnte.
Vielleicht war es ganz gut, dass er keine Freundin hätte, sonst
wär ich noch eifersüchtig geworden...
Januar 2004
Im Januar gab es dann noch eine Vorlesungswoche, und mir wurde
auch da bewusst, wie gut es mir tat, im Hörsaal dann wieder
neben ihm zu sitzen, wenn ich ihn auch nicht berühren konnte,
aber man sitzt schon relativ dicht nebeneinander da.
So um den 12. Januar herum waren dann die Vorlesungen endgültig
vorbei, es folgen bis Ende Januar Klausuren und dann standen
bis Ende Februar Semesterferien an.
Ich saß nun hauptsächlich zuhause am Lernen, und merkte immer
mehr meinen Liebeskummer. Wie sehr ich doch in Ulf verschossen
war, und wie mir klarwurde, dass er mir nie das geben könnte,
was ich gerne hätte. An Abenden, wenn ich lernen musste und
eigentlich nicht wollte, wurde das am Schlimmsten, vor allem
dann, wenn Ulf nicht zum Chatten online war, sondern mit Kumpels
irgendwas unternahm.
Ich begann nun mit verschiedenen Kompensationsmethoden.
Zum Einen wälzte ich Kontaktanzeigen im Internet und setzte mich
mit Nico aus einem Nachbarort auf dem halben Weg zwischen hier
und Osnabrück in Verbindung. Beim Treffen merkte ich sofort, dass er
nichts für mich war, aber wir haben uns nett unterhalten und er
hatte auch vor, eine Gruppe für Schwule zu gründen. Ich wollte andere
kennenlernen und so vielleicht einen Freund finden. Von den
bestehenden Gruppen und Organisationen riet er mir mehr oder
weniger ab.
Zum anderen erzählte ich Bernd, einem ehemaligen Arbeitskollegen,
von dem ich wusste, dass er schwul ist und mit Sven, seinem Freund,
zusammenlebt, davon, dass ich wohl schwul sei. Er fragte gleich in
wen ich mich verliebt habe (war ihm wohl klar, dass das der Fall
sein müsste) und bot mir dann an, dass wir uns mal treffen und
unterhalten.
Das war ein sehr netter Abend mit Bernd und Sven. Zu dem
Zeitpunkt ging es mir immer noch so, dass ich zwar verliebt war,
aber doch irgendwie nicht so richtig für mich akzeptiert hatte,
schwul zu sein. Die 100%ige Sicherheit fehlte dann doch irgendwie
noch. Bernd und Sven gaben mir aber einen Coming Out Roman mit,
und als ich den las, und ich das alles so gut nachvollziehen konnte,
und zum Ersten mal bei Schilderungen von sexuellen Handlungen nicht
angeekelt war, sondern selbst erregt wurde (eben weil es in
diesem Fall zwei Jungs waren...), habe ich dann diese endgültige
Gewissheit doch endlich erlangt.
Nun hatte ich so ein Buch zuhause, habe im Internet über
Homosexualität gelesen, und immer waren meine Eltern um mich
herum. Außerdem musste ich über meine Gefühle sprechen, und so
entschloss ich mich zum Coming Out weiteren Personen gegenüber.
Zunächst eines einsamen Abends Olaf, den ich ja schon seit
der Berufsschule kannte und dachte, dass ich ihm problemlos davon
erzählen könnte. Er war in ICQ online, und ich fragte also, wie
man am besten mit Liebeskummer umgeht, ob er da Erfahrungen habe
(ich wusste, dass er eine Freundin hatte und auch vorher schon
andere hatte. Außerdem war er noch ein Jahr älter als ich). Und
ich schrieb ihm dann auch, dass ich mich wohl in Ulf verliebt hätte,
und gleich dazu "nicht lachen!". Seine Antwort war dann, dass er
bestimmt nicht darüber lachen würde, und wir haben noch sehr nett
bis weit nach 3 Uhr nachts gechattet. Es hatte mir auf jeden Fall
etwas geholfen, darüber reden zu können.
Am nächsten oder übernächsten Tag folgten dann meine Eltern.
Ich wollte es beiden zusammen erzählen, weil ich bei meiner
Mutter etwas Angst hätte, sie könne das vielleicht nicht
akzeptieren/verstehen, während ich bei meinem Vater sicher war,
dass er kein Problem damit hätte. Da war also die Hoffnung, dass
er mich dann ihr gegenüber unterstützen könnte. Die beste Möglichkeit,
beide zusammen zu erwischen ohne zu stören (sonst sitzen sie dann beim
Fernsehen oder so, das ist auch ätzend) war beim Mittagessen. Erst
versuchte ich es an einem Samstag, da waren aber nur andere Themen
und ich kam nicht so recht damit zu Wort. Am folgenden Sonntag dann
klappte es. Meine Eröffnung, ich müsse mal über was mit den beiden
reden, verschaffte mir schon die nötige Aufmerksamkeit, und auf
meine Eröffnung, dass ich denke, dass ich schwul sei, kam dann
von meiner Mutter ein völlig unerwartete Reaktion: ein "Ach"
in einem Tonfall, der sich nach "das ist doch nun absolut unwichtig"
anhörte. Im weiteren Gespräch erfuhr ich dann aber, dass sie es
etwas anders meinte: Sie habe selbst, als die so etwa 16 war,
mal eine Freundin geliebt, und das sei normal und nur eine Phase.
Ich wies aber darauf hin, dass ich schon 24 sei, das schon ein
paar Jahre von mir glaubte, und jetzt auch verliebt sei und
Liebeskummer habe. Das konnten meine Eltern dann aber irgendwie
nicht so recht ernst nehmen. Also das waren sicher nicht die
Gesprächspartner, die ich brauchte! Aber ich erzählte trotzdem
unter Tränen von meinen Gefühlen und so langsam wurden sie
doch stiller und bedenklicher. In den nächsten Wochen merkte
ich, dass meine Mutter immer ziemlich still wurde wenn ich
das Thema ansprach. Ich mochte ihr schon nichts mehr dazu
erzählen, weil ich merkte, dass sie sich sehr schwer damit tat
und nichts so recht dazu sagte und berührt wegguckte, so als
ob man über was unangenehmes redete.
Sie hatte natürlich auch die typischen Elternsorgen, wegen Aids
und so, wie ich später erfuhr. Und sie konnte sich auch einfach
nicht so recht ein Bild davon machen, was es heißt, schwul zu
sein, weil sie genauso wie ich vorher noch nie damit in Berührung
gekommen war. Wäre sie aufgeklärter und offener gewesen, hätte
ich da ja vielleicht auch mal eher was von mitgekriegt und meine
Gefühle besser erkennen können. So aber bin ich ziemlich
konservativ aufgewachsen, in der Schule wurde das Thema nicht
behandelt, und ich interessierte mich auch eigenlich nie für
irgendwelche Jugendzeitschriften, in denn Aufklärung betrieben
wurde, so dass ich ein völlig falschens Bild von Homosexualität
hatte (und meine Mutter wohl auch). Ich erkannte, dass ich schon
lange Jahre Jungs interessiert angeguckt hatte, aber ich hatte
das nie offen für mich zu gelassen, mein Unterbewusstsein hat
so etwas schon im Keim erstickt, nach dem Motto "das ist nicht
richtig, das darf man nicht".
Ein paar Tage nach dem Coming Out den Eltern gegenüber erzählte ich
es dann auch meiner Schwester. Das ging ganz einfach - sie wohnt in
einer anderen Stadt und wir telefonieren häufiger mal - indem ich nur
fragte "Kannst Du Dir vorstellen, dass ich schwul bin?". Sie wusste
nicht so recht, meinte sie würde sowas eh nie merken. Und so erzählte
ich dann halt meine Erlebnisse, auch wie unsere Eltern reagiert
hatten. Das ist immer gut unter Geschwistern, sich über die Eltern
lustig zu machen oder zu lästern.
Meinem Bruder (lebt mit Frau und Kind in München) haben meine
Eltern es ein paar Wochen oder Monate später mal erzählt, als sie
dort waren. Interessierte ihn aber nicht sonderlich, er hat mich
seitdem auch nicht einmal drauf angesprochen, obwohl wir ein oder
zweimal telefoniert haben.
In der Verwandschaft und sonst hier im Ort habe ich nichts
verlauten lassen, und auch meine Eltern und Geschwister nicht.
Das würde sich hier schnell rumsprechen, und da ich in der kath.
Kirchengemeinde als Organist aktiv bin, wäre mir das
unangenehm gewesen.
Februar 2004
Ich hatte noch eine andere Kontaktanzeige gefunden, ein Tom aus
Wallenhorst (auch ein Ort hier in der Nähe). Nico meinte, der
würde es nie zu einem Treffen kommen lassen, er hätte es schon
ein paarmal versucht. Im letzten Moment müsste Tom dann arbeiten
oder sonstwas. Trotzdem hat es bei mir geklappt, und ich fand Tom
sehr nett und auch eigentlich ganz süß. Als ich dann aber versuchte,
ihn in den nächsten Tagen anzurufen, um ein nächstes Treffen zu
vereinbaren, lehnte er die Anrufe immer ab oder hatte das Handy aus.
Irgendwann schickte er mir dann eine SMS, dass ich zwar ganz nett
sei, aber nicht sein Typ und ihn bitte in Ruhe lassen sollte.
Er war leider zu feige gewesen, mir das direkt zu sagen, sondern
hatte an dem Abend so geklungen, als ob er sich gerne mit mir
wiedertreffen würde.
Mitte Februar ging ich dann mit Sven, Bernd und Nico in
den Film "Was nützt die Liebe in Gedanken". Nicht nur dass
August Diehl und Daniel Brühl sehr süß sind, ging es in dem
Film auch um Bi- und Homosexualität, wenn auch mit bitterem
Ausgang (Selbstmord bzw. Mord der meisten Hauptpersonen).
Dann hatte ich auch noch mal Ulf besucht, und insgeheim gehofft,
ihn vielleicht irgendwie umarmen zu können oder mich an ihn
lehnen zu können... außerdem wollte ich über meine Gefühle
sprechen. Leider wurde ich da ziemlich enttäuscht. Sobald ich
das Thema ansprach, wechselte er schnell das Thema, auch wenn
er nachher behauptete, das sei ihm garnicht bewusst gewesen.
Und irgendwelchen Körperkontakt wollte er auch nicht. Zudem
musste er nach etwas über einer Stunde plötzlich wohin und einen
Computer einrichten. Dafür war ich extra zu ihm gefahren...
ich komme mir im Nachhinein ziemlich albern vor, aber ich hatte
es damals echt nötig, ihn zu sehen, und kann auch verstehen, dass
ihm die ganze Situation vielleicht etwas unangenehm war.
März 2004
Im März ging dann endlich das Studium wieder los und ich sah ihn
und die ganzen anderen netten Kommilitonen wieder. Außerdem
wollten Nico und ich nun unsere Gruppe ("Rosa Panther -
Stammtisch für schwule und bisexuelle Osnabrücker") gründen.
Ich hängte Plakete an den schwarzen Brettern in Uni und FH aus
und schrieb auch anonym in unser Studentenforum im Internet.
Da aber die Domain rosa-panther.de auf meinen Namen registriert
war, musste ich damit rechnen, dass jemand rauskriegt, dass
ich dahinter stecke und mich darauf anspricht. Eigentlich fand
ich das aber sogar ganz lustig und hoffte dann schon, dass
es jemand rauskriegt. Über die Reaktionen war ich sowieso gespannt.
Eines Morgens vor der Physikvorlesung dann sprach mich ein Kommilitone
auf das Posting im Forum an. Ob ich das unter anderer Identität
gewesen sei? Ich sagte dann so ungefähr "ja, wie haste das rausgekriegt?"
Er grinste und meinte, ob ich das nicht mal löschen wolle, oder
ein Forum "Kontaktanzeigen" aufmachen wollte. Ich musste dann kurz
mit einem anderen sprechen, der nach mir rief, und ging dann zu
ihm zurück. Fragte noch einmal wie er das rausgekriegt hätte, ob
er gesehen hätte, dass die Domain auf meinen Namen angemeldet sei.
Da schaute er mich erst verständnislos an und meinte dann
"was, Du warst das WIRKLICH?"
Die Vorlesung begann dann. Wie ich später erfuhr, war er dann bzw.
danach erstmal zu ein paar anderen gegangen und hatte gesagt
"oh je, ich bin da gerade in ein Fettnäpchen getreten" und die
Geschichte brühwarm erzählt. Naja, was besseres konnte mir eigentlich
kaum passieren: so hatte ich mich eher unabsichtlich geoutet und
konnte darauf spekulieren, dass sich das schon von selbst rumsprechen
würde, ohne dass ich es sonst noch groß jemandem sagen müsste.
Beim Mittagessen in der Mensa am selben Tag sprach mich dann noch
jemand auf das Schwulentreffen an, weil er gedacht hätte, ich
würde davon erzählen (war aber nicht der Fall gewesen). Er meinte
dann noch so "ich wüsste ja echt gerne, wer das ist". Als ich
antwortete, ich wüsste wohl, wer das sei, ließ er keine Ruhe bis
ich es ihm sagte: "er geht gerade hinter Dir" (wir gingen gerade
mit unseren Tabletts zum Ausgang). Er drehte sich um, guckte mich
erschreckt an, zuckte ein wenig zurück. Auf mein "ich tu Dir schon
nichts" meinte er "da hab ich auch keine Angst vor", und damit
war das Thema dann auch erledigt.
Bei den ersten Rosa Panther Treffen kam natürlich außer Nico
und mir keiner. Er meinte, man müsse langen Atem haben.
Ich hatte auch an das AStA-Schwulenreferat der Uni Osnabrück
geschrieben, ob sie in der Uni und in einer AStA-Zeitschrift für uns
Werbung machen könnten. Ich konnte mich dann auch mal dazu
aufraffen, zu einem Frühstück zu gehen, das die alle zwei Wochen
veranstalten. Dort habe ich einige nette Leute kennengelernt,
wenn auch keiner von denen Donnerstags Zeit hat, wegen Fußballtraining
und so. Nun kenne ich aber auch Josef von der Aidshilfe Osnabrück,
mit dem ich wegen Werbung / Flyer auslegen auch schon gemailt hatte.
Von Bernd hatte ich mich dazu überreden lassen, die Gay in May
Webseite (http://www.gayinmay.de) zu übernehmen. Früher hatte er
das gemacht, und dann an Dee übergeben, die zwar Designerin ist,
aber vom Internet keine Ahnung hat und damit überfordert war.
Ich habe mich einmal mit Dee getroffen und sie hat mir dann Bilder,
Designvorlagen und Texte zukommen lassen, so dass ich die Webseite
für die diesjährigen Veranstaltungen fertig machen konnte.
31. März 2004
Am 1.4. hat Ulf Geburtstag. Wir hatten uns am Vorabend zum
Doppelkopfspielen getroffen, dabei war außer Olaf noch
Julian, dem wir das glaube ich an dem Abend oder eine
Woche vorher beigebracht hatten. Wir spielten dann bis
nach Mitternacht, um dann noch gratulieren zu können.
Den Abend über kamen wir mehrmals auf etwas schlüpfrige
Themen, ich hielt mich aber noch zurück (wusste nicht, ob
Julian schon was vom Outing gehört hatte). Irgendwann fragte
er dann in der Runde, wer ne Freundin hätte und klagte, dass
er keine habe. Als die Runde an mich kam, sagte ich dann
"nein, keine Freundin, aber muss auch nicht sein, ich hätte
da eher gerne was anderes" oder so ähnlich. Seine Reaktion,
recht unerwartet: "Also doch!". Es stellte sich dann heraus,
dass er natürlich schon von dem "Fettnäpfchen" des Kommilitonen
gehört hatte, aber es von mir aus erster Hand hatte erfahren wollen.
Er hatte wohl auch den ganzen Abend schon Andeutungen gemacht, um mich
aus der Reserve zu locken, was ich aber garnicht so geschnallt
hatte, dass er sowas von mir hören wollte. Wie gesagt, ich
hatte mich ja eher zurückgehalten.
April 2004
Ich ging mit Ulf und ein paar anderen Kommilitonen zu einer
FH-Party. War sehr cool, nun da ich geoutet war, haben wir
die ganze Zeit Späße darüber gemacht, ich habe mich prächtig
amüsiert. Es ist einfach toll, wenn man sich nicht verstecken
muss, sondern offen darüber reden und scherzen kann, und
über entsprechende Scherze/Frotzeleien anderer lachen kann, weil
es Kumpel sind und man weiß, dass sie das nicht ernst meinen und
das keine Beleidung sein soll.
Wiederum bei einem Doppelkopfabend wollte ich mich dann eigentlich
auch mal Stefan gegenüber outen, der immer noch nichts gemerkt hatte.
Er sprach aber auf meine Bemerkungen einfach nicht an. Als er
sagte, dass er gehört habe, ich würde jetzt mit Frauen flirten,
meine ich "mit FRAUEN flirte ich bestimmt nicht", aber pustekuchen,
er schnallte es einfach nicht.
Am nachfolgenden Tag hatte Ulf ihn dann darauf angesprochen, ob ihm
nichts aufgefallen sei, wie ich das gesagt hätte. Da soll er
dann gefragt haben "ist Marc etwa schwul?" und das dann aber
erst garnicht geglaubt haben.
Ich habe mit Ulf vereinbart, Stefan nichts von meiner Liebe zu
Ulf zu erzählen, weil ihm das nicht so recht sei, wenn der das
wüsste.
Im Internet hatte ich mich über Literatur für Eltern von
homosexuellen Kindern informiert, weil meine Mutter sich immer
noch merklich schwertat. Eine Broschüre des hessischen
Sozialministeriums erschien mir ganz geeignet, die habe ich mir
mal schicken lassen, selbst gelesen und dann meiner Mutter
gegeben. Nachher haben wir uns noch ziemlich lange darüber
unterhalten, und seitdem ist es etwas besser geworden. Ich konnte
wohl doch einige Vorurteile und falschen Vorstellungen zerstreuen
und sie beruhigen, dass ich sicher nicht der Typ bin, der mit
dem Erstbesten Sex hat.
Mai 2004
Zu den Rosa Panther Treffen kamen weiterhin außer Nico und mir
keine Besucher. Wenn Nico mal nicht konnte, hatte ich ein
oder zwei Kommilitonen eingeladen, einmal kamen die auch, obwohl
Nico doch konnte, und konnten ihn so kennenlernen. Er war aber
nicht so deren Fall, er ist doch recht tuntig.
Im Mai zog Nico dann aber nach Etteln bei Paderborn um und
verlor zudem seine Arbeitsstelle in Osnabrück. Daher kam er
erstmal nicht mehr zum Stammtisch.
Ein anderer Kommilitone arbeitete in einer Tankstelle und wurde
häufiger von Schwulen angesprochen, weil sie meinten, er flirte mit
ihnen (er ist aber Hetero und das ist einfach so seine Art, recht
extrovertiert und meist gut gelaunt). Eines Tages steckte ihm jemand
seine Nummer zu "wenn Du mal Langeweile hast...".
Er gab sie mir weiter und ich lud diesen einfach mal zum Stammtisch
ein. Wir trafen uns auch einen Abend. Er ist zwar schon älter
(Mitte/Ende 30 oder so), aber wir haben uns ganz nett unterhalten.
Nur hat er so eine Art, dass man sich wie beim Psychiater vorkommt.
Er analysiert einen die ganze Zeit.
Bei einem der Frühstücke im Schwulenreferat lernte ich Paul
aus Wallenhorst kennen. Er studiert an der Uni Osnabrück Physik,
wie ich im zweiten Semester, und ist tierisch schüchtern. Aber
er sah sehr nett aus, ich sprach ihm mal an (von sich aus
sagte er nichts) und gab ihm nachher auch Mailadresse von
Handynummer. Nachmittags schickte er mir gleich eine Mail,
und hatte auch schon im Internet Informationen über mich
herausgesucht, kannte also schon gemeinsame Interessen. Wir
haben abends sehr nett gechattet. Ich lud ihn auch zum Stammtisch
ein, um dort nicht allein zu sein, und er kam. Ich mochte ihn
und hatte das Gefühl, ihm näherzukommen. Dummerweise kam dann
die Tankstellenbekanntschaft meines Kommilitonen auch dazu (ich
hatte ihn ja schließlich eingeladen) und fing wieder mit seiner
Psychoanalyse an und wollte uns anscheinend miteinander verkuppeln.
War schon etwas unangenehm.
Wie der Name schon sagt, fand im Mai natürlich auch "Gay in May"
statt. Über zwei Wochen verteilt gab es einige Veranstaltungen,
von Filmvorführungen über Autorenlesungen und -ehrungen
(Preisverleihung "Rosa Courage") hin zu Spielenachmittagen und
der großen Abschlussgala. Ich hatte mit Bernd und Sven an
einem Doppelkopfturnier teilgenommen, außerdem habe ich den
"Queer Walk - Gang durch die Osnabrücker Szene", organisiert von
der Aidshilfe, mitgemacht. Das war sehr interessant, zum einen habe
ich ein paar Leute kennengelernt und natürlich auch ein paar
Flyer für den Stammtisch verteilt, zum anderen habe ich alle
Szenecafes und Kneipen kennengelernt sowie (wenn auch nicht mehr
so lange) eine schwullesbische Party im Unicum besucht.
Eigentlich wollte Paul mitkommen, aber er wurde dann kurzfristig
krank. Ich habe ihm im Chat gestanden, dass ich wohl auch mehr
für ihn empfinde und Interesse an ihm hätte. Er aber momentan
nicht, er braucht mehr Zeit.
Zur Gala kam er dann aber mit. Da er kein Geld hatte, habe ich
ihm mit 10 EUR (Eintrittspreis 15 EUR) ausgeholfen. Leider war
er recht schnell wieder verschwunden, weil er müde war. Bernd
und Sven waren aber auch da, und einige, die ich vom Frühstück
kannte, ich habe mich also ganz gut amüsiert. Nachts als ich
ging, waren plötzlich ganz viele junge Leute (viele noch jünger
als ich) unten im Foyer der Lagerhalle (ich war vorher eine
Zeit oben im Cafe Spitzboden gewesen). Aber da ich ja Interesse
an Paul hatte und hoffte, dass da was draus würde, habe ich
mich nicht weiter umgesehen.
Bevor ich ging, hatte ich allerdings im Vorbeigehen noch
Tom aus Wallenhorst wiedergetroffen. Er sprach mich sogar
selbst an. Wir haben uns kurz unterhalten, aber er ist schon
ein bisschen komisch, und nach der Nummer im Februar wollte
ich auch nicht mehr soviel mit ihm zutun haben. Er ist einfach
eine feige Sau, der einem nicht ins Gesicht sagen kann, was
er wirklich denkt, sondern was vorheuchelt.
Über Himmelfahrt war Paul bei einem Freund in Köln, der sich von
seinem Partner getrennt hatte. Paul hatte Interesse an einer
Beziehung mit dem Kölner, und hoffte, dass sich da jetzt was
ergeben könnte, wo der sich von seinem anderen Freund getrennt
hatte.
Als er wieder hier war, trafen wir uns einmal bei ihm zu Hause,
ich brachte ihm Doppelkopf bei. Wir vereinbarten für ein paar
Tage später einen Doppelkopfabend bei mir zuhause, mit Kommilitonen.
Da noch jemand absagte, wären nur Paul und Ulf gekommen, meine
Mutter wollte aber auch wohl mitspielen.
Ca. zwei Stunden vor dem vereinbarten Termin schickte er mir dann
eine Mail, dass er krank sei und eher nicht spielen wollte.
Ich erreichte ihn dann auch nicht mehr telefonisch und blies
das ganze ab. Am selben Abend noch sprach mich plötzlich eine
Freundin von Paul über ICQ an und hielt mir vor, ich wäre zu
aufdringlich und sollte ihn mal in Ruhe lassen. Ich verstand
überhaupt nicht, was sie wollte, weil ich Paul nicht anders als
andere Kommilitonen auch behandelt hatte. Er ist irgendwie etwas
komisch, zieht sich manchmal tagelang zurück und fühlt sich dann
bedrängt, wenn man versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen.
Ich habe auf ihr Anraten dann erstmal nichts mehr versucht und
gehofft, dass ich ihn mal beim Frühstück sehe oder er sich von
sich aus meldet. Tat er aber nicht.
Juni 2004
Die Sommersemesterferien rückten näher, und es wuchs die Angst,
wieder so einen Liebeskummer und so eine Einsamkeit wie im
Winter zu erleben, weil ich die Kommilitonen so lange nicht sehe.
Wie vereinbarten zwar, und immer mal zu treffen, Doppelkopf zu
spielen und so, aber dazu kam es dann letztlich doch so gut wie
garnicht, weil immer alle irgendwie anderweitig beschäftigt waren.
Ich war aber über Ulf mittlerweile ganz gut hinweg, so dass ich
immerhin keinen direkten Liebeskummer mehr hatte, nur so eine
Art allgemeiner Sehnsucht nach einem Freund. Paul musste ich mir
ja nun auch wohl aus dem Kopf schlagen.
Eines Tages im Juni passierte etwas tolles: Nach länger brachliegendem
Kontakt meldete sich Jan mal wieder per ICQ, jemand den ich
aus einer ehemaligen Schule hier in der Gegend kannte und der
weiter weg Informatik studierte. Wir hatten in den Jahren vorher
hin und wieder, aber immer seltener, mal kurz gechattet, um uns
gegenseitig zu informieren, was wir gerade so machen.
Wir kamen dann allgemein auf Thema Schüchternheit und die
typischen Informatikerklischees zu sprechen, wobei er dann meinte
"aber Du bist bestimmt schon seit zwei Jahren verheiratet".
Ich antwortete da so erstmal nicht direkt drauf, aber einen oder
zwei Tage später sprach er mich erneut an, ich hätte noch nicht
auf die Frage nach einer Freundin geantwortet. Nun dachte ich doch,
dass es mal na der Zeit wäre, mich zu outen, und mir konnte auch
nichts passieren, da er nicht hier in der Nähe wohnte und wir kaum
Kontakt hatten. Und schon wieder so eine unerwartete Antwort:
"Also doch". Das hatte ich doch schonmal von jemand anders gehört!
Nun, er erklärte mir dann, dass er schon damals 1998 in der Schule
gedacht hätte, ich habe genau den richtigen Grad an Schüchternheit
und so einen verträumten Blick, um nicht 100%ig hetero zu sein.
Er hatte sich nur nie getraut, mich darauf anzusprechen, weil er
Angst hatte, dass ich das von mir weisen könnte. Nun musste ich
natürlich auch erstmal wissen, wie es bei ihm ist: Er meinte, er
könnte sich wohl am ehesten als bisexuell bezeichnen. Er legt
sich da aber ungern auf einen Begriff fest.
In den nächsten Wochen entwickelte sich ein lebhafter Chat zwischen
uns beiden. Ich hatte wirklich das Gefühl, er würde mit mir flirten,
und wir verstanden uns wunderbar. Wir erzählten uns Dinge, die
wir sonst teilweise niemandem oder nur sehr ausgewählten Leuten
erzählt hatten (z.B. eher ungewöhnliche Fetische). Er meinte, ich
sollte ihn doch mal besuchen, wenn ich mal in der Nähe sei. Ich
konnte ihm auch gleich einen Termin zusagen, weil meine Schwester,
ihr Freund und ich Mitte Juli Karten für ein Konzert der Ten Tenors
bei ihm in der Gegend hatten.
Mit Nico habe ich mich im Juni teilweise etwas gezofft. Er kam
nie mehr zum Stammtisch, teilweise hat er erst am selben Tag abgesagt,
obwohl er wusste, dass ich auch keine Zeit hatte. So konnten wir
keine Vertretung mehr besorgen und es war keiner dort...
Dabei hatte Stefan zufällig zwei Schwule kennengelernt, die sich
im Zug anlässlich eines Standes auf dem in Osnabrück stattfindenden
Jugendhilfstag über das Thema Homosexualität unterhielten. Zumindest
einer davon kam aus Osnabrück und wollte mal vorbeikommen. Keine Ahnung
ob er da war, da ja Nico und ich beide nicht konnten.
Nico wollte in Paderborn die Rosa Panther auch gründen, mit
der Aidshilfe Paderborn zusammen. Ich setzte schonmal einen
Hinweis auf die Homepage.
Ende Juni traf ich auf dem Weg zu einer Elektrotechnik-Übungsstunde
an der Uni zufällig auf Paul, der gerade mit dem Rad nach Hause
fahren wollte. Er wusste garnicht genau, was die Freundin mir
geschrieben hatte, er hatte ihr nur wohl einiges über mich und
seine Empfindungen erzählt, und sie hatte das dann selbst in die
Hand genommen. Ziemlich daneben alles. Wir sind so verblieben, dass
er sich meldet, wenn er mal Lust hat, mit mir was zu unternehmen.
Juli 2004
Wegen des Besuchs hatte ich mit meiner Schwester vereinbart,
dann bei ihr zu übernachten, und am nächsten Mittag wollte ich dann
Jan besuchen und abends wieder zurückfahren. Einen Tag später
stand für Jan und mich unabhängig voneinander der Aufbruch zu Treffen
bestimmter Internet-Gruppierungen an, bei ihm war es so eine Art
Mittelaltertreffen oder sowas, bei mir das spaßeshalbe "Jahrestagung
deutschsprachiger Internetadministratoren" genannte nette Treffen von
Jobkollegen aus dem deutschsprachigen Raum. Sonst hätte ich auch bei
Jan übernachten können, aber das ging dann nicht, weil wir beide noch
für den nächsten Tag packen mussten etc.
Dadurch, dass wir quasi soviel geflirtet hatten, hatte ich natürlich
schon diverse Erwartungen an Jan, die dann aber leider etwas
enttäuscht wurden. Er eröffnete mir, dass er Probleme damit habe,
Körperkontakt zu anderen zu haben, obwohl er eigentlich gerne
kuschelt, aber dass er länger bräuchte, um sich da bei neuen
Leuten zu öffnen. Und er hat auch zwei gute Freunde, mit denen
teilweise auch mehr läuft. Zwar keine richtig feste Beziehung, sondern
eher undefiniert, aber an mir hatte er dann halt doch nicht so
das Interesse, das ich mir erhofft hatte. Dabei fand ich ihn
ziemlich süß (ich hatte ihn ja sechs Jahre nicht gesehen, aber er
war dann doch eigentlich genauso wie ich ihn erwartet hatte).
Wir sind dann ein bisschen durch die Stadt gelaufen, er hat mir
Musik vorgespielt, die er mir dann teilweise gebrannt hat, vor
allem aus der amerikanischen Serie "Queer as Folk", auf die er
mich vorher schon aufmerksam gemacht hatte und von der ich mir
schon einige Folgen im Internet heruntergeladen und angesehen
hatte.
Alles in allem ein netter Nachmittag mit ihm, wenn auch meine Hoffnungen
auf körperliche Nähe und vielleicht anfangende Liebe nicht erfüllt
wurden. Okay, eine Fernbeziehung wäre schwierig gewesen, aber
er hatte sich in Osnabrück für eine Doktorandenstelle beworben,
so war also eine gewisse Hoffnung durchaus realistisch.
Ein paar Wochen später bekam er aber eine Ablehnung aus Osnabrück,
und seine weiteren Bewerbungen waren eher in seiner Gegend.
Es folgte nun das Wochenende mit den ganzen Internetbekanntschaften,
die ich aber größtenteils schon von den Treffen in den Vorjahren
kannte. Ich war bei den meisten schon über einen Chat geoutet,
und es kam dann am Samstagabend auch das Gespräch darauf und einer
erzählte mir von einem schwulen Bekannten und dessen Problemen.
Nach dem Wochenende im Chat erfuhr ich dann noch, dass zwei in
meinem Alter (von denen ich den einen schon recht attraktiv finde)
in einem Zweibettzimmer geschlafen hatten und rosa Bettwäsche
gehabt hatten. Das sei schon aufregend, mit einem fremden Mann
in einem Doppelbett mit rosa Bettwäsche zu schlafen. Ich konnte
mir natürlich entsprechende Anmerkungen nicht verkneifen und meinte,
schade dass ich zu spät gekommen sei, ich hätte mir gerne mit ihm
das Bett geteilt. Er hätte da auch garnichts beigehabt, nur ist
er halt hetero... war auf jeden Fall dann ein ganz guter Running
Gag mit der rosa Bettwäsche.
Ende Juli hatte eigentlich das erste Treffen der Rosa Panther in
Paderborn stattfinden sollen. Wie ich dann anhand einer erbosten
Mail von der Aidshilfe Paderborn erfuhr, war Nico dort nicht
erschienen und auch nicht mehr erreichbar. Seine Handynummer und
Mailadresse funktionierten schon ein paar Wochen nicht mehr,
weshalb ich ihm das auch nichtmal weiterleiten konnte.
Ich nahm dann auf Bitten der Aidshilfe Paderborn die Infos über
den Stammtisch in Paderborn von der Webseite, da die unter anderem
Namen was eigenes ohne Nico starten wollten.
Ich habe Ende Juni auch nichts mehr von Nico gehört, aber auch
nicht versucht, ihn irgendwie zu erreichen, weil er mich eh nur
nervte und ewig nicht beim Stammtisch gewesen war.
De facto stand ich also nun alleine mit den Rosa Panthern da.
Paul habe ich hin und wieder im ICQ gesehen, aber er hat sich
nie gemeldet. Da wir ja vereinbart hatten, dass er das wenn dann
tut, habe ich auch nichts geschrieben. Schade eigentlich.
August 2004
Es ist nicht soviel passiert. Ich hatte Semesterferien, habe viel
für die Firma von zuhause aus programmiert, war mal mit einem
Kommilitonen im Freibad, einmal haben wir es tatsächlich geschafft,
eine Doppelkopfrunde zusammenzubekommen, und ich habe immer mal
wieder mit Jan gechattet. Jan hatte angekündigt, im September
hier in der Gegend bei seinen Eltern zu sein und wollte mich dann
auch wohl besuchen kommen. Traf sich gut, dass meine Eltern einen
Tag nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub ihrerseits in Urlaub
fahren wollten. Er hat mir auch mal geschrieben, er hätte wohl
kein Problem, mit mir "Sachen anzustellen" oder so ähnlich, im
Klartext also wohl Sex zu haben. Er warnte mich aber auch, dass das
vielleicht nicht gut für mich wäre, weil ich mich verlieben könnte
und er die Liebe vielleicht (oder wahrscheinlich) nicht erwidert.
Nach ein bisschen Nachdenken und Gesprächen mit anderen über
das Thema allgemein kam ich zu dem Schluss, dass ich Erfahrungen
in der Richtung auf jeden Fall brauchen kann und mich darauf
einlassen sollte, wenn es denn dazu kommt.
Ich hatte dann irgendwann nochmal auf eine Kontaktanzeige geantwortet,
ein 22jähriger Nico aus Hasbergen. Wir haben uns einen Abend
in Osnabrück getroffen, er ist nicht so ganz mein Fall, wird
aber wohl mal zum Stammtisch kommen, das ist schonmal gut. Er
hatte selbst mal halbherzig versucht, eine Gruppe zu gründen,
aber sich nicht besonders bemüht. Beim Rosa Panther Stammtisch
gibt es ansonsten noch keine regelmäßigen Besucher, eigentlich
immer nur auf besondere Einladung von mir, aber dann kommen sie
normal nicht wieder.
In derselben Woche, in der ich Nico getroffen hatte, war bei
Bernd und Sven auch Jarek zu Gast, ein polnischer Lehrer, den sie
vor ein paar Jahren mal kennengelernt hatten, als er auf einer
Schulfahrt hier in der Gegend war. Wir sind einen Tag zusammen ins
Kino gegangen, um uns Bullys Film "(T)Raumschiff Surprise"
anzuschauen und haben hinterher noch im Kinocafe gegessen und uns
unterhalten. Zum nächsten Stammtisch kamen die drei dann auch,
so dass ich endlich mal größere Gesellschaft hatte. Nico
hatte sich auch angekündigt, kam dann aber nicht. Ich habe mich
mit Jarek nett unterhalten, und natürlich auch mit Bernd und Sven.
Einen Tag später waren wir zusammen bei einer schwullesbischen
Party im Unikeller, das war aber nicht so besonders, nur wenige
Besucher und ziemlich in Lesbenhand. Ich habe mich mit Jarek
wunderbar verstanden und wir uns haben einen Großteil des Abends
unterhalten und uns unsere Geschichten erzählt. Hinterher gingen
wir noch weiter ins Bivalent, eine Szenedisko in Osnabrück. Auch
dort war aber nichts los. Gegen 3 Uhr fuhr ich dann nach Hause,
die anderen sind noch etwas dageblieben. Ich hatte bald das
Gefühl, Bernd und Sven wollten Jarek und mich verkuppeln, sie
boten uns sogar deren Gästezimmer an... Aber Jarek hat einen
Freund in Polen, und ich würde ihn ohnehin erst wieder ein Jahr
später sehen. War sicher auch nicht ganz ernstgemeint und unter
Alkoholeinfluss.
Ich habe Jarek dann eine Woche später zu seinem 30. Geburtstag
eine Mail geschrieben, und er hat sich sehr über meine
Glückwünsche gefreut und geschrieben, wie gut es ihm gefiel
mich kennenzulernen und sich mit mir zu unterhalten.
Eine Woche nach dem Stammtisch mit Bernd, Sven und Jarek kamen
zwei Gruppenleiter einer Coming-Out-Gruppe in Osnabrück, und
brachten auch noch einen Freund mit. War ein schöner Abend mit
interessanten Gesprächen. Die haben sich auch in mein Gästebuch
eingetragen und etwas Werbung für die Gruppe gemacht.
Ende des Monats bin ich dann alleine nach Langeoog in den
Urlaub gefahren. Hier beginnt meine tägliche Berichterstattung
(wenn auch für die ersten 10 Tage noch nachträglich aufgeschrieben).
[/Vorgeschichte]
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Tagebucheintrag vom 27. August 2004
Der letzte Arbeitstag vorm Urlaub. Ich chatte von der Arbeit aus
mit Jan, er gibt mir das Coming Out Tagebuch
http://www.mattenjahre.de zu lesen. Das ist super und macht
süchtig. Habe angefangen zu lesen, später zuhause dann weiter.
[/Tagebuch-2004-08]
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Tagebucheintrag vom 30. August 2004
Ich fahre um 9:30 Uhr los nach Bensersiel. Um 13:30 Uhr dann
mit der Fähre nach Langeoog. Dort erstmal ein Fahrrad geliehen,
um die Reisetasche zur Wohnung zu transportieren. Später dann
ein langes Stück am Strand gewandert und im Inselinneren zurück.
Abends am Notebook Mattenjahre weitergelesen.
[/Tagebuch-2004-08]
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Tagebucheintrag vom 31. August 2004
Hauptsächlich mit dem Fahrrad gefahren. Wetter war wechselhaft.
Um 16 Uhr war Gottesdienst mit dem Weltjugendtagskreuz in der
kath. Inselkirche. Es waren auch einige Bekannte hier aus dem Ort
mit dem Kreuz auf die Insel gepilgert, mit etwa 200 anderen
Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Irgendwo muss ich mir heute den rechten Fuß verstaucht haben.
Schmerzen beim Laufen. Mist, das hatte ich letztes Jahr schon
auf Juist, aber dieses Jahr ist mir nichtmal bewusst, wie das
passiert ist.
[/Tagebuch-2004-08]
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Tagebucheintrag vom 01. September 2004
Erst mit dem Rad unterwegs gewesen (laufen ging ja nicht so gut),
abends wurd es dann mal richtig schönes Wetter, da konnte ich
mich noch eine Zeitlang in die Sonne an den Strand legen.
Abends hat meine Mutter angerufen. Habe ihr von dem Fuß erzählt.
Sie empfahl mir, in der Apotheke einen Verband zu besorgen, wie
ihn mir der Arzt letztes Jahr angelegt hatte.
Ich wollte dann noch bei der Musikkneipe "Düne 13" vorbei,
aber von außen gefiel mir die Musik schon nicht, und wie das
aussah, waren da auch einzelne Grüppchen, zu denen ich mich
vermutlich eh nicht dazugesellt hätte... schon blöd wenn
man eher schüchtern und Einzelgänger ist. Also doch ein wenig
Mattenjahre weitergelesen. Irgendwie bedrückt das doch ziemlich,
wenn man über die tolle Zeit liest, die Tim und Nils zusammen
hatten. Andererseits bin ich froh, dass ich einiges leichter
gehabt habe in Bezug auf das Coming Out. Bin halt auch schon älter.
Hab ich in meiner Jugend was verpasst? Was wäre gewesen, wenn ich
schon mit 16 gewusst hätte, dass ich schwul bin? Wäre mein Leben
so ähnlich wie Tims verlaufen, oder hätte das garnichts geändert?
Das sind Gedanken, die ich häufig habe...
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 02. September 2004
Morgens beim Einkaufen Verband gekauft, aber tagsüber nicht angelegt,
da schönes Wetter und ich an den Strand wollte.
Den Tag über hauptsächlich am Strand verbracht.
Immer mal nach süßen Jungs Ausschau gehalten. Ein paar in meinem
Alter, die mit mir in der Inselbahn gesessen hatten, sieht man
immer mal, aber die scheinen sich nicht groß für mich zu interessieren.
Waren auch mit Mädels zusammen angekommen.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 03. September 2004
Mit dem Rad bis zum anderen Ende der Insel gewesen und dort
am Strand. Später noch in einen anderen Strandbreich gefahren.
Abends noch den Rest Mattenjahre gelesen und eine Folge
Queer as Folk geguckt, die ich auf dem Notebook mitgenommen hatte.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 04. September 2004
Weiterhin tolles Wetter, am Strand gewesen. Alle interessanten
Jungs sehen mich nichtmal an...
Bernd und Sven fragen, wann wir ins Kino wollen, den neuen Film
"Sommersturm" gucken. Wir haben Freitag den 10.9. vereinbart.
Das ist ein toller Coming Out Film mit Robert Stadlober und vielen
weiteren sehr attraktiven Schauspielern.
Abends habe ich dann die nächsten Folgen Queer as Folk geguckt.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 05. September 2004
Morgens war es total neblig, erst am frühen Nachmittag verzog
sich der Nebel. Am Strand konnte man nichtmal bis zum Wasser
gucken erst.
Abends schonmal etwas die Wohnung aufgeräumt, gepackt und saubergemacht.
Dann habe ich noch eine Coming Out Story im Internet entdeckt und
gelesen. War auch sehr schön.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 06. September 2004
Morgens noch letzte Flaschen weggebracht und Brötchen gekauft.
Auf dem Rückweg zur Wohnung habe ich zwei Jungs in meinem Alter
überholt. Einer sah auch ganz gut aus und blickte mich im
Vorbeifahren an. Aber ich hatte leider heute am Abreisetag keine
Zeit mehr... hätte mich vermutlich eh nicht getraut, ihn anzusprechen.
Würd mich interessieren, ob die beiden zusammen sind oder nur
Kumpels.
Dann Wohnung übergeben, erstmal Gepäck noch dort stehen lassen
und noch ein wenig an den Strand und mit dem Rad rumgefahren,
was zu trinken gekauft etc. Dann gegen 11 Uhr das Gepäck geholt,
Rad abgegeben und um 11:30 Uhr mit der Inselbahn und dann dem
Schiff zurück ans Festland. Anschließend Heimfahrt. Auf dem Schiff
waren zwei Jungs, aber nicht ganz so interessant.
Abends erfuhr ich dann von Bernd, dass sie doch nicht am Freitag
ins Kino können.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 07. September 2004
Morgens fuhren meine Eltern in Urlaub, noch vorher bin ich aber
zur Arbeit abgefahren. Nachmittags konnte ich Feierabend machen,
und dann bin ich spontan um 17:45 Uhr allein ins Kino gegangen
(nicht um 20 Uhr, weil ich keine Karten vorbestellt hatte und das
noch die erste Woche war). Es waren dann aber nur 8 Leute im Kino,
von denen einer ein Junge etwa in meinem Alter war, der auch
(soweit ich das sehen konnte, er saß etliche Reihen vor mir) nicht
schlecht aussah. Der war mit ziemlicher Sicherheit schwul, allein
schon weil er allein (so wie ich) in diesen Film ging. Leider rannte
er mit Beginn des Abspanns sofort raus, selbst wenn ich den Abspann
hätte sausen lassen (was ich ungern tue) hätte ich ihn kaum
einholen können, weil er dichter am Ausgang saß). Ich hätte ihn
sonst ganz gerne nochmal angesprochen.
Am selben Abend habe ich mich dann aber noch Carsten, einem anderen
ehemaligen Mitschüler aus dem Gymnasium gegenüber geoutet.
Wir hatten uns in letzter Zeit häufiger beim lokalen CCC
Chaos Treff in Osnabrück getroffen (nachdem ich ihn eingeladen
hatte, wir hatte noch etwas Kontakt über ICQ), und er hatte
mir vor meinem Urlaub einmal so einen tollen Blick zugeworfen,
dass ich echt schwachwerden konnte. Nur wusste ich, dass er
mit einer Freundin zusammenlebt, und hatte die auch schon
kennengelernt.
Ich sprach Carsten also nun diesen Dienstag abend per ICQ darauf
an (er war die zwei Wochen vorher nicht online gewesen. An diesem
Abend fiel das Treffen in Osnabrück aus, dafür war er dann endlich
mal wieder etwas länger online, so dass wir chatten konnten). Nein,
ihm war der Blick noch nicht aufgefallen, aber er hat auch keinen
großen Wirbel gemacht, als ich andeutete, schwul zu sein. Er meinte,
das sei ihm eigentlich völlig egal. Seine Freundin meinte dann aber
wohl, sie hätte sich bei mir schon sowas gedacht. Sie habe eine gute
Menschenkenntnis (sie hatte mich ja nur einmal eine Stunde lang
gesehen, als ich mir die Wohnung angeguckt hatte und wir zusammen
Six Feet Under geguckt hatten, weil das gerade lief).
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 08. September 2004
Bis Mittags geschlafen, nachmittags in der Sonne auf dem Balkon
gelegen und zwischendurch mal ein bisschen für die Firma
programmiert. Abends mit meiner Schwester telefoniert, mich aus
dem Urlaub zurückgemeldet und von dem Film und dem Outing Carsten
gegenüber erzählt.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 09. September 2004
Wieder bis Mittags geschlafen, dann zur Mensa gefahren zum Mittagessen.
Anschließend war ich im Copyshop am Sedanplatz und habe mir rosa Papier
besorgt. Später am Nachmittag zuhause dann neue Flyer für den
Stammtisch entworfen und gedruckt.
Abends dann 20 Uhr Stammtisch in der Lagerhalle. Es war nur Nico
da, der mir von seinen ersten Tagen in der Schule erzählte und
überlegte, wie und wann er sich outen könnte. Sind wohl auch einige
interessante Jungs in der Klasse.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 10. September 2004
Heute hat Jan mir endlich den Termin bestätigt: Er fährt morgen
früh zu seinen Eltern und will dann Montag bei mir vorbeikommen.
Wegen näheren Details meldet er sich noch von seinen Eltern aus.
Ich habe eine SMS an Sven und Bernd geschrieben, ob sie Lust
haben, mit uns beiden Doppelkopf zu spielen. Bislang keine Antwort.
In mir reift langsam der Wunsch, selbst auch ein Tagebuch wie
das von www.mattenjahre.de zu führen, um meine Erlebnisse festzuhalten.
Nur hätte ich damit eigentlich schon vor einem Jahr anfangen müssen...
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 11. September 2004
Heute Nachmittag habe ich einfach angefangen, alles niederzuschreiben,
was ich im Coming Out bislang erlebt habe. Alles bis zu dieser Stelle
ist heute entstanden. Gut, dass ich schnell tippen kann ;-)
[Nachtrag vom 12.9.: heute habe ich noch ein paar Details ergänzt,
die ich vergessen hatte, z.B. alles über das Frühstück im
Schwulenreferat, Paul, Gay in May und den Besuch von Jarek]
Mal sehen, wie ich es schaffe, das als Tagebuch weiterzuführen, aber
es ist schonmal wichtig, dass die bisherigen Erlebnisse, so sie mir
noch im Kopf sind, schriftlich fixiert sind, bevor ich vieles
vergesse.
Gegen Abend hat sich Jan von seinen Eltern aus per IRC gemeldet.
Wir haben vereinbart, dass ich ihn Montag um 19 Uhr abhole. Falls
Bernd und Sven können, spielen wir dann Doppelkopf. Nachts muss
ich ihn zurück zu seinem Elternhaus bringen, weil er dort noch
zu tun hat. Ab Dienstag kann er aber hier bleiben.
SMS an Sven und Bernd geschickt. Weiterhin keine Antwort.
Schonmal etwas saubergemacht / staub gesaugt für den Besuch.
Später am Abend habe ich dann den Film "Get Real" gesehen, den ich
mir auf Empfehlung aus dem Forum von http://www.sommersturm.de
heruntergeladen hatte. Der britische Slang ist zwar teilweise
nicht richtig zu verstehen, aber trotzdem ein schöner Film, hat
mir gut gefallen. Der Hauptdarsteller ist ja auch ganz schnuckelig.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 12. September 2004
Morgens habe ich beim Pfarrfest in einer benachbarten Gemeinde
Orgel gespielt und die Kinderschola auf dem Keyboard
begleitet. Eigentlich sollte der Gottesdienst draußen stattfinden
(dann hätte ich alles auf dem Keyboard machen müssen, was mir
nicht so lieb gewesen wäre), aber da das Wetter wechselhaft und
ziemlich windig war, entschied der Pastor letztlich doch, in
die Kirche zu gehen.
Nachher gab es dort Erbsensuppe auf dem Pfarrfest, das ersparte
es mir, selbst Essen zu machen (meine Eltern sind ja derzeit
im Urlaub). Nachmittags habe ich noch ein paar weitere Details
in dieses Tagebuch nachträglich eingepflegt, habe mir den
Livestream vom Kirchenmuggen-Konzert (http://www.kirchenmugge.de)
angehört/gesehen (war mir zu weit weg, sonst hätte ich vielleicht
mal selbst mitgemacht, das ist ein Gruppentreffen der Newsgroup
de.rec.musik.machen) und war gegen Abend auf der örtlichen Kirmes,
um noch eine Bratwurst/Currywurst zu essen. Auf dem Rückweg
sind mir zwei Boys begegnet, der eine guckte auch wohl. Mist,
ich seh sowas nicht, ob die schwul sind oder nicht. Manche
haben für sowas ja nen Blick. Aber soweit ists wohl bei mir noch
nicht.
Abends dann noch ein bisschen für die Firma programmiert,
zwischendurch noch etwas saubergemacht und dann später abends
einen Film geschaut. Jan hatte sich nochmal per IRC gemeldet,
ich hole ihn morgen 19 Uhr von seinem Elternhaus ab.
Er hat sich seinen Eltern gegenüber noch nicht geoutet, seine
Brüder wissen aber Bescheid. Seiner Schwester will er es zuerst
noch erzählen, damit die ihm vielleicht bei den Eltern dann helfen
kann. Ich freue mich schon auf die kommenden Tage mit Jan.
Leider haben sich Bernd und Sven noch nicht gemeldet, ob
sie Doppelkopfspielen können.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 13. September 2004
Vormittags war eigentlich Klausureinsicht für die Mathe-Klausur,
in der ich nur eine 4.0 hatte. Unser Prof ist aber nicht gekommen,
und war auch nicht aufzutreiben. Nach dem Mittagessen in der
Mensa bin ich dann zur Arbeit gefahren.
Abends habe ich Jan abgeholt. Wir hatten einen netten Abend
mit Fernsehen, Musik, Internet und Gesprächen. Am Ende, als er
meinte, ich müsste ihn langsam nach Hause bringen, fragte ich
dann mal vorsichtig, ob ich ihm mittlerweile körperlich näherkommen
dürfte (bei meinem Besuch damals bei ihm mochte er ja nicht,
weil er meinte, es dauerte länger, bis er das zulässt).
Er druckste etwas rum, und erst auf der Rückfahrt im Auto
konnte er richtig in Worte fassen, wie er das sieht:
Er möchte so etwas nicht planen. Indem er überlegt, ob er
es zulässt, wie er reagiert und ob das überhaupt gut für
mich wäre, plant er aber schon und das will er ja eben nicht.
Er gab mir quasi den Rat, es einfach zu versuchen und drauf
ankommen zu lassen, und er wird dann aus der Situation entscheiden,
auf was er sich einlässt und auf was nicht. Abgesehen davon ist er
auch der Meinung, dass es das beste für mich wäre, wenn es jemand
wäre, mit dem ich dann auch länger zusammenbleiben könnte.
Naja, ich habe gesagt, dass ich da länger drüber nachgedacht habe
und weiß auf was ich mich einlassen will, auch wenn es vielleicht
Konsequenzen für mich hat. Hinterher habe ich mich aber doch
geärgert, nicht einfach mal den ersten Schritt gemacht zu haben.
Ich stehe mir immer selbst im Wege, möchte ja eigentlich, wie
er so süß neben mir sitzt, aber kann mich einfach nicht überwinden,
weil ich auch etwas Angst vor seiner Reaktion habe... Dabei kann
eigentlich nichts passieren. Naja, wo die Fronten nun geklärt
sind, kann ich es wohl ruhig wagen. Hoffen wir mal auf den morgigen
Tag...
Jan hatte mir im Laufe des Abends auch ein paar Texte in
Tagebuchform gezeigt, die er mal geschrieben hatte. Da war z.B. auch
ein Erlebnis im Alter von 12 Jahren dabei, wie ein Freund ihm einen
geblasen hat und dass da auch in der Folgezeit noch öfters sowas
vorgefallen ist. Er wollte keinen Namen nennen, aber der andere
ist wohl ähnlich wie Jan bi bzw. mag es nicht definieren. Eine
Phase war es sicher nicht, weil es sechs Jahre später mit 18 auch
noch so war.
Ich beneide ihn ein bisschen um solche Erlebnisse. Jan ist aber
der Meinung, dass es auch ziemliche Vorteile für mich hat, so etwas
nicht erlebt zu haben. Er hält es z.B. bei seinen Eltern nicht so
recht aus, weil er in mancher Beziehung schon weitaus mehr erlebt
und kennengelernt hat als sie. Und er meint, ich habe jetzt in
meinem Alter die Möglichkeit, derartige Dinge für mich vernünftig
zu entdecken, statt eher zufällig und mit Leid verbunden in einem
zu jungen Alter.
Ich habe häufig bei solchen Gesprächen das Gefühl, dass er einiges
in seinem bisherigen Leben bedauert und vielleicht besser nicht
erlebt haben wollte. Aber das bringt ein erlebnis- und erfahrungsreiches
Leben wohl mit sich, dass man nicht über alles davon glücklich ist...
Ich fühle mich dann nur immer als zu wohlbehüteter Grünschnabel,
der eigentlich noch nichts von der Welt gesehen und kennengelernt hat.
Morgen so gegen 15 Uhr werde ich Jan wieder abholen. Seine Eltern
sind dann im Urlaub. Heute hatte sich auch endlich Bernd gemeldet,
wir werden morgen abend bei Bernd und Sven Doppelkopf spielen.
Vor einer Woche hatte ich jemanden angeschrieben, dessen Profil
ich bei justbegay.de gefunden hatte. Jetzt kam eine Antwort:
Er heißt Florian und möchte sich gerne mal mit mir treffen. Er
macht auch die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration.
Als Termin habe ich Sonntag vorgeschlagen, da er lieber am
Wochenende möchte, weil er während der Woche arbeitet und dann
abends nicht mehr so gerne was unternehmen möchte. Daher scheint
er auch dem Stammtisch eher abgeneigt zu sein.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 14. September 2004
Bis mittags geschlafen, dann was zu Essen gemacht, schonmal ein
Bett für Jan bezogen und Kleinigkeiten erledigt. Nachmittags
bin ich dann zu seinem Elternhaus gefahren. Der eigentlich geplante
Kurzaufenthalt zog sich dann über fast fünf Stunden hin, weil er
noch die Katze einfangen musste und sie sich nicht fangen lassen
wollte bzw. zwischendurch irgendwo im Dorf unterwegs war.
Bernd musste den Doppelkopfabend leider absagen, weil Sven
krank geworden war.
Jan wollte noch duschen, und da seine Cargohose dreckig geworden
war, ist er mit der Hose in die Dusche gegangen und hat sie erst
nach einiger Zeit ausgezogen. Er fragte, ob ich mit rein will,
und das fand ich als optimale Gelegenheit, ihm näherzukommen.
Wir haben uns dann gegenseitig eingeseift und abgeduscht, das war
schon sehr angenehm. Leider nur die Oberkörper. Er hat dann noch
mit Enthaarungscreme versucht, ein paar Haare am Po wegzubekommen,
was aber nicht viel brachte. Ich hatte auf jeden Fall die
Möglichkeit, meine Arme um ihn zu legen, aber leider ließ er
es nur geschehen, zeigte aber keinerlei Reaktion darauf. Das gleiche
Bild später beim Videogucken vorm Laptop: Wenn ich mich an ihn
lehnte oder den Arm um ihm legte, neigte er sich eher noch ein
wenig weiter in die andere Richtung und zeigte keinerlei
entgegenkommende Reaktion. Das war zwar schon etwas enttäuschend
und teilweise unbequem, aber mein lang gehegter Wunsch, auf diese
Art ein wenig Körperkontakt zu einem attraktiven Mann herzustellen,
ist auf jeden Fall ein wenig befriedigt worden.
Nachdem die Katze endlich eingefangen war und wir einen DDR-Film
"Coming Out" gesehen hatten, von dem leider der Schluss kaputt
war, sind wir dann zu mir gefahren und haben erstmal Spaghetti
gekocht. Parallel und hinterher haben wir am Computer Filme
und Musik getauscht bzw. reingeschaut/gehört. Er hat außerdem
ein paar wichtige Sachen mit Freunden per IRC besprochen.
Später am Abend haben wir "Was nützt die Liebe in Gedanken"
gesehen. Scheint ihm auch sehr gefallen zu haben, immerhin wollte
er nicht meine (schon ziemlich gute) Version sondern richtige
DVD-Qualität. Ich habe ihm dann noch kurz den Anfang der ersten
Roswell-Folge gezeigt, aber Jason Behr ist nicht so ganz sein Typ.
Ansonsten haben wir uns noch viel unterhalten, haben Dinge am
Computer ausprobiert und gezeigt. Leider weiterhin keine Reaktion
auf Anlehnungen und Armumdieschulternlegen.
Als es dann ans Schlafengehen ging, meinte er, er habe kein gutes
Gefühl dabei, mit mir in einem Bett zu schlafen, er empfände das
einfach nicht als richtig und würde vermutlich kein Auge zutun.
Selbst wenn nichts passieren würde, er mag das nicht so.
Auch auf Küssen o.ä. mochte er sich nicht einlassen, weil er unsere
Freundschaft nicht zerstören wollte: Er würde sonst möglicherweise
erstmal 1-2 Jahre keinen Kontakt mehr zu mir haben können, und
das wollen wir natürlich beide nicht riskieren. Wir kennen uns
zu gut und haben zuviel Kontakt, als das ein One Night Stand
im engen Sinne möglich ist, und andererseits bin ich für ihn
aber auch nicht so recht passend/akzeptabel für eine Beziehung.
Nun gut, es hat keinen Zweck, ihn da zu irgendwas zu drängen, wenn
er es nicht möchte und sich nicht wohl dabei fühlt. Er übernachtet
jetzt im ehemaligen Zimmer meiner Schwester und ich in meinem.
Morgen klingelt um 10 Uhr der Wecker und gegen Mittag machen wir
uns dann auf den Weg zu ihm, wo er noch restliche Dinge packen und
sich nochmal um die Katze kümmern muss. Mittags geht es dann
nach Osnabrück zum Bahnhof, damit er nach Hause fahren kann.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 15. September 2004
Um 10 Uhr klingelte mein Wecker. Bis ich im Bad fertig war, war
Jan dann auch schon von selbst aufgestanden, ohne dass ich
ihn zu wecken brauchte. Besonders gut hat er aber dennoch nicht
geschlafen, da er noch viel zu grübeln hatte, wie er meinte.
Auf dem Weg zu ihm habe ich noch Brötchen besorgt, dann haben
wir bei ihm zuhause gefrühstückt und er hat noch die restlichen
Sachen gepackt und das Haus in Ordnung gebracht. Dann sind wir
mal so langsam Richtung Osnabrück aufgebrochen, mit Zwischenstopp
in ein oder zwei Geschäften.
Als nächstes ging es zum Bahnhof. Ich bin noch mit an den
Bahnsteig gekommen, bis er in den Zug stieg. Eine letzte
Umarmung wäre schön gewesen, aber wollte ich ihm in der
Öffentlichkeit nicht antun, und schien nach seiner Ablehnung
gestern abend auch nicht mehr ganz so angebracht.
Nachmittags Zuhause habe ich dann erstmal Bernd und Sven per
ICQ erzählt, was wir hier so erlebt und gemacht haben.
Bernd meinte, er hätte mir Sex gegönnt, und man müsste eh
zwischen Sex und Liebe trennen bei uns Schwulen. Sven musste
ich erst einiges von Jan erzählen, bis er das Verhalten
verstehen konnte.
Sobald Jan wieder zuhause war, hat er mich gleich über IRC
angesprochen. Er hatte im Zug dieses Tagebuch gelesen (weitestgehend
in der Originalfassung, nur mit ganz wenigen Sätzen der letzten
Tage gelöscht, wobei das eh nur bis zu dem Tag vor seinem Besuch
ging) und dadurch gemerkt, dass ich mir wohl doch Sex erhofft
hatte. Er hatte dann doch das Bedürfnis, mir das zu erklären:
16:45 (Jan) sorry uebrigends nochmal...
16:45 (Marc) sorry wofuer?
16:46 (Jan) ich hatte geschaut ob das unter der Dusche was wird, oder
ob uns irgendeine *duck* Geilheit "uebernimmt", aber
geplant wollte ich ncihts tun.. waere mir sonst wie ein
callboy vorgekommen ;)
16:46 (Marc) aber die Geilheit ueberkam dich nicht? :)
16:47 (Jan) *lach* und Dich wohl auch nciht ;)
16:47 (Jan) zumindestens zuckte da nichts ;)
16:47 (Marc) hmm ok... da waeren wohl mal ein paar Streicheleinheiten
Deinerseits noetig gewesen :)
16:47 (Jan) *g*
16:47 (Marc) wie ich schon sagte, Du hast irgendwie voellig ungeruehrt
dagestanden und keine Reaktion gezeigt
16:47 (Marc) was soll ic hda machen?
16:50 (Jan) *g* nichts.. war schon ok so.. nur passte es halt einfach
nicht ;)
16:50 (Marc) haette es denn was geaendert, wenn Du bei mir was gesehen
haettestß ;)
16:50 (Jan) keine Ahnung.
16:51 (Marc) mir hat das Duschen trotzdem gefallen :)
16:51 *** Jan zuckt mit den Schultern und gackert nciht gerne ueber
gelegte Eier, wenn er sich nciht sicher ist :)
16:51 (Jan) *g*
16:51 (Jan) mir auch :)
16:51 *** Jan planscht gerne :)
16:52 (Marc) aber Dein Gefuehl scheint ja global zu sein und nicht vom
Duschen abzuhaengen
16:52 (Marc) wenn Du wegen mir schlecht schlafen konntest...
17:04 (Jan) ja.
17:06 *** Jan mag manche maenner und manche Frauen so weit, dass ich
sie lieben kann, leider faellst Du nicht da rein... aber
sicher war ich mir bis gestern nacht nicht ;)
17:09 (Marc) und was machte Dich in der Nacht dann sicher?
17:13 (Jan) das ich mich vorher etwas geekelt hatte mit Dir zu
kuscheln ;)
17:13 (Marc) ja, das merkte ich ;-)
17:13 (Marc) ob das Ekelgefuehl bleibt, kannst Du vermuztlich nicht
sagen? ;)
17:14 (Jan) ochh.. auf freundschaftlicher Ebene wird das etwas
verschwinden, aber der Rest wird bleiben.
17:14 (Marc) schon okay. Ein bisschen kuscheln auf dem Sofa waer schon
nett. Aber dann moechte ich da auch mal ne Gegenreaktion
sehen ;)
17:15 (Jan) *lach* wenn ic will, ja.
17:15 (Jan) (und mag)
Das Haus wirkt leer ohne Jan. Ich denke, es ist gut, dass
er so weit weg wohnt und ich ihn nicht so häufig sehe.
Ich würde mich garantiert in ihn verlieben (etwas bin ich das
sicherlich auch schon), das würde mir nur Schmerzen verursachen.
Bei Ulf half mir etwas Abstand auch.
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Tagebucheintrag vom 16. September 2004
Tagsüber habe ich gearbeitet. Es waren drei Leute einer lokalen
Telefongesellschaft da, um Arbeiten an ihren Geräten auszuführen.
Einer von denen (wohl auch der jüngste, aber sicher älter als
ich) sah mich mehrfach auffällig und länger an. Ich fand ihn aber
nicht attraktiv, sonst hätte ich mal zurückgelächelt oder so.
Abends zum Stammtisch hatte ich Julian eingeladen. Nico kam
zwar auch, aber nur kurz. Habe Julian die ganze Geschichte mit
Jan erzählt und auch nochmal versucht, ob ich seine Homo-Ader
nicht zum Leben erwecken kann... aber er meint, er ist sich doch
ziemlich sicher, hetero zu sein. Er würde merken, dass sein Leben
bereichert würde, dass er ganz anders empfinden würde, wenn
er mit Frauen zusammen wäre. Schade eigentlich, wo ich ihn so
süß und nett finde. Das habe ich ihm auch gesagt, er mag das
gerne hören (sagte mir mal, dass ihn das ehrt).
Ach ja, Jan. Das Duschen mit ihm geht mir nicht aus dem Kopf.
Natürlich hätte noch mehr passieren können, aber fürs erste war
das schon schön genug. So angenehm, wie er mich mit Duschgel
einseifte - das leichte Kitzeln auf dem Bauch - die Arme um
ihn zu legen... einfach Kontakt zu seinem Körper zu haben ist
eine sehr schöne Erfahrung gewesen. Ich habe mich bei ihm noch
per IRC für die letzten Tage bedankt und ihm auch geschrieben, wie
sehr mir das Duschen gefiel. Wenn auch der Ausgang vielleicht nicht
so war, wie erhofft, habe ich es genießen können, möchte diese
Erfahrungen nicht missen und wünsche mir eine Wiederholung.
Während ich das hier schreibe, kommen mir die Tränen und meine
Brust kribbelt. Mist, ich will mich doch nicht verlieben, das
kann doch eh nichts werden. Aber wer hat schon Einfluss auf sowas?
So gut es einerseits ist, zu wissen, dass Jan sich nicht
vorstellen kann, sich in mich zu verlieben und sich vorm Kuscheln
etwas ekelte, so traurig ist es doch, wenn man selbst anders
empfindet und sich damit abfinden muss. Das einzige, was gegenüber
eine unglücklichen Liebe für einen Hetero anders ist: dass Jan
es mir weder übelnehmen noch sich so stark wie ein Hetero vor
engererem Kontakt ekeln/fürchten wird. Und er wird mich ganz sicher
verstehen und auf mich eingehen können.
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Tagebucheintrag vom 17. September 2004
Viel ist nicht passiert. Ich habe tagsüber gearbeitet, ein paar
Studentinnen (Maschinenbau) ein Programm erklärt, bei dem ich ihnen
geholfen hatte, auf dem Weg dorthin noch eine Festplatte gekauft und
abends noch in meinen Server eingebaut und die Daten von der
alten Platte, die langsam den Geist aufgab, rüberkopiert.
Jetzt vorm Schlafengehen habe ich "Long Island Expressway"
gesehen, den Jan mir empfohlen hatte. Nicht ganz so mein Fall.
Jan meint, ich sei der erste, dem er nicht gut gefallen habe,
und dann kenne er wohl zuviele, die sich in die Grenze zwischen
Missbrauch und Wunschträume einfühlen können...
Gerade kam mir noch Florian in den Sinn, dem ich wegen seines
Profils bei justbegay.de geschrieben hatte. Noch keine Antwort
auf meine Mail, in der ich ein Treffen am Wochenende vorschlug.
Dabei hab ich die Mail schon vor fünf Tagen geschickt.
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Tagebucheintrag vom 18. September 2004
Durch den Absender eines Artikels in einer Newsgroup bin ich darauf
aufmerksam geworden, dass Nils und Markus anscheinend jetzt
geheiratet haben (jetzt gleicher Nachname). Ich habe mal eine Mail
hingeschickt und gratuliert.
In der Zeitung steht ein Artikel, der vorm Tagebuchschreiben warnt.
Man hätte dadurch eher gesundheitliche Probleme und würde leicht
in eine sich wiederholende grüblerische Spirale kommen.
Ich wage das erstmal zu bezweifeln. Ich habe den Eindruck, mir
hilft es beim Einschlafen, dass ich nicht mehr die ganze Nacht
über Dinge nachdenken muss.
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Tagebucheintrag vom 22. September 2004
Die letzten Tage ist nicht soviel passiert. Das Semester fing
wieder an, meine Eltern sind aus dem Urlaub zurückgekommen
und ich war nochmal mit Bernd und Sven im "Sommersturm". Den
beiden hat er auch sehr gut gefallen.
Leider noch immer keine Antwort von Florian (auf dessen Profil
bei justbegay.de hin ich ihm geschrieben hatte). Ich habe nochmal
eine Mail hingeschrieben.
In der Mensa hatte ich zwei Maschinenbau-Studenten wiedergetroffen,
denen ich auch beim Programmieren geholfen hatte. Ich setzte mich
zum Essen dazu, und mir gegenüber saß ein recht süßer Kommilitone,
der als ich ging sogar ein Wort zur Verabschiedung sagte, obwohl
ich mich mit ihm eigentlich garnicht unterhalten hatte.
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Tagebucheintrag vom 25. September 2004
Donnerstag beim Rosa Panther Stammtisch war mal etwas mehr los.
Einer von den Besuchern vor meinem Urlaub kam wieder und brachte
noch jemanden mit, und ich hatte auch in der FH zwei Studenten
(einer hetero, einer schwul) eingeladen. Es wurde ein netter
Abend, auch mit recht tiefgehenden Gesprächen teilweise, da
ich dem einen Kommilitonen noch von den Erlebnissen mit Jan
erzählen wollte und die anderen dann auch ähnliches beizusteuern
hatten.
Am Freitag sah ich beim Essen in der Mensa auch die Maschbauer wieder.
Der süße Boy, den ich vor drei Tagen erwähnt hatte, sah mich zwischendurch
mal an, glaube ich. So richtigen Blickkontakt herzustellen ist mir
aber nicht so recht gelungen. Trotzdem bin ich mir bei ihm nicht so
sicher, den muss ich mal im Auge behalten.
Ich glaube, ich muss aufpassen, dass ich mich nicht wieder neu in
Ulf verliebe. Wenn ich ihn (was zwar jetzt seltener vorkommt) in
der FH treffe bzw. in der Vorlesung neben ihm sitze, kommt das schnell
wieder hoch...
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Tagebucheintrag vom 26. September 2004
Einer der bisherigen Leser des Tagebuchs fragte nach einer Fortsetzung,
also musste ich mich jetzt mal dransetzen, die letzten Tage seit
Jans Besuch für die öffentliche Fassung aufzuarbeiten. Hier sind
sie nun.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 29. September 2004
Gestern abend hat endlich Florian geantwortet.
Er war bzw. ist wohl krank und hat jetzt ein Treffen für den 9.10.
vorgeschlagen. Ich habe ihm sofort geantwortet und gefragt, was er
hat, und dass wir den Termin dann am besten kurzfristig abstimmen,
weil vielleicht Jan so um den Dreh hier sein will.
Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass er noch geschrieben
hat, ich hatte schon Angst, er wolle (aus welchem Grund auch
immer) jetzt doch nichts mehr von mir wissen. Und vom Foto und
den Interessen (Ausbildung zum Fachinformatiker) her glaube ich,
dass wir uns gut verstehen werden und dass das zumindest eine
Freundschaft werden könnte. So ein bisschen erinnert er mich
auf dem Foto an Ulf...
Ein Arbeitskollege meint, ich soll nicht so aktiv suchen, das würde
die Chancen nur verschlechtern (ich schau mich immer z.B. in der FH
nach anderen netten Studenten um...). Aber ihm selbst geht es genauso wie
mir (seine Freundin hat sich vor ein paar Monaten von ihm getrennt).
Man kann das schlecht unterdrücken, man schaut automatisch immer herum,
wer einem gefällt und wer interessant ist. Und davon gibt es an der
Uni/FH so verdammt viele. Geht man von 3-5% Schwulen aus, müssten da
jede Menge rumlaufen. Nur geben die sich nicht zu erkennen.
Heute abend war Vorbesprechung für Gay in May 2005. Von der
Schwulenfraktion waren nur Josef und ich da, ansonsten nur
Lesben. Angedacht ist u.a. ein Wen Do Kurs für Schwule,
zur Selbstverteidigung bei schwulenfeindlichen Übergriffen.
Ich hoffe, dass ich sowas nie brauche, aber interessant wärs
irgendwie schon. Muss ich mich nochmal mehr drüber informieren.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 30. September 2004
Heute Mittag nach der FH bin ich ins Büro gefahren, um einen Server zu
installieren. Als ich gerade am Ausdrucken meiner Rosa Panther Flyer
war, kam ein Kollege rein (eigentlich Urlaub, aber war privat da) und
fragte so, was ich da drucke. Hat sicher auch einen kurzen Blick drauf
werfen können. Aber gesagt hat er nichts, keine Ahnung, ob er erkannt
hat, um was es sich handelt. Ihm gegenüber bin ich noch nicht geoutet,
ich denke aber nicht, dass das ein Problem sein würde. Irgendwie wollte
ich in dem Moment aber nicht.
Beim Stammtisch war diesmal nur ein Besucher, der auch letzte Woche
dagewesen war. Auf dem Rückweg sah ich in Osnabrück vor einer Ampel, wie
zwei Jungs (vielleicht in meinem Alter oder etwas jünger) mit
dem Rad ankamen und vor der Ampel halten mussten. Der eine legte
seine Hand auf die Schulter des anderen, um sich abzustützen und
nicht mit den Füßen von den Pedalen gehen zu müssen. Interessantes
Bild für mich, keine Ahnung ob da mehr dahintersteckte oder das
nichts zu bedeuten hatte.
[/Tagebuch-2004-09]
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Tagebucheintrag vom 01. Oktober 2004
In einer Zeitschrift, die in der Mensa auslag, habe ich heute ein
Interview mit einer Buchautorin gefunden, die über Metrosexuelle schreibt:
"Wäis Kiani nennt ihn 'die männliche Susi' und sie rechnet ab, mit all den
Softies, Frauenverstehern, Just Gay Enoughs und Metrosexuellen. Ihr neues
Buch ist ein flammendes Plaedoyer fuer den guten alten Macho."
"Der 'Just Gay Enough' Mann stammt aus den USA. Was ist das typische an den
deutschen Metrosexuellen?" - "Was ihnen fehlt, ist die Pose. Sie versuchen
sich nie vorzustellen, wie sie in dem Moment auf Zelluloid wirken wuerden."
"Was kann die Frau tun, die sich einen Metrosexuellen eingefangen hat, um aus
ihm wieder einen richtigen mann zu machen?" - "Nichts. Auf den nächsten
warten. Man kann niemanden ändern. Und einen Metro schon gar nicht."
Naja, wird ein komisches Buch sein, aber der Artikel las sich ganz lustig.
Heute abend habe ich es endlich mal geschafft, das Tagebuch in
vernünftiger Form (als Blog) auf der Rosa-Panther-Webseite zu veröffentlichen.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 03. Oktober 2004
Mein (hoffentlich) Date vom nächsten Samstag hat ein neues
Foto hochgeladen, habe ich vorhin gesehen. Auf dem ersten hat
er mir allerdings besser gefallen, jetzt sieht er ziemlich anders
aus. Das sagt aber wohl auch nur, dass man auf Fotos nicht so
an kann. Ich hoffe, dass es nächsten Samstag was wird mit dem Treffen,
dann kann ich mal schauen, wie er in der Realität so ist.
Per ICQ habe ich Bernd und Sven gefragt, ob sie mit zum Magnets-Konzert
Anfang November kommen wollen. Sie müssen nochmal gucken, ob sie
Zeit haben. Nächste Woche gehen wir aber auf jeden Fall mal ins Kino
(Der Untergang). La Mala Educacion läuft auch schon, den wollte ich
auch nochmal schauen. Der ist sicherlich auch für Jan sehr interessant.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 06. Oktober 2004
Verdammter Mist. Da war ich vorhin im Kino ("La Mala Educacion"),
etwas später (während der Werbung) kamen zwei Jungs etwa in meinem
Alter rein und unterhielten sich noch, bis der Film anfing, und durch
das Gespräch erfuhr ich, dass zumindest der direkt neben mir schwul ist
(er redete von seinem Ex und noch von jemandem aus Köln, der von seinem
Freund abserviert wurde). Und ich hatte keine Stammtisch-Flyer mit.
Und ich habe mich natürlich auch nicht dazu überwinden können, ihn einfach
so anzusprechen. Es lief ja schon die Werbung, und hätte ich mich da
eingemischt ins Gespräch, hätte das so ausgesehen, als ob ich gelauscht
hätte. Während des Films ging ohnhin nicht. Ich hätte höchstens am Ende
vor denen rausgehen und draußen auf sie warten können. Oder mich ihnen
direkt anschließen, aber das hätte so aufgedrängt ausgesehen. So wartete
ich noch einen Moment und machte mich dann zum Gehen fertig, da hab ich
sie natürlich draußen nicht mehr gesehen.
Okay, ich glaube besonders attraktiv fand ich beide nicht (konnte aber
nicht soviel sehen im Halbdunkeln), wenn dann vielleicht noch eher den
anderen, von dem ich nicht weiß, ob er schwul ist oder hetero.
Aber sie klangen von ihrer Unterhaltung her auf jeden Fall nett.
Eigentlich hatte ich mit Bernd und Sven in "Der Untergang" gehen wollen,
aber Sven hatte noch kurzfristig abgesagt, weil er Stress bei der Arbeit
gehabt hatte und nicht so recht aufgelegt war (und sich selbst mir nicht
zumuten wollte). Der andere Film interessierte mich ohnehin, da habe ich
dann spontan entschlossen, alleine dorthinein zu gehen. Er war ganz
interessant, wenn auch nicht unbedingt besonders spannend. Aber doch ganz
gut, ihn gesehen zu haben.
Jetzt werde ich wohl wieder vermehrt darauf achten, immer Flyer dabeizuhaben.
Habe mir gerade schon welche fertiggemacht, brauche ohnehin noch welche zum
Auslegen in der Uni und Lagerhalle.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 7. und 8. Oktober
Gestern abend beim Stammtisch war es wieder recht voll.
Es bringt was, wenn Teilnehmer andere ansprechen und die auch
wiederum jemanden mitbringen. Sven war auch gekommen, und
es wurde ein schöner Abend. An den Nebentischen war eine
größere Studentengruppe, hauptsächlich Erstsemester, die vorher
eine Stadtführung gemacht hatten. Da waren ein oder zwei ganz
süße Jungs dabei, mit einem hatte ich auch mal 5 Sekunden
Blickkontakt. Aber ich vermute, er schaute nur so in der
Gegend herum, wer da sonst so saß, und überlegte vielleicht,
was für eine Gruppe wir sind.
Anschließend fuhr ich zu Ulf, mit dem ich noch zur FH-Party
wollte. Einer aus der Studentengruppe ist ein Kumpel von ihm,
aber er konnte ihn nicht beschreiben, so weiß ich momentan noch
nicht, welcher das war. Gerade vorhin schrieb er mir aber,
dass der garnicht in der Lagerhalle dabei war, also kann der
eine gutaussehende durchaus noch schwul sein ;-)
Bei der Party habe ich einen Zivi kennengelernt, der mit einem
Kommilitonen mitgekommen war. Der war auch ziemlich nett,
und ich habe mich mehrfach mit ihm unterhalten. Ich denke aber
auch der ist bestimmt hetero.
Es ist mir ja manchmal selbst peinlich, das alles so zu schreiben,
als ob ich jeden Menschen gleich in Hetero/Homo einsortieren
muss. Aber ich kann es nicht verhindern, wenn mir jemand gefällt,
will ich mir auch die mögliche Chance nicht entgehen lassen.
Schließlich kann man mal einen Glückstreffer haben und aus einer
Zufallsbegegnung entsteht mehr. Zumindest liest sich das in
Geschichten immer so, und ich kenne auch mehrere Leute, bei denen
tatsächlich sowas vorkam.
Heute kam dann die Einladung zum Semester-Eröffnungsfrühstück
des AStA-Schwulenreferats der Uni, aber leider findet das dieses
Semester Donnerstags vormittags statt, da habe ich ab nächste
Woche Digitaltechnik-Praktikum, zumindest bis Ende des Jahres.
Ich habe aber jetzt nochmal im schwarzen Brett auf den Webseiten
des AStA für den Stammtisch Werbung gemacht.
Abends kam endlich eine Antwort von Florian, mit dem ich mich
morgen treffen wollte. Es scheint tatsächlich zu klappen, ich
hatte garnicht mehr damit gerechnet, weil er so lange nichts von
sich hören ließ und der Tag näher rückte.
Wir wollen zu einem Italiener in Osnabrück essen gehen. Ich bin
schon sehr gespannt, wie er in Wirklichkeit ist, da die beiden
Fotos, die ich von ihm gesehen habe, sich recht stark unterscheiden
und ich mir noch keine so klare Vorstellung machen kann.
Mails hat er auch nicht sehr viele geschrieben, häufig mit
wochenlanger Verzögerung, so dass ich noch nicht viel von ihm
weiß.
Bei mir ist gegenwärtig eine Erkältung im Anzug (Halsschmerzen),
ich hoffe dass ich zumindest morgen abend noch gesund bleibe.
Wäre zu schade, wo es schon so lange gedauert hat, bis das
Treffen zustande kam.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 09. Oktober 2004
Heute abend war endlich das langersehnte erste Date mit Florian.
Wir waren bei einem Italiener in Osnabrück und haben gar nicht
gemerkt, wie die Zeit verging. Auf einmal waren fünf Stunden rum,
und irgendwann war es 1 Uhr Nachts und wir sind dann nach ca. sechs
Stunden Gespräch doch mal so langsam aufgebrochen. Jetzt bin ich zwar
heiser, aber ich werde ihn voraussichtlich Mittwoch in Bramsche
besuchen (seine Eltern sind im Urlaub) und nächsten
Samstag wollen wir zusammen zur Gaypeople-Party im N8 gehen.
Von ihm erfuhr ich auch, dass ein Berufsschullehrer (Marketing)
schwul ist, Florian hatte ihn mal in eindeutiger Gesellschaft irgendwo
getroffen. Man sehe das doch auch an seinem
Auftreten, sagte er. Naja, mir ist damals eigentlich nichts aufgefallen.
Okay, rosa Hemden kann ich auch nicht so identifizieren mit meiner
Rot-Grün-Sehschwäche.
Florian macht auch eine Ausbildung zum Fachinformatiker und kennt
auch (ehemaliger Arbeitskollege) einen ex-Mitschüler aus meiner
Berufsschulklasse. Baff war er, als er erfuhr, dass www.priggish.de
von mir betrieben wird. Die Seite kannte er, weil da noch die ganzen
Unterlagen (Referate, Hausaufgaben etc.) von uns liegen.
Zum Abschied gabs dann noch eine flüchtige Umarmung, ich habe aber
wirklich den Eindruck, dass ihm der Abend genauso gefallen hat wie
mir. Wie das nun weitergeht, wird sich zeigen müssen. Ich kann noch
nicht sagen, ob ich mehr für ihn empfinden kann als eine reine
Freundschaft. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht vielleicht
aufgrund vorheriger Erfahrungen vorsichtshalber Emotionen erstmal
etwas unterdrücke. Aber der Unterschied zu vorherigen Dates mit
nett erscheinenden Leuten liegt vielleicht auch einfach darin, dass er
nicht ganz so scharf aussieht wie manche andere. Es wird wohl bei ihm
eher nicht vorkommen, dass ich mich schon aufgrund des Aussehens
direkt in ihn verliebe. Aber auf jeden Fall passen wir gut zusammen,
von Interessen und Meinungen her, sonst wäre die Zeit kaum so schnell
vergangen.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 13. Oktober 2004
Gerade komme ich von einem abendlichen Besuch bei Florian. Wieder mal
ein schöner Abend, ich mag ihn sehr. Ich habe nochmal seine
Gesichtszüge analysiert: aus bestimmten Blickwinkeln bzw. bei bestimmten
Regungen hat er etwas an sich, was mir gut gefällt und mich vielleicht
auch etwas an Ulf erinnert. Ich beginne aber auch sein "normales"
Aussehen zu mögen, und die herzliche Umarmung zum Abschied gefiel
mir sehr. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er Interesse an
mir hat, ist in seinen Äußerungen und Verhaltensweisen noch nicht so
recht erkennbar. Ich möchte aber eigentlich auch vermeiden, das
anzusprechen, da das bisher (z.B. bei Paul) auch nicht unbedingt immer
positives bewirkt hat... Erstmal geh ich Samstag mit ihm zur
OS-Gay-Night im N8, und dann werden wir uns sicher nächste Woche mal z.B.
hier bei mir zuhause treffen, und dann mal weitersehen. Wenn ich
ihn neben mir auf dem Sofa habe, vielleicht kann man sich dann ja
schonmal etwas an ihn schmiegen oder so...
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 14. Oktober 2004
Bernd hat jetzt auch angefangen, das Mattenjahre-Tagebuch
zu lesen, und ist genauso süchtig und begeistert wie ich.
Er klagt schon, dass er kaum noch zum Arbeiten kommt.
Für Sonntag 17 Uhr haben wir uns für "Der Untergang" (Kino)
verabredet. Zur Party am Samstag kommen Bernd und Sven aber
wohl eher nicht, da sie anderes vorhaben. Ich hätte ihnen
gerne Florian vorgestellt.
Beim Stammtisch waren zwei der neuen Besucher vom letzten
Mal wieder da, wurde ein lustiger Abend. Ich soll hier
schreiben, dass die Highlights der Osnabrücker Szene zu
meinem Stammtisch kommen :-)
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 15. Oktober 2004
Ich frage mich, ob Florian sich eine Beziehung mit mir vorstellen könnte
oder nur eine Freundschaft will. Wenn ich mich mit ihm unterhalte,
kann ich für beides Hinweise finden. Hier ein paar Aussagen aus dem
ICQ-Log (anfangs bezugnehmend auf parship.spiegel.de):
(23:28:33) Marc: ja, ich hab mich da auch auf unsichtbar gesetzt
hätte mich nur interessiert, wieviele Matchingpunkte ;-)
(23:29:15) Florian: ich denke schon, dass wir da recht ähnlich wären
(23:35:56) Florian: ich glaube auch, dass man über so eine partnerbörse nicht
seinen traumprinzen findet, das passiert wohl eher auf einer party
(23:37:59) Marc: ich bin auf jeden Fall froh, dass Du Dein Profil bei
justbegay.de hast
(23:38:18) Florian: und ich bin froh, dass du mich angesprochen hast :-)
(23:38:58) Florian: ich finde wir verstehen uns schon nach so kurzer zeit
super, das ist nicht oft so
Ich möchte ihn aber erstmal nicht direkt fragen. Zum einen weil ich
mir selbst noch nicht ganz sicher bin, was ich möchte, zum anderen
weil es sicher sinnvoll ist, sich etwas Zeit zu geben und nichts zu
überstürzen. Außerdem hatte ich bei Paul nicht gerade Erfolg damit,
ihm Interesse einzugestehen. Okay, immerhin wusste ich dann, dass
es ihm nicht so geht, zum anderen hat er aber vielleicht deshalb dann
mein Verhalten falsch interpretiert und den Kontakt abgebrochen.
Nicht dass ich Angst hätte, dass mit Florian sowas passieren könnte,
da er so eine Situation (Freund verliebt sich in ihn, andersherum aber
nicht) schonmal hatte und damit (wie er erzählte) vernünftig und
verständnisvoll umgegangen ist (ihm selbst ging es andersrum auch
schonmal so). Aber trotzdem sagt mir meine Vernunft, noch etwas zu
warten, und dann vielleicht auch nicht direkt Tacheles zu reden, sondern
es eher mit Taten auszudrücken bzw. anzudeuten. Falls ich mich das
dann traue...
Erstmal abwarten, wie es morgen auf der Party im N8 wird. Ein
Freund von ihm kommt auch mit, und mit dem würde ich mich
sicher auch gut verstehen, meinte er.
Florian hatte mich heute noch auf eine Webseite hingewiesen, wo für einen
anderen Stammtisch (Dienstags im Trash) geworben wurde. Ich habe den
Initiatoren mal eine Mail geschrieben, sie haben normalerweise wohl
auch im N8 einen Stand bei der OS-Gay-Night, dann geh ich mal morgen hin.
Trotzdem habe ich aber auch genug Flyer gedruckt, um selbst Werbung
zu machen bzw. die anderen zum Verteilen mitzugeben.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 17. Oktober 2004
Gestern abend war ich mit Florian zusammen das erste Mal auf der
OS-Gay-Nacht im N8. Wir haben uns vor dem Eingang getroffen, wo ich
als ich auf ihn wartete ein Gespräch "Musst schwul sein, um da
reinzukommen" - "nein, wir sind zu besoffen" mitbekam, woraufhin
die zwei oder drei Leute dann noch eine Fackel ausbliesen und dann
langsam abzischten... Dann kam Florian auch schon. Er hatte sich extra
zurecht gemacht, mit Gel in den Haaren. Das sah wirklich gut aus.
Ich war einen Tag vorher noch beim Friseur gewesen, und ihm gefällt
das mit den kurzen Haaren auch viel besser, sagt er.
Am Eingang fragte ich, ob ich meine Flyer dort hinlegen durfte,
und nach kurzer Ansicht wurde das bestätigt. Ein paar hatte ich
noch im Portmonee, um sie bei Interesse drinnen verteilen oder auslegen
zu können. Nun zeigte mir Florian erstmal die Räume. Ziemlich am Eingang
sahen wir auch die Leute vom Gaycityclub, die den Stammtisch im
Trash angekündigt hatten. Nach einem kurzen Rundgang sind wir dann
dort vorbeigegangen, solange es noch nicht so voll war. Ich habe
meine Flyer verteilt, erzählt was ich so mache und nach deren
Stammtisch gefragt. Sie wussten nichts von meinem, sehen sich aber nicht
als Konkurrenz ("wir sind doch eine große Familie, das ist keine
Konkurrenz"). Ich habe angeboten, dass sie ja mal Donnerstags bei
mir vorbeischauen können, und ansonsten auf die Mailadresse und
Handynummer im Flyer hingewiesen, um sich mal absprechen zu können.
Gemeinsamen Aktivitäten stehen sie aufgeschlossen gegenüber. Sie
haben Florian und mich dann auch gleich zu gebracht, selbst in dem
Club (kostenlos) Mitglied zu werden, um Vergünstigungen bei Partys
und anderen Veranstaltungen in Anspruch nehmen zu können. Da man
seine Postanschrift angeben musste, fragte Florian gleich, ob da denn
was hingeschickt würde (bei seinen Eltern ist er noch nicht geoutet).
Soll aber nur was per Mail verschickt werden.
Im Laufe des Abends sah ich etliche Leute, die ich von Gay in May,
Stammtisch oder Frühstück im Schwulenreferat her kannte. Etwas später
kamen noch Florians Bekannter von der Party und dessen Freund dazu.
Die drei anderen tanzten ganz gerne (der eine mehr, der andere weniger).
Ich stand die meiste Zeit eher steif dabei, wurde aber zwischendurch
mal von verschiedenen Leuten die mich kannten gegriffen und in Bewegung
gebracht. Ein wenig hat das vielleicht gebracht, aber so recht komm
ich trotzdem noch nicht aus mir raus. Aber wird vielleicht
noch, wenn ich häufiger dort bin.
Um etwa 3 Uhr bin ich dann gefahren, weil ich Sonntag morgen Orgelspielen
musste und noch etwas Schlaf brauchte. Zum Abschied gab es noch eine
herzliche Umarmung mit Florian. Ich habe das Gefühl, dass die jedes Mal
inniger werden. Als ich dann so gegen 4 Uhr im Bett lag, konnte ich
zunächst nicht einschlafen. Meine Ohren rauschten und pfiffen von der
lauten Musik, mir spukten noch die ganzen Bilder und Eindrücke des Abends
im Kopf herum. Irgendwann gegen 6 Uhr bin ich dann eingeschlafen, um zwei
Stunden später vom Wecker geweckt zu werden. Trotzdem bin ich erstaunlich fit.
Heute Nachmittag habe ich dann einem Arbeitskollegen und Bernd von gestern
erzählt, mir die Fotos der Party online angeschaut, und dabei gemerkt, dass
ich mich wohl gestern doch heftig in Florian verliebt haben muss. Dazu kam
noch, dass er den Nachmittag über zwar in ICQ online war, aber nicht
reagierte. Auch eine SMS die ich ihm schrieb, wurde noch nicht ausgeliefert.
Ich hatte ihm vorgeschlagen, um 18 Uhr in Münster "Sommersturm" zu gucken,
aber mangels Reaktion fiel das natürlich flach. Eigentlich hatte ich
mit Bernd und Sven "Der Untergang" sehen wollen, aber Bernd war
krank geworden.
Es fällt mir aktuell wirklich schwer, mich zu konzentrieren. Ich habe
alle Anzeichen eines Verliebtseins, die entsprechenden Gefühle im
Brustbereich, die Sehnsucht nach Florian und der Kummer darüber, dass ich
ihn momentan nicht erreichen kann. Eigentlich würde ich ihm am liebsten
sofort davon erzählen, aber ich halte es für besser, das vielleicht erstmal
durch körperliche Zuwendung zu zeigen bzw. persönlich zu sagen.
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Tagebucheintrag vom 18. Oktober 2004
Abends hat sich Florian endlich per ICQ gemeldet. Leider hat er die nächsten
Tage und auch am Wochenende keine Zeit. Nachdem ich ihm gestanden hatte, dass
ich ihn vermisse (was er mit einem "das hört man doch gerne *kissed*" beantwortete,
sonst sagte er aber nichts weiter dazu), und ob er nicht wenigstens mal eine
Stunde Zeit hätte, meinte er, dass es Donnerstag abend vielleicht möglich
wäre. Er wird dann wohl zum Stammtisch kommen. Ich wäre ja lieber mit ihm
alleine... aber lässt sich nichts machen. Kino am Samstag wird dann auch
nichts. Er trifft Freunde, die er nur sehr selten sieht.
Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll. Zum einen
freut es ihn zu hören, dass ich ihn vermisse, zum anderen geht er aber nicht
weiter darauf ein und scheint auch nicht so das Verlangen zu haben, mich
zu sehen, da er das für diese Woche zunächst ausschloss. Mein Arbeitskollege empfiehlt
mir, ihm Zeit zu geben und nicht so viel zu grübeln. Jan meint, ein Baum
braucht auch Zeit, um Wurzeln zu schlagen. Er versteht aus eigener Erfahrung
aber auch, dass ich gerne mit Florian allein wäre.
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Tagebucheintrag vom 21. Oktober 2004
Ich habe mir den Akt-Kalender der Osnabrücker Sportstudenten gekauft.
Hatte mir zwar mehr drunter vorgestellt, aber ein paar ganz nette
Fotos sind wohl dabei. Das schöne ist, die haben das in beide Richtungen
bedruckt, in einer Richtung mit Männern und in der anderen mit Frauen.
Kann man sich die passende Seite aussuchen.
Beim Stammtisch waren wieder die üblichen Besucher der letzten Wochen,
hatten aber noch wieder einen Freund mitgebracht, anscheinend auch
Systemadministrator, Alter vermutlich etwa Mitte 20.
Einige waren am Dienstag beim Gaycityclub-Stammtisch gewesen.
Dort waren so 15-20 Personen an mehreren Tischen, haben sich aber
nicht unbedingt groß neue Bekanntschaften ergeben, weil man dann
mit denen zusammensaß, die man schon kannte. Das Publikum soll aber
allgemein eher jünger gewesen sein, ich sollte also doch auf jeden
Fall mal dort vorbeischauen.
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Tagebucheintrag vom 22. Oktober 2004
Beim Rückwärtsfahren vom FH-Parkplatz auf die Straße bin ich heute
Mittag einem ca. 33 Jahre alten Mann in den (Firmen-)wagen gefahren.
Bei ihm auf Fahrerseite beide Türen eingedrückt und Teil des
Kotflügels. Bei mir hinten rechts kleinere Schäden.
Zeuge war ein netter Student, 19 oder 20 Jahre alt. Wir haben uns
ein bisschen unterhalten, während wir auf die Polizei warteten.
Vielleicht läuft man sich ja zufällig nochmal wieder über den Weg.
Abends habe ich Knallharte Jungs geschaut - Tobias Schenke ist süß.
Wärs nicht wegen ihm würd sich der Film auch nicht unbedingt lohnen.
Heute abend brach auch wieder das Liebesgefühl für Florian durch.
Mir geht es beschissen, ich vermisse ihn. Er hatte mir gestern
geschrieben, dass er versucht, zum Stammtisch zu kommen, es aber
nicht versprechen könne. Er war nicht da, hat aber auch keine SMS
oder sonstige Message zur Entschuldigung geschickt. Ich bin mir
sicher, dass es ihm gerade nicht so geht wie mir, sonst würde er
sich mit Sicherheit anders verhalten - und auch versuchen, Zeit
zu finden, um mich zu treffen. Da er mir gesagt hatte, dass er
diese Woche und am Wochenende keine Zeit hat (mit Ausnahme "vielleicht"
zum Stammtisch) hat es auch keinen Zweck, ihm zu schreiben. Online
ist er ohnehin nicht mehr gewesen seit Montag, zumindest nicht dass
ich es mitbekommen hätte. Ich möchte ihm auch nicht auf die Nerven
fallen, halte es aber auch kaum aus, ihn nicht zu sehen und nichts
von ihm zu hören. Mein Gefühl möchte ihm gestehen, was ich empfinde,
mein Verstand sagt aber, das lieber nicht zu tun, um nicht möglicherweise
was kaputtzumachen (ihn zu sehr unter Zwang/Druck zu setzen). Lieber
versuche ich durch zarte Annäherungen ihm zu zeigen, dass ich ihn mag,
wenn wir uns das nächste Mal sehen.
Morgen abend werde ich mich ablenken können: Sven und Bernd haben mich
eingeladen, zusammen mit einem bisexuellen Besucher, der bei ihnen ist,
in die Kneipe und später zur schwullesbischen Party ins Divan zu gehen.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 24. Oktober 2004
Endlich habe ich den Soundtrack von "Sommersturm". Den könnte ich die
ganze Zeit über hören, einfach Klasse. Und bei "Vast - Flames" hab ich
die Szene im Kopf, die Nacht nach dem Sturm und der nächste Morgen, wie
während des Liedes nochmal alles schön im Überblick und Rückblick gezeigt
wird. Da kommen mir direkt die Tränen.
Der Film läuft jetzt nicht mehr in Münster, aber momentan in Damme, täglich
16 Uhr. Das ist für Florian natürlich nicht zu schaffen. Hoffentlich kommt
er auch am Wochenende noch.
Der Besuch im Divan gestern abend hat es nicht so gebracht. Wir waren
zwar auch zu früh da, aber da war eine Livesängerin, die zwar sehr
schön gesungen hat, aber das war keine passende Partymusik sondern
deprimierte einen auf Dauer eher. Daher sind wir letzlich im Bivalent
gelandet wo ich von einem Bekannten zur Tanzfläche mitgeschleift
wurde und mich dann auch mal in der Richtung etwas ausprobieren konnte
bzw. musste. Im Gegensatz zur Party letzte Woche, wo ich mehr oder
weniger steif rumstand, ging es diesmal schon besser. Ich brauche nur
Leute mit starker Persönlichkeit, die mich (physisch) dazu zwingen.
Bevor ich zu Bernd und Sven losfuhr, hatte ich endlich Florian im ICQ
angetroffen. Ich habe ihn aber nicht auf meine Verliebtheit angesprochen,
sondern nur belangloses (was ich so gemacht habe, was er so macht, wie
es zeitlich nächste Woche aussieht etc.) angesprochen. Immerhin schön
mit ihm gechattet zu haben.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 25. Oktober 2004
Ich habe nochmal mit mehreren Leuten darüber geredet, wie ich mich Florian
gegenüber am besten verhalte. Bernd empfahl mir, auf meinen Bauch zu
hören und das erste zu tun, was mir einfällt, was ich tun möchte.
Das ist definitiv, ihm zu sagen was ich fühle. Mir ist durch Bernd auch
klargeworden, dass ich nicht ewig damit leben und mich verrückt machen kann.
Ein Kommilitone fragte noch, ob ich einnehmend sei. Keine Ahnung... kann
höchstens in den letzten Tagen gewesen sein, dass ich Florian etwas genervt
habe mit meinen Nachfragen, wann er Zeit hat.
Nachdem Florian dann per SMS mitteilte, dass er erst Samstag Zeit haben wird
(da hatten wir uns ja ohnehin schon zur Party verabredet), habe ich heute
abend dann einfach mal einer spontanen Bauchidee Folge geleistet und
folgende SMS geschrieben:
"Bitte entschuldige falls ich dir in den letzten Tagen lästig gewesen sein
sollte. Bei mir geht momentan gefühlsmäßig einiges drunter und drüber und
zeitweise gehts mir eher dreckig... wenn wir mal Zeit finden für ein 4 Augen
Treffen mehr dazu. Vielleicht klappt es ja Sa, wenn es bei dir eher nicht
geht?"
Bislang leider noch keine Antwort auf die SMS. Ich bin gespannt, ob er
antwortet. Wenn er auch nur ein freundschaftliches Interesse an mir hat,
sollte er schon irgendeine Antwort auf so eine SMS schreiben.
Ich hoffe, dass er neugierig wird und grübelt, was ich meinen könnte.
Dann wird er es auch schneller und leichter zu einem Treffen kommen lassen.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 27. Oktober 2004
Später abends am 25.10. hatte Florian noch auf die SMS geantwortet:
"Hey du bist mir doch nicht lästig, ich habe in der woche nur einfach immer
viel um die ohren neben Arbeit auch noch Nachhilfe, zu hause viele sachen
erledigen und dann noch Cisco, da habe ich leider nicht mehr so viel
freizeit über. wir sehen uns aber auf jeden Fall Samstag! Gruß Florian"
Gestern abend kam dann noch folgende SMS hinterher:
"Ich hoffe aber stark, dass es dir nicht wegen mir schlecht geht...
Gruß und bis Samstag!"
Ich habe also zumindest das Ziel erreicht, dass er über meinen Text
nachgedacht und sich Sorgen gemacht hat. Schade nur, dass er hofft, dass
es mir nicht wegen ihm schlecht geht. Okay, ansich ist das nachvollziehbar,
aber er könnte ja drauf kommen, was dahintersteckt und sich darüber freuen.
Sven meinte auch, dass sich das nicht danach anhört, als ob er die
Gefühle erwidern würde. Julian meinte aber heute in der FH, dass er wenn er
wenig Zeit hat eine innere Sperre aufbaut, sich nicht zu verlieben, auch
wenn er das unter normalen Umständen tun würde. Das könnte bei Florian ja
auch der Fall sein. Insofern bin ich gespannt, was das Gespräch Samstag
ergeben wird und was die Zukunft dann bringt.
Heute habe ich auf der Webseite vom Dersa Kino Damme gesehen, dass Sommersturm
am Wochenende noch läuft. Mit Florian habe ich mich jetzt für 17 Uhr am
Samstag für den Film verabredet. Ich bin schon ganz heiß drauf, ihn noch
ein drittes Mal zu sehen, vor allem weil ich momentan ständig die Filmmusik
dazu anhöre.
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Tagebucheintrag vom 28. Oktober 2004
Heute habe ich per ICQ mit Florian noch die Details abgeklärt: Wir werden
uns Samstag in Damme am Kino treffen und danach zu mir fahren. Nachts
gehts dann zur Party. Vorher aber ein klärendes Gespräch... Mir gehen
verschiedene Möglichkeiten durch den Kopf. Wie wird er reagieren?
Ist er einfach nur noch nicht soweit, oder schließt er eine Beziehung
mit mit ganz aus? So wie Jan, der auch meinte, mich nicht lieben
zu können? Die schönste Überraschung wäre, wenn er (vielleicht
durch meine Andeutungen aufgerüttelt) Samstag merken würde, dass es
ihm im Grunde nicht anders geht als mir und wir zusammen kämen.
Gerade habe ich den Film "trick!" gesehen, den ich von Florian
bekommen hatte. Ein sehr schöner Film, der mich aber auch wieder
ziemlich runtergebracht hat gefühlsmäßig. Ob ich mich traue, so
wie dort der eine Junge dem anderen im Imbiss die eine Hand auf
die andere legte, im Kino an meiner Lieblingsstelle Florians Hand
zu nehmen? Immerhin noch vor unserer Aussprache...
Naja, ich werde all meine romantischen Gedanken jetzt erstmal mit
ins Bett nehmen und ihnen vorm Einschlafen noch ein wenig
nachhängen... und vielleicht ja von ihm träumen...?
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 29. Oktober 2004
Jan hat mich auf einen Artikel bei Spiegel Online hingewiesen, in
dem es um die Problematik Homosexualität beim Profifußball geht. Es
ist wohl für Profifußballer nicht möglich, sich zu outen, ohne
übles erleiden zu müssen. Bislang hat es in Deutschland keiner gewagt.
Liest sich ziemlich düster, ich hoffe dass es da bald Besserung geben
wird. Einer muss mal den Anfang machen...
Bei einem Waldspaziergang habe ich mir schonmal Gedanken zu morgen
gemacht: verschiedene Gesprächsteile und Möglichkeiten durchgespielt
und Worte überlegt, und natürlich Wunschgedanken gehabt, was im
idealsten Fall passieren könnte (z.B. Florian küsst mich und wir haben
einen schönen kuscheligen Abend, kommen möglicherweise zusammen).
Aber ich fürchte, dass es wohl eher so sein wird, dass er zwar
Verständnis und "Mitleid" für mich hat, aber meine Gefühle (noch?)
nicht erwidern kann.
[/Tagebuch-2004-10]
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Tagebucheintrag vom 30. Oktober 2004
"Du bist so ein lieber Kerl!" - so oder so ähnlich hat sich Florian
vorhin mit süßer Stimme von mir verabschiedet. Das macht auf jeden
Fall Hoffnung, auch wenn er nach eigener Aussage derzeit keine Liebe
für mich fühlt. Aber fangen wir mal vorne an:
Im Film "Sommersturm" waren wir zuerst ganz alleine, dann kam noch
eine Gruppe von drei oder vier Leuten dazu, sonst aber niemand mehr.
Florian hat es genauso gut gefallen wie mir, ich hätte nicht zuviel
versprochen, meinte er. Mir flossen an der bekannten Stelle und auch an
einer anderen wieder die Tränen, mein Gesicht war richtig nass heute...
das wird bei jedem Mal Gucken heftiger. Und dann noch mit Florian neben
mir... Während des Films hatten wir häufig die Schultern aneinander
gelehnt, weil wir uns zu Kommentaren einander zubeugten und dann die
Schultern so ließen. Für Hände/Arme gab es keine so rechte Gelegenheit,
wegen der Beschaffenheit der Sitze dort.
Zuhause angekommen haben wir uns dann Pizzen in den Ofen geschoben,
Tee gekocht, noch kurz ein paar Worte mit Mama gewechselt, die gerade
von der Kirche heimkam, und sind dann nach oben ins Wohnzimmer gegangen.
Nach dem Essen kam dann die Unterhaltung so langsam auf das heikle
Thema. Florian hatte wie vermutet schon gemerkt, was mit mir los ist und
meinte, das sei eine seltame Situation für ihn, zumal er das auch genau
andersrum nur zu gut kennen würde. Er würde aber derzeit nichts tieferes
für mich empfinden, und das kann man ja auch nicht erzwingen. Immerhin
hat er glücklicherweise kein Problem damit, wenn ich mich an ihn kuschele
oder ihn drücke - ist ja in der Szene ohnehin ziemlich Gang und Gäbe,
und er ist da recht offen und nicht kontaktscheu. Wir sind dann so
verblieben, dass wir einfach versuchen, wie bisher weiterzumachen, und
mal abwarten, ob sich bei ihm auch noch was entwickelt. Nur wenn er
aus irgendeinem Grund mal der Meinung sein sollte, dass er sich sicherlich
nicht in mich verlieben könnte (ähnlich wie bei Jan), wird er es mir
sagen, damit ich mir keine weiteren Hoffnungen machen muss.< |