Marcs Coming Out Tagebuch (Druckansicht)

Coming Out Tagebuch - Einleitung

Dieser ein wenig in Tagebuchform aufbereitete Text schildert meine Erlebnisse, Gedanken und Gefühle angefangen vom ersten prägenden und für den Weg zum Coming Out wichtigen Ereignis im Frühjahr 2001 bis heute. Ich habe das alles aufgeschrieben, weil ich es für mich selbst wichtig und interessant finde und nicht vergessen möchte. Da ich selbst ähnliche Texte anderer Leute teilweise regelrecht verschlungen habe, möchte ich meine Erfahrungen gerne über das Internet anderen zugänglich machen, für den Fall dass sich jemand dafür interessiert und es vielleicht auch beim eigenen Coming Out hilft.

Den ersten Teil dieses Tagebuchs habe ich nachträglich aufgeschrieben, daher sind die Daten nur ungefähre Werte und die Texte nur eher sachliche Zusammenfassungen aus dem Gedächtnis. Ab August 2004 wird die Schilderung dann tageweise mit mehr Einzelheiten fortgesetzt und ab September 2004 fließen auch meine jeweiligen Gefühle und Gedanken mehr mit ein, da ich die Einträge täglich bzw. 1-2 Tage im Nachhinein schreibe, das also noch alles frisch ist.

Die Namen in dieser veröffentlichten Fassung wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte Anderer größtenteils geändert.

Kontakt: marc@rosa-panther.de


Coming Out Tagebuch - Vorgeschichte (Frühjahr 2001 bis August 2004)

Frühjahr 2001

Alles fing damit an, dass ich mit Andreas telefonierte, den ich über Diskussionen in Newsgroups kennengelernt hatte, und er mir erzählte, dass sich vier andere, aus dem Usenet bekannte (und ihm teilweise persönlich schon bekannte) Leute in Bielefeld treffen wollten. Da ich in einem Dorf in der Nähe von Osnabrück wohne, und man in 45-60 Minuten nach Bielefeld fahren kann, bot sich das an, mal ein paar Leute persönlich kennenzulernen, und so fragte ich per Mail nach, ob ich auch kommen dürfte.

Schon im Vorhinein wurde dann vorgeschlagen, ins "Magnus" in Bielefeld zu gehen, ob ich damit ein Problem hätte. Wie ich von einer Arbeitskollegin, die in Bielefeld wohnt, erfuhr, handelt es sich dabei um eine schwul-lesbische Kneipe. Sie war aber auch schon dortgewesen und meinte, da könnte man beruhigt auch als Hetero hingehen.

So kam es dann, dass ich am vereinbarten Termin nach Bielefeld fuhr. Wir trafen uns zuerst im Zimmer von Nils, der seinen Zivildienst bei Bethel ableistete und dort auch im Wohnheim ein Zimmer hatte. Nachdem alle da waren, fuhren wir dann ein Stück im Auto und gingen dann zu Fuß zum Magnus. Wir, das waren Nils (etwa so alt wie ich, 21 oder 22), sein Freund Markus (1-2 Jahre älter), Tobias (18 oder 19) und Thomas (wohl so um die 30).

Im Magnus ergatterten wir den einzigen noch freien Tisch, und warum er noch frei war, merkten wir kurz danach: Es wurde dort die Lindenstraße auf einem Fernseher oder einer Leinwand direkt über unserem Tisch gezeigt. Da wir die eh nicht gucken wollten, war das für uns egal, nur dass halt quasi alle über uns auf die laufende Sendung schauten... Wir haben uns aber trotzdem in der Zeit weiter unterhalten.

Im Laufe des Treffens (vor allem im Magnus als Szenekneipe) kam es natürlich auch zu Zärtlichkeiten zwischen Nils und Markus. Während wir anderen drei uns weiter unterhielten, lehnten die beiden sich schonmal aneinander, küssten sich etc. Das war das erste Mal, dass ich live und bei Jungen in meinem Alter homosexuelle Zärtlichkeit sah. Ich musste etwas grinsen bzw. lächeln darüber, aber später auf der Heimfahrt im Auto, als ich alleine über das Erlebte grübeln konnte, merkte ich, dass es einen starken Eindruck in mir hinterlassen hatte. Ich konnte das erst nicht so festmachen, aber es war eine Art beschwingtes Gefühl, eine sehr schöne Erinnerung, die mich nicht wieder loslassen wollte. Und ich merkte noch etwas anderes: Dass ich Nils eigentlich ganz süß gefunden hatte.

Als ich Andreas von dem Treffen erzählte, sagte ich das so natürlich nicht, sondern meinte, dass die beiden super nett seien und es ein toller Abend gewesen wäre. Im Stillen fand ich das Pärchen aber noch besser als nur super nett. Zu dem Zeitpunkt hätte ich aber mit niemandem darüber reden können, ich musste mir erst einmal selbst über meine Gefühle klar werden.

In den folgenden Wochen und Monaten lag ich viele Abende vor dem Einschlafen grübelnd im Bett und überlegte, ob ich schwul sein könnte. Ich legte mir Argumente zurecht, die dafür sprachen, und fand keine, die dagegen sprachen. Ich informierte mich im Internet über Coming Out und wie andere das bei sich entdeckt hatten. Ich beobachtete mich selbst und merkte, dass ich mir manche Teenieserien im Fernsehen hauptsächlich wegen der mitspielenden Jungs anschaute und die teilweise süß fand. Und dass mich Mädels in dieser Hinsicht eigentlich nicht interessierten.

Trotz allem blieb der Gedanke "Bin ich wirklich schwul oder möchte ich es vielleicht nur sein, weil ich diese Begegnung mit Nils und Markus so toll fand"? Ich kam mehr und mehr zu dem Schluss, dass ich vermutlich schwul bin, aber wollte mir das noch offen halten und überlegte mir, dass ich einfach mal abwarte, bis ich mich in jemanden verliebe, und dann gucke, ob es Mädchen oder Junge ist. Dann gab es da auch noch die Dawsons Creek Folge, in der Jack plötzlich sagte, er sei schwul. Er hatte vorher aber mit Joey geschlafen oder das zumindest vorbereitet (ich habe die Folge nicht mehr so genau in Erinnerung). Ich weiß noch gut, dass ich mir dachte "wie kann er sagen, dass er schwul ist, wenn es da keinen Freund gibt, den er liebt, und sogar was mit einem Mädel hatte". Ersteres kann ich aus heutiger Sicht (geschrieben im September 2004) besser nachvollziehen, letzteres werde ich wohl nie verstehen können, da es in meinem Leben nie eine Freundin gab.

Irgendwann 2001 oder 2002

Ich hatte die Seite www.gaystation.de entdeckt, kannte den Betreiber (Nickname "Keks") auch aus dem Usenet, und fragte ihn per Mail unter Schilderung meiner Gedanken und Gefühle, ob ich schwul sein könnte. Nach längerer Zeit fragte ich nochmal nach, weil er nicht geantwortet hatte, und er meinte, er hätte sehr viele solcher Mails zu beantworten, würde mir gerne ausführlich antworten, und das könnte noch Monate dauern. Spätere Nachfragen bis ins Jahr 2003 hinein führten immer wieder zu ähnlichen Aussagen.

Januar 2003

Meine Ausbildung zum Fachinformatiker endete (nach wegen guter Leistungen um ein halbes Jahr vorgezogener Prüfung). Ich wurde zunächst befristet bis Ende 2003 weiter beschäftigt, aber das mir bekannt war, dass die finanzielle Lage der Firma nicht so gut war (daher auch die befristete Anstellung), hatte ich schon den Gedanken gefasst, zum Wintersemester dann ein Studium der Technischen Informatik an der FH Osnabrück anzufangen. Ich hatte die Zusage, dass mein Vertrag dann im September in einen Studentenvertrag umgewandelt werden könne und ich als Student wohl auch problemlos über das Jahresende hinaus weiterbeschäftigt werden könne (400 Euro Basis).

September 2003

Ich hatte mich also um den Studienplatz beworben und war angenommen worden (wegen Wartesemester durch Zivildienst/Ausbildung; mein Abischnitt war leider nicht so gut). Mitte September startete eine Studienvorbereitungswoche für Erstsemester. Programm: Viel Mathe zur Wiederholung (ich war ja auch schon eine Weile aus der Schule raus, war zu dem Zeitpunkt 23 Jahre alt) und (das interessierte mich mehr) Informationsveranstaltungen zum Studiumsorganisation, Führungen durch die FH, Einführung in die Bibliothek etc. An manchen Veranstaltungen (z.B. "Studieren im Ausland") habe ich nicht teilgenommen.

Olaf, ein Mitschüler aus der Berufsschule, wollte das selbe Fach studieren, musste aber noch arbeiten und konnte an der Vorbereitungswoche nicht teilnehmen. Also kam ich da allein hin und kannte erst einmal niemanden. Ein Teil des Programms sah jeden Tag gleich aus: Es begann morgens mit Mathe-Vorlesungen, und Mittags/Nachmittags schlossen sich Tutorien an, in denen Mathe-Übungsaufgaben gerechnet wurden, aber auch von den Tutoren (Studenten aus höheren Semestern) Fragen beantwortet und Interessantes erzählt wurde. Ich setzte mich eigentlich immer an dieselben Plätze, und ab dem zweiten Tag hatte ich auch immer den selben Kommilitonen neben mir sitzen (er hieß Ulf), mit dem ich ins Gespräch kam und dann auch die Aufgaben im Tutorium zusammen rechnete. In der Mitte der Woche fragte ich ihn dann auch einfach mal nach seiner Mailadresse und Handynummer, für den Fall, dass man mal irgendwas verabreden wollte oder Hilfe bei den Aufgaben brauchte (teilweise war auch zuhause noch was zu rechnen). Wir schrieben uns dann auch einige Mails hin und her, und ich merkte plötzlich, dass ich tierische Herzklopfen bekam, wenn ich eine Mail von ihm bekam, und dass ich mich freute, in der FH mit ihm zusammenzusein. Ich deutete meine Gefühle und Reaktionen mit der Zeit zurecht so, dass ich mich wohl in ihn etwas verliebt hatte, und damit verdichteten sich auch die Zeichen, dass ich wohl schwul sei.

Nun musste ich natürlich zuerst einmal herausfinden, ob er schwul ist oder nicht. Ich bin nicht der Typ, der solche Gefühle ewig für sich behalten kann, denn ich hätte dann die Angst, dass er vielleicht genauso empfindet und wir uns nie gegenseitig offenbaren... Also fragte ich per Mail wiederum bei "Keks" nach, der mir immer noch nicht auf meine nun schon zwei Jahre zurückliegende Mail geantwortet hatte, und meinte, dass es nun wohl ziemlich sicher sei, dass ich schwul sei, und wie ich denn das bei ihm herausfinde. Ob ich fragen sollte, ob er ne Freundin hat - und was wenn er einfach "nein" sagt? Okay, so richtig helfen konnte mir Keks auch nicht, nur insofern, dass ich nicht scherzhaft "oder nen Freund?" fragen soll, sondern ernsthaft, damit er sich nicht veralbert fühlt und deswegen die Unwahrheit sagt.

Es war aber schwierig, in der FH mit Ulf mal allein zu sein, bzw. wenn dann war es der Weg zum Parkplatz, und er erzählte andere Dinge, so dass es schwierig war, das Thema entsprechend auf so etwas zu lenken. Nachdem wir in der ersten oder zweiten Studienwoche unsere Zugänge für das EDV-Schulungszentrum der FH erhalten hatten, konnten wir uns da auch von zuhause auf den Unix-Maschinen einloggen. Ich zeigte Ulf dann Befehle, mit denen wir quasi chatten konnten, wenn wir beide auf demselben Rechner eingeloggt waren, und so einen Chat nutzte ich dann, um mal vorsichtig das heikle Thema anzuschneiden. Zuerst schrieb ich ihm, dass mir aufgefallen war, dass er häufig sowas wie "diese schwule Matheaufgabe" sagte, und fragte, ob er was gegen Schwule hätte. Das verneinte er und schrieb zurück, er würde mehrere Schwule kennen, das sei kein Problem für ihn. Ich weiß nicht, ob ich noch was schrieb, oder ob er dann gleich fragte: "Hast Du Gefühle für andere Männer?". Nun schrieb ich, dass das wohl der Fall sei, und meinte auch vorsichtig, dass da für ihn auch wohl Gefühle seien.

Zu diesem Zeitpunkt muss mein Herz zum Zerbersten geklopft haben. Ich wusste nicht, wie er reagieren würde. Meine schlimmsten Befürchtungen: er könnte sich von mir angeekelt abkehren, nichts mehr mit mir zutun haben wollen. Oder gar anderen davon erzählen.

Aber er reagierte sehr positiv: Er sei zwar 100% hetero, aber er hätte kein Problem mit meinen Gefühlen für ihn.

Es änderte sich dann auch absolut nichts an unserem Verhalten einander gegenüber, nur dass er mich, als wir mal allein waren, nochmal auf meine "Neigungen" (so drückt er sich immer gerne aus...) ansprach und wielange ich das schon wüsste und so.

November 2003

Das Studium ging nun erstmal seinen normalen Lauf und ich war nur am Überlegen, ob ich anderen davon erzählen sollte. Ulf zog im November mit anderen Kommilitonen in einer WG in Osnabrück zusammen. Stefan, einer von den beiden studierte auch mit uns technische Informatik, und wir redeten häufig miteinander, und ich schaute mir deren WG mal beim Renovieren und Einziehen an. Als ich einmal mit Stefan zum Auto ging, um mit ihm zu der Wohnung zu fahren, begegneten wir noch in der FH auf der Treppe einem Mädel, und Stefan sagte was über die, ich hatte aber überhaupt nichts mitbekommen. Da mokierte er sich darüber, und meinte, ich hätte wohl immer nur Computer im Kopf und mit was für einem Problem ich gerade beschäftigt wieder beschäftigt gewesen wäre. Ich war nahe daran, mich in dem Moment bei ihm zu Outen, aber habe es dann doch nicht gewagt.

Als ich Ulf später davon erzählte, meinte er, er würde es Stefan nicht sagen, aber ich müsste das natürlich selbst wissen. Warum er es nicht tun würde, konnte er auch nicht sagen. Aber es war schon bei Stefan auch die Angst, dass er es (wenn auch aus Versehen) weitererzählen könnte bzw. mich unüberlegt im Beisein von anderen darauf ansprechen könnte. Daher habe ich es dann doch erstmal gelassen.

Dezember 2003

Über Weihnachten und Neujahr war Vorlesungsfrei. Ich begann für die im Januar anstehenden Klausuren zu lernen. Hin und wieder schrieb ich mir Mails mit Ulf, und Ulf und Stefan riefen mich unabhängig voneinander an Sylvester nachts an, allerdings schon ziemlich betrunken. Zumindest Ulf wusste davon nachher nichts mehr.

Wie ich so zuhause an langen Winterabenden über meinen Unterlagen hockte und lernte, merkte ich, dass ich Ulf ziemlich vermisste. Und mir wurde auch klar, dass ich mir Nähe und Zärtlichkeit von ihm wünschte, die ich aber nie bekommen könnte. Vielleicht war es ganz gut, dass er keine Freundin hätte, sonst wär ich noch eifersüchtig geworden...

Januar 2004

Im Januar gab es dann noch eine Vorlesungswoche, und mir wurde auch da bewusst, wie gut es mir tat, im Hörsaal dann wieder neben ihm zu sitzen, wenn ich ihn auch nicht berühren konnte, aber man sitzt schon relativ dicht nebeneinander da.

So um den 12. Januar herum waren dann die Vorlesungen endgültig vorbei, es folgen bis Ende Januar Klausuren und dann standen bis Ende Februar Semesterferien an.

Ich saß nun hauptsächlich zuhause am Lernen, und merkte immer mehr meinen Liebeskummer. Wie sehr ich doch in Ulf verschossen war, und wie mir klarwurde, dass er mir nie das geben könnte, was ich gerne hätte. An Abenden, wenn ich lernen musste und eigentlich nicht wollte, wurde das am Schlimmsten, vor allem dann, wenn Ulf nicht zum Chatten online war, sondern mit Kumpels irgendwas unternahm.

Ich begann nun mit verschiedenen Kompensationsmethoden. Zum Einen wälzte ich Kontaktanzeigen im Internet und setzte mich mit Nico aus einem Nachbarort auf dem halben Weg zwischen hier und Osnabrück in Verbindung. Beim Treffen merkte ich sofort, dass er nichts für mich war, aber wir haben uns nett unterhalten und er hatte auch vor, eine Gruppe für Schwule zu gründen. Ich wollte andere kennenlernen und so vielleicht einen Freund finden. Von den bestehenden Gruppen und Organisationen riet er mir mehr oder weniger ab.

Zum anderen erzählte ich Bernd, einem ehemaligen Arbeitskollegen, von dem ich wusste, dass er schwul ist und mit Sven, seinem Freund, zusammenlebt, davon, dass ich wohl schwul sei. Er fragte gleich in wen ich mich verliebt habe (war ihm wohl klar, dass das der Fall sein müsste) und bot mir dann an, dass wir uns mal treffen und unterhalten.

Das war ein sehr netter Abend mit Bernd und Sven. Zu dem Zeitpunkt ging es mir immer noch so, dass ich zwar verliebt war, aber doch irgendwie nicht so richtig für mich akzeptiert hatte, schwul zu sein. Die 100%ige Sicherheit fehlte dann doch irgendwie noch. Bernd und Sven gaben mir aber einen Coming Out Roman mit, und als ich den las, und ich das alles so gut nachvollziehen konnte, und zum Ersten mal bei Schilderungen von sexuellen Handlungen nicht angeekelt war, sondern selbst erregt wurde (eben weil es in diesem Fall zwei Jungs waren...), habe ich dann diese endgültige Gewissheit doch endlich erlangt.

Nun hatte ich so ein Buch zuhause, habe im Internet über Homosexualität gelesen, und immer waren meine Eltern um mich herum. Außerdem musste ich über meine Gefühle sprechen, und so entschloss ich mich zum Coming Out weiteren Personen gegenüber. Zunächst eines einsamen Abends Olaf, den ich ja schon seit der Berufsschule kannte und dachte, dass ich ihm problemlos davon erzählen könnte. Er war in ICQ online, und ich fragte also, wie man am besten mit Liebeskummer umgeht, ob er da Erfahrungen habe (ich wusste, dass er eine Freundin hatte und auch vorher schon andere hatte. Außerdem war er noch ein Jahr älter als ich). Und ich schrieb ihm dann auch, dass ich mich wohl in Ulf verliebt hätte, und gleich dazu "nicht lachen!". Seine Antwort war dann, dass er bestimmt nicht darüber lachen würde, und wir haben noch sehr nett bis weit nach 3 Uhr nachts gechattet. Es hatte mir auf jeden Fall etwas geholfen, darüber reden zu können.

Am nächsten oder übernächsten Tag folgten dann meine Eltern. Ich wollte es beiden zusammen erzählen, weil ich bei meiner Mutter etwas Angst hätte, sie könne das vielleicht nicht akzeptieren/verstehen, während ich bei meinem Vater sicher war, dass er kein Problem damit hätte. Da war also die Hoffnung, dass er mich dann ihr gegenüber unterstützen könnte. Die beste Möglichkeit, beide zusammen zu erwischen ohne zu stören (sonst sitzen sie dann beim Fernsehen oder so, das ist auch ätzend) war beim Mittagessen. Erst versuchte ich es an einem Samstag, da waren aber nur andere Themen und ich kam nicht so recht damit zu Wort. Am folgenden Sonntag dann klappte es. Meine Eröffnung, ich müsse mal über was mit den beiden reden, verschaffte mir schon die nötige Aufmerksamkeit, und auf meine Eröffnung, dass ich denke, dass ich schwul sei, kam dann von meiner Mutter ein völlig unerwartete Reaktion: ein "Ach" in einem Tonfall, der sich nach "das ist doch nun absolut unwichtig" anhörte. Im weiteren Gespräch erfuhr ich dann aber, dass sie es etwas anders meinte: Sie habe selbst, als die so etwa 16 war, mal eine Freundin geliebt, und das sei normal und nur eine Phase.

Ich wies aber darauf hin, dass ich schon 24 sei, das schon ein paar Jahre von mir glaubte, und jetzt auch verliebt sei und Liebeskummer habe. Das konnten meine Eltern dann aber irgendwie nicht so recht ernst nehmen. Also das waren sicher nicht die Gesprächspartner, die ich brauchte! Aber ich erzählte trotzdem unter Tränen von meinen Gefühlen und so langsam wurden sie doch stiller und bedenklicher. In den nächsten Wochen merkte ich, dass meine Mutter immer ziemlich still wurde wenn ich das Thema ansprach. Ich mochte ihr schon nichts mehr dazu erzählen, weil ich merkte, dass sie sich sehr schwer damit tat und nichts so recht dazu sagte und berührt wegguckte, so als ob man über was unangenehmes redete.

Sie hatte natürlich auch die typischen Elternsorgen, wegen Aids und so, wie ich später erfuhr. Und sie konnte sich auch einfach nicht so recht ein Bild davon machen, was es heißt, schwul zu sein, weil sie genauso wie ich vorher noch nie damit in Berührung gekommen war. Wäre sie aufgeklärter und offener gewesen, hätte ich da ja vielleicht auch mal eher was von mitgekriegt und meine Gefühle besser erkennen können. So aber bin ich ziemlich konservativ aufgewachsen, in der Schule wurde das Thema nicht behandelt, und ich interessierte mich auch eigenlich nie für irgendwelche Jugendzeitschriften, in denn Aufklärung betrieben wurde, so dass ich ein völlig falschens Bild von Homosexualität hatte (und meine Mutter wohl auch). Ich erkannte, dass ich schon lange Jahre Jungs interessiert angeguckt hatte, aber ich hatte das nie offen für mich zu gelassen, mein Unterbewusstsein hat so etwas schon im Keim erstickt, nach dem Motto "das ist nicht richtig, das darf man nicht".

Ein paar Tage nach dem Coming Out den Eltern gegenüber erzählte ich es dann auch meiner Schwester. Das ging ganz einfach - sie wohnt in einer anderen Stadt und wir telefonieren häufiger mal - indem ich nur fragte "Kannst Du Dir vorstellen, dass ich schwul bin?". Sie wusste nicht so recht, meinte sie würde sowas eh nie merken. Und so erzählte ich dann halt meine Erlebnisse, auch wie unsere Eltern reagiert hatten. Das ist immer gut unter Geschwistern, sich über die Eltern lustig zu machen oder zu lästern.

Meinem Bruder (lebt mit Frau und Kind in München) haben meine Eltern es ein paar Wochen oder Monate später mal erzählt, als sie dort waren. Interessierte ihn aber nicht sonderlich, er hat mich seitdem auch nicht einmal drauf angesprochen, obwohl wir ein oder zweimal telefoniert haben.

In der Verwandschaft und sonst hier im Ort habe ich nichts verlauten lassen, und auch meine Eltern und Geschwister nicht. Das würde sich hier schnell rumsprechen, und da ich in der kath. Kirchengemeinde als Organist aktiv bin, wäre mir das unangenehm gewesen.

Februar 2004

Ich hatte noch eine andere Kontaktanzeige gefunden, ein Tom aus Wallenhorst (auch ein Ort hier in der Nähe). Nico meinte, der würde es nie zu einem Treffen kommen lassen, er hätte es schon ein paarmal versucht. Im letzten Moment müsste Tom dann arbeiten oder sonstwas. Trotzdem hat es bei mir geklappt, und ich fand Tom sehr nett und auch eigentlich ganz süß. Als ich dann aber versuchte, ihn in den nächsten Tagen anzurufen, um ein nächstes Treffen zu vereinbaren, lehnte er die Anrufe immer ab oder hatte das Handy aus. Irgendwann schickte er mir dann eine SMS, dass ich zwar ganz nett sei, aber nicht sein Typ und ihn bitte in Ruhe lassen sollte. Er war leider zu feige gewesen, mir das direkt zu sagen, sondern hatte an dem Abend so geklungen, als ob er sich gerne mit mir wiedertreffen würde.

Mitte Februar ging ich dann mit Sven, Bernd und Nico in den Film "Was nützt die Liebe in Gedanken". Nicht nur dass August Diehl und Daniel Brühl sehr süß sind, ging es in dem Film auch um Bi- und Homosexualität, wenn auch mit bitterem Ausgang (Selbstmord bzw. Mord der meisten Hauptpersonen).

Dann hatte ich auch noch mal Ulf besucht, und insgeheim gehofft, ihn vielleicht irgendwie umarmen zu können oder mich an ihn lehnen zu können... außerdem wollte ich über meine Gefühle sprechen. Leider wurde ich da ziemlich enttäuscht. Sobald ich das Thema ansprach, wechselte er schnell das Thema, auch wenn er nachher behauptete, das sei ihm garnicht bewusst gewesen. Und irgendwelchen Körperkontakt wollte er auch nicht. Zudem musste er nach etwas über einer Stunde plötzlich wohin und einen Computer einrichten. Dafür war ich extra zu ihm gefahren... ich komme mir im Nachhinein ziemlich albern vor, aber ich hatte es damals echt nötig, ihn zu sehen, und kann auch verstehen, dass ihm die ganze Situation vielleicht etwas unangenehm war.

März 2004

Im März ging dann endlich das Studium wieder los und ich sah ihn und die ganzen anderen netten Kommilitonen wieder. Außerdem wollten Nico und ich nun unsere Gruppe ("Rosa Panther - Stammtisch für schwule und bisexuelle Osnabrücker") gründen. Ich hängte Plakete an den schwarzen Brettern in Uni und FH aus und schrieb auch anonym in unser Studentenforum im Internet. Da aber die Domain rosa-panther.de auf meinen Namen registriert war, musste ich damit rechnen, dass jemand rauskriegt, dass ich dahinter stecke und mich darauf anspricht. Eigentlich fand ich das aber sogar ganz lustig und hoffte dann schon, dass es jemand rauskriegt. Über die Reaktionen war ich sowieso gespannt.

Eines Morgens vor der Physikvorlesung dann sprach mich ein Kommilitone auf das Posting im Forum an. Ob ich das unter anderer Identität gewesen sei? Ich sagte dann so ungefähr "ja, wie haste das rausgekriegt?" Er grinste und meinte, ob ich das nicht mal löschen wolle, oder ein Forum "Kontaktanzeigen" aufmachen wollte. Ich musste dann kurz mit einem anderen sprechen, der nach mir rief, und ging dann zu ihm zurück. Fragte noch einmal wie er das rausgekriegt hätte, ob er gesehen hätte, dass die Domain auf meinen Namen angemeldet sei. Da schaute er mich erst verständnislos an und meinte dann "was, Du warst das WIRKLICH?"

Die Vorlesung begann dann. Wie ich später erfuhr, war er dann bzw. danach erstmal zu ein paar anderen gegangen und hatte gesagt "oh je, ich bin da gerade in ein Fettnäpchen getreten" und die Geschichte brühwarm erzählt. Naja, was besseres konnte mir eigentlich kaum passieren: so hatte ich mich eher unabsichtlich geoutet und konnte darauf spekulieren, dass sich das schon von selbst rumsprechen würde, ohne dass ich es sonst noch groß jemandem sagen müsste.

Beim Mittagessen in der Mensa am selben Tag sprach mich dann noch jemand auf das Schwulentreffen an, weil er gedacht hätte, ich würde davon erzählen (war aber nicht der Fall gewesen). Er meinte dann noch so "ich wüsste ja echt gerne, wer das ist". Als ich antwortete, ich wüsste wohl, wer das sei, ließ er keine Ruhe bis ich es ihm sagte: "er geht gerade hinter Dir" (wir gingen gerade mit unseren Tabletts zum Ausgang). Er drehte sich um, guckte mich erschreckt an, zuckte ein wenig zurück. Auf mein "ich tu Dir schon nichts" meinte er "da hab ich auch keine Angst vor", und damit war das Thema dann auch erledigt.

Bei den ersten Rosa Panther Treffen kam natürlich außer Nico und mir keiner. Er meinte, man müsse langen Atem haben.

Ich hatte auch an das AStA-Schwulenreferat der Uni Osnabrück geschrieben, ob sie in der Uni und in einer AStA-Zeitschrift für uns Werbung machen könnten. Ich konnte mich dann auch mal dazu aufraffen, zu einem Frühstück zu gehen, das die alle zwei Wochen veranstalten. Dort habe ich einige nette Leute kennengelernt, wenn auch keiner von denen Donnerstags Zeit hat, wegen Fußballtraining und so. Nun kenne ich aber auch Josef von der Aidshilfe Osnabrück, mit dem ich wegen Werbung / Flyer auslegen auch schon gemailt hatte.

Von Bernd hatte ich mich dazu überreden lassen, die Gay in May Webseite (http://www.gayinmay.de) zu übernehmen. Früher hatte er das gemacht, und dann an Dee übergeben, die zwar Designerin ist, aber vom Internet keine Ahnung hat und damit überfordert war. Ich habe mich einmal mit Dee getroffen und sie hat mir dann Bilder, Designvorlagen und Texte zukommen lassen, so dass ich die Webseite für die diesjährigen Veranstaltungen fertig machen konnte.

31. März 2004

Am 1.4. hat Ulf Geburtstag. Wir hatten uns am Vorabend zum Doppelkopfspielen getroffen, dabei war außer Olaf noch Julian, dem wir das glaube ich an dem Abend oder eine Woche vorher beigebracht hatten. Wir spielten dann bis nach Mitternacht, um dann noch gratulieren zu können. Den Abend über kamen wir mehrmals auf etwas schlüpfrige Themen, ich hielt mich aber noch zurück (wusste nicht, ob Julian schon was vom Outing gehört hatte). Irgendwann fragte er dann in der Runde, wer ne Freundin hätte und klagte, dass er keine habe. Als die Runde an mich kam, sagte ich dann "nein, keine Freundin, aber muss auch nicht sein, ich hätte da eher gerne was anderes" oder so ähnlich. Seine Reaktion, recht unerwartet: "Also doch!". Es stellte sich dann heraus, dass er natürlich schon von dem "Fettnäpfchen" des Kommilitonen gehört hatte, aber es von mir aus erster Hand hatte erfahren wollen. Er hatte wohl auch den ganzen Abend schon Andeutungen gemacht, um mich aus der Reserve zu locken, was ich aber garnicht so geschnallt hatte, dass er sowas von mir hören wollte. Wie gesagt, ich hatte mich ja eher zurückgehalten.

April 2004

Ich ging mit Ulf und ein paar anderen Kommilitonen zu einer FH-Party. War sehr cool, nun da ich geoutet war, haben wir die ganze Zeit Späße darüber gemacht, ich habe mich prächtig amüsiert. Es ist einfach toll, wenn man sich nicht verstecken muss, sondern offen darüber reden und scherzen kann, und über entsprechende Scherze/Frotzeleien anderer lachen kann, weil es Kumpel sind und man weiß, dass sie das nicht ernst meinen und das keine Beleidung sein soll.

Wiederum bei einem Doppelkopfabend wollte ich mich dann eigentlich auch mal Stefan gegenüber outen, der immer noch nichts gemerkt hatte. Er sprach aber auf meine Bemerkungen einfach nicht an. Als er sagte, dass er gehört habe, ich würde jetzt mit Frauen flirten, meine ich "mit FRAUEN flirte ich bestimmt nicht", aber pustekuchen, er schnallte es einfach nicht.

Am nachfolgenden Tag hatte Ulf ihn dann darauf angesprochen, ob ihm nichts aufgefallen sei, wie ich das gesagt hätte. Da soll er dann gefragt haben "ist Marc etwa schwul?" und das dann aber erst garnicht geglaubt haben.

Ich habe mit Ulf vereinbart, Stefan nichts von meiner Liebe zu Ulf zu erzählen, weil ihm das nicht so recht sei, wenn der das wüsste.

Im Internet hatte ich mich über Literatur für Eltern von homosexuellen Kindern informiert, weil meine Mutter sich immer noch merklich schwertat. Eine Broschüre des hessischen Sozialministeriums erschien mir ganz geeignet, die habe ich mir mal schicken lassen, selbst gelesen und dann meiner Mutter gegeben. Nachher haben wir uns noch ziemlich lange darüber unterhalten, und seitdem ist es etwas besser geworden. Ich konnte wohl doch einige Vorurteile und falschen Vorstellungen zerstreuen und sie beruhigen, dass ich sicher nicht der Typ bin, der mit dem Erstbesten Sex hat.

Mai 2004

Zu den Rosa Panther Treffen kamen weiterhin außer Nico und mir keine Besucher. Wenn Nico mal nicht konnte, hatte ich ein oder zwei Kommilitonen eingeladen, einmal kamen die auch, obwohl Nico doch konnte, und konnten ihn so kennenlernen. Er war aber nicht so deren Fall, er ist doch recht tuntig.

Im Mai zog Nico dann aber nach Etteln bei Paderborn um und verlor zudem seine Arbeitsstelle in Osnabrück. Daher kam er erstmal nicht mehr zum Stammtisch.

Ein anderer Kommilitone arbeitete in einer Tankstelle und wurde häufiger von Schwulen angesprochen, weil sie meinten, er flirte mit ihnen (er ist aber Hetero und das ist einfach so seine Art, recht extrovertiert und meist gut gelaunt). Eines Tages steckte ihm jemand seine Nummer zu "wenn Du mal Langeweile hast...". Er gab sie mir weiter und ich lud diesen einfach mal zum Stammtisch ein. Wir trafen uns auch einen Abend. Er ist zwar schon älter (Mitte/Ende 30 oder so), aber wir haben uns ganz nett unterhalten. Nur hat er so eine Art, dass man sich wie beim Psychiater vorkommt. Er analysiert einen die ganze Zeit.

Bei einem der Frühstücke im Schwulenreferat lernte ich Paul aus Wallenhorst kennen. Er studiert an der Uni Osnabrück Physik, wie ich im zweiten Semester, und ist tierisch schüchtern. Aber er sah sehr nett aus, ich sprach ihm mal an (von sich aus sagte er nichts) und gab ihm nachher auch Mailadresse von Handynummer. Nachmittags schickte er mir gleich eine Mail, und hatte auch schon im Internet Informationen über mich herausgesucht, kannte also schon gemeinsame Interessen. Wir haben abends sehr nett gechattet. Ich lud ihn auch zum Stammtisch ein, um dort nicht allein zu sein, und er kam. Ich mochte ihn und hatte das Gefühl, ihm näherzukommen. Dummerweise kam dann die Tankstellenbekanntschaft meines Kommilitonen auch dazu (ich hatte ihn ja schließlich eingeladen) und fing wieder mit seiner Psychoanalyse an und wollte uns anscheinend miteinander verkuppeln. War schon etwas unangenehm.

Wie der Name schon sagt, fand im Mai natürlich auch "Gay in May" statt. Über zwei Wochen verteilt gab es einige Veranstaltungen, von Filmvorführungen über Autorenlesungen und -ehrungen (Preisverleihung "Rosa Courage") hin zu Spielenachmittagen und der großen Abschlussgala. Ich hatte mit Bernd und Sven an einem Doppelkopfturnier teilgenommen, außerdem habe ich den "Queer Walk - Gang durch die Osnabrücker Szene", organisiert von der Aidshilfe, mitgemacht. Das war sehr interessant, zum einen habe ich ein paar Leute kennengelernt und natürlich auch ein paar Flyer für den Stammtisch verteilt, zum anderen habe ich alle Szenecafes und Kneipen kennengelernt sowie (wenn auch nicht mehr so lange) eine schwullesbische Party im Unicum besucht. Eigentlich wollte Paul mitkommen, aber er wurde dann kurzfristig krank. Ich habe ihm im Chat gestanden, dass ich wohl auch mehr für ihn empfinde und Interesse an ihm hätte. Er aber momentan nicht, er braucht mehr Zeit.

Zur Gala kam er dann aber mit. Da er kein Geld hatte, habe ich ihm mit 10 EUR (Eintrittspreis 15 EUR) ausgeholfen. Leider war er recht schnell wieder verschwunden, weil er müde war. Bernd und Sven waren aber auch da, und einige, die ich vom Frühstück kannte, ich habe mich also ganz gut amüsiert. Nachts als ich ging, waren plötzlich ganz viele junge Leute (viele noch jünger als ich) unten im Foyer der Lagerhalle (ich war vorher eine Zeit oben im Cafe Spitzboden gewesen). Aber da ich ja Interesse an Paul hatte und hoffte, dass da was draus würde, habe ich mich nicht weiter umgesehen.

Bevor ich ging, hatte ich allerdings im Vorbeigehen noch Tom aus Wallenhorst wiedergetroffen. Er sprach mich sogar selbst an. Wir haben uns kurz unterhalten, aber er ist schon ein bisschen komisch, und nach der Nummer im Februar wollte ich auch nicht mehr soviel mit ihm zutun haben. Er ist einfach eine feige Sau, der einem nicht ins Gesicht sagen kann, was er wirklich denkt, sondern was vorheuchelt.

Über Himmelfahrt war Paul bei einem Freund in Köln, der sich von seinem Partner getrennt hatte. Paul hatte Interesse an einer Beziehung mit dem Kölner, und hoffte, dass sich da jetzt was ergeben könnte, wo der sich von seinem anderen Freund getrennt hatte.

Als er wieder hier war, trafen wir uns einmal bei ihm zu Hause, ich brachte ihm Doppelkopf bei. Wir vereinbarten für ein paar Tage später einen Doppelkopfabend bei mir zuhause, mit Kommilitonen. Da noch jemand absagte, wären nur Paul und Ulf gekommen, meine Mutter wollte aber auch wohl mitspielen.

Ca. zwei Stunden vor dem vereinbarten Termin schickte er mir dann eine Mail, dass er krank sei und eher nicht spielen wollte. Ich erreichte ihn dann auch nicht mehr telefonisch und blies das ganze ab. Am selben Abend noch sprach mich plötzlich eine Freundin von Paul über ICQ an und hielt mir vor, ich wäre zu aufdringlich und sollte ihn mal in Ruhe lassen. Ich verstand überhaupt nicht, was sie wollte, weil ich Paul nicht anders als andere Kommilitonen auch behandelt hatte. Er ist irgendwie etwas komisch, zieht sich manchmal tagelang zurück und fühlt sich dann bedrängt, wenn man versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Ich habe auf ihr Anraten dann erstmal nichts mehr versucht und gehofft, dass ich ihn mal beim Frühstück sehe oder er sich von sich aus meldet. Tat er aber nicht.

Juni 2004

Die Sommersemesterferien rückten näher, und es wuchs die Angst, wieder so einen Liebeskummer und so eine Einsamkeit wie im Winter zu erleben, weil ich die Kommilitonen so lange nicht sehe. Wie vereinbarten zwar, und immer mal zu treffen, Doppelkopf zu spielen und so, aber dazu kam es dann letztlich doch so gut wie garnicht, weil immer alle irgendwie anderweitig beschäftigt waren.

Ich war aber über Ulf mittlerweile ganz gut hinweg, so dass ich immerhin keinen direkten Liebeskummer mehr hatte, nur so eine Art allgemeiner Sehnsucht nach einem Freund. Paul musste ich mir ja nun auch wohl aus dem Kopf schlagen.

Eines Tages im Juni passierte etwas tolles: Nach länger brachliegendem Kontakt meldete sich Jan mal wieder per ICQ, jemand den ich aus einer ehemaligen Schule hier in der Gegend kannte und der weiter weg Informatik studierte. Wir hatten in den Jahren vorher hin und wieder, aber immer seltener, mal kurz gechattet, um uns gegenseitig zu informieren, was wir gerade so machen.

Wir kamen dann allgemein auf Thema Schüchternheit und die typischen Informatikerklischees zu sprechen, wobei er dann meinte "aber Du bist bestimmt schon seit zwei Jahren verheiratet". Ich antwortete da so erstmal nicht direkt drauf, aber einen oder zwei Tage später sprach er mich erneut an, ich hätte noch nicht auf die Frage nach einer Freundin geantwortet. Nun dachte ich doch, dass es mal na der Zeit wäre, mich zu outen, und mir konnte auch nichts passieren, da er nicht hier in der Nähe wohnte und wir kaum Kontakt hatten. Und schon wieder so eine unerwartete Antwort: "Also doch". Das hatte ich doch schonmal von jemand anders gehört!

Nun, er erklärte mir dann, dass er schon damals 1998 in der Schule gedacht hätte, ich habe genau den richtigen Grad an Schüchternheit und so einen verträumten Blick, um nicht 100%ig hetero zu sein. Er hatte sich nur nie getraut, mich darauf anzusprechen, weil er Angst hatte, dass ich das von mir weisen könnte. Nun musste ich natürlich auch erstmal wissen, wie es bei ihm ist: Er meinte, er könnte sich wohl am ehesten als bisexuell bezeichnen. Er legt sich da aber ungern auf einen Begriff fest.

In den nächsten Wochen entwickelte sich ein lebhafter Chat zwischen uns beiden. Ich hatte wirklich das Gefühl, er würde mit mir flirten, und wir verstanden uns wunderbar. Wir erzählten uns Dinge, die wir sonst teilweise niemandem oder nur sehr ausgewählten Leuten erzählt hatten (z.B. eher ungewöhnliche Fetische). Er meinte, ich sollte ihn doch mal besuchen, wenn ich mal in der Nähe sei. Ich konnte ihm auch gleich einen Termin zusagen, weil meine Schwester, ihr Freund und ich Mitte Juli Karten für ein Konzert der Ten Tenors bei ihm in der Gegend hatten.

Mit Nico habe ich mich im Juni teilweise etwas gezofft. Er kam nie mehr zum Stammtisch, teilweise hat er erst am selben Tag abgesagt, obwohl er wusste, dass ich auch keine Zeit hatte. So konnten wir keine Vertretung mehr besorgen und es war keiner dort... Dabei hatte Stefan zufällig zwei Schwule kennengelernt, die sich im Zug anlässlich eines Standes auf dem in Osnabrück stattfindenden Jugendhilfstag über das Thema Homosexualität unterhielten. Zumindest einer davon kam aus Osnabrück und wollte mal vorbeikommen. Keine Ahnung ob er da war, da ja Nico und ich beide nicht konnten.

Nico wollte in Paderborn die Rosa Panther auch gründen, mit der Aidshilfe Paderborn zusammen. Ich setzte schonmal einen Hinweis auf die Homepage.

Ende Juni traf ich auf dem Weg zu einer Elektrotechnik-Übungsstunde an der Uni zufällig auf Paul, der gerade mit dem Rad nach Hause fahren wollte. Er wusste garnicht genau, was die Freundin mir geschrieben hatte, er hatte ihr nur wohl einiges über mich und seine Empfindungen erzählt, und sie hatte das dann selbst in die Hand genommen. Ziemlich daneben alles. Wir sind so verblieben, dass er sich meldet, wenn er mal Lust hat, mit mir was zu unternehmen.

Juli 2004

Wegen des Besuchs hatte ich mit meiner Schwester vereinbart, dann bei ihr zu übernachten, und am nächsten Mittag wollte ich dann Jan besuchen und abends wieder zurückfahren. Einen Tag später stand für Jan und mich unabhängig voneinander der Aufbruch zu Treffen bestimmter Internet-Gruppierungen an, bei ihm war es so eine Art Mittelaltertreffen oder sowas, bei mir das spaßeshalbe "Jahrestagung deutschsprachiger Internetadministratoren" genannte nette Treffen von Jobkollegen aus dem deutschsprachigen Raum. Sonst hätte ich auch bei Jan übernachten können, aber das ging dann nicht, weil wir beide noch für den nächsten Tag packen mussten etc.

Dadurch, dass wir quasi soviel geflirtet hatten, hatte ich natürlich schon diverse Erwartungen an Jan, die dann aber leider etwas enttäuscht wurden. Er eröffnete mir, dass er Probleme damit habe, Körperkontakt zu anderen zu haben, obwohl er eigentlich gerne kuschelt, aber dass er länger bräuchte, um sich da bei neuen Leuten zu öffnen. Und er hat auch zwei gute Freunde, mit denen teilweise auch mehr läuft. Zwar keine richtig feste Beziehung, sondern eher undefiniert, aber an mir hatte er dann halt doch nicht so das Interesse, das ich mir erhofft hatte. Dabei fand ich ihn ziemlich süß (ich hatte ihn ja sechs Jahre nicht gesehen, aber er war dann doch eigentlich genauso wie ich ihn erwartet hatte).

Wir sind dann ein bisschen durch die Stadt gelaufen, er hat mir Musik vorgespielt, die er mir dann teilweise gebrannt hat, vor allem aus der amerikanischen Serie "Queer as Folk", auf die er mich vorher schon aufmerksam gemacht hatte und von der ich mir schon einige Folgen im Internet heruntergeladen und angesehen hatte.

Alles in allem ein netter Nachmittag mit ihm, wenn auch meine Hoffnungen auf körperliche Nähe und vielleicht anfangende Liebe nicht erfüllt wurden. Okay, eine Fernbeziehung wäre schwierig gewesen, aber er hatte sich in Osnabrück für eine Doktorandenstelle beworben, so war also eine gewisse Hoffnung durchaus realistisch. Ein paar Wochen später bekam er aber eine Ablehnung aus Osnabrück, und seine weiteren Bewerbungen waren eher in seiner Gegend.

Es folgte nun das Wochenende mit den ganzen Internetbekanntschaften, die ich aber größtenteils schon von den Treffen in den Vorjahren kannte. Ich war bei den meisten schon über einen Chat geoutet, und es kam dann am Samstagabend auch das Gespräch darauf und einer erzählte mir von einem schwulen Bekannten und dessen Problemen.

Nach dem Wochenende im Chat erfuhr ich dann noch, dass zwei in meinem Alter (von denen ich den einen schon recht attraktiv finde) in einem Zweibettzimmer geschlafen hatten und rosa Bettwäsche gehabt hatten. Das sei schon aufregend, mit einem fremden Mann in einem Doppelbett mit rosa Bettwäsche zu schlafen. Ich konnte mir natürlich entsprechende Anmerkungen nicht verkneifen und meinte, schade dass ich zu spät gekommen sei, ich hätte mir gerne mit ihm das Bett geteilt. Er hätte da auch garnichts beigehabt, nur ist er halt hetero... war auf jeden Fall dann ein ganz guter Running Gag mit der rosa Bettwäsche.

Ende Juli hatte eigentlich das erste Treffen der Rosa Panther in Paderborn stattfinden sollen. Wie ich dann anhand einer erbosten Mail von der Aidshilfe Paderborn erfuhr, war Nico dort nicht erschienen und auch nicht mehr erreichbar. Seine Handynummer und Mailadresse funktionierten schon ein paar Wochen nicht mehr, weshalb ich ihm das auch nichtmal weiterleiten konnte. Ich nahm dann auf Bitten der Aidshilfe Paderborn die Infos über den Stammtisch in Paderborn von der Webseite, da die unter anderem Namen was eigenes ohne Nico starten wollten. Ich habe Ende Juni auch nichts mehr von Nico gehört, aber auch nicht versucht, ihn irgendwie zu erreichen, weil er mich eh nur nervte und ewig nicht beim Stammtisch gewesen war. De facto stand ich also nun alleine mit den Rosa Panthern da.

Paul habe ich hin und wieder im ICQ gesehen, aber er hat sich nie gemeldet. Da wir ja vereinbart hatten, dass er das wenn dann tut, habe ich auch nichts geschrieben. Schade eigentlich.

August 2004

Es ist nicht soviel passiert. Ich hatte Semesterferien, habe viel für die Firma von zuhause aus programmiert, war mal mit einem Kommilitonen im Freibad, einmal haben wir es tatsächlich geschafft, eine Doppelkopfrunde zusammenzubekommen, und ich habe immer mal wieder mit Jan gechattet. Jan hatte angekündigt, im September hier in der Gegend bei seinen Eltern zu sein und wollte mich dann auch wohl besuchen kommen. Traf sich gut, dass meine Eltern einen Tag nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub ihrerseits in Urlaub fahren wollten. Er hat mir auch mal geschrieben, er hätte wohl kein Problem, mit mir "Sachen anzustellen" oder so ähnlich, im Klartext also wohl Sex zu haben. Er warnte mich aber auch, dass das vielleicht nicht gut für mich wäre, weil ich mich verlieben könnte und er die Liebe vielleicht (oder wahrscheinlich) nicht erwidert. Nach ein bisschen Nachdenken und Gesprächen mit anderen über das Thema allgemein kam ich zu dem Schluss, dass ich Erfahrungen in der Richtung auf jeden Fall brauchen kann und mich darauf einlassen sollte, wenn es denn dazu kommt.

Ich hatte dann irgendwann nochmal auf eine Kontaktanzeige geantwortet, ein 22jähriger Nico aus Hasbergen. Wir haben uns einen Abend in Osnabrück getroffen, er ist nicht so ganz mein Fall, wird aber wohl mal zum Stammtisch kommen, das ist schonmal gut. Er hatte selbst mal halbherzig versucht, eine Gruppe zu gründen, aber sich nicht besonders bemüht. Beim Rosa Panther Stammtisch gibt es ansonsten noch keine regelmäßigen Besucher, eigentlich immer nur auf besondere Einladung von mir, aber dann kommen sie normal nicht wieder.

In derselben Woche, in der ich Nico getroffen hatte, war bei Bernd und Sven auch Jarek zu Gast, ein polnischer Lehrer, den sie vor ein paar Jahren mal kennengelernt hatten, als er auf einer Schulfahrt hier in der Gegend war. Wir sind einen Tag zusammen ins Kino gegangen, um uns Bullys Film "(T)Raumschiff Surprise" anzuschauen und haben hinterher noch im Kinocafe gegessen und uns unterhalten. Zum nächsten Stammtisch kamen die drei dann auch, so dass ich endlich mal größere Gesellschaft hatte. Nico hatte sich auch angekündigt, kam dann aber nicht. Ich habe mich mit Jarek nett unterhalten, und natürlich auch mit Bernd und Sven. Einen Tag später waren wir zusammen bei einer schwullesbischen Party im Unikeller, das war aber nicht so besonders, nur wenige Besucher und ziemlich in Lesbenhand. Ich habe mich mit Jarek wunderbar verstanden und wir uns haben einen Großteil des Abends unterhalten und uns unsere Geschichten erzählt. Hinterher gingen wir noch weiter ins Bivalent, eine Szenedisko in Osnabrück. Auch dort war aber nichts los. Gegen 3 Uhr fuhr ich dann nach Hause, die anderen sind noch etwas dageblieben. Ich hatte bald das Gefühl, Bernd und Sven wollten Jarek und mich verkuppeln, sie boten uns sogar deren Gästezimmer an... Aber Jarek hat einen Freund in Polen, und ich würde ihn ohnehin erst wieder ein Jahr später sehen. War sicher auch nicht ganz ernstgemeint und unter Alkoholeinfluss.

Ich habe Jarek dann eine Woche später zu seinem 30. Geburtstag eine Mail geschrieben, und er hat sich sehr über meine Glückwünsche gefreut und geschrieben, wie gut es ihm gefiel mich kennenzulernen und sich mit mir zu unterhalten.

Eine Woche nach dem Stammtisch mit Bernd, Sven und Jarek kamen zwei Gruppenleiter einer Coming-Out-Gruppe in Osnabrück, und brachten auch noch einen Freund mit. War ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen. Die haben sich auch in mein Gästebuch eingetragen und etwas Werbung für die Gruppe gemacht.

Ende des Monats bin ich dann alleine nach Langeoog in den Urlaub gefahren. Hier beginnt meine tägliche Berichterstattung (wenn auch für die ersten 10 Tage noch nachträglich aufgeschrieben).


Tagebucheintrag vom 27. August 2004

Der letzte Arbeitstag vorm Urlaub. Ich chatte von der Arbeit aus mit Jan, er gibt mir das Coming Out Tagebuch http://www.mattenjahre.de zu lesen. Das ist super und macht süchtig. Habe angefangen zu lesen, später zuhause dann weiter.


Tagebucheintrag vom 30. August 2004

Ich fahre um 9:30 Uhr los nach Bensersiel. Um 13:30 Uhr dann mit der Fähre nach Langeoog. Dort erstmal ein Fahrrad geliehen, um die Reisetasche zur Wohnung zu transportieren. Später dann ein langes Stück am Strand gewandert und im Inselinneren zurück. Abends am Notebook Mattenjahre weitergelesen.


Tagebucheintrag vom 31. August 2004

Hauptsächlich mit dem Fahrrad gefahren. Wetter war wechselhaft. Um 16 Uhr war Gottesdienst mit dem Weltjugendtagskreuz in der kath. Inselkirche. Es waren auch einige Bekannte hier aus dem Ort mit dem Kreuz auf die Insel gepilgert, mit etwa 200 anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Irgendwo muss ich mir heute den rechten Fuß verstaucht haben. Schmerzen beim Laufen. Mist, das hatte ich letztes Jahr schon auf Juist, aber dieses Jahr ist mir nichtmal bewusst, wie das passiert ist.


Tagebucheintrag vom 01. September 2004

Erst mit dem Rad unterwegs gewesen (laufen ging ja nicht so gut), abends wurd es dann mal richtig schönes Wetter, da konnte ich mich noch eine Zeitlang in die Sonne an den Strand legen.

Abends hat meine Mutter angerufen. Habe ihr von dem Fuß erzählt. Sie empfahl mir, in der Apotheke einen Verband zu besorgen, wie ihn mir der Arzt letztes Jahr angelegt hatte.

Ich wollte dann noch bei der Musikkneipe "Düne 13" vorbei, aber von außen gefiel mir die Musik schon nicht, und wie das aussah, waren da auch einzelne Grüppchen, zu denen ich mich vermutlich eh nicht dazugesellt hätte... schon blöd wenn man eher schüchtern und Einzelgänger ist. Also doch ein wenig Mattenjahre weitergelesen. Irgendwie bedrückt das doch ziemlich, wenn man über die tolle Zeit liest, die Tim und Nils zusammen hatten. Andererseits bin ich froh, dass ich einiges leichter gehabt habe in Bezug auf das Coming Out. Bin halt auch schon älter. Hab ich in meiner Jugend was verpasst? Was wäre gewesen, wenn ich schon mit 16 gewusst hätte, dass ich schwul bin? Wäre mein Leben so ähnlich wie Tims verlaufen, oder hätte das garnichts geändert? Das sind Gedanken, die ich häufig habe...


Tagebucheintrag vom 02. September 2004

Morgens beim Einkaufen Verband gekauft, aber tagsüber nicht angelegt, da schönes Wetter und ich an den Strand wollte. Den Tag über hauptsächlich am Strand verbracht. Immer mal nach süßen Jungs Ausschau gehalten. Ein paar in meinem Alter, die mit mir in der Inselbahn gesessen hatten, sieht man immer mal, aber die scheinen sich nicht groß für mich zu interessieren. Waren auch mit Mädels zusammen angekommen.


Tagebucheintrag vom 03. September 2004

Mit dem Rad bis zum anderen Ende der Insel gewesen und dort am Strand. Später noch in einen anderen Strandbreich gefahren. Abends noch den Rest Mattenjahre gelesen und eine Folge Queer as Folk geguckt, die ich auf dem Notebook mitgenommen hatte.


Tagebucheintrag vom 04. September 2004

Weiterhin tolles Wetter, am Strand gewesen. Alle interessanten Jungs sehen mich nichtmal an...

Bernd und Sven fragen, wann wir ins Kino wollen, den neuen Film "Sommersturm" gucken. Wir haben Freitag den 10.9. vereinbart. Das ist ein toller Coming Out Film mit Robert Stadlober und vielen weiteren sehr attraktiven Schauspielern.

Abends habe ich dann die nächsten Folgen Queer as Folk geguckt.


Tagebucheintrag vom 05. September 2004

Morgens war es total neblig, erst am frühen Nachmittag verzog sich der Nebel. Am Strand konnte man nichtmal bis zum Wasser gucken erst.

Abends schonmal etwas die Wohnung aufgeräumt, gepackt und saubergemacht. Dann habe ich noch eine Coming Out Story im Internet entdeckt und gelesen. War auch sehr schön.


Tagebucheintrag vom 06. September 2004

Morgens noch letzte Flaschen weggebracht und Brötchen gekauft. Auf dem Rückweg zur Wohnung habe ich zwei Jungs in meinem Alter überholt. Einer sah auch ganz gut aus und blickte mich im Vorbeifahren an. Aber ich hatte leider heute am Abreisetag keine Zeit mehr... hätte mich vermutlich eh nicht getraut, ihn anzusprechen. Würd mich interessieren, ob die beiden zusammen sind oder nur Kumpels.

Dann Wohnung übergeben, erstmal Gepäck noch dort stehen lassen und noch ein wenig an den Strand und mit dem Rad rumgefahren, was zu trinken gekauft etc. Dann gegen 11 Uhr das Gepäck geholt, Rad abgegeben und um 11:30 Uhr mit der Inselbahn und dann dem Schiff zurück ans Festland. Anschließend Heimfahrt. Auf dem Schiff waren zwei Jungs, aber nicht ganz so interessant.

Abends erfuhr ich dann von Bernd, dass sie doch nicht am Freitag ins Kino können.


Tagebucheintrag vom 07. September 2004

Morgens fuhren meine Eltern in Urlaub, noch vorher bin ich aber zur Arbeit abgefahren. Nachmittags konnte ich Feierabend machen, und dann bin ich spontan um 17:45 Uhr allein ins Kino gegangen (nicht um 20 Uhr, weil ich keine Karten vorbestellt hatte und das noch die erste Woche war). Es waren dann aber nur 8 Leute im Kino, von denen einer ein Junge etwa in meinem Alter war, der auch (soweit ich das sehen konnte, er saß etliche Reihen vor mir) nicht schlecht aussah. Der war mit ziemlicher Sicherheit schwul, allein schon weil er allein (so wie ich) in diesen Film ging. Leider rannte er mit Beginn des Abspanns sofort raus, selbst wenn ich den Abspann hätte sausen lassen (was ich ungern tue) hätte ich ihn kaum einholen können, weil er dichter am Ausgang saß). Ich hätte ihn sonst ganz gerne nochmal angesprochen.

Am selben Abend habe ich mich dann aber noch Carsten, einem anderen ehemaligen Mitschüler aus dem Gymnasium gegenüber geoutet. Wir hatten uns in letzter Zeit häufiger beim lokalen CCC Chaos Treff in Osnabrück getroffen (nachdem ich ihn eingeladen hatte, wir hatte noch etwas Kontakt über ICQ), und er hatte mir vor meinem Urlaub einmal so einen tollen Blick zugeworfen, dass ich echt schwachwerden konnte. Nur wusste ich, dass er mit einer Freundin zusammenlebt, und hatte die auch schon kennengelernt.

Ich sprach Carsten also nun diesen Dienstag abend per ICQ darauf an (er war die zwei Wochen vorher nicht online gewesen. An diesem Abend fiel das Treffen in Osnabrück aus, dafür war er dann endlich mal wieder etwas länger online, so dass wir chatten konnten). Nein, ihm war der Blick noch nicht aufgefallen, aber er hat auch keinen großen Wirbel gemacht, als ich andeutete, schwul zu sein. Er meinte, das sei ihm eigentlich völlig egal. Seine Freundin meinte dann aber wohl, sie hätte sich bei mir schon sowas gedacht. Sie habe eine gute Menschenkenntnis (sie hatte mich ja nur einmal eine Stunde lang gesehen, als ich mir die Wohnung angeguckt hatte und wir zusammen Six Feet Under geguckt hatten, weil das gerade lief).


Tagebucheintrag vom 08. September 2004

Bis Mittags geschlafen, nachmittags in der Sonne auf dem Balkon gelegen und zwischendurch mal ein bisschen für die Firma programmiert. Abends mit meiner Schwester telefoniert, mich aus dem Urlaub zurückgemeldet und von dem Film und dem Outing Carsten gegenüber erzählt.


Tagebucheintrag vom 09. September 2004

Wieder bis Mittags geschlafen, dann zur Mensa gefahren zum Mittagessen. Anschließend war ich im Copyshop am Sedanplatz und habe mir rosa Papier besorgt. Später am Nachmittag zuhause dann neue Flyer für den Stammtisch entworfen und gedruckt.

Abends dann 20 Uhr Stammtisch in der Lagerhalle. Es war nur Nico da, der mir von seinen ersten Tagen in der Schule erzählte und überlegte, wie und wann er sich outen könnte. Sind wohl auch einige interessante Jungs in der Klasse.


Tagebucheintrag vom 10. September 2004

Heute hat Jan mir endlich den Termin bestätigt: Er fährt morgen früh zu seinen Eltern und will dann Montag bei mir vorbeikommen. Wegen näheren Details meldet er sich noch von seinen Eltern aus.

Ich habe eine SMS an Sven und Bernd geschrieben, ob sie Lust haben, mit uns beiden Doppelkopf zu spielen. Bislang keine Antwort.

In mir reift langsam der Wunsch, selbst auch ein Tagebuch wie das von www.mattenjahre.de zu führen, um meine Erlebnisse festzuhalten. Nur hätte ich damit eigentlich schon vor einem Jahr anfangen müssen...


Tagebucheintrag vom 11. September 2004

Heute Nachmittag habe ich einfach angefangen, alles niederzuschreiben, was ich im Coming Out bislang erlebt habe. Alles bis zu dieser Stelle ist heute entstanden. Gut, dass ich schnell tippen kann ;-)

[Nachtrag vom 12.9.: heute habe ich noch ein paar Details ergänzt, die ich vergessen hatte, z.B. alles über das Frühstück im Schwulenreferat, Paul, Gay in May und den Besuch von Jarek]

Mal sehen, wie ich es schaffe, das als Tagebuch weiterzuführen, aber es ist schonmal wichtig, dass die bisherigen Erlebnisse, so sie mir noch im Kopf sind, schriftlich fixiert sind, bevor ich vieles vergesse.

Gegen Abend hat sich Jan von seinen Eltern aus per IRC gemeldet. Wir haben vereinbart, dass ich ihn Montag um 19 Uhr abhole. Falls Bernd und Sven können, spielen wir dann Doppelkopf. Nachts muss ich ihn zurück zu seinem Elternhaus bringen, weil er dort noch zu tun hat. Ab Dienstag kann er aber hier bleiben.

SMS an Sven und Bernd geschickt. Weiterhin keine Antwort. Schonmal etwas saubergemacht / staub gesaugt für den Besuch.

Später am Abend habe ich dann den Film "Get Real" gesehen, den ich mir auf Empfehlung aus dem Forum von http://www.sommersturm.de heruntergeladen hatte. Der britische Slang ist zwar teilweise nicht richtig zu verstehen, aber trotzdem ein schöner Film, hat mir gut gefallen. Der Hauptdarsteller ist ja auch ganz schnuckelig.


Tagebucheintrag vom 12. September 2004

Morgens habe ich beim Pfarrfest in einer benachbarten Gemeinde Orgel gespielt und die Kinderschola auf dem Keyboard begleitet. Eigentlich sollte der Gottesdienst draußen stattfinden (dann hätte ich alles auf dem Keyboard machen müssen, was mir nicht so lieb gewesen wäre), aber da das Wetter wechselhaft und ziemlich windig war, entschied der Pastor letztlich doch, in die Kirche zu gehen.

Nachher gab es dort Erbsensuppe auf dem Pfarrfest, das ersparte es mir, selbst Essen zu machen (meine Eltern sind ja derzeit im Urlaub). Nachmittags habe ich noch ein paar weitere Details in dieses Tagebuch nachträglich eingepflegt, habe mir den Livestream vom Kirchenmuggen-Konzert (http://www.kirchenmugge.de) angehört/gesehen (war mir zu weit weg, sonst hätte ich vielleicht mal selbst mitgemacht, das ist ein Gruppentreffen der Newsgroup de.rec.musik.machen) und war gegen Abend auf der örtlichen Kirmes, um noch eine Bratwurst/Currywurst zu essen. Auf dem Rückweg sind mir zwei Boys begegnet, der eine guckte auch wohl. Mist, ich seh sowas nicht, ob die schwul sind oder nicht. Manche haben für sowas ja nen Blick. Aber soweit ists wohl bei mir noch nicht.

Abends dann noch ein bisschen für die Firma programmiert, zwischendurch noch etwas saubergemacht und dann später abends einen Film geschaut. Jan hatte sich nochmal per IRC gemeldet, ich hole ihn morgen 19 Uhr von seinem Elternhaus ab. Er hat sich seinen Eltern gegenüber noch nicht geoutet, seine Brüder wissen aber Bescheid. Seiner Schwester will er es zuerst noch erzählen, damit die ihm vielleicht bei den Eltern dann helfen kann. Ich freue mich schon auf die kommenden Tage mit Jan. Leider haben sich Bernd und Sven noch nicht gemeldet, ob sie Doppelkopfspielen können.


Tagebucheintrag vom 13. September 2004

Vormittags war eigentlich Klausureinsicht für die Mathe-Klausur, in der ich nur eine 4.0 hatte. Unser Prof ist aber nicht gekommen, und war auch nicht aufzutreiben. Nach dem Mittagessen in der Mensa bin ich dann zur Arbeit gefahren.

Abends habe ich Jan abgeholt. Wir hatten einen netten Abend mit Fernsehen, Musik, Internet und Gesprächen. Am Ende, als er meinte, ich müsste ihn langsam nach Hause bringen, fragte ich dann mal vorsichtig, ob ich ihm mittlerweile körperlich näherkommen dürfte (bei meinem Besuch damals bei ihm mochte er ja nicht, weil er meinte, es dauerte länger, bis er das zulässt). Er druckste etwas rum, und erst auf der Rückfahrt im Auto konnte er richtig in Worte fassen, wie er das sieht:

Er möchte so etwas nicht planen. Indem er überlegt, ob er es zulässt, wie er reagiert und ob das überhaupt gut für mich wäre, plant er aber schon und das will er ja eben nicht. Er gab mir quasi den Rat, es einfach zu versuchen und drauf ankommen zu lassen, und er wird dann aus der Situation entscheiden, auf was er sich einlässt und auf was nicht. Abgesehen davon ist er auch der Meinung, dass es das beste für mich wäre, wenn es jemand wäre, mit dem ich dann auch länger zusammenbleiben könnte. Naja, ich habe gesagt, dass ich da länger drüber nachgedacht habe und weiß auf was ich mich einlassen will, auch wenn es vielleicht Konsequenzen für mich hat. Hinterher habe ich mich aber doch geärgert, nicht einfach mal den ersten Schritt gemacht zu haben. Ich stehe mir immer selbst im Wege, möchte ja eigentlich, wie er so süß neben mir sitzt, aber kann mich einfach nicht überwinden, weil ich auch etwas Angst vor seiner Reaktion habe... Dabei kann eigentlich nichts passieren. Naja, wo die Fronten nun geklärt sind, kann ich es wohl ruhig wagen. Hoffen wir mal auf den morgigen Tag...

Jan hatte mir im Laufe des Abends auch ein paar Texte in Tagebuchform gezeigt, die er mal geschrieben hatte. Da war z.B. auch ein Erlebnis im Alter von 12 Jahren dabei, wie ein Freund ihm einen geblasen hat und dass da auch in der Folgezeit noch öfters sowas vorgefallen ist. Er wollte keinen Namen nennen, aber der andere ist wohl ähnlich wie Jan bi bzw. mag es nicht definieren. Eine Phase war es sicher nicht, weil es sechs Jahre später mit 18 auch noch so war.

Ich beneide ihn ein bisschen um solche Erlebnisse. Jan ist aber der Meinung, dass es auch ziemliche Vorteile für mich hat, so etwas nicht erlebt zu haben. Er hält es z.B. bei seinen Eltern nicht so recht aus, weil er in mancher Beziehung schon weitaus mehr erlebt und kennengelernt hat als sie. Und er meint, ich habe jetzt in meinem Alter die Möglichkeit, derartige Dinge für mich vernünftig zu entdecken, statt eher zufällig und mit Leid verbunden in einem zu jungen Alter.

Ich habe häufig bei solchen Gesprächen das Gefühl, dass er einiges in seinem bisherigen Leben bedauert und vielleicht besser nicht erlebt haben wollte. Aber das bringt ein erlebnis- und erfahrungsreiches Leben wohl mit sich, dass man nicht über alles davon glücklich ist... Ich fühle mich dann nur immer als zu wohlbehüteter Grünschnabel, der eigentlich noch nichts von der Welt gesehen und kennengelernt hat.

Morgen so gegen 15 Uhr werde ich Jan wieder abholen. Seine Eltern sind dann im Urlaub. Heute hatte sich auch endlich Bernd gemeldet, wir werden morgen abend bei Bernd und Sven Doppelkopf spielen.

Vor einer Woche hatte ich jemanden angeschrieben, dessen Profil ich bei justbegay.de gefunden hatte. Jetzt kam eine Antwort: Er heißt Florian und möchte sich gerne mal mit mir treffen. Er macht auch die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration. Als Termin habe ich Sonntag vorgeschlagen, da er lieber am Wochenende möchte, weil er während der Woche arbeitet und dann abends nicht mehr so gerne was unternehmen möchte. Daher scheint er auch dem Stammtisch eher abgeneigt zu sein.


Tagebucheintrag vom 14. September 2004

Bis mittags geschlafen, dann was zu Essen gemacht, schonmal ein Bett für Jan bezogen und Kleinigkeiten erledigt. Nachmittags bin ich dann zu seinem Elternhaus gefahren. Der eigentlich geplante Kurzaufenthalt zog sich dann über fast fünf Stunden hin, weil er noch die Katze einfangen musste und sie sich nicht fangen lassen wollte bzw. zwischendurch irgendwo im Dorf unterwegs war. Bernd musste den Doppelkopfabend leider absagen, weil Sven krank geworden war.

Jan wollte noch duschen, und da seine Cargohose dreckig geworden war, ist er mit der Hose in die Dusche gegangen und hat sie erst nach einiger Zeit ausgezogen. Er fragte, ob ich mit rein will, und das fand ich als optimale Gelegenheit, ihm näherzukommen.

Wir haben uns dann gegenseitig eingeseift und abgeduscht, das war schon sehr angenehm. Leider nur die Oberkörper. Er hat dann noch mit Enthaarungscreme versucht, ein paar Haare am Po wegzubekommen, was aber nicht viel brachte. Ich hatte auf jeden Fall die Möglichkeit, meine Arme um ihn zu legen, aber leider ließ er es nur geschehen, zeigte aber keinerlei Reaktion darauf. Das gleiche Bild später beim Videogucken vorm Laptop: Wenn ich mich an ihn lehnte oder den Arm um ihm legte, neigte er sich eher noch ein wenig weiter in die andere Richtung und zeigte keinerlei entgegenkommende Reaktion. Das war zwar schon etwas enttäuschend und teilweise unbequem, aber mein lang gehegter Wunsch, auf diese Art ein wenig Körperkontakt zu einem attraktiven Mann herzustellen, ist auf jeden Fall ein wenig befriedigt worden.

Nachdem die Katze endlich eingefangen war und wir einen DDR-Film "Coming Out" gesehen hatten, von dem leider der Schluss kaputt war, sind wir dann zu mir gefahren und haben erstmal Spaghetti gekocht. Parallel und hinterher haben wir am Computer Filme und Musik getauscht bzw. reingeschaut/gehört. Er hat außerdem ein paar wichtige Sachen mit Freunden per IRC besprochen.

Später am Abend haben wir "Was nützt die Liebe in Gedanken" gesehen. Scheint ihm auch sehr gefallen zu haben, immerhin wollte er nicht meine (schon ziemlich gute) Version sondern richtige DVD-Qualität. Ich habe ihm dann noch kurz den Anfang der ersten Roswell-Folge gezeigt, aber Jason Behr ist nicht so ganz sein Typ. Ansonsten haben wir uns noch viel unterhalten, haben Dinge am Computer ausprobiert und gezeigt. Leider weiterhin keine Reaktion auf Anlehnungen und Armumdieschulternlegen.

Als es dann ans Schlafengehen ging, meinte er, er habe kein gutes Gefühl dabei, mit mir in einem Bett zu schlafen, er empfände das einfach nicht als richtig und würde vermutlich kein Auge zutun. Selbst wenn nichts passieren würde, er mag das nicht so. Auch auf Küssen o.ä. mochte er sich nicht einlassen, weil er unsere Freundschaft nicht zerstören wollte: Er würde sonst möglicherweise erstmal 1-2 Jahre keinen Kontakt mehr zu mir haben können, und das wollen wir natürlich beide nicht riskieren. Wir kennen uns zu gut und haben zuviel Kontakt, als das ein One Night Stand im engen Sinne möglich ist, und andererseits bin ich für ihn aber auch nicht so recht passend/akzeptabel für eine Beziehung.

Nun gut, es hat keinen Zweck, ihn da zu irgendwas zu drängen, wenn er es nicht möchte und sich nicht wohl dabei fühlt. Er übernachtet jetzt im ehemaligen Zimmer meiner Schwester und ich in meinem. Morgen klingelt um 10 Uhr der Wecker und gegen Mittag machen wir uns dann auf den Weg zu ihm, wo er noch restliche Dinge packen und sich nochmal um die Katze kümmern muss. Mittags geht es dann nach Osnabrück zum Bahnhof, damit er nach Hause fahren kann.


Tagebucheintrag vom 15. September 2004

Um 10 Uhr klingelte mein Wecker. Bis ich im Bad fertig war, war Jan dann auch schon von selbst aufgestanden, ohne dass ich ihn zu wecken brauchte. Besonders gut hat er aber dennoch nicht geschlafen, da er noch viel zu grübeln hatte, wie er meinte.

Auf dem Weg zu ihm habe ich noch Brötchen besorgt, dann haben wir bei ihm zuhause gefrühstückt und er hat noch die restlichen Sachen gepackt und das Haus in Ordnung gebracht. Dann sind wir mal so langsam Richtung Osnabrück aufgebrochen, mit Zwischenstopp in ein oder zwei Geschäften.

Als nächstes ging es zum Bahnhof. Ich bin noch mit an den Bahnsteig gekommen, bis er in den Zug stieg. Eine letzte Umarmung wäre schön gewesen, aber wollte ich ihm in der Öffentlichkeit nicht antun, und schien nach seiner Ablehnung gestern abend auch nicht mehr ganz so angebracht.

Nachmittags Zuhause habe ich dann erstmal Bernd und Sven per ICQ erzählt, was wir hier so erlebt und gemacht haben. Bernd meinte, er hätte mir Sex gegönnt, und man müsste eh zwischen Sex und Liebe trennen bei uns Schwulen. Sven musste ich erst einiges von Jan erzählen, bis er das Verhalten verstehen konnte.

Sobald Jan wieder zuhause war, hat er mich gleich über IRC angesprochen. Er hatte im Zug dieses Tagebuch gelesen (weitestgehend in der Originalfassung, nur mit ganz wenigen Sätzen der letzten Tage gelöscht, wobei das eh nur bis zu dem Tag vor seinem Besuch ging) und dadurch gemerkt, dass ich mir wohl doch Sex erhofft hatte. Er hatte dann doch das Bedürfnis, mir das zu erklären:

16:45 (Jan)  sorry uebrigends nochmal...
16:45 (Marc) sorry wofuer?
16:46 (Jan)  ich hatte geschaut ob das unter der Dusche was wird, oder
             ob uns irgendeine *duck* Geilheit "uebernimmt", aber
             geplant wollte ich ncihts tun.. waere mir sonst wie ein
             callboy vorgekommen ;)
16:46 (Marc) aber die Geilheit ueberkam dich nicht? :)
16:47 (Jan)  *lach* und Dich wohl auch nciht ;)
16:47 (Jan)  zumindestens zuckte da nichts ;)
16:47 (Marc) hmm ok... da waeren wohl mal ein paar Streicheleinheiten
             Deinerseits noetig gewesen :)
16:47 (Jan)  *g*
16:47 (Marc) wie ich schon sagte, Du hast irgendwie voellig ungeruehrt
             dagestanden und keine Reaktion gezeigt
16:47 (Marc) was soll ic hda machen?
16:50 (Jan)  *g* nichts.. war schon ok so.. nur passte es halt einfach
             nicht ;)
16:50 (Marc) haette es denn was geaendert, wenn Du bei mir was gesehen
             haettestß ;)
16:50 (Jan)  keine Ahnung.
16:51 (Marc) mir hat das Duschen trotzdem gefallen :)
16:51 *** Jan zuckt mit den Schultern und gackert nciht gerne ueber
          gelegte Eier, wenn er sich nciht sicher ist :)
16:51 (Jan)  *g*
16:51 (Jan)  mir auch :)
16:51 *** Jan planscht gerne :)
16:52 (Marc) aber Dein Gefuehl scheint ja global zu sein und nicht vom
             Duschen abzuhaengen
16:52 (Marc) wenn Du wegen mir schlecht schlafen konntest...
17:04 (Jan)  ja.
17:06 *** Jan mag manche maenner und manche Frauen so weit, dass ich
          sie lieben kann, leider faellst Du nicht da rein... aber
          sicher war ich mir bis gestern nacht nicht ;)
17:09 (Marc) und was machte Dich in der Nacht dann sicher?
17:13 (Jan)  das ich mich vorher etwas geekelt hatte mit Dir zu
             kuscheln ;)
17:13 (Marc) ja, das merkte ich ;-)
17:13 (Marc) ob das Ekelgefuehl bleibt, kannst Du vermuztlich nicht
             sagen? ;)
17:14 (Jan)  ochh.. auf freundschaftlicher Ebene wird das etwas
             verschwinden, aber der Rest wird bleiben.
17:14 (Marc) schon okay. Ein bisschen kuscheln auf dem Sofa waer schon
             nett. Aber dann moechte ich da auch mal ne Gegenreaktion
             sehen ;)
17:15 (Jan)  *lach* wenn ic will, ja.
17:15 (Jan)  (und mag)

Das Haus wirkt leer ohne Jan. Ich denke, es ist gut, dass er so weit weg wohnt und ich ihn nicht so häufig sehe. Ich würde mich garantiert in ihn verlieben (etwas bin ich das sicherlich auch schon), das würde mir nur Schmerzen verursachen. Bei Ulf half mir etwas Abstand auch.


Tagebucheintrag vom 16. September 2004

Tagsüber habe ich gearbeitet. Es waren drei Leute einer lokalen Telefongesellschaft da, um Arbeiten an ihren Geräten auszuführen. Einer von denen (wohl auch der jüngste, aber sicher älter als ich) sah mich mehrfach auffällig und länger an. Ich fand ihn aber nicht attraktiv, sonst hätte ich mal zurückgelächelt oder so.

Abends zum Stammtisch hatte ich Julian eingeladen. Nico kam zwar auch, aber nur kurz. Habe Julian die ganze Geschichte mit Jan erzählt und auch nochmal versucht, ob ich seine Homo-Ader nicht zum Leben erwecken kann... aber er meint, er ist sich doch ziemlich sicher, hetero zu sein. Er würde merken, dass sein Leben bereichert würde, dass er ganz anders empfinden würde, wenn er mit Frauen zusammen wäre. Schade eigentlich, wo ich ihn so süß und nett finde. Das habe ich ihm auch gesagt, er mag das gerne hören (sagte mir mal, dass ihn das ehrt).

Ach ja, Jan. Das Duschen mit ihm geht mir nicht aus dem Kopf. Natürlich hätte noch mehr passieren können, aber fürs erste war das schon schön genug. So angenehm, wie er mich mit Duschgel einseifte - das leichte Kitzeln auf dem Bauch - die Arme um ihn zu legen... einfach Kontakt zu seinem Körper zu haben ist eine sehr schöne Erfahrung gewesen. Ich habe mich bei ihm noch per IRC für die letzten Tage bedankt und ihm auch geschrieben, wie sehr mir das Duschen gefiel. Wenn auch der Ausgang vielleicht nicht so war, wie erhofft, habe ich es genießen können, möchte diese Erfahrungen nicht missen und wünsche mir eine Wiederholung. Während ich das hier schreibe, kommen mir die Tränen und meine Brust kribbelt. Mist, ich will mich doch nicht verlieben, das kann doch eh nichts werden. Aber wer hat schon Einfluss auf sowas? So gut es einerseits ist, zu wissen, dass Jan sich nicht vorstellen kann, sich in mich zu verlieben und sich vorm Kuscheln etwas ekelte, so traurig ist es doch, wenn man selbst anders empfindet und sich damit abfinden muss. Das einzige, was gegenüber eine unglücklichen Liebe für einen Hetero anders ist: dass Jan es mir weder übelnehmen noch sich so stark wie ein Hetero vor engererem Kontakt ekeln/fürchten wird. Und er wird mich ganz sicher verstehen und auf mich eingehen können.


Tagebucheintrag vom 17. September 2004

Viel ist nicht passiert. Ich habe tagsüber gearbeitet, ein paar Studentinnen (Maschinenbau) ein Programm erklärt, bei dem ich ihnen geholfen hatte, auf dem Weg dorthin noch eine Festplatte gekauft und abends noch in meinen Server eingebaut und die Daten von der alten Platte, die langsam den Geist aufgab, rüberkopiert.

Jetzt vorm Schlafengehen habe ich "Long Island Expressway" gesehen, den Jan mir empfohlen hatte. Nicht ganz so mein Fall. Jan meint, ich sei der erste, dem er nicht gut gefallen habe, und dann kenne er wohl zuviele, die sich in die Grenze zwischen Missbrauch und Wunschträume einfühlen können...

Gerade kam mir noch Florian in den Sinn, dem ich wegen seines Profils bei justbegay.de geschrieben hatte. Noch keine Antwort auf meine Mail, in der ich ein Treffen am Wochenende vorschlug. Dabei hab ich die Mail schon vor fünf Tagen geschickt.


Tagebucheintrag vom 18. September 2004

Durch den Absender eines Artikels in einer Newsgroup bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Nils und Markus anscheinend jetzt geheiratet haben (jetzt gleicher Nachname). Ich habe mal eine Mail hingeschickt und gratuliert.

In der Zeitung steht ein Artikel, der vorm Tagebuchschreiben warnt. Man hätte dadurch eher gesundheitliche Probleme und würde leicht in eine sich wiederholende grüblerische Spirale kommen. Ich wage das erstmal zu bezweifeln. Ich habe den Eindruck, mir hilft es beim Einschlafen, dass ich nicht mehr die ganze Nacht über Dinge nachdenken muss.


Tagebucheintrag vom 22. September 2004

Die letzten Tage ist nicht soviel passiert. Das Semester fing wieder an, meine Eltern sind aus dem Urlaub zurückgekommen und ich war nochmal mit Bernd und Sven im "Sommersturm". Den beiden hat er auch sehr gut gefallen.

Leider noch immer keine Antwort von Florian (auf dessen Profil bei justbegay.de hin ich ihm geschrieben hatte). Ich habe nochmal eine Mail hingeschrieben.

In der Mensa hatte ich zwei Maschinenbau-Studenten wiedergetroffen, denen ich auch beim Programmieren geholfen hatte. Ich setzte mich zum Essen dazu, und mir gegenüber saß ein recht süßer Kommilitone, der als ich ging sogar ein Wort zur Verabschiedung sagte, obwohl ich mich mit ihm eigentlich garnicht unterhalten hatte.


Tagebucheintrag vom 25. September 2004

Donnerstag beim Rosa Panther Stammtisch war mal etwas mehr los. Einer von den Besuchern vor meinem Urlaub kam wieder und brachte noch jemanden mit, und ich hatte auch in der FH zwei Studenten (einer hetero, einer schwul) eingeladen. Es wurde ein netter Abend, auch mit recht tiefgehenden Gesprächen teilweise, da ich dem einen Kommilitonen noch von den Erlebnissen mit Jan erzählen wollte und die anderen dann auch ähnliches beizusteuern hatten.

Am Freitag sah ich beim Essen in der Mensa auch die Maschbauer wieder. Der süße Boy, den ich vor drei Tagen erwähnt hatte, sah mich zwischendurch mal an, glaube ich. So richtigen Blickkontakt herzustellen ist mir aber nicht so recht gelungen. Trotzdem bin ich mir bei ihm nicht so sicher, den muss ich mal im Auge behalten.

Ich glaube, ich muss aufpassen, dass ich mich nicht wieder neu in Ulf verliebe. Wenn ich ihn (was zwar jetzt seltener vorkommt) in der FH treffe bzw. in der Vorlesung neben ihm sitze, kommt das schnell wieder hoch...


Tagebucheintrag vom 26. September 2004

Einer der bisherigen Leser des Tagebuchs fragte nach einer Fortsetzung, also musste ich mich jetzt mal dransetzen, die letzten Tage seit Jans Besuch für die öffentliche Fassung aufzuarbeiten. Hier sind sie nun.


Tagebucheintrag vom 29. September 2004

Gestern abend hat endlich Florian geantwortet. Er war bzw. ist wohl krank und hat jetzt ein Treffen für den 9.10. vorgeschlagen. Ich habe ihm sofort geantwortet und gefragt, was er hat, und dass wir den Termin dann am besten kurzfristig abstimmen, weil vielleicht Jan so um den Dreh hier sein will. Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass er noch geschrieben hat, ich hatte schon Angst, er wolle (aus welchem Grund auch immer) jetzt doch nichts mehr von mir wissen. Und vom Foto und den Interessen (Ausbildung zum Fachinformatiker) her glaube ich, dass wir uns gut verstehen werden und dass das zumindest eine Freundschaft werden könnte. So ein bisschen erinnert er mich auf dem Foto an Ulf...

Ein Arbeitskollege meint, ich soll nicht so aktiv suchen, das würde die Chancen nur verschlechtern (ich schau mich immer z.B. in der FH nach anderen netten Studenten um...). Aber ihm selbst geht es genauso wie mir (seine Freundin hat sich vor ein paar Monaten von ihm getrennt). Man kann das schlecht unterdrücken, man schaut automatisch immer herum, wer einem gefällt und wer interessant ist. Und davon gibt es an der Uni/FH so verdammt viele. Geht man von 3-5% Schwulen aus, müssten da jede Menge rumlaufen. Nur geben die sich nicht zu erkennen.

Heute abend war Vorbesprechung für Gay in May 2005. Von der Schwulenfraktion waren nur Josef und ich da, ansonsten nur Lesben. Angedacht ist u.a. ein Wen Do Kurs für Schwule, zur Selbstverteidigung bei schwulenfeindlichen Übergriffen. Ich hoffe, dass ich sowas nie brauche, aber interessant wärs irgendwie schon. Muss ich mich nochmal mehr drüber informieren.


Tagebucheintrag vom 30. September 2004

Heute Mittag nach der FH bin ich ins Büro gefahren, um einen Server zu installieren. Als ich gerade am Ausdrucken meiner Rosa Panther Flyer war, kam ein Kollege rein (eigentlich Urlaub, aber war privat da) und fragte so, was ich da drucke. Hat sicher auch einen kurzen Blick drauf werfen können. Aber gesagt hat er nichts, keine Ahnung, ob er erkannt hat, um was es sich handelt. Ihm gegenüber bin ich noch nicht geoutet, ich denke aber nicht, dass das ein Problem sein würde. Irgendwie wollte ich in dem Moment aber nicht.

Beim Stammtisch war diesmal nur ein Besucher, der auch letzte Woche dagewesen war. Auf dem Rückweg sah ich in Osnabrück vor einer Ampel, wie zwei Jungs (vielleicht in meinem Alter oder etwas jünger) mit dem Rad ankamen und vor der Ampel halten mussten. Der eine legte seine Hand auf die Schulter des anderen, um sich abzustützen und nicht mit den Füßen von den Pedalen gehen zu müssen. Interessantes Bild für mich, keine Ahnung ob da mehr dahintersteckte oder das nichts zu bedeuten hatte.


Tagebucheintrag vom 01. Oktober 2004

In einer Zeitschrift, die in der Mensa auslag, habe ich heute ein Interview mit einer Buchautorin gefunden, die über Metrosexuelle schreibt:

"Wäis Kiani nennt ihn 'die männliche Susi' und sie rechnet ab, mit all den Softies, Frauenverstehern, Just Gay Enoughs und Metrosexuellen. Ihr neues Buch ist ein flammendes Plaedoyer fuer den guten alten Macho."

"Der 'Just Gay Enough' Mann stammt aus den USA. Was ist das typische an den deutschen Metrosexuellen?" - "Was ihnen fehlt, ist die Pose. Sie versuchen sich nie vorzustellen, wie sie in dem Moment auf Zelluloid wirken wuerden."

"Was kann die Frau tun, die sich einen Metrosexuellen eingefangen hat, um aus ihm wieder einen richtigen mann zu machen?" - "Nichts. Auf den nächsten warten. Man kann niemanden ändern. Und einen Metro schon gar nicht."

Naja, wird ein komisches Buch sein, aber der Artikel las sich ganz lustig.

Heute abend habe ich es endlich mal geschafft, das Tagebuch in vernünftiger Form (als Blog) auf der Rosa-Panther-Webseite zu veröffentlichen.


Tagebucheintrag vom 03. Oktober 2004

Mein (hoffentlich) Date vom nächsten Samstag hat ein neues Foto hochgeladen, habe ich vorhin gesehen. Auf dem ersten hat er mir allerdings besser gefallen, jetzt sieht er ziemlich anders aus. Das sagt aber wohl auch nur, dass man auf Fotos nicht so an kann. Ich hoffe, dass es nächsten Samstag was wird mit dem Treffen, dann kann ich mal schauen, wie er in der Realität so ist.

Per ICQ habe ich Bernd und Sven gefragt, ob sie mit zum Magnets-Konzert Anfang November kommen wollen. Sie müssen nochmal gucken, ob sie Zeit haben. Nächste Woche gehen wir aber auf jeden Fall mal ins Kino (Der Untergang). La Mala Educacion läuft auch schon, den wollte ich auch nochmal schauen. Der ist sicherlich auch für Jan sehr interessant.


Tagebucheintrag vom 06. Oktober 2004

Verdammter Mist. Da war ich vorhin im Kino ("La Mala Educacion"), etwas später (während der Werbung) kamen zwei Jungs etwa in meinem Alter rein und unterhielten sich noch, bis der Film anfing, und durch das Gespräch erfuhr ich, dass zumindest der direkt neben mir schwul ist (er redete von seinem Ex und noch von jemandem aus Köln, der von seinem Freund abserviert wurde). Und ich hatte keine Stammtisch-Flyer mit. Und ich habe mich natürlich auch nicht dazu überwinden können, ihn einfach so anzusprechen. Es lief ja schon die Werbung, und hätte ich mich da eingemischt ins Gespräch, hätte das so ausgesehen, als ob ich gelauscht hätte. Während des Films ging ohnhin nicht. Ich hätte höchstens am Ende vor denen rausgehen und draußen auf sie warten können. Oder mich ihnen direkt anschließen, aber das hätte so aufgedrängt ausgesehen. So wartete ich noch einen Moment und machte mich dann zum Gehen fertig, da hab ich sie natürlich draußen nicht mehr gesehen.

Okay, ich glaube besonders attraktiv fand ich beide nicht (konnte aber nicht soviel sehen im Halbdunkeln), wenn dann vielleicht noch eher den anderen, von dem ich nicht weiß, ob er schwul ist oder hetero. Aber sie klangen von ihrer Unterhaltung her auf jeden Fall nett.

Eigentlich hatte ich mit Bernd und Sven in "Der Untergang" gehen wollen, aber Sven hatte noch kurzfristig abgesagt, weil er Stress bei der Arbeit gehabt hatte und nicht so recht aufgelegt war (und sich selbst mir nicht zumuten wollte). Der andere Film interessierte mich ohnehin, da habe ich dann spontan entschlossen, alleine dorthinein zu gehen. Er war ganz interessant, wenn auch nicht unbedingt besonders spannend. Aber doch ganz gut, ihn gesehen zu haben.

Jetzt werde ich wohl wieder vermehrt darauf achten, immer Flyer dabeizuhaben. Habe mir gerade schon welche fertiggemacht, brauche ohnehin noch welche zum Auslegen in der Uni und Lagerhalle.


Tagebucheintrag vom 7. und 8. Oktober

Gestern abend beim Stammtisch war es wieder recht voll. Es bringt was, wenn Teilnehmer andere ansprechen und die auch wiederum jemanden mitbringen. Sven war auch gekommen, und es wurde ein schöner Abend. An den Nebentischen war eine größere Studentengruppe, hauptsächlich Erstsemester, die vorher eine Stadtführung gemacht hatten. Da waren ein oder zwei ganz süße Jungs dabei, mit einem hatte ich auch mal 5 Sekunden Blickkontakt. Aber ich vermute, er schaute nur so in der Gegend herum, wer da sonst so saß, und überlegte vielleicht, was für eine Gruppe wir sind.

Anschließend fuhr ich zu Ulf, mit dem ich noch zur FH-Party wollte. Einer aus der Studentengruppe ist ein Kumpel von ihm, aber er konnte ihn nicht beschreiben, so weiß ich momentan noch nicht, welcher das war. Gerade vorhin schrieb er mir aber, dass der garnicht in der Lagerhalle dabei war, also kann der eine gutaussehende durchaus noch schwul sein ;-)

Bei der Party habe ich einen Zivi kennengelernt, der mit einem Kommilitonen mitgekommen war. Der war auch ziemlich nett, und ich habe mich mehrfach mit ihm unterhalten. Ich denke aber auch der ist bestimmt hetero.

Es ist mir ja manchmal selbst peinlich, das alles so zu schreiben, als ob ich jeden Menschen gleich in Hetero/Homo einsortieren muss. Aber ich kann es nicht verhindern, wenn mir jemand gefällt, will ich mir auch die mögliche Chance nicht entgehen lassen. Schließlich kann man mal einen Glückstreffer haben und aus einer Zufallsbegegnung entsteht mehr. Zumindest liest sich das in Geschichten immer so, und ich kenne auch mehrere Leute, bei denen tatsächlich sowas vorkam.

Heute kam dann die Einladung zum Semester-Eröffnungsfrühstück des AStA-Schwulenreferats der Uni, aber leider findet das dieses Semester Donnerstags vormittags statt, da habe ich ab nächste Woche Digitaltechnik-Praktikum, zumindest bis Ende des Jahres. Ich habe aber jetzt nochmal im schwarzen Brett auf den Webseiten des AStA für den Stammtisch Werbung gemacht.

Abends kam endlich eine Antwort von Florian, mit dem ich mich morgen treffen wollte. Es scheint tatsächlich zu klappen, ich hatte garnicht mehr damit gerechnet, weil er so lange nichts von sich hören ließ und der Tag näher rückte.

Wir wollen zu einem Italiener in Osnabrück essen gehen. Ich bin schon sehr gespannt, wie er in Wirklichkeit ist, da die beiden Fotos, die ich von ihm gesehen habe, sich recht stark unterscheiden und ich mir noch keine so klare Vorstellung machen kann. Mails hat er auch nicht sehr viele geschrieben, häufig mit wochenlanger Verzögerung, so dass ich noch nicht viel von ihm weiß.

Bei mir ist gegenwärtig eine Erkältung im Anzug (Halsschmerzen), ich hoffe dass ich zumindest morgen abend noch gesund bleibe. Wäre zu schade, wo es schon so lange gedauert hat, bis das Treffen zustande kam.


Tagebucheintrag vom 09. Oktober 2004

Heute abend war endlich das langersehnte erste Date mit Florian. Wir waren bei einem Italiener in Osnabrück und haben gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging. Auf einmal waren fünf Stunden rum, und irgendwann war es 1 Uhr Nachts und wir sind dann nach ca. sechs Stunden Gespräch doch mal so langsam aufgebrochen. Jetzt bin ich zwar heiser, aber ich werde ihn voraussichtlich Mittwoch in Bramsche besuchen (seine Eltern sind im Urlaub) und nächsten Samstag wollen wir zusammen zur Gaypeople-Party im N8 gehen.

Von ihm erfuhr ich auch, dass ein Berufsschullehrer (Marketing) schwul ist, Florian hatte ihn mal in eindeutiger Gesellschaft irgendwo getroffen. Man sehe das doch auch an seinem Auftreten, sagte er. Naja, mir ist damals eigentlich nichts aufgefallen. Okay, rosa Hemden kann ich auch nicht so identifizieren mit meiner Rot-Grün-Sehschwäche.

Florian macht auch eine Ausbildung zum Fachinformatiker und kennt auch (ehemaliger Arbeitskollege) einen ex-Mitschüler aus meiner Berufsschulklasse. Baff war er, als er erfuhr, dass www.priggish.de von mir betrieben wird. Die Seite kannte er, weil da noch die ganzen Unterlagen (Referate, Hausaufgaben etc.) von uns liegen.

Zum Abschied gabs dann noch eine flüchtige Umarmung, ich habe aber wirklich den Eindruck, dass ihm der Abend genauso gefallen hat wie mir. Wie das nun weitergeht, wird sich zeigen müssen. Ich kann noch nicht sagen, ob ich mehr für ihn empfinden kann als eine reine Freundschaft. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht vielleicht aufgrund vorheriger Erfahrungen vorsichtshalber Emotionen erstmal etwas unterdrücke. Aber der Unterschied zu vorherigen Dates mit nett erscheinenden Leuten liegt vielleicht auch einfach darin, dass er nicht ganz so scharf aussieht wie manche andere. Es wird wohl bei ihm eher nicht vorkommen, dass ich mich schon aufgrund des Aussehens direkt in ihn verliebe. Aber auf jeden Fall passen wir gut zusammen, von Interessen und Meinungen her, sonst wäre die Zeit kaum so schnell vergangen.


Tagebucheintrag vom 13. Oktober 2004

Gerade komme ich von einem abendlichen Besuch bei Florian. Wieder mal ein schöner Abend, ich mag ihn sehr. Ich habe nochmal seine Gesichtszüge analysiert: aus bestimmten Blickwinkeln bzw. bei bestimmten Regungen hat er etwas an sich, was mir gut gefällt und mich vielleicht auch etwas an Ulf erinnert. Ich beginne aber auch sein "normales" Aussehen zu mögen, und die herzliche Umarmung zum Abschied gefiel mir sehr. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er Interesse an mir hat, ist in seinen Äußerungen und Verhaltensweisen noch nicht so recht erkennbar. Ich möchte aber eigentlich auch vermeiden, das anzusprechen, da das bisher (z.B. bei Paul) auch nicht unbedingt immer positives bewirkt hat... Erstmal geh ich Samstag mit ihm zur OS-Gay-Night im N8, und dann werden wir uns sicher nächste Woche mal z.B. hier bei mir zuhause treffen, und dann mal weitersehen. Wenn ich ihn neben mir auf dem Sofa habe, vielleicht kann man sich dann ja schonmal etwas an ihn schmiegen oder so...


Tagebucheintrag vom 14. Oktober 2004

Bernd hat jetzt auch angefangen, das Mattenjahre-Tagebuch zu lesen, und ist genauso süchtig und begeistert wie ich. Er klagt schon, dass er kaum noch zum Arbeiten kommt.

Für Sonntag 17 Uhr haben wir uns für "Der Untergang" (Kino) verabredet. Zur Party am Samstag kommen Bernd und Sven aber wohl eher nicht, da sie anderes vorhaben. Ich hätte ihnen gerne Florian vorgestellt.

Beim Stammtisch waren zwei der neuen Besucher vom letzten Mal wieder da, wurde ein lustiger Abend. Ich soll hier schreiben, dass die Highlights der Osnabrücker Szene zu meinem Stammtisch kommen :-)


Tagebucheintrag vom 15. Oktober 2004

Ich frage mich, ob Florian sich eine Beziehung mit mir vorstellen könnte oder nur eine Freundschaft will. Wenn ich mich mit ihm unterhalte, kann ich für beides Hinweise finden. Hier ein paar Aussagen aus dem ICQ-Log (anfangs bezugnehmend auf parship.spiegel.de):

(23:28:33) Marc: ja, ich hab mich da auch auf unsichtbar gesetzt hätte mich nur interessiert, wieviele Matchingpunkte ;-) (23:29:15) Florian: ich denke schon, dass wir da recht ähnlich wären (23:35:56) Florian: ich glaube auch, dass man über so eine partnerbörse nicht seinen traumprinzen findet, das passiert wohl eher auf einer party (23:37:59) Marc: ich bin auf jeden Fall froh, dass Du Dein Profil bei justbegay.de hast (23:38:18) Florian: und ich bin froh, dass du mich angesprochen hast :-) (23:38:58) Florian: ich finde wir verstehen uns schon nach so kurzer zeit super, das ist nicht oft so

Ich möchte ihn aber erstmal nicht direkt fragen. Zum einen weil ich mir selbst noch nicht ganz sicher bin, was ich möchte, zum anderen weil es sicher sinnvoll ist, sich etwas Zeit zu geben und nichts zu überstürzen. Außerdem hatte ich bei Paul nicht gerade Erfolg damit, ihm Interesse einzugestehen. Okay, immerhin wusste ich dann, dass es ihm nicht so geht, zum anderen hat er aber vielleicht deshalb dann mein Verhalten falsch interpretiert und den Kontakt abgebrochen. Nicht dass ich Angst hätte, dass mit Florian sowas passieren könnte, da er so eine Situation (Freund verliebt sich in ihn, andersherum aber nicht) schonmal hatte und damit (wie er erzählte) vernünftig und verständnisvoll umgegangen ist (ihm selbst ging es andersrum auch schonmal so). Aber trotzdem sagt mir meine Vernunft, noch etwas zu warten, und dann vielleicht auch nicht direkt Tacheles zu reden, sondern es eher mit Taten auszudrücken bzw. anzudeuten. Falls ich mich das dann traue...

Erstmal abwarten, wie es morgen auf der Party im N8 wird. Ein Freund von ihm kommt auch mit, und mit dem würde ich mich sicher auch gut verstehen, meinte er.

Florian hatte mich heute noch auf eine Webseite hingewiesen, wo für einen anderen Stammtisch (Dienstags im Trash) geworben wurde. Ich habe den Initiatoren mal eine Mail geschrieben, sie haben normalerweise wohl auch im N8 einen Stand bei der OS-Gay-Night, dann geh ich mal morgen hin. Trotzdem habe ich aber auch genug Flyer gedruckt, um selbst Werbung zu machen bzw. die anderen zum Verteilen mitzugeben.


Tagebucheintrag vom 17. Oktober 2004

Gestern abend war ich mit Florian zusammen das erste Mal auf der OS-Gay-Nacht im N8. Wir haben uns vor dem Eingang getroffen, wo ich als ich auf ihn wartete ein Gespräch "Musst schwul sein, um da reinzukommen" - "nein, wir sind zu besoffen" mitbekam, woraufhin die zwei oder drei Leute dann noch eine Fackel ausbliesen und dann langsam abzischten... Dann kam Florian auch schon. Er hatte sich extra zurecht gemacht, mit Gel in den Haaren. Das sah wirklich gut aus. Ich war einen Tag vorher noch beim Friseur gewesen, und ihm gefällt das mit den kurzen Haaren auch viel besser, sagt er.

Am Eingang fragte ich, ob ich meine Flyer dort hinlegen durfte, und nach kurzer Ansicht wurde das bestätigt. Ein paar hatte ich noch im Portmonee, um sie bei Interesse drinnen verteilen oder auslegen zu können. Nun zeigte mir Florian erstmal die Räume. Ziemlich am Eingang sahen wir auch die Leute vom Gaycityclub, die den Stammtisch im Trash angekündigt hatten. Nach einem kurzen Rundgang sind wir dann dort vorbeigegangen, solange es noch nicht so voll war. Ich habe meine Flyer verteilt, erzählt was ich so mache und nach deren Stammtisch gefragt. Sie wussten nichts von meinem, sehen sich aber nicht als Konkurrenz ("wir sind doch eine große Familie, das ist keine Konkurrenz"). Ich habe angeboten, dass sie ja mal Donnerstags bei mir vorbeischauen können, und ansonsten auf die Mailadresse und Handynummer im Flyer hingewiesen, um sich mal absprechen zu können. Gemeinsamen Aktivitäten stehen sie aufgeschlossen gegenüber. Sie haben Florian und mich dann auch gleich zu gebracht, selbst in dem Club (kostenlos) Mitglied zu werden, um Vergünstigungen bei Partys und anderen Veranstaltungen in Anspruch nehmen zu können. Da man seine Postanschrift angeben musste, fragte Florian gleich, ob da denn was hingeschickt würde (bei seinen Eltern ist er noch nicht geoutet). Soll aber nur was per Mail verschickt werden.

Im Laufe des Abends sah ich etliche Leute, die ich von Gay in May, Stammtisch oder Frühstück im Schwulenreferat her kannte. Etwas später kamen noch Florians Bekannter von der Party und dessen Freund dazu. Die drei anderen tanzten ganz gerne (der eine mehr, der andere weniger). Ich stand die meiste Zeit eher steif dabei, wurde aber zwischendurch mal von verschiedenen Leuten die mich kannten gegriffen und in Bewegung gebracht. Ein wenig hat das vielleicht gebracht, aber so recht komm ich trotzdem noch nicht aus mir raus. Aber wird vielleicht noch, wenn ich häufiger dort bin.

Um etwa 3 Uhr bin ich dann gefahren, weil ich Sonntag morgen Orgelspielen musste und noch etwas Schlaf brauchte. Zum Abschied gab es noch eine herzliche Umarmung mit Florian. Ich habe das Gefühl, dass die jedes Mal inniger werden. Als ich dann so gegen 4 Uhr im Bett lag, konnte ich zunächst nicht einschlafen. Meine Ohren rauschten und pfiffen von der lauten Musik, mir spukten noch die ganzen Bilder und Eindrücke des Abends im Kopf herum. Irgendwann gegen 6 Uhr bin ich dann eingeschlafen, um zwei Stunden später vom Wecker geweckt zu werden. Trotzdem bin ich erstaunlich fit.

Heute Nachmittag habe ich dann einem Arbeitskollegen und Bernd von gestern erzählt, mir die Fotos der Party online angeschaut, und dabei gemerkt, dass ich mich wohl gestern doch heftig in Florian verliebt haben muss. Dazu kam noch, dass er den Nachmittag über zwar in ICQ online war, aber nicht reagierte. Auch eine SMS die ich ihm schrieb, wurde noch nicht ausgeliefert. Ich hatte ihm vorgeschlagen, um 18 Uhr in Münster "Sommersturm" zu gucken, aber mangels Reaktion fiel das natürlich flach. Eigentlich hatte ich mit Bernd und Sven "Der Untergang" sehen wollen, aber Bernd war krank geworden.

Es fällt mir aktuell wirklich schwer, mich zu konzentrieren. Ich habe alle Anzeichen eines Verliebtseins, die entsprechenden Gefühle im Brustbereich, die Sehnsucht nach Florian und der Kummer darüber, dass ich ihn momentan nicht erreichen kann. Eigentlich würde ich ihm am liebsten sofort davon erzählen, aber ich halte es für besser, das vielleicht erstmal durch körperliche Zuwendung zu zeigen bzw. persönlich zu sagen.


Tagebucheintrag vom 18. Oktober 2004

Abends hat sich Florian endlich per ICQ gemeldet. Leider hat er die nächsten Tage und auch am Wochenende keine Zeit. Nachdem ich ihm gestanden hatte, dass ich ihn vermisse (was er mit einem "das hört man doch gerne *kissed*" beantwortete, sonst sagte er aber nichts weiter dazu), und ob er nicht wenigstens mal eine Stunde Zeit hätte, meinte er, dass es Donnerstag abend vielleicht möglich wäre. Er wird dann wohl zum Stammtisch kommen. Ich wäre ja lieber mit ihm alleine... aber lässt sich nichts machen. Kino am Samstag wird dann auch nichts. Er trifft Freunde, die er nur sehr selten sieht.

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich davon halten soll. Zum einen freut es ihn zu hören, dass ich ihn vermisse, zum anderen geht er aber nicht weiter darauf ein und scheint auch nicht so das Verlangen zu haben, mich zu sehen, da er das für diese Woche zunächst ausschloss. Mein Arbeitskollege empfiehlt mir, ihm Zeit zu geben und nicht so viel zu grübeln. Jan meint, ein Baum braucht auch Zeit, um Wurzeln zu schlagen. Er versteht aus eigener Erfahrung aber auch, dass ich gerne mit Florian allein wäre.


Tagebucheintrag vom 21. Oktober 2004

Ich habe mir den Akt-Kalender der Osnabrücker Sportstudenten gekauft. Hatte mir zwar mehr drunter vorgestellt, aber ein paar ganz nette Fotos sind wohl dabei. Das schöne ist, die haben das in beide Richtungen bedruckt, in einer Richtung mit Männern und in der anderen mit Frauen. Kann man sich die passende Seite aussuchen.

Beim Stammtisch waren wieder die üblichen Besucher der letzten Wochen, hatten aber noch wieder einen Freund mitgebracht, anscheinend auch Systemadministrator, Alter vermutlich etwa Mitte 20.

Einige waren am Dienstag beim Gaycityclub-Stammtisch gewesen. Dort waren so 15-20 Personen an mehreren Tischen, haben sich aber nicht unbedingt groß neue Bekanntschaften ergeben, weil man dann mit denen zusammensaß, die man schon kannte. Das Publikum soll aber allgemein eher jünger gewesen sein, ich sollte also doch auf jeden Fall mal dort vorbeischauen.


Tagebucheintrag vom 22. Oktober 2004

Beim Rückwärtsfahren vom FH-Parkplatz auf die Straße bin ich heute Mittag einem ca. 33 Jahre alten Mann in den (Firmen-)wagen gefahren. Bei ihm auf Fahrerseite beide Türen eingedrückt und Teil des Kotflügels. Bei mir hinten rechts kleinere Schäden. Zeuge war ein netter Student, 19 oder 20 Jahre alt. Wir haben uns ein bisschen unterhalten, während wir auf die Polizei warteten. Vielleicht läuft man sich ja zufällig nochmal wieder über den Weg.

Abends habe ich Knallharte Jungs geschaut - Tobias Schenke ist süß. Wärs nicht wegen ihm würd sich der Film auch nicht unbedingt lohnen.

Heute abend brach auch wieder das Liebesgefühl für Florian durch. Mir geht es beschissen, ich vermisse ihn. Er hatte mir gestern geschrieben, dass er versucht, zum Stammtisch zu kommen, es aber nicht versprechen könne. Er war nicht da, hat aber auch keine SMS oder sonstige Message zur Entschuldigung geschickt. Ich bin mir sicher, dass es ihm gerade nicht so geht wie mir, sonst würde er sich mit Sicherheit anders verhalten - und auch versuchen, Zeit zu finden, um mich zu treffen. Da er mir gesagt hatte, dass er diese Woche und am Wochenende keine Zeit hat (mit Ausnahme "vielleicht" zum Stammtisch) hat es auch keinen Zweck, ihm zu schreiben. Online ist er ohnehin nicht mehr gewesen seit Montag, zumindest nicht dass ich es mitbekommen hätte. Ich möchte ihm auch nicht auf die Nerven fallen, halte es aber auch kaum aus, ihn nicht zu sehen und nichts von ihm zu hören. Mein Gefühl möchte ihm gestehen, was ich empfinde, mein Verstand sagt aber, das lieber nicht zu tun, um nicht möglicherweise was kaputtzumachen (ihn zu sehr unter Zwang/Druck zu setzen). Lieber versuche ich durch zarte Annäherungen ihm zu zeigen, dass ich ihn mag, wenn wir uns das nächste Mal sehen.

Morgen abend werde ich mich ablenken können: Sven und Bernd haben mich eingeladen, zusammen mit einem bisexuellen Besucher, der bei ihnen ist, in die Kneipe und später zur schwullesbischen Party ins Divan zu gehen.


Tagebucheintrag vom 24. Oktober 2004

Endlich habe ich den Soundtrack von "Sommersturm". Den könnte ich die ganze Zeit über hören, einfach Klasse. Und bei "Vast - Flames" hab ich die Szene im Kopf, die Nacht nach dem Sturm und der nächste Morgen, wie während des Liedes nochmal alles schön im Überblick und Rückblick gezeigt wird. Da kommen mir direkt die Tränen.

Der Film läuft jetzt nicht mehr in Münster, aber momentan in Damme, täglich 16 Uhr. Das ist für Florian natürlich nicht zu schaffen. Hoffentlich kommt er auch am Wochenende noch.

Der Besuch im Divan gestern abend hat es nicht so gebracht. Wir waren zwar auch zu früh da, aber da war eine Livesängerin, die zwar sehr schön gesungen hat, aber das war keine passende Partymusik sondern deprimierte einen auf Dauer eher. Daher sind wir letzlich im Bivalent gelandet wo ich von einem Bekannten zur Tanzfläche mitgeschleift wurde und mich dann auch mal in der Richtung etwas ausprobieren konnte bzw. musste. Im Gegensatz zur Party letzte Woche, wo ich mehr oder weniger steif rumstand, ging es diesmal schon besser. Ich brauche nur Leute mit starker Persönlichkeit, die mich (physisch) dazu zwingen.

Bevor ich zu Bernd und Sven losfuhr, hatte ich endlich Florian im ICQ angetroffen. Ich habe ihn aber nicht auf meine Verliebtheit angesprochen, sondern nur belangloses (was ich so gemacht habe, was er so macht, wie es zeitlich nächste Woche aussieht etc.) angesprochen. Immerhin schön mit ihm gechattet zu haben.


Tagebucheintrag vom 25. Oktober 2004

Ich habe nochmal mit mehreren Leuten darüber geredet, wie ich mich Florian gegenüber am besten verhalte. Bernd empfahl mir, auf meinen Bauch zu hören und das erste zu tun, was mir einfällt, was ich tun möchte. Das ist definitiv, ihm zu sagen was ich fühle. Mir ist durch Bernd auch klargeworden, dass ich nicht ewig damit leben und mich verrückt machen kann.

Ein Kommilitone fragte noch, ob ich einnehmend sei. Keine Ahnung... kann höchstens in den letzten Tagen gewesen sein, dass ich Florian etwas genervt habe mit meinen Nachfragen, wann er Zeit hat.

Nachdem Florian dann per SMS mitteilte, dass er erst Samstag Zeit haben wird (da hatten wir uns ja ohnehin schon zur Party verabredet), habe ich heute abend dann einfach mal einer spontanen Bauchidee Folge geleistet und folgende SMS geschrieben:

"Bitte entschuldige falls ich dir in den letzten Tagen lästig gewesen sein sollte. Bei mir geht momentan gefühlsmäßig einiges drunter und drüber und zeitweise gehts mir eher dreckig... wenn wir mal Zeit finden für ein 4 Augen Treffen mehr dazu. Vielleicht klappt es ja Sa, wenn es bei dir eher nicht geht?"

Bislang leider noch keine Antwort auf die SMS. Ich bin gespannt, ob er antwortet. Wenn er auch nur ein freundschaftliches Interesse an mir hat, sollte er schon irgendeine Antwort auf so eine SMS schreiben. Ich hoffe, dass er neugierig wird und grübelt, was ich meinen könnte. Dann wird er es auch schneller und leichter zu einem Treffen kommen lassen.


Tagebucheintrag vom 27. Oktober 2004

Später abends am 25.10. hatte Florian noch auf die SMS geantwortet:

"Hey du bist mir doch nicht lästig, ich habe in der woche nur einfach immer viel um die ohren neben Arbeit auch noch Nachhilfe, zu hause viele sachen erledigen und dann noch Cisco, da habe ich leider nicht mehr so viel freizeit über. wir sehen uns aber auf jeden Fall Samstag! Gruß Florian"

Gestern abend kam dann noch folgende SMS hinterher:

"Ich hoffe aber stark, dass es dir nicht wegen mir schlecht geht... Gruß und bis Samstag!"

Ich habe also zumindest das Ziel erreicht, dass er über meinen Text nachgedacht und sich Sorgen gemacht hat. Schade nur, dass er hofft, dass es mir nicht wegen ihm schlecht geht. Okay, ansich ist das nachvollziehbar, aber er könnte ja drauf kommen, was dahintersteckt und sich darüber freuen. Sven meinte auch, dass sich das nicht danach anhört, als ob er die Gefühle erwidern würde. Julian meinte aber heute in der FH, dass er wenn er wenig Zeit hat eine innere Sperre aufbaut, sich nicht zu verlieben, auch wenn er das unter normalen Umständen tun würde. Das könnte bei Florian ja auch der Fall sein. Insofern bin ich gespannt, was das Gespräch Samstag ergeben wird und was die Zukunft dann bringt.

Heute habe ich auf der Webseite vom Dersa Kino Damme gesehen, dass Sommersturm am Wochenende noch läuft. Mit Florian habe ich mich jetzt für 17 Uhr am Samstag für den Film verabredet. Ich bin schon ganz heiß drauf, ihn noch ein drittes Mal zu sehen, vor allem weil ich momentan ständig die Filmmusik dazu anhöre.


Tagebucheintrag vom 28. Oktober 2004

Heute habe ich per ICQ mit Florian noch die Details abgeklärt: Wir werden uns Samstag in Damme am Kino treffen und danach zu mir fahren. Nachts gehts dann zur Party. Vorher aber ein klärendes Gespräch... Mir gehen verschiedene Möglichkeiten durch den Kopf. Wie wird er reagieren? Ist er einfach nur noch nicht soweit, oder schließt er eine Beziehung mit mit ganz aus? So wie Jan, der auch meinte, mich nicht lieben zu können? Die schönste Überraschung wäre, wenn er (vielleicht durch meine Andeutungen aufgerüttelt) Samstag merken würde, dass es ihm im Grunde nicht anders geht als mir und wir zusammen kämen.

Gerade habe ich den Film "trick!" gesehen, den ich von Florian bekommen hatte. Ein sehr schöner Film, der mich aber auch wieder ziemlich runtergebracht hat gefühlsmäßig. Ob ich mich traue, so wie dort der eine Junge dem anderen im Imbiss die eine Hand auf die andere legte, im Kino an meiner Lieblingsstelle Florians Hand zu nehmen? Immerhin noch vor unserer Aussprache...

Naja, ich werde all meine romantischen Gedanken jetzt erstmal mit ins Bett nehmen und ihnen vorm Einschlafen noch ein wenig nachhängen... und vielleicht ja von ihm träumen...?


Tagebucheintrag vom 29. Oktober 2004

Jan hat mich auf einen Artikel bei Spiegel Online hingewiesen, in dem es um die Problematik Homosexualität beim Profifußball geht. Es ist wohl für Profifußballer nicht möglich, sich zu outen, ohne übles erleiden zu müssen. Bislang hat es in Deutschland keiner gewagt. Liest sich ziemlich düster, ich hoffe dass es da bald Besserung geben wird. Einer muss mal den Anfang machen...

Bei einem Waldspaziergang habe ich mir schonmal Gedanken zu morgen gemacht: verschiedene Gesprächsteile und Möglichkeiten durchgespielt und Worte überlegt, und natürlich Wunschgedanken gehabt, was im idealsten Fall passieren könnte (z.B. Florian küsst mich und wir haben einen schönen kuscheligen Abend, kommen möglicherweise zusammen). Aber ich fürchte, dass es wohl eher so sein wird, dass er zwar Verständnis und "Mitleid" für mich hat, aber meine Gefühle (noch?) nicht erwidern kann.


Tagebucheintrag vom 30. Oktober 2004

"Du bist so ein lieber Kerl!" - so oder so ähnlich hat sich Florian vorhin mit süßer Stimme von mir verabschiedet. Das macht auf jeden Fall Hoffnung, auch wenn er nach eigener Aussage derzeit keine Liebe für mich fühlt. Aber fangen wir mal vorne an:

Im Film "Sommersturm" waren wir zuerst ganz alleine, dann kam noch eine Gruppe von drei oder vier Leuten dazu, sonst aber niemand mehr. Florian hat es genauso gut gefallen wie mir, ich hätte nicht zuviel versprochen, meinte er. Mir flossen an der bekannten Stelle und auch an einer anderen wieder die Tränen, mein Gesicht war richtig nass heute... das wird bei jedem Mal Gucken heftiger. Und dann noch mit Florian neben mir... Während des Films hatten wir häufig die Schultern aneinander gelehnt, weil wir uns zu Kommentaren einander zubeugten und dann die Schultern so ließen. Für Hände/Arme gab es keine so rechte Gelegenheit, wegen der Beschaffenheit der Sitze dort.

Zuhause angekommen haben wir uns dann Pizzen in den Ofen geschoben, Tee gekocht, noch kurz ein paar Worte mit Mama gewechselt, die gerade von der Kirche heimkam, und sind dann nach oben ins Wohnzimmer gegangen. Nach dem Essen kam dann die Unterhaltung so langsam auf das heikle Thema. Florian hatte wie vermutet schon gemerkt, was mit mir los ist und meinte, das sei eine seltame Situation für ihn, zumal er das auch genau andersrum nur zu gut kennen würde. Er würde aber derzeit nichts tieferes für mich empfinden, und das kann man ja auch nicht erzwingen. Immerhin hat er glücklicherweise kein Problem damit, wenn ich mich an ihn kuschele oder ihn drücke - ist ja in der Szene ohnehin ziemlich Gang und Gäbe, und er ist da recht offen und nicht kontaktscheu. Wir sind dann so verblieben, dass wir einfach versuchen, wie bisher weiterzumachen, und mal abwarten, ob sich bei ihm auch noch was entwickelt. Nur wenn er aus irgendeinem Grund mal der Meinung sein sollte, dass er sich sicherlich nicht in mich verlieben könnte (ähnlich wie bei Jan), wird er es mir sagen, damit ich mir keine weiteren Hoffnungen machen muss.

Es war sehr schön, so offen mit ihm reden zu können, und unser Umgang ist noch inniger geworden als vorher, da ich mich jetzt eher traue und er mich sicher auch trösten möchte. Es tut gut, die Gefühle nicht mehr verstecken zu müssen und sich auch nicht mehr die Frage stellen zu müssen, was er wohl für mich empfindet. Wenn sich bei ihm etwas entwickelt, wird er es mir jetzt ganz sicher sofort sagen, und auf so einen Moment kann ich jetzt hoffen und mich darauf freuen. Dennoch werde ich weiter mit offenen Augen durchs Leben gehen, vielleicht ergibt sich ja auch sonst nochmal was.

Das ist dann auch schon der passende Übergang zur Royal Gay Party im Con3, auf der wir dann nachts noch waren: Ein Bekannter steckte mir, dass jemand wohl ein Auge auf mich geworfen habe, und das habe ich dann auch gemerkt, als ich drauf achte, da er mich viel anstarrte. Er sieht zwar in gewisser Hinsicht ganz süß aus, aber nicht so ganz mein Fall, glaube ich.

Ich selbst hatte eher jemand anders ins Auge gefasst, der mir gleich ziemlich bekannt vorkam - entweder so wie ein Go-Spieler, der auch immer in der Lagerhalle zur Zeit des Stammtisches am Nebentisch ist, oder wie ein Student, der vor ein paar Wochen nach der Stadtführung für Erstsemester mal mit anderen Studenten dort saß und auch immer mal zu uns rübersah. Ich habe es dann tatsächlich gewagt, ihn anzusprechen (er verneinte aber, in letzter Zeit in der Lagerhalle gewesen zu sein) und ihm einen Stammtischflyer zu geben. Ich bin gespannt, ob er mal vorbeischaut.

Irgendwann recht spät hat mich Florian dann auch mal zum Tanzen überreden können, und trotz zwischenzeitlicher Rhythmusschwierigkeiten wegen des komischen Mixes, der dort gespielt wurde, ging das eigentlich ganz gut. Vor allem macht einen das wieder munter, wenn man schon müde wurde und wegen Rücken- und Beinschmerzen kaum noch stehen konnte. Dann war Florian aber irgendwann auch müde, und ich wollte die laute Musik meinen Ohren nicht weiter zumuten, so dass dann Gehen angesagt war (passender Zeitpunkt, die fingen an, Abba zu spielen...). Draußen am Auto dann noch eine lange herzliche Umarmung ("ich möchte Dich garnicht wieder loslassen" sagte ich), bei der besagter eingangs erwähnter Satz kam, dass ich so lieb wäre. Florian mag mich auf jeden Fall sehr, und auch wenn da momentan keine Liebe im Spiel ist, bin ich frohen Mutes, dass da noch was drinsitzen könnte. So ein Kompliment wie von Florian habe ich glaube ich bislang noch von niemandem bekommen, höchstens selbst ausgeteilt (z.B. an Jan).

Nachdem ich mir nun alles von der Seele geschrieben habe, werde ich auch müde, und hoffe dass ich diesmal besser schlafen kann.


Tagebucheintrag vom 31. Oktober 2004

Nachdem es immer schwieriger wurde, mit Sven und Bernd einen gemeinsamen Termin fürs Kino zu finden, habe ich "Der Untergang" heute mit meiner Mutter gesehen. Auf dem Weg zum Kino traf ich zufällig noch einen meiner Stammtischbesucher, der gerade mit seinem Hund unterwegs war.

Ab nächsten Sonntag werden endlich (nach fast einem halben Jahre Pause) die Mattenjahre weitergeführt. Zwischenzeitlich gab es dort wohl Verhandlungen über die Rechte an dem Tagebuch, letztlich wurden die aber nicht verkauft, um weiter freien Zugang für Interessierte zu gewährleisten. Eine schöne Entscheidung, ich habe jetzt auch mal eine Mail an Tim und Mitch geschrieben, und mich dafür bedankt und auf mein eigenes Tagebuch verwiesen, das ja durch die Mattenjahre inspiriert ist.


Tagebucheintrag vom 02. November 2004

Ich war mit Florian das erste Mal beim Gaycityclub-Stammtisch im Trash. War sehr nett und gemütlich dort, wenn auch die Musik und sonstige Geräuschkulisse verhindert, dass man sich mit allen Leuten am Tisch unterhalten kann. Statt dessen mündete das eher in Gespräche von 2-3 Personen. Es waren einige Leute da, die wir schon kannten (z.B. vom anderen Stammtisch bzw. Party) und natürlich die Cityscouts vom Gaycityclub, die wir auch von der Party im N8 her schon kannten.

Es war schön, neben Florian zu sitzen, und automatisch engen Körperkontakt zu haben. Ich habe ihn in den letzten Tagen aber nicht mehr so vermisst und keinen Kummer wegen ihm gehabt. Vielleicht lag es daran, dass ich viel anderes um die Ohren hatte, aber es hat sicherlich auch geholfen, sich mit ihm ausgesprochen zu haben (die Fronten geklärt zu haben) und sich nicht mehr damit belasten zu müssen, ob er wohl was für mich empfindet und wie sehr er mich mag oder nicht mag.


Tagebucheintrag vom 04. November 2004

Beim Stammtisch war heute einiges los. Jemand, der die Coming Out Gruppe "Cocon!" mal besucht hatte, war von seinem früheren Gruppenleiter auf den Termin hingewiesen worden und vorbeigekommen, das erste Mal überhaupt für ihn in der Szene. Außerdem waren ein paar andere Bekannte da, die teilweise auch noch jemanden mitbrachten, unter anderem auch Max, denjenigen, der bei der Party am letzten Samstag ein Auge auf mich geworfen hatte. Im Gespräch wirkte er ganz nett.

Später war ich bei einem Kommilitonen zur Wohnungseinweihung. Ich habe mich mit einem anderen Studienkollegen lange über mein Coming Out und meine persönliche Veränderung u.a. dadurch unterhalten. Hat ihn alles sehr interessiert, und er findet es sehr positiv, wie ich mich entwickelt habe. Im ersten Semester hielt er mich für etwas seltsam, weil ich zu keinen Partys ging und verschlossener war.

Am Ende des Abends sind wir dann noch zur FH-Party gefahren, wo ich aber nicht mehr allzulange war. Allerdings traf ich dort Max wieder. Nachdem er über ein Mädel, das er an der Theke kennengelernt hatte, und über Nicolas, einen Kommilitonen von mir, versuchte an mich heranzukommen und zu erfahren, was ich über ihn denke, kam es dann kurz vorm Gehen noch zu einem kleinen Gespräch, und auch auf der Rückfahrt im Auto (ich hab ihn noch in die Nähe seiner Wohnung gebracht, bevor ich Nicolas in einen anderen Ort in der Nähe brachte) haben wir uns noch unterhalten. Ich habe ihm gesagt, dass ich wohl merke dass er für mich schwärmt, aber momentan nichts für ihn empfinde, ihn aber bislang auch nicht direkt nervig finde (was seine Befürchtung war). Er hatte sich Samstag nicht getraut mich anzusprechen, weil es für ihn so aussah, als sei ich mit Florian zusammen (okay, in meiner Wunschvorstellung wäre das ja auch so...). Ich habe ihm von Florian erzählt, und dass es mir da ja im Grunde ähnlich geht wie ihm bei mir. Und ähnlich wie mit Florian habe ich mit diesem auch abgesprochen, dass man ja in Kontakt bleiben kann (über Stammtisch/Partys) und vielleicht entwickelt sich ja doch nochmal irgendwas. Aber momentan kann ich es mir mit ihm nicht so recht vorstellen. Es war nicht so leicht, gemeinsame Gesprächsthemen zu finden und eine Unterhaltung am Gange zu halten (das Mädel hatte gesagt "nun steht doch nicht wie zwei Eisblöcke nebeneinander!"). Das geht mit Flo einfach viel besser.


Tagebucheintrag vom 05. November 2004

Heute ist meine Schwester zu Besuch gekommen. Ich habe ihr die ganze Geschichte erzählt und wir haben uns darüber unterhalten. Sie meint, es hört sich eher nicht danach an, als ob ich mit Max was anfangen sollte.


Tagebucheintrag vom 06. November 2004

Ich habe Florian eine lange Mail geschrieben, mit den Erlebnissen vom Donnerstag, und dass ich in gewisser Hinsicht jetzt verstehe, wie es ihm geht wegen mir. Wobei die Situation ja noch etwas anders ist, weil Flo kein Problem hat, mit mir zusammen zu sein und mir in die Augen zu sehen, während das bei dem anderen momentan für mich schon ein Problem darstellt. Vielleicht liegt es auch an seinem starrenden Blick, den ich nicht so recht ertragen kann.

Abends bin ich mit Bernd und Sven im Magnets-Konzert in der Lagerhalle gewesen. War sehr schön, diesmal volle zwei Stunden Programm. Sie haben auch Anspielungen darauf gemacht, dass sie schwul sind ("Last time it was 'The Magnets Gay in May', this time it is 'The Magnets Gay in November'" etc.). Danach sind wir zum Unicum gegangen, wo schwul-lesbische Party war. Da wir mit die ersten waren, sind wir kostenlos hineingekommen. Wir hofften, dass die Magnets da auch später noch hinkommen würden (sie sollten von der Lagerhalle her eigentlich dahin geschickt werden), aber diese Hoffnung wurde leider enttäuscht.

Mit der Zeit füllte es sich dann doch noch etwas, wenn es auch nicht besonders voll wurde. Ein oder zwei Leute kannten wir wohl, ansonsten haben wir uns hauptsächlich unterhalten, und Sven hat auch ein paarmal getanzt.

Nachts im Bett hatte ich noch Gedanken wie "was wäre gewesen, wenn Flo mir abends eine SMS geschrieben hätte, dass er sich jetzt wohl doch in mich verliebt hätte": ich hätte ihn schnell angerufen und ins Unicum eingeladen. Und dann habe ich mir vorgestellt, wie wir uns zur Begrüßung küssen. Wie sehnsüchtig warte ich auf meinen ersten Kuss. Eigentlich unvorstellbar, mit 24 Jahren (fast 25) noch niemanden geküsst zu haben.


Tagebucheintrag vom 07. November 2004

Den ganzen Tag über habe ich sehnsüchtig auf die Mattenjahre- Fortsetzung gewartet, die heute veröffentlicht werden sollte. Leider war es erst Abends nach 23 Uhr soweit, und auch nur ein recht kurzer Abschnitt (3 Tage). Okay, ich hatte ausgehend von den bisherigen Fortsetzungen auch nicht mehr erwartet. Aber immerhin mal wieder ein spannenderer Bericht als das Ende des vorherigen Teils von vor der langen Pause (ein Neuer kommt in die Ringermannschaft, den Tim und Nils beide toll finden).

Ansonsten habe ich den Tag mit Computer und Fernsehen (z.B. "Mein wahres Leben in der Provinz", hatte mir Florian mitgebracht) verbracht.


Tagebucheintrag vom 08. November 2004

Julian hatte heute eine tolle Frisur, mit Gel in den Haaren. Eine andere Kommilitonin, mit der ich momentan in der Projektwoche zusammenarbeite, meinte zu ihm, das sehe geil aus, und ich habe das bestätigt. Aber sie scheint mich noch für hetero zu halten (fragte, ob ich schon verheiratet wäre und so. Okay, das heißt nichts, aber von dem was sie so redet, klingt das halt so).


Tagebucheintrag vom 11. November 2004

Max war wieder beim Stammtisch. Wir haben uns noch ein wenig ausgesprochen. Immerhin hat er keine Schmerzen wegen mir, sondern interessiert sich nur für mich und möchte mich gerne näher kennenlernen. Unangenehm war er mir heute nicht mehr und die Situation war ganz entspannt.


Tagebucheintrag vom 14. November 2004

Vorhin gabs die nächste Mattenjahre-Fortsetzung. Tim und Nils haben sich irgendwie ziemlich voneinander entfernt und haben sich nichts mehr so recht zu sagen. Ich hoffe ja nicht, dass die jetzt schon auseinander kommen. Hatte mich noch auf ein paar schöne Monate mit den beiden gefreut.


Tagebucheintrag vom 15. November 2004

Meine Mutter war abends bei einem Vortrag mit Diskussion zu Lebenspartnerschaftsgesetz und Homosexualität, auch in Verbindung mit der Kirche, der von der kfd angeboten wurde. War wohl ziemlich positiv und wurde gut aufgenommen. Es wäre auch eine lesbische Frau aus Osnabrück dagewesen, die mit Vorurteilen gekommen aber positiv überrascht war. Mal im Gay in May Orga-Kreis fragen ob jemand weiß wer das gewesen sein könnte.


Tagebucheintrag vom 17. November 2004

Julian hatte heute seine Haare wieder gegelt, und Nicolas hat mit seinem Handy ein Foto gemacht, das auch ganz gut geworden ist. Florian fand das Foto bzw. Julian auch toll.


Tagebucheintrag vom 19. November 2004

Heute Mittag an der Uni hab ich einen alten Mitschüler aus dem Gymnasiunm getroffen. Wir haben uns nett unterhalten, und ich habe mich gewundert, er hat auch so eine Art, einem in die Augen zu sehen (auch in Gesprächspausen), und nicht einmal zur Seite zu gucken... Hätte er nicht gesagt, er wohnt mit seiner Freundin zusammen, hätte ich ihn glatt für schwul gehalten.

Vorhin habe ich mich endlich mal bei Gayromeo angemeldet.


Tagebucheintrag vom 20. November 2004

Abends war ich mit Florian auf der N8 Party. War sehr schön, wir sind bis zum Ende um 5:15 Uhr dageblieben und ich habe ziemlich viel getanzt. Flo hat sich dabei etwas an einen anderen rangemacht und meinte, sie hätten auch Blickkontakt gehabt. Später war der dann aber plötzlich weg und Flo machte sich schon etwas Sorgen. Über nen Kumpel will er versuchen, Kontakt aufzunehmen.

Interessanterweise macht mir das eigentlich garnichts aus, wenn er sich für andere interessiert. Meine Gefühle sind doch irgendwie recht schnell wieder verflogen.


Tagebucheintrag vom 21. November 2004

Schade, es gibt nur ganz wenige Fotos von der Party letzte Nacht. Beim Strip sieht man nur den professionellen Tänzer, der nicht so attraktiv war, jemand aus dem Publikum, der sich etwas beteiligt hatte, ist nicht abgebildet. Den hab ich allerdings bei Gayromeo getroffen und ihm mal was nettes ins Gästebuch geschrieben.

Dafür gab es endlich wieder eine Mattenjahre-Fortsetzung, wenn auch wieder erst nach halb 12 abends.


Tagebucheintrag vom 22. November 2004

Hach, in der FH saß ich heute zwischen Julian und noch einem anderen süßen Kommilitonen. Mit Julian gabs auch zwischendurch immermal wenigstens geringen Körperkontakt. Himmlisch :-) Hab ihm vom Wochenende erzählt, er will auch wohl mal mit zu einer schwulen Party.

Während der Vorlesung bekam ich eine SMS von Florian. Er hat sich wohl ziemlich in den von der Party verknallt und hofft jetzt, dass er an die Nummer kommt. Hab ihm empfohlen, sonst mal bei Gayromeo zu suchen. Flo fragte netterweise noch, ob ich damit ein Problem hätte, aber hab ich interessanterweise eigentlich garnicht. Die Gefühle für Flo sind seit der Aussprache ziemlich zurückgegangen, ich hatte ja auch nicht mehr so viel mit ihm zu tun. Vom Aussehen her ist das bei ihm auch kein Problem, ich hatte mich hauptsächlich in bestimmte Gesichtszüge und seine freundliche Art verguckt, nicht in sein Äußeres. Und ich denke momentan, ich kann ganz gut damit leben, ihn einfach als guten Freund zu haben und zusammen zu Partys und teilweise zum Stammtisch zu gehen, vielleicht auch mal ins Kino wenns passt. Julian z.B. wäre mir ohnehin viel lieber... aber an den komm ich (weil hetero) wohl nicht ran.


Tagebucheintrag vom 25. November 2004

Beim Stammtisch heute wieder zwei neue Besucher und auch weitere Ankündigungen, wer noch mal so vorbeischauen will. Es wächst :-)


Nachträgliche (erhebliche) Erweiterung der Einträge aus Oktober/November

Da Florian und ich mittlerweile die Situation geklärt haben (und wie wir zueinander stehen), konnte ich jetzt endlich zahlreiche Details nachträglich veröffentlichen, die ich in den letzten Wochen nur privat aufgeschrieben hatte.

Folgende Einträge sind z.T. erheblich erweitert worden:

9.10. (ergänzt)

13.10. (neu hinzugefügt)

15.10. (ergänzt)

17.10. (ergänzt)

18.10. (neu hinzugefügt, alter Hinweistext auf fehlende Details entfernt)

22.10. (ergänzt)

24.10. (ergänzt)

25.10. (neu hinzugefügt)

27.10. (ergänzt)

28.10. (neu hinzugefügt)

29.10. (ergänzt)

30.10. (ergänzt)

2.11. (ergänzt)

4.11. (ergänzt)

5.11. (neu hinzugefügt)

6.11. (ergänzt)

11.11. (neu hinzugefügt)

20.11. (ergänzt)

22.11. (ergänzt)


Tagebucheintrag vom 04. Dezember 2004

Abends waren Sven, Bernd und ich zuerst im Kino in "Die fetten Jahre sind vorbei", danach auf der schwul-lesbischen Party im Unicum, auf der aber mal wieder nichts los war. Irgendwann sind wir dann ins Bivalent weitergezogen, wo es richtig voll war und wir noch ein paar Bekannte getroffen haben.


Tagebucheintrag vom 06. Dezember 2004

War heute etwas shoppen, hab mir zwei langärmlige, etwas enge Shirts für Partys gekauft. Freitag ist eine im Impuls, eine Woche später ist dann wieder OS-Gay-Night im N8.

Außerdem habe ich die Hausverwaltung angerufen, wo ich schonmal per Internet angefragt hatte. Morgen kann ich mir eine Wohnung in Osnabrück anschauen.


Tagebucheintrag vom 07. Dezember 2004

Ich habe mir zwei Wohnungen angesehen. Die eine war Mist (schmaler Schlauch, kaum vernünftig zu möblieren), die andere (noch bewohnt) sehr schön. Die derzeitige Mieterin möchte gerne einige Möbel mit verkaufen, da könnte man wohl drüber sprechen. Dauert aber noch etwas, bis sich das entscheidet, ob ich die Wohnung bekommen kann.


Tagebucheintrag vom 09. Dezember 2004

Heute war vom Stammtisch aus Filmabend angesagt. Etwa um halb 9 sind wir in einen der abgesonderten Räume in der Lagerhalle gegangen und haben uns "Club der gebrochenen Herzen" angesehen. Insgesamt waren ca. 14 Leute da heute. War günstiges Timing, weil im Foyer der Lagerhalle "Poetry Slam" war. Später konnten wir aber wieder an unseren normalen Tisch auf der Empore gehen.


Tagebucheintrag vom 11. Dezember 2004

Gestern abend war ich mit Flo und Julian auf einer Gay-Party im Impuls-Club. Dort war zwar nicht so viel los, aber der Abend war trotzdem einmalig, da Julian so richtig in Kuschellaune war. Ich habe lange neben ihm, an ihn gekuschelt, gesessen, so dass echt jeder dachte, das sei mein Freund ("der *kann* nicht hetero sein", soll jemand gesagt haben). Die Ironie ist, dass ich das bislang noch mit keinem Schwulen so gemacht habe wie mit Julian. Vielleicht trau ich mich bei ihm eher, weil ich weiß, dass es keine weiteren Folgen haben wird, und auch weil ich Julian nun schon über ein Jahr kenne und einschätzen kann, wie er reagiert.

Mario hat mit seinem Handy Fotos von uns gemacht, die werden jetzt immer überall rumgezeigt, um mit Julian ("der ist ja so süß") anzugeben ;-)


Tagebucheintrag vom 16. Dezember 2004

Vor dem Stammtisch war Gay in May Orgatreffen gewesen. Josef von der Aidshilfe hat angeboten, einen Themenabend Aids/HIV zu gestalten. Stieß beim Stammtisch (der aber heute nur sehr dünn besucht war) durchaus auf gute Resonanz.


Tagebucheintrag vom 20. Dezember 2004

Bei der Weihnachtsfeier unserer Firma ist laut einem Kollegen spekuliert worden, ob ich Damenbesuch hätte, weil ich nicht kommen konnte und am Telefon vorher sagte, ich würde gerade Besuch bekommen. Er musste still in sich hineingrinsen. Eine Kollegin, die auch Bescheid weiß, dass ich schwul bin, hat keine Regung gezeigt, meinte er.


Weihnachten

Über Weihnachten ist natürlich in erster Linie Familie angesagt. Besuch von meiner Schwester, Orgelspielen bei den Weihnachtsmessen...

Aber am 25.12. abends wollte ich es mir dann doch nicht nehmen lassen, noch ein wenig in die Disko zu gehen und habe mich mit ein paar anderen Schwulen im N8 zu "House in the Sky" getroffen.

Irgendwie war es komisch, im N8 auf einer Hetenparty zu sein, wo wir bislang nur zu den Gaynights da waren. Flo und ich mussten uns die ganze Zeit sagen, dass das fast alles Heten sind, und wir waren auch der Meinung, dass das schwule Publikum mehr Spaß macht.


Tagebucheintrag vom 30. Dezember 2004

Abends habe ich eine Wohnung in Osnabrück, Nähe Rosenplatz, besichtigt. Die war auch nicht übel, werde da morgen mal bei der Hausverwaltung Interesse anmelden. Die Vormieterin ist Studentin an der Uni und wohnt da erst seit drei Monaten. Jetzt will sie mit einer Kommilitonin zusammenziehen.

Von der Lage her ideal, nahe am Rosenhof und am Bivalent, und auch zum N8 noch zu Fuß zu schaffen (oder mit Fahrrad). Eine Buslinie fährt direkt durch bis zur FH am Westerberg.

Die Wohnung hätte Ostbalkon zum Hinterhof raus, durch die Häuserfronten vom Verkehr gut abgeschottet.

Danach war noch Stammtisch, wir haben unter anderem abgesprochen, wer morgen zur Silvesterparty mit ins KCM Münster kommt und wie und wann wir fahren werden.


Silvester / Jahresausklang

Morgens habe ich mich ziemlich aufgeregt, hatte ich mir doch extra den Wecker auf 9 Uhr gestellt, um die Hausverwaltung zu erreichen und mich wegen der Wohnung zu melden - und dann ging dort keiner ans Telefon. Weil ich noch weiterschlafen wollte, habe ich dann ein Fax hingeschickt, mit der Bitte um Rückruf, der aber auch nicht mehr erfolgt. Am Montag werde ich morgens mal anrufen, ob das Fax angekommen ist und direkt nachfragen wie es aussieht.

Abends fuhr ich dann erst zu Flo und dann später mit ihm zusammen nach Osnabrück, wo wir noch jemanden abholten. Dann gings nach Münster ins KCM (Schwulenzentrum) zur Silvesterparty. Nach einem musikalisch eher schlechten Anfang wurde es nachher noch richtig gut und vor allem proppenvoll, so dass man sich überall durchdrängeln musste und ständig anrempelte. Wir haben den einen oder anderen dort neu kennengelernt und trotz der miserablen Musikanlage dort schön (bis nach 5 Uhr morgens) Silvester gefeiert.


Tagebucheintrag vom 03. Januar 2005

Heute morgen bin ich um kurz nach 9 in der Vorlesung kurz rausgegangen, um bei der Hausverwaltung anzurufen. Mir wurde ein Rückruf versprochen, der dann erfolgte, als ich im Auto auf dem Weg ins Büro war. Wir müssten noch eine Bürgschaftserklärung ausfüllen (dass die Eltern für mich einstehen bei Zahlungsschwierigkeiten), und wenn die Creditreform nichts negatives melden würde, könnte ich die Wohnung dann haben. Diese Erklärung war allerdings dermaßen seltsam und unvollständig, dass wir telefonisch dann den Text noch handschriftlich abändern mussten, bevor man das unterschreiben konnte.

In der FH sah ich endlich Julian wieder. Hach war der wieder süß :-)

Ursprünglich war geplant, morgen abend mit Flo in "Sommersturm" in der Lagerhalle zu gehen. Der Film läuft dort als Sonderprogramm heute und morgen. Es passte uns dann aber doch nicht so gut, und morgen ist auch CCC Treff. Wird dann wohl Mittwoch werden mit dem Film.

Als ich dann abends mit Mama und Papa plante, das französische Bett aus dem Gästezimmer mit in die Wohnung zu nehmen, meinte Papa etwas in der Art wie "gerade ausgezogen und schon die Wohnung in eine Lastehöhle verwandeln". Mist, durchschaut ;-)


Tagebucheintrag vom 05. Januar 2005

Abends war ich mit Flo und jemand anders für "Sommersturm" verabredet. Der andere hatte vorher noch abgesagt, und Flo hatte sich noch kurz ausruhen wollen und hat dann verschlafen. So war ich letztlich allein in der Lagerhalle, traf aber noch jemanden vom Gaycityclub.

Ich stellte aber fest, dass es eher deprimierend ist, den Film allein (ohne guten Freund bzw. Geliebten) zu schauen. So ganz ohne süßen Kerl neben mir stimmt einen das nur traurig irgendwie... Daher werde ich jetzt auch früh schlafen gehen (bin ohnehin müde, hatte letzte Nacht nicht so viel Schlaf bekommen).


Tagebucheintrag vom 06. Januar 2005

Mein 25. Geburtstag. Da ich beim Stammtisch Süßigkeiten ausgab, haben es alle erfahren und gratuliert. Flo hatte eine nette Karte vorbereitet:

"Lieber Marc, ich wünsche Dir alles Gute zum 25. Geburtstag! Ich bin wirklich froh dass wir uns kennengelernt und so eng angefreundet haben!! Ich wünsche Dir für Dein neues Jahr viele süße Boys und dass Du endlich Deinen Traumprinzen triffst :-) Alles Liebe, Flo"

Ähnliches (Freund finden, Wohnung habe ja schon geklappt) bekam ich auch von meiner Schwester per E-Mail. Ich habe mich sehr über diese einfühlenden Wünsche gefreut.


Tagebucheintrag vom 07. Januar 2005

Nachmittags war ich bei einem Kommilitonen, eigentlich zum Lernen, aber letztlich haben wir dann über unser Liebesleben und alle möglichen allgemeinen Dinge geredet. Er ist auch immer interessiert an "schwulen" Themen.

Als ich nach dem Besuch nach Hause kam, waren hier schon drei Onkel und Tanten zum Doppelkopfspielen mit meiner Mutter. Sie hatten schon gehört, dass ich ausziehen will, und einer musste dann erstmal fragen, ob ich denn auch eine Freundin hätte. Normalerweise sei das ja der Zeitpunkt des Auszugs. Ich habe dann einfach nur nein gesagt und die Vorzüge des Wohnens in Osnabrück für einen Studenten erklärt. Das reichte den anderen dann zum Verständnis. Als ich einem Arbeitskollegen das erzählte, meinte er, solche Fragen würden sicher im Büro auch kommen, wenn das da bekanntwürde. Naja, je nach Tageslaune werde ich dann mit der Wahrheit antworten oder nur abwiegeln.


Tagebucheintrag vom 08. Januar 2005

Abends war ich mit Flo und zwei anderen in Bielefeld auf der Magnus-Party im Triebwerk. Uns hat es sehr gut gefallen dort, die die anderen haben teilweise auch dort jemanden kennengelernt, so dass es wohl ein erfolgreicher Abend war.

Die Rückfahrt wurde etwas verzögert, weil wir zuerst ewig an der Garderobe anstehen musste (die Party war schon irgendwann zwischen 4 und halb 5 zuende und dann wollten alle an ihre Jacken), währenddessen ich noch einer Lesbe mit Kopfschmerztabletten aushelfen konnte (eine Freundin gleich "Sind das auch wirklich welche?"). Danach musste Flo dann noch eine Tankstelle suchen, die um diese Zeit aufhat. Wir kamen in der Nähe von Bethel vorbei und angesichts des Erstaunens der anderen, dass ich mich dort auskannte, konnte ich dann erstmal meine Coming-Out-Geschichte erzählen, die mit dem Besuch bei Nils und Markus damals ihren Beginn genommen hatte. Auch einer der anderen im Auto meinte, dass sich ein Kreis schließe, denn seine Bekanntschaft hatte den gleichen Vornamen wie sein erster Freund, während der zweite Freund den selben Nachnamen wie der erste hatte.


Tagebucheintrag vom 10. Januar 2005

Heute Nachmittag rief die Hausverwaltung an, dass der Vermieter sich für mich entschieden habe. Ich kann morgen den Vertrag unterschreiben. Ich freu mich schon tierisch darauf, da endlich zu wohnen - ganz neue Freiheiten, und direkt im Leben, nicht immer erst nach Osnabrück fahren müssen.

Zu Bernds Geburtstag nächste Woche will Flo gerne mitkommen, und er möchte sich gern einen Spaß daraus machen, dort meinen Freund zu spielen, wenn er es auch nicht ist. Da bin ich ja mal gespannt :-)

Nachts gab es noch einen längeren Chat mit dem Kommilitonen, bei dem ich Freitag schon zu Besuch war. Er hat sich heftig in ein Date vom Sonntag verliebt. Er bat mich noch um Rat wegen einer SMS, die er schreiben wollte und wir redeten über unsere Liebschaften, Gefühle etc.


Tagebucheintrag vom 11. Januar 2005

Nach der Messtechnik-Klausur mittags und einem Abstecher ins Büro konnte ich dann um 15 Uhr den Mietvertrag unterschreiben. Später telefonierte ich noch mit der Vormieterin, um einige Details abzusprechen.


Tagebucheintrag vom 12. Januar 2005

Heute hab ich schonmal ein Besteck-Set bei Edeka gekauft, das sie dort gerade hatten, außerdem Teefilter bei Aldi Aktuell, und Mama und mir ein paar Tassen und Untertassen von einem Geschäft im Nachbarort mitgebracht. Man muss ja langsam schonmal seine Einrichtung zusammenbekommen. Für die Hausrat-Versicherung muss ich noch eine Liste des Inventars machen, das ich voraussichtlich haben werde. Garnicht einfach zum jetzigen Zeitpunkt.

Flo hat abends (wie er mir per ICQ schrieb) drei Stunden mit seinem besten Freund telefoniert. Geoutet hat er sich da aber auch noch nicht. Meine Anmerkung, dass der ja eigentlich zuerst dran sein müsste, hat er bestätigt, aber sofort machen wollte er es dann doch nicht. Aber ich trieze ihn immer weiter. Er ist ja immerhin gewillt, nur doch irgendwie feige und schiebts immer gerne alles vor sich her. Seine Eltern wären dann ja die nächsten...


Tagebucheintrag vom 13. Januar 2005

Über eine Communityseite für Osnabrück habe ich vorhin eine interessante Nachricht bekommen: "Hi..Ich habe deinen Eintarg in dem Party- Planer gesehen! Mich hat das immer schon mal interessiert, ob Frauen eigendlich auch auf eure 'speziellen' Partys kommen dürfen...einfach so halt! Oder sind wir da wirklich so unerwünscht! Meiner Meinung ist da ja nichts dabei...aber man hört ja immer 'da darfst du als Frau nicht hin' usw. Würd mich freuen, wenn du zurück schreiben würdest!! Ansonsten viel Spaß am Samstag!"

Ich habe zurückgeschrieben, dass sie da keine Sorge haben müsste und viele Schwule Freundinnen mitbringen oder auch Hetero-Pärchen einfach so hinkommen, weil die Party gut ist. Und dass auch männliche Begleiter keine Angst haben müssten, wir seien nicht so schlimm wie manchmal unser Ruf ;-)


Tagebucheintrag vom 14. Januar 2005

Das Mädel von gestern hat sich für meine Antwort bedankt und schreibt, wir würden uns dann vielleicht morgen auf der Party sehen. Ich habe ihr geantwortet, sie soll mich dann ruhig ansprechen, ich würde mich immer schwertun, Leute wiederzuerkennen, vor allem von Fotos her. Nicht geschrieben habe ich dazu, dass das für Frauen oft besonders gilt ;-)

Meine Vormieterin rief an, Osnatel erlaubt wohl, ihren Telefonanschluss an mich zu überschreiben, so dass ich ihre Vertragslaufzeit übernehme. Sie fragt noch nach, ob auch die Umstellung von Analog auf ISDN in dem Zuge möglich ist. Nächste Woche treffen wir uns dann zum Ausfüllen der Formulare, dann kann ich auch nochmal etwas Messen und mich umschauen in der Wohnung.

Flo hat sich heute Abend einer ehemaligen Nachhilfeschülerin gegenüber per ICQ geoutet. Er hatte ganz schön Herzklopfen, aber ging alles gut und sie fand das Klasse. Ist aber bei Frauen meistens so (außer sie wollen was von einem), schließlich haben sie nur Vorteile: Schwule sind allgemein bessere Frauenversteher, und sie können mit ihnen befreundet sein, ohne dass die Gefahr besteht, man wolle was von ihnen. Und man kann über Männer reden und lästern ;-)

Flo meint, er habe damit seine Coming Out Phase in der näheren Umgebung eingeläutet. Ich bin ja mal gespannt wann seine Eltern dran sind. MÖglicherweise muss ich ihn da noch einigemale treten...


Tagebucheintrag vom 15. Januar 2005

Heute war die erste Gaynight im Rosenhof. Flo und ich waren doch positiv überrascht, wie schön das dort wurde, und auch wieviele neue Gesichter man dort sah. Ein für uns beide interessanter Typ, der aber wohl mehr an Flo interessiert war, kam leider aus Bremen, wie sich herausstellte. Da hat Flo das auch schnell wieder sein gelassen.

Einer im Rosenhof sah ziemlich aus wie ein ehemaliger Mitschüler aus meinem Abijahrgang. Ich habe ihn lange beobachtet (dachte aber schon, der sieht eigentlich zu alt aus), und ihn dann irgendwann mal angesprochen, ob er es ist - war er aber nicht.

Im Rosenhof lag ein Flyer für einen Schreibwettbewerb "Coming Out Geschichte". Ich denke da werde ich mitmachen. Mein Tagebuch hier ist ja eine gute Grundlage.


Tagebucheintrag vom 18. Januar 2005

Ich habe nochmal ein paar Dinge in der Wohnung ausgemessen und mit der Vormieterin den Osnatel-Übernahmeantrag ausgefüllt. Leider konnte ich ihn nicht mehr bei Osnatel vorbeibringen, weil die schon zu hatten, aber war vielleicht auch ganz gut, weil ich heute abend noch zu dem Schluss gekommen bin, doch erstmal kein ISDN zu nehmen. Die Fritz!Box, die ich verwenden möchte, kann analog und ISDN anscheinend ziemlich gleichwertig behandeln, und faxen kann ich auch gut über die MRS-Software in der Firma machen. Notfalls häng ich mir noch ein altes Modem an den Rechner, um was verschicken zu können. Der Rechner wird eh nicht immer an sein, um Faxe zu empfangen, dann kann das besser an die Firmennummer geschickt und mir als Mail zugestellt werden. Ich werde dann einfach nur DSL zusätzlich beantragen.

Danach war noch Gay in May Orgatreffen. Als ich gehen wollte (nächster Termin war Chaostreff) traf ich an der Theke der Lagerhalle noch zwei vom Stammtisch.


Tagebucheintrag vom 19. Januar 2005

Mist, das H90 in Köln hat leider zu, wie Flo herausfand. Das sollte ja so sein wie das Babylon in "Queer as Folk"... Aber es gibt einen Nachfolger, wo auch die Kings&Queens Party immer am 4. Samstag im Monat stattfindet. Kommenden Samstag können wir nicht, da Bernds Geburtstag ansteht (und sonst wären wir auch eher zur Youngs-Party in Münster gefahren), aber für den Februar haben wir es uns fest vorgenommen, nach Köln zu fahren.


Tagebucheintrag vom 20. Januar 2005

Mist, ich hab gerade festgestellt, dass am 18. Januar mein Jahrestag des Coming Outs den Eltern gegenüber war. Hab ich ganz verpennt. Am 6. Februar jährt sich das CO Bernd gegenüber. Werd ich ihn am Samstag auf seiner Geburtstagsfeier mal drauf ansprechen.

Osnatel wollte den Übernahmeantrag so nicht akzeptieren, das ginge so nicht. Daher musste ich mir heute abend noch schnell eine Unterschrift meiner Vormieterin holen, unter einer formlosen Übernahme-Einverständniserklärung. Morgen also nochmal zu Osnatel. Und auch zur Versicherung muss ich noch mal, die haben mir für die Hausratversicherung Unsinn erzählt, wie Papa heute feststellte. Ein Kollege hat ihm nämlich was ganz anderes gesagt, und ich komme wohl doch billiger weg. Grmpf, dass es keine Dienstleister gibt, die mal Ahnung haben und wo die linke Hand auch weiß was die rechte tut.


Tagebucheintrag vom 21. Januar 2005

Osnatel hat den Vertrag jetzt akzeptiert und mit der VGH habe ich auch eine vernünftige Hausratversicherung abgeschlossen. Das einzige was ich heute vergessen habe: mir die Sommersturm-DVD zu kaufen, die gestern erschienen sein soll. Naja, mal morgen oder Montag schauen.


Tagebucheintrag vom 22. Januar 2005

Mittags wollte ich nach der Algorithmen&Datenstrukturen-Klausur eigentlich die Sommersturm-DVD kaufen, fand die aber nirgendwo. Eine Suche im Internet ergab dann, dass sie erst Anfang März erscheint :-( Haben die einfach den Termin verschoben!

Heute abend war Bernds 40. Geburtstags-Feier. Außer Flo und mir war noch ein schwules Paar (lange Freunde von Bernd und Sven) dort, außerdem zwei Lesbenpärchen. Der Rest war meist ab Mitte 30, mit Ausnahme eines Arbeitskollegen von Sven, zu dem Flo und ich uns dann gesellten.

Flo und ich (vor allem ich) legten es an diesem Abend dann darauf an, dass man uns als schwul und ggf. auch als Paar ansah, was uns wohl auch gelang. Obwohl das anfangs einfach nur anlächeln und in die Augen schauen war, später dann zusammen Tanzen und dabei natürlich auch tief in die Augen schauen, hat Svens Kollege wohl recht schnell kapiert und fragte Flo irgendwann, ob wir zusammen wären. Ob wir schwul seien fragte er erst garnicht, das war wohl sowieso klar. Er habe aber kein Problem mit sowas.

Sven betonte auch immer wieder, wie nett er Flo findet und wie vertraut wir wirken (wie ein altes Paar). Es haben ihn und Bernd wohl auch noch mehrere Leute gefragt, ob wir zusammen wären. Er sagte dann nur, nach seinen letzten Informationen nicht.

Na gut, später haben wir dann noch ein bisschen gekuschelt, uns in die Arme genommen bzw. die Arme umgelegt, die Gesichter aneinandergelegt etc. Sven meinte dazu "ihr seid süß!". Und Flo solle unbedingt so weiter machen mit mir, ich hätte mich ja sehr positiv entwickelt, dass ich jetzt tanze und wie ich mich verhalte und gebe. Aus mir würde noch der Extrovertierteste werden den er kenne (naja, das halte ich nun doch für übertrieben).

Die Musik an dem Abend war recht gemischt und weite Strecken nicht so unser Geschmack. Aber wir kamen immer mal wieder auf unsere Kosten und konnten nach uns genehmer Musik tanzen.


Tagebucheintrag vom 23. Januar 2005

Sven fragte heute nochmal per ICQ, wie es mir gestern gefallen habe, und schrieb, wie vertraut Flo und ich doch wären und dass er Flo sehr nett, offen und unkompliziert fände. Tja, jeder sagt wie gut wir zusammen passen und was für ein schönes Paar wir abgeben würden. Selbst er selbst sieht das so, aber Gefühle kann man nicht erzwingen, wie er immer dazu sagt.


Tagebucheintrag vom 25. Januar 2005

Alles wieder anders - meine Vormieterin wollte plötzlich doch ihren Telefonanschluss mitnehmen. Also morgen nochmal zu Osnatel und das klären. Hoffentlich klappt das alles so, dass ich nicht zu lange warten muss.

Abends bin ich zum Gaycityclub-Stammtisch gefahren. Eigentlich wollte ich nicht so lange dortbleiben, weil ich E-Technik lernen musste und auch nicht zu spät ins Bett wollte, allerdings ergab sich dort eine Kuschelrunde mit Flo, Max und mir auf dem Sofa, so dass ich den halben Abend mein Gesicht an Flos Gesicht hatte oder sonstwie an ihn gekuschelt war. Max hat ihn auch dazu gebracht, dass er mich küsste - "und jetzt auch nochmal richtig!", also mit Zunge. Hmm naja, war noch eher flüchtig und für mich (da das erste Mal) ziemlich ungewohnt und gewöhnungsbedürftig. Nicht so schön wie ich mir eigentlich vorgestellt hatte. Aber das wird sicher anders, wenn es mal einen schönen längeren Kuss gibt.

Es war wirklich ein sehr gemütlicher Abend und schwierig, von Flo wegzukommen. Man könnte immer so sitzen/liegen bleiben... Auf der Rückfahrt im Auto spürte ich schon wieder ein aufkeimendes Kribbeln für Flo. So bereitwillig wie Flo mit mir kuschelt und küsst (ihn hält nur die Rücksichtnahme auf mich davon ab, das auszuweiten, weil ich sonst hinterher wohl zuviel leiden würde, wie sich das anhörte) fällt es wirklich schwer zu glauben, dass er mich nicht liebt. Ich glaube nicht, dass ich das so mit einer Person könnte, die ich nicht liebe.

Vielleicht übernachtet Flo nächste Woche bei mir in der neuen Wohnung, nach Max Geburtstagsfeier. Ich habe ja die Hoffnung, dass ich Flo dann irgendwie auf mein Bett ziehen kann und er vielleicht dann einfach dort liegen bleibt...


Tagebucheintrag vom 28. Januar 2005

Heute war die letzte Klausur, abends dann entsprechend Feiern angesagt. Ich habe mich erst mit einigen Kommilitonen getroffen und später wollten wir dann eigentlich in den Rosenhof zur Semesterendeparty. Allerdings erfuhren wir über jemanden, der dort schon war, dass schon voll war und niemand mehr reinkam, so dass wir dann garnicht erst dorthin gefahren sind. Julian war auch mit dabei und wir haben nett gekuschelt, fast so wie mit Flo (nur ohne das Küssen, zumindest nicht so richtig).

Die anderen wünschten mir teiweilse später, als Julian weg war, dass ich mit ihm zusammenkäme, das fänden sie cool. Aber dazu müsste er ja erstmal erkennen, dass er bi ist oder sowas...

Flo hatte eigentlich auch zum Rosenhof kommen wollen, sagte aber wegen Kopfschmerzen und Übelkeit ab. Vielleicht wäre er gerade noch reingekommen, er wollte schon etwas eher hin als wir.


Tagebucheintrag vom 29. Januar 2005

Bei Gayromeo habe ich heute herausgefunden, wie man einen eigenen Club anlegt und die Rosa Panther dort eröffnet. Das vereinfacht dann in Zukunft das Verteilen von Infos über Ausfälle oder Terminplanungen.

Flo geht es wieder besser, aber er wollte heute einen ruhigen Tag machen. Schade, ich wäre gerne mit ihm abends irgendwo hingegangen, nachdem wir schon gestern nicht tanzen konnten. Statt dessen habe ich dann einiges am Computer erledigt, aufgeräumt und ziemlich viel altes Papier weggeworfen, um beim Umzug weniger Last damit zu haben.


Tagebucheintrag vom 31. Januar 2005

Oh je, das hat jetzt aber wieder Aufruhr in mir verursacht: Ich habe Flo heute gefragt, ob er Freitag nach Max Geburtstagsfeier bei mir in der Wohnung übernachten möchte und ihm auch angeboten, mit in mein Bett zu kommen (es müsse ja nichts außer etwas kuscheln passieren, wenn er nicht wolle). Und entgegen meiner Erwartung hat er nichts dagegen. "Ich vertrau Dir ja" meinte er. Nun ja, ich habe ihn vor meinen Hormonen gewarnt *g*. Jan meint, dass er ja vielleicht auf meine Hormone spekuliert und sich erhofft, dass da doch mehr passiert. Ich bin gespannt :-)

Nur, die Folge des Ganzen ist, dass ich gerade Flo mal wieder ziemlich vermisse und mir wünschte, wir würden jetzt schon da im Bett liegen. Im Grunde betrüge ich mich ja selbst damit, dass ich sowas mache, weil das nur alte Gefühle wieder nach Oben bringt. Aber ich kann es einfach nicht lassen, weil mir nicht in den Kopf will, dass Flos Verhalten wirklich nur rein freundschaftlich ist. Meiner Ansicht nach geht das darüber hinaus, und der Schritt zur Liebe kann da eigentlich nicht mehr weit sein. Deswegen habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es noch was werden könnte mir Flo und mir, und schaue immer wieder gerne, wie weit ich bei ihm gehen kann, in der Hoffnung, dass er irgendwann merkt, dass der lang gesuchte Traumprinz die ganze Zeit schon vor ihm steht. Jemanden zu finden, der mit dem er sich besser versteht als mit mir dürfte schließlich garnicht mal so einfach sein, wenn ich unser "Verhältnis" vom ersten Tag bis heute betrachte. Ich glaube, das ist schon etwas sehr besonderes zwischen uns (und das sieht Flo immerhin auch so).

Heute Nachmittag war dann noch die Wohnungsübergabe. Endlich ein eigenes Reich!


Tagebucheintrag vom 01. Februar 2005

Heute Nachmittag haben wir mit dem Bulli von Bekannten und unserem Auto schonmal Bett, Tisch, Stuhl und einige Kleinigkeiten in die Wohnung gebracht.

Später war Gay in May Orga-Treffen. Dort habe ich eine junge Frau aus unserem Ort kennengelernt. Sie war auch interessiert, zu erfahren wer ich bin, da ihre Mutter immer gerne wissen möchte, wer so im Ort noch schwul oder lesbisch ist. Sie war auch bei der Infoveranstaltung der kfd gewesen, bei der auch Mama war.

Auf meine Frage, ob sie denn noch von anderen Schwulen im Ort wüsste, erzählte sie von jemandem, den wir aber beide nicht näher kennen.


Tagebucheintrag vom 02. Februar 2005

Der Tag stand hauptsächlich im Zeichen von Lampen u.a. kaufen und mit Hilfe der Eltern in der Wohnung installieren.

Als wir gerade gehen wollten, kam Max mit einer Blume an. Er freute sich, dass er mein erster Gast war. Ich hatte leider nicht viel Zeit für ihn, weil Mama und Papa schon draußen am Auto warteten.


Tagebucheintrag vom 05. Februar 2005

Gestern haben wir tagsüber noch Lampe, Garderobe und Duschvorhang in der Wohnung angebracht. Mittags hatte ich eine Mail von einem 29jährigen Student aus Wien bekommen, der mein Tagebuch gelesen hatte, davon beeindruckt ist und einen Gesprächspartner suchte. Ich habe ihn in ICQ geadded, hatte aber noch nicht viel Zeit, mit ihm zu chatten.

Abends kam Flo dann erst zu mir, und wir gingen dann zusammen zu Maxs Geburtstag. Dort waren außer uns noch ein paar vom Stammtisch und einige Verwandte von Max (Geschwister, Cousin, teilweise mit Anhang).

Max hat die ganze Zeit versucht, Flo und mich zu verkuppeln. Wir würden so gut zusammen passen, und wir seien beides so liebe Menschen, da wüsste er mich wenigstens in guten Händen. Aber Flo wiegelte wieder nur ab, da seien halt keine entsprechenden Gefühle für mich. Max redete aber auch auf ihn ein, sich doch einfach mal in der Nacht gehen zu lassen und zu genießen was ich ihm bieten könnte.

Genutzt hat es leider dann nichts: Wir haben zwar schön gekuschelt, aber als ich meine Handy tastend in tiefere Regionen bewegte, entspann sich in etwa folgender Dialog:

Flo: "na na" Ich: "versuchen musste ich es" Flo: "das hast Du ja jetzt dann." Ich: "es muss ja nichts bedeuten, wenn wir uns da einig sind" Flo: "Für mich muss da Liebe im Spiel sein. Einfach so ohne Gefühle, das möchte ich nicht"

Wir unterhielten uns dann noch darüber, ob ich sowas denn könnte, und ich erklärte, dass ich das durchaus könnte, wenn ich jemanden süß finde, aber ich würde gerade am Anfang in meiner Unerfahrenheit halt auch gerne Vertrauen zu der Person haben, und das sei bei uns beiden ja der Fall, bei den meisten Anderen die man vielleicht kriegen könnte aber eher nicht (da besteht die Gefahr, dass dann die ganze Szene über einen redet).

Trotzdem war es aber sehr auf- und erregend, so umschlungen neben Flo zu liegen, an ihn geschmiegt. Schlafen kann man dann nicht wirklich, und zur endgültigen Befriedigung fehlte dann halt noch was. Aber insgesamt eine sehr schöne Erfahrung.

Nächste Nacht schlafe ich zwar auch wieder in Osnabrück (wir fahren nach Bielefeld ins Triebwerk zur Magnus-Party), Flo will dann aber zuhause schlafen, weil wir dann beide mehr Schlaf kriegen und wir auch beide Sonntag noch was vor haben (ich Orgel spielen, er auch irgendwas anderes).

Nachmittags rief heute Julian an und erkundigte sich nach der Wohnung. Ich habe ihm erstmal brühwarm die Geschichte erzählt. Er fand das auch sehr schade, dass da nicht mehr passiert ist. Wir werden uns dann demnächst mal gegenseitig Besuche in den Wohnungen abstatten - er zieht auch gerade um, von einer WG in eine eigene Wohnung, in der Nähe von Max.


Tagebucheintrag vom 06. Februar 2005

Heute habe ich viel mit dem Alex aus Wien gechattet, der mich wegen des Tagebuchs angeschrieben hatte. Vielleicht kommt er mich mal in der neuen Wohnung besuchen, dann würde ich ihn mit zu einer Szeneparty nehmen. Ich habe einen Besuch in Wien zugesagt, wenn er da die Szene soweit kennengelernt hat, dass er mich wohin ausführen kann. Aber erstmal muss er den Mut fassen, sich bei einem Studententreff (ähnlich wie hier vom Schwulenreferat) zu melden und denen mal einen Besuch abzustatten. Dazu dränge ich ihn momentan, da er bislang kaum schwule Kontakte hat.

Die Party in Bielefeld abends war ganz nett, wenn auch nicht überragend. Mir gefiel sie aber immerhin noch besser als teilweise den anderen. Dort trafen wir auch noch zwei andere Osnabrücker.


Tagebucheintrag vom 07. Februar 2005

Laut Osnatel wird möglicherweise Donnerstag (am 10.2.) der DSL-Anschluss geschaltet. Dann kann ich endlich richtig einziehen. Abends habe ich wieder lange mit Alex gechattet.


Tagebucheintrag vom 09. Februar 2005

Gestern abend habe ich noch "Come Undone" ("Presque Rien") geschaut, den hatte mir Alex empfohlen. Heute bin ich dann auch endlich dazu gekommen, mal "Klassenfahrt - geknutscht wird immer" zu sehen. Zwar kein eigentlicher schwuler Film, aber doch mit netten Szenen in die Richtung und vor allem süßen Schauspielern, u.a. zwei aus "Sommersturm". Bernd schrieb, er habe den Film nicht so gut gefunden, aber mir gefiel er super.


Tagebucheintrag vom 11. Februar 2005

Beim Stammtisch haben wir gestern beschlossen, nächste Woche "Krámpack" zu schauen und uns dazu in einen Raum in der Lagerhalle zu verziehen, da im Foyer wieder Poetry Slam ist (Leute aus dem Publikum lesen eigene Gedichte vor und werden beweret).


Tagebucheintrag vom 13. Februar 2005

Die Emergency-Party im Fusion in Münster gestern abend war nicht so berauschend. Der Raum war relativ klein und voll, die Musik größtenteils nicht nach unserem Geschmack. Eine Zeitlang kam dann aber doch House und vernünftiger Pop, so dass man noch tanzen konnte. Auf jeden Fall aber gab es dort eine ganze Menge fürs Auge.


Tagebucheintrag vom 16. Februar 2005

Mein DSL war angeblich schon seit Donnerstag geschaltet, Montag habe ich mir dann die Geräte direkt bei Osnatel abgeholt, weil die Postsendung nicht angekommen war. Funktionierte dann auch sofort, dafür war Montag abend dann der Telefonanschluss gestört.

Dienstag war der wieder in Ordnung und ich bin mitsamt Computer eingezogen. Nun konnte ich auch endlich abends mal mit Alex aus Wien telefonieren. Das gab dann ein über zwei Stunden dauerndes sehr schönes, fröhliches Gespräch, bis wir leider durch eine neuerliche Störung meines Anschlusses getrennt wurden. Die Störung hält bis heute (einen Tag später) auch noch an. Telekom meldet alles in Ordnung, Osnatel sucht nochmal weiter.

Heute Abend war Gay in May Orgatreff, und danach habe ich noch eine ganze Weile mit Alex gechattet. Ich habe versucht, ihn zu überreden, dass er bald mal zu Besuch kommt. Er möchte nur erst seine Diplomarbeit fertig schreiben, andererseits meint er, er habe eine Schreibblockade. Ein Wochenende wird er doch wohl entbehren können und vielleicht hilft es ja sogar...


Tagebucheintrag vom 17. Februar 2005

Beim Stammtisch haben wir den Film Krámpack gesehen. Teilweise ziemlich lustig und ein süßer Hauptdarsteller, schöner Film. Leider hat die Werbung bei Gayromeo und auf der Homepage nichts gebracht, es waren trotzdem nur die üblichen Besucher da. Flo hatte noch zuviel zu erledigen und konnte nicht.

Ich hätte gerne noch mit Alex telefoniert, der heute in Wien Sommersturm schauen wollte, aber er kam im ICQ nicht mehr online. Die nächsten beiden Tage wird seine Mutter zu Besuch sein, da wird da sicherlich auch nichts draus.

Irgendjemand erzählte von einer Strategie, wie Heten bei schwulen Partys leicht die Freundinnen der Schwulen angraben könnten: So tun als seien sie schwul, dann hätten sie es leichter. Habe ich gleich mal Julian erzählt. Leider hat er kein Geld, um Samstag mit in den Rosenhof zu fahren. Morgen geht es aber erstmal mit Flo und noch jemandem zur Youngs-Party in Münster.


Tagebucheintrag vom 18. Februar 2005

Abends konnte ich doch noch mit Alex telefonieren. Seine Mutter war nur kurz dagewesen und wieder abgereist. Ihm hat Sommersturm auch sehr gefallen.

Die Youngs-Party war musikalisch nicht so besonders. Auf dem Weg ist Flo erstmal auf schneeglatter Autobahn ins Schleudern gekommen, ging aber gerade noch gut. Es gab wieder einige attraktive Jungs zu bewundern und Flo hat auch jemanden kennengelernt, mit dem er später dann am Knutschen war. Nur deprimierend, wenn immer alle, die ich selbst auch nicht unbedingt uninteressant finde eher mit Flo Blickkontakt haben und dann auch mit ihm in Kontakt kommen, während ich meist leer ausgehe...


Tagebucheintrag vom 19. Februar 2005

Heute abend dann endlich wieder eine Party (OS-Gay-Night) nach meinem Geschmack. Die Musik war einfach nur geil, ich habe sicher 4 Stunden am Stück durchgetanzt (sehr viel House, Techno, aktueller Pop/Rock, nur sehr wenig Black und nichts älteres wie auf den Partys in Bielefeld und Münster). Entsprechend tun mir jetzt tierisch die Füße weh, und morgen abend stellt sich sicherlich der Muskelkater ein. Aber das ist es mir wert. Gerade habe ich noch geduscht, weil ich so viel geschwitzt habe, das tat den Beinen und Füßen auch sehr gut.


Tagebucheintrag vom 21. Februar 2005

Erstaunlich, der Muskelkater vom Tanzen ist ausgeblieben. Bin ich wohl mittlerweile durch das ständige Partygehen schon trainiert ;-)

Dafür dann heute folgendes Ereignis: Da geht man das erste Mal in die Mensa am Schlossgarten und wen sieht man da? Einen Bekannten vom Frühstück im Schwulenreferat, der aber (zumindest wo ich da war) erst einmal dort war. Ich wollte mich erst an einen anderen Tisch setzen, sah dann aber ihn, er blickte auch auf, und ich ging zu ihm rüber, da er, so wie ich, ganz allein dort war. Er blies etwas Trübsal wegen verschiedener Fragen in seinem Liebesleben, nach unserem Gespräch ging es ihm aber schon viel besser, meinte er, und wir verabredeten uns für Donnerstag Nachmittag, dass er mich hier in der Wohnung besuchen kommt und ich ihm mal eine Folge Queer as Folk zeige, von dem er noch garnichts gehört hatte.


Tagebucheintrag vom 22. Februar 2005

Björn, einer vom Stammtisch, hat auch einen 29jährigen Wiener mit dem er telefoniert und den er jetzt eigentlich besuchen wollte, allerdings musste der erstmal ins Krankenhaus und darf einige Zeit nichts anstrengendes machen. Er will aber mal schauen ob er Kontakt zu Alex vermitteln kann, wäre ja schön, wenn er dort Anschluss hätte (auch wenn Björns Bekanntschaft glücklich vergeben ist, aber das ist ja egal). Für den Herbst ist dann schonmal ein gemeinsamer Besuch von Björn und mir bei denen angedacht.

Nachts habe ich dann noch die Tagebuchseiten überarbeitet und ein paar neue Einträge eingepflegt.


Tagebucheintrag vom 23. Februar 2005

In der Lagerhalle (ich war zur Gay in May Orga dort) wurde heute abend Fußball übertragen. Da waren etliche attraktive Jungs :-)

Danach habe ich hier erstmal den Aktkalender der Sportstudenten und zwei süße Poster aus der Exit aufgehängt. Wenn mich nun jemand hier besuchen kommt, sollte er wohl Bescheid wissen, das ist kaum zu übersehen. Da braucht man nichtmal eine passende Zeitschrift auf den Tisch zu legen, wenn man möchte, dass es jemand erfährt.

Alex hat heute das erste Mal im Tagebuch über sich gelesen und fand das recht seltsam und gewöhnungsbedürftig. Jan meinte dazu, er fände es schön, über sich zu lesen, dann wisse er wenigstens, ob irgendwas falsch angekommen sei.


Tagebucheintrag vom 24. Februar 2005

Meine Bekanntschaft aus der Mensa bzw. vom Frühstück her hat eine Stunde vor dem Treffen per SMS abgesagt. Auf meine Antwort kam dann nichts mehr weiter zurück.

Stammtisch war sehr nett heute. Mario hatte noch zwei Freunde mitgebracht, die das erste Mal dort waren.


Tagebucheintrag vom 25. Februar 2005

Heute abend war ich auf der Hochzeit eines Arbeitskollegen. Ich hatte im vorhinein schon überlegt, ob sich die Chance ergeben könnte, sich jemandem zu outen. Eine Kollegin und ein Exkollege wissen es ohnehin schon, sonst aber noch niemand. Naja, einer fragte mich wegen Frauen an der Uni, aber hat meine Antworten wohl nicht so recht deuten können (oder hat sich nichts anmerken lassen). Er meinte nur so "naja, ist ja auch mal ganz schön ohne Frauen". Deutlicher wollte ich dann auch nicht werden, so wichtig war es dann ja auch nicht. Am liebsten wäre ich mit meinem Freund dort gewesen, wenn ich denn einen hätte. Das macht das Outen viel einfacher.

Mit den Kollegen, bei denen ich bereits geoutet bin, habe ich mich dann noch länger unterhalten. Der eine freute sich über meine Entwicklung, dass ich jetzt nicht mehr zuhause rumhocke sondern viel lebenslustiger bin und auf Partys gehe. Der Bräutigam weiß übrigens über ihn schon länger, dass ich schwul bin, wie ich dann auch erfuhr. Der hat aber nie etwas angedeutet (und auch wohl damals nichts dazu gesagt, ist ihm wohl ziemlich egal/unwichtig).

Die Musik war größtenteils Mist, zum Tanzen kam ich überhaupt nicht. Zum Schluss nur noch ältere Sachen, dann bin ich irgendwann gefahren. War aber schön, einige Ex-Kollegen wiederzutreffen und die Partnerinnen kennenzulernen, soweit vorhanden. Ich war aber wohl der einzige Schwule dort, und außer mir gab es nur ein oder zwei weitere Singles.


Tagebucheintrag vom 26. Februar 2005

Heute abend wollten wir eigentlich nach Köln fahren zur Kings and Queens Party, aber wegen des schlechten Wetters (Schnee, Glätte) konnte ich die anderen überreden, dass wir das lieber in den nächsten Monaten mal machen. Ich hatte schon Last genug, nach dem Orgelspielen wieder nach Osnabrück zu fahren.

Statt dessen habe ich den Abend genutzt, um einen Entwurf für die neue Gay in May Seite nach Dees Vorlage zu erstellen.


Tagebucheintrag vom 27. Februar 2005

Nachmittags waren Mama und Papa hier, um meine Gardinen zu bringen und aufzuhängen. Jetzt fehlt evtl. noch ein Sofa, ansonsten ist die Wohnung ziemlich fertig eingerichtet und heimelig.

Abends habe ich noch meine eigene Webseite überarbeitet, so dass dort jetzt auch anhand von Layout (Regenbogenfarben im Logo) und Linkliste draus hervorgeht, dass ich schwul bin.


Tagebucheintrag vom 28. Februar 2005

Erster Vorlesungstag im neuen Semester. Gleich im Bus habe ich morgens Julian getroffen :-) und in der Vorlesung habe ich von hinten und von der Seite einen mir bisher unbekannten Schnuckel gesehen, wobei ich mir, als der sich mal weiter umdrehte, nicht mehr so sicher war, dass der wirklich auch von vorne so gut aussieht. Nachher war ich leider abgelenkt und konnte ihn beim Verlassen des Raumes nicht mehr näher anschauen.

Nachmittags war ich beim Friseur bei Galeria Kaufhof, aber mit der Behandlung/(nicht-)Beratung nicht zufrieden. Aber naja, erster Friseurbesuch in Osnabrück...


Tagebucheintrag vom 01. März 2005

19:40 Uhr

Gerade sitze ich im Zug, auf dem Weg zum CCC-Treff, der heute bei einem aus der Gruppe zuhause in Münster stattfindet. Eigentlich hatte ich mit einem anderen zusammen im Auto fahren wollen, aber wieder einmal machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung (ziemlicher Schneefall). Mit der Bahn kann ich mit meinem Semesterticket kostenlos nach Münster fahren, insofern ohnehin die bessere Lösung (ist auch sogar noch schneller, bzw. Busfahrt/Fußweg eingerechnet gleichschnell). Mein Arbeitskollege wird auch mal da sein, der war bislang nur einmal beim Treff, weil ihm das von Münster aus sonst immer zu weit ist.

Morgen nachmittag wollen wir mit einigen Studenten in meiner Wohnung Doppelkopf spielen. Julian kommt auch :-)

23:15 Uhr

Vorhin kurz nach der Abfahrt des Zuges sah ich in Münster in Bahnhofsnähe erstmal ein Erotik-Kino mit Gay-World. Sowas gibts wohl immer gerne in der Nähe des Bahnhofs, in Osnabrück auch (aus jedem Bus zu sehen, weil die genau davor vor einer Ampel halten müssen). Aber reingehen würde ich in so einen Laden wohl nie.

Mit mir hier im Wagen sitzen zwei Studenten, die aber ganz sicher hetero sind, das lässt sich schon aus der Unterhaltung entnehmen, wie sie über Kommilitoninnen reden.

00:50 Uhr

Zwischendurch habe ich im Zug von den beiden Studenten nochmal das Wort "homosexuell" aufgeschnappt. Aber ich konnte nicht so recht herausfinden worüber sie gesprochen haben. Gerade an der Stelle wurden sie plötzlich ziemlich leise... Ich glaube aber, dass die beiden ganz sicher hetero waren.


Tagebucheintrag vom 03. März 2005

Ich fahr jetzt häufiger mit Julian im Bus zur FH und wieder nach Hause. Wenn ich in Kurven oder beim Abbremsen/Beschleunigen beim Stehen in seine Richtung ins Straucheln komme, grinst er sich immer einen und sagt "das war ja wieder klar". Als ob ich das extra machen würde. Obwohl es mich bei ihm natürlich wirklich nicht stören würde, auf ihn zu fallen.

Beim Stammtisch waren zwei neue, einer der das im Internet gesehen und einfach mal vorbeigekommen war, und jemand der von einem eingeladen worden war. Letzterer kennt Nico, meinen Stammtischmitbegründer, noch von früher und wir konnten ganz gut über ihn lästern. Nico wohnt jetzt in Nürnberg wohnt, wo er Bekannte hat. Der Grund für den Kontaktabbruch könnte sein, dass er hier einigen noch Geld schuldet...


Tagebucheintrag vom 04. März 2005

Heute kam endlich die Sommersturm-DVD raus, die ich mir natürlich sofort gekauft habe. Da sind tolle Specials drauf, z.B. Making Of, herausgeschnittene und verpatzte Szenen und Kommentare des Regisseurs.

Nachts hat mich Alex noch angerufen. Er war ziemlich deprimiert, weil er einsam ist, Zukunftsängste hat, mit seiner Diplomarbeit nicht weiter kommt und mit seinen Freunden über seine Probleme aus jeweils unterschiedlichen Gründen nicht so reden kann, wie er gerne möchte. Ich habe ihm gesagt, es ist das beste, wenn er erstmal die Einsamkeit bekämpft, indem er in die Szene geht, Leute kennenlernt, Partys feiert. Das hat mir ganz gut geholfen, und wenn er da Spaß hat und zufrieden ist, wird er auch für seine Zukunft rosiger sehen.


Tagebucheintrag vom 05. März 2005

Die erste Gay Construction Party im N8. Das Cheops war vom großen Teil getrennt, Eingang für die Gay-Party war auf der anderen Seite (Notausgang). Erst war es recht leer, später füllte es sich aber doch noch etwas. Um kurz nach 4 sind wir aber gegangen, weil dann doch kaum noch jemand da war. Die Musik war recht technolastig, auch etwas House, aber hätte mehr sein können. Zwischendurch ganz kurz mal Black. Rosenhof ist abwechslungsreicher. Einer war dort, der mich immer mal anschaute, der kam mir auch irgendwie bekannt vor, aber ich weiß nicht woher. Vermutlich Gayromeo, aber ich habe ihn dort bislang noch nicht wiederfinden können. Man bräuchte ein Internet-Terminal mit Gayromeo-Zugang bei den Partys ;-)

Ansonsten schienen die Interessanten vergeben oder nicht interessiert zu sein (kein vernünftiger Blickkontakt). Naja, wie immer halt.

Dafür habe ich bei Gayromeo gerade das Profil von Ramón entdeckt, der ein ähnliches Internettagebuch führt wie ich, allerdings ohne die Namen zu ändern. Das nehm ich jetzt mal zum Anlass, auch seinen Namen hier unverändert zu lassen ;-)

Link zu seinem Tagebuch: http://www.mylife.gmxhome.de

Ramón kommt mir bildlich auch ziemlich bekannt vor, auch vom Namen her, (der ist ja eher ungewöhnlich). Auf jeden Fall dürfte ich ihn auf so einigen Partys gesehen haben. Er schreibt ja auch, dass er dort war.

Ich habe ihm jetzt erst einmal eine längere Message über Gayromeo geschrieben, über sein Tagebuch, den Link zu meinem mitgeschickt, und gefragt ob wir uns vorhin auf der Party im N8 gesehen haben, oder das letzte Mal vor zwei Wochen im Rosenhof. Ich bin gespannt was er antwortet.

Irgendwann beim Tanzen tickte ein Bekannter von Flo und mir plötzlich ziemlich aus, zeigte irgendwelchen anderen Leuten in unserer Nähe einen Vogel und war richtig ärgerlich. Keiner wusste was das sollte. Später nahm er mich beiseite und erklärte mir, die anderen beiden hätten sich über Flo und mich lustig gemacht, wie wir aussähen, wie wir tanzen, keine Ahnung. Denen passten unsere Nasen halt nicht. Und sowas könne er absolut nicht abhaben. Dann sollten sie doch einfach woanders hingucken. Deswegen sei er so ausgetickt. Wir hatten das garnicht so mitbekommen, aber ich fand das sehr nett und süß, wie er sich für uns einsetzte und uns das erklärte.


Tagebucheintrag vom 06. März 2005

Ramón hat nett geantwortet und schaut sich auch mein Tagebuch mal an. Bislang hat sich keiner beschwert, dass er so aktuell und ohne Namen zu ändern dort schreibt. Falls die Leute das überhaupt wissen... Ich muss mir das Tagebuch bei ihm auch nochmal in Ruhe durchlesen, wo hat man sonst schonmal die Gelegenheit, Ergüsse über die Osnabrücker Szene nachzulesen.

Angesichts einiger Dinge, die ich erzählte, meinte meine Schwester vorhin am Telefon, die Leute hier in der Szene seien ja alle komisch. Flo ist einer der wenigen unkomplizierten, liebenswerten Personen, mit dem man sich dann auch von Anfang an so gut verstanden hat. OK, ein paar weitere gibts da schon noch, aber niemand mit dem ich mich so gut verstehe.


Tagebucheintrag vom 13. März 2005

Nach dem Sonntagsgottesdienst traf ich die Tochter einer anderen Organistin aus unserem Dorf. Dabei lernte ich auch ihren Freund kennen: Hammer, ist der gutaussehend und nett und hilfsbereit (er half, einige Kästen wegzutragen). Um ihn kann ich sie echt nur beneiden.

Im Fernsehen kam abends Spiderman mit Tobey Maguire *lechz*

Ich habe meine Coming Out Story für den Wettbewerb vom Inhalt her weitestgehend fertig. Jetzt muss ich nochmal schauen, wo man die Formulierungen verbessern und die Geschichte spannender machen kann (z.B. durch Dialoge, die ich mir allerdings weitestgehend aus den Fingern saugen müsste). Alex wird auch noch einmal korrekturlesen und Vorschläge anbringen.


Tagebucheintrag vom 14. März 2005

Ich habe Billy Elliot geschaut (hatte mir Alex empfohlen) und noch etwas in Ramóns Tagebuch und in Max Buch "Schöne Männer muss man küssen" gelesen. Außerdem habe ich mir das Buch "Bis zum Ende der Welt" von A. Steinhöfel gekauft, ebenfalls eine Empfehlung von Alex. Wird aber noch etwas dauern, bis ich dazu komme, es zu lesen.


Tagebucheintrag vom 16. März 2005

Im Büro habe ich einem Kollegen (dem gegenüber ich geoutet bin) Sommersturm gebrannt. Ein anderer Kollege sah das und fragte, was das denn für ein Film sei. Auf meine Schilderungen (von Coming Out erwähnte ich nichts) meinte er, das sei ja dann wohl ein Frauenfilm. Als ich das bestätigte, musste der Kollege, der Bescheid weiß, fast lustprusten und konnte sich nur schwer zurückhalten.

Alex hatte gestern noch Korrekturen für die Coming Out Story gemailt. Ich habe soweit alles überarbeitet und jetzt erst einmal noch Sven zur Korrektur geschickt.


Tagebucheintrag vom 17. März 2005

Mit dem Stammtischtisch waren wir auf dem Jahrmarkt, wo aber nicht viel los war, außerdem regnete es etwas. Daher fuhren wir gegen halb 10 in die Stadt, und während ich nach Hause ging, statteten die anderen noch Theo einen Besuch ab. Ich wollte noch zur FH-Party, eigentlich mit Ulf, der aber absagte, so dass ich allein hinfuhr, dort aber gleich Julian und Olaf traf.


Tagebucheintrag vom 18. März 2005

Ich war heute abend mit zwei Ex-Kolleginnen im Auto mit zu einem anderen Ex-Kollegen (der einige Freunde aus dem Umfeld seiner alten Arbeitsstelle eingeladen hatte) gefahren, und während der Fahrt ergab sich mal wieder ein Outing: Das Thema kam auf Schwule und eine von den beiden Frauen meinte, die Schwulen würden sich ja untereinander erkennen und sie würde das meist selbst auch wohl sehen, z.B. im Tanzkurs (sie gibt Kurse, wie ich das verstanden habe). Als mein leichter Widerspruch nicht so recht fruchtete, fragte ich sie, ob sie mich doch bestimmt für hetero halten würde? Ihre Antwort: "Bei Dir bin ich mir da nicht so sicher". Ich sagte dann einfach rund heraus, dass ich schwul sei und es entspann sich eine interessante Unterhaltung z.B. über die Osnabrücker Szene. Sie kennt unter anderem Theo und das Bivalent über schwule und lesbische Freunde.

Ich erfuhr außerdem von ihr, dass sie in der Anfangszeit in der Firma über mich dachte, dass ich selbst noch nicht so wisse, wo ich hingehöre (ob homo, hetero). Womit sie ja auch Recht hatte im Nachhinein betrachtet, denn das war so Ende 2001, Anfang 2002, die Zeit in der ich ins Grübeln geraten war.


Tagebucheintrag vom 20. März 2005

Gestern Gay-Night im Rosenhof: Irgendwann am späteren Abend meinte MAx auf einmal zu mir, es hätten zwei Leute nach mir gefragt (speziell einer von den beiden). Während ich mir etwas Hoffnungen auf einen Verehrer machte, stelle sich dann heraus, dass er Bernd und Sven gemeint hatte, die sich spontan mal die Party anschauen wollten (die ihnen auch gut gefiel). Beide lobten wieder meine Entwicklung und schwärmten auch von Flo.


Tagebucheintrag vom 24. März 2005

Ich bin gestern endlich dazu gekommen, das Template für die neue Gay in May Seite in Typo 3 zu erstellen. Ganz so schlimm wie ich erst dachte ist es dann doch nicht und lässt sich noch ganz gut lernen und handlen.

Heute abend kam "Sex Up 2". Mal wieder süße Schauspieler und eine schwule Hauptperson sowie einiges an schwulem Sex. Lustiger Film :-)

Ich übernachte bei meinen Eltern, da ich heute Abend (Gründonnerstag) Orgel gespielt habe und morgen Nachmittag den Chor in einer Nachbargemeinde auf dem E-Piano begleiten muss.


Tagebucheintrag vom 26. März 2005

Meine Coming Out Story ist jetzt beim Wettbewerb eingereicht. Die Jury liest sich im April alle Geschichten durch und entscheidet dann.

Ansonsten für Ostern Orgel geübt und in der Osternacht gespielt. Nachts kleine Party der katholischen Jugend in der Wohnung des einen Pfarrers.


Tagebucheintrag vom 29. März 2005

Gegen Abend bin ich bei Josef in der Aidshilfe gewesen, um seinen Computer wieder zum Laufen zu bekommen. Dabei streikte mein Fahrradschloss, so dass ich das Rad erst einmal dort stehen lassen habe. Von einem Bekannten habe ich mir eine Eisensäge ausgeliehen, damit fahr ich morgen nochmal hin und versuche das durchzusägen. Ich habe es in den Raum hineingestellt, damit es nicht nachts draußen steht, und kann nur daran, wenn Josefs Kollege dort ist (Josef ist jetzt erstmal im Urlaub).

Das Schloss hatte vorher schon Probleme gemacht, dass es nicht aufging, einen Schlüssel hatte ich schon abgebrochen, der andere ist jetzt verbogen. Vielleicht geht es ja morgen unverhofft dann doch auf (war schonmal so, als ich gerade jemanden um Hilfe fragen wollte). Ich kauf nie wieder bei Aldi ein Schloss...


Tagebucheintrag vom 30. März 2005

Okay, mit der Eisensäge hat es geklappt, ich konnte das Teil durchsägen und dann nach Hause fahren. Anschließend war ich mit dem Auto in Telgte im Büro.

Abends habe ich mich weiter um die neuen Gay in May Webseiten gekümmert und mit Alex gechattet und telefoniert.


Tagebucheintrag vom 01. April 2005

Heute Nachmittag bin ich bei wunderbarem Wetter mit dem zum Schölerberg gefahren und habe mich dort auf eine Bank gesetzt, um "Schöne Männer muss man küssen" weiterzulesen, damit ich es Max mal zurückgeben kann (bin nun fast durch). Ich versuchte mich auf der Bank langzulegen, aber das war recht unbequem. Da kam mir in den Sinn, man müsste einen Freund haben, und dann den Kopf bei ihm auf den Schoß. Was wohl die Spaziergänger dann sagen und denken würden...

Abends und nachts habe ich die neuen Gay in May Seiten soweit fertig gemacht und aktiv geschaltet, dass jetzt nur noch ein paar szenefremde Links und das eigentliche Programm fehlen. Letzteres ist nochmal eine aufwändige Sache, aber das muss jetzt endlich mal online, damit die Interessenten sehen könne, was wir so geplant haben.


Tagebucheintrag vom 04. April 2005

Samstag abend wollte Flo nicht mit zur Gay-Construction Party ins N8, weil er Kopfschmerzen hatte. Ich bin dann mit Max hingefahren, war aber nicht viel los. Wir haben trotzdem (auch bei zeitweise sehr leerer Tanzfläche) getanzt, und dabei beobachtete ich immer einen gut aussehenden, recht expressiv tanzenden, der ein klein wenig Ähnlichkeit mit einem Kommilitonen hatte. Er tanzte auch immer mal um mich herum, aber schaute dabei nicht auf. Wie ich später über Gayromeo von jemand anderem erfuhr, ist der von etwas weiter weg, geht selten in die Szene und auch eigentlich eher schüchtern. Mehr wusste er auch nicht. Leider habe ich mich nicht getraut ihn anzusprechen, anfangs weil ich dachte, er habe einen Freund, später weil er immer so wild in der Gegend herumtanzte (auch teilweise komplett allein auf der Fläche) und wenn er Pause machte nur ganz kurz und dann gleich wieder auf die Tanzfläche. Man kam wegen der Orts- und Aktivitätenwechsel schlecht an ihn heran.

Flo und ich haben bei Gayromeo jetzt den Altersnachweis erbracht. Ich bin gleich auf ein paar eklige Bilder gestoßen, vieles will man sich davon wohl eher gar nicht anschauen.

Max musste ich abends noch seinen Computer etwas in Ordnung bringen, was mir aber nicht vollständig gelungen ist. Alles voll von Dialern, Würmern und anderem Zeugs. Er hat sich Samstag bei mir bei Gayromeo angemeldet und möchte jetzt selbst immer online gehen können. Zumindest dieser Virus wirkt ;-)


Tagebucheintrag vom 05. April 2005

Vorm Stammtisch war ich in der Aidshilfe, um mit Josef und Frank den Rosa Panther Abend bei Gay in May vorzubesprechen. Wird eine Art Quiz mit Szenefragen. Danach dann in den Rosenhof zum Stammtisch, wo auch endlich mal wieder Flo dabei war. Außerdem bin ich mal richtig mit einem ins Gespräch gekommen, der häufiger dort ist, aber meist eher still. Wir stellten fest, dass er auch einen Freund in Wien hat, der ebenfalls (wie Alex) gerne ins Fitnessstudio geht. Wir wollen die beiden jetzt mal verkuppeln.

Er will auch noch Ramons Tagebuch lesen. Gefunden hatte er es schon und chattet auch bereits mit Ramon. Persönlich kennengelernt hat er ihn aber auch noch nicht.


Tagebucheintrag vom 06. April 2005

Abends habe ich Max noch eine ganze Menge Würmer, Trojaner und anderes Zeugs gelöscht, so langsam wird der Computer wieder. Aber irgendein Wurm scannt da anscheinend immer noch das Internet ab. Max kann jetzt aber einigermaßen online gehen.

Vorher hatte ich mich kurzzeitig aus dem Osnabrücker Büro ausgeschlossen (kurz zum Auto gelaufen und den Transponder innen vergessen, Handy und Portmonee lagen auch noch drinnen). Ich fuhr dann erst nach Hause und rief vom Festnetz aus verschiedene Kollegen an, bis ich einen erreichte, der mir netterweise aufschloss.


Tagebucheintrag vom 08. April 2005

Heute abend fuhr ich nach einem Pizzaessen mit Flo, Max und noch jemandem vom Stammtisch in die Aura nach Ibbenbüren, wo eine Party des Radiosenders sunshine live stattfand. Hat uns allen sehr gut gefallen, ist auch eine wirklich schöne Disco. Ein paar Schwule haben wir ausgemacht bzw. es von ihnen vermutet, wenn sie wie ein Paar aussahen. Ein paar vermutliche Heteros machten sich darüber lustig, dass Max später mit nacktem Oberkörper tanzten und spielten dann etwas schwul.


Tagebucheintrag vom 10. April 2005

Oh wie geil. Flo und ich haben unser erstes Date damals in der Pizzeria "Taormina" gehabt. Jetzt lese ich im Queer Quizbuch, dass in Taormina um 1900 Schwule "ihre Erfüllung und ihr privates Arkadien" fanden. "Der deutsche Fotograf Wilhelm von Gloeden macht mit seinen klassizistischen Männeraktfotografien den Ort weltberühmt". Das passt ja mal wieder wie die Faust aufs Auge...

Heute abend habe ich noch die letzten Würmer und Trojaner von Maxs Rechner herunterwerfen können, so dass er endlich problemlos ins Internet (und Gayromeo) gehen kann.


Tagebucheintrag vom 11. April 2005

Flo hat mir Fotos geschickt, die er Freitag mit seinem Handy von mir gemacht hatte. Sind zwar etwas unscharf, aber auf jeden Fall besser als meine alten, so dass ich die direkt in Gayromeo ins Profil gepackt habe.


Tagebucheintrag vom 13. April 2005

Vom Schreibwettbewerb ("Coming Out Story") habe ich eine Mail bekommen, dass ich noch einen Vertrag unterschreiben muss, damit die Story veröffentlicht werden kann. Muss ich mir mal in Ruhe anschauen. Thomas Hermanns sitzt mit in der Jury :)

Morgen ist endlich mal wieder Frühstück im Schwulenreferat (Beginn des neuen Semesters).


Tagebucheintrag vom 15. April 2005

Den Vertrag für die Coming Out Story habe ich in Absprache mit dem Knackpunkt e.V. noch so erweitert, dass ich die Story selbst auf meiner Homepage oder in anderen Medien veröffentlichen darf (allerdings nur nichtkommerziell).

Beim Stammtisch waren wir gestern nur 7-8 Personen und haben wegen des Poetry Slams den Film "Zurück auf Los" geschaut. Heute hatte ich folgenden Eintrag im Rosa Panther Forum: "Ich habe von 'diesem' Stammtisch schon so viel 'nettes' gehört! So 'nett' und 'tolerant' und er weiß mehr als die Person selbst!" Wer auch immer das ist und worauf er anspielt, er hat eine etwas böse Antwort von mir bekommen, dass man doch bitte Probleme mit einzelnen Personen direkt ausmachen sollte, statt die ganze Gruppe über einen Kamm zu scheren.

Auf der FH-Party letzte Nacht war Julian wieder ziemlich betrunken und "schwulte" herum. Zu einem anderen sagte er "Marc und ich sind schon seit ein paar Wochen zusammen". Das ist ein Schlingel...

Heute abend habe ich endlich die Gay in May Seite fertiggestellt (Beschreibungen zu den einzelnen Veranstaltungen), nachdem es seit vorgestern auch die Programmhefte gibt.

Ein Bekannter vom Stammtisch hat mir ein paar Ansichtsexemplare für einen neuen Stamtischflyer gegeben, schön in Vierfarbdruck auf festerem, glattem Papier (er arbeitet als Mediengestalter/Drucker). Ich bin mir noch nicht sicher, ob man die Pink Panther Figur da drauflassen darf. Auch die Texte muss ich noch etwas verbessern. Wirkt aber auf jeden Fall besser als die von mir selbst ausgedruckten alten Flyer.


Tagebucheintrag vom 17. April 2005

Auf der Rosenhof-Party war eigentlich vorgesehen, vom Gay in May Team aus dort Programmhefte zu verteilen. Das wurde aber von den Rosehof-Leuten verboten. Schon ziemlich krank, dass die Szene immer gegeneinander arbeiten muss.

Ramon hatte ich gestern auf der Party mal kurz angesprochen und ein paar Worte mit ihm gewechselt. Er traf sich aber mit anderen Gayromeo- Bekanntschaften, da wollte ich nicht weiter stören.

Ansonsten war die Party diesmal von der Musik her nicht so gut wie sonst, und auch der Frauenanteil war auffallend hoch.


Tagebucheintrag vom 20. April 2005

In der FH läuft momentan das Terrassenfest. Dort und auch schon mehrfach ganz normal in der FH ist mir in den letzten Tagen ständig einer über den Weg gelaufen, bei dem ich fast denken möchte, ich kenne ihn irgendwo aus der Szene. Auf jeden Fall sieht er gut aus. Mal sehen ob ich ihn einfach irgendwann mal anspreche... Allerdings stand er heute zwischendurch mal mit einem Mädel dort, aber garnicht mal lange. Muss noch nichts heißen. Aber ich schätze doch, dass er hetero ist.

Bei einer der aufgetretenen Bands soll er Bassist schwul gewesen sei und auch gut ausgesehen habe. Ich kam leider erst später.

Mario will Samstag nicht nach Köln (wir hatten eigentlich geplant, zur Kings and Queens Party zu fahren), weil er die nächsten Tage auf Dienstreise ist und erst Samstag mittag wiederkommt. Vielleicht fahr ich mit Max und anderen ohne ihn, mal schauen.


Tagebucheintrag vom 21. April 2005

Nach dem Stammtisch war ich noch im Film "Fucking Different", 15 Kurzfilme von schwul-lesbischen Autoren über das jeweils andere Geschlecht. Wurde im Rahmen des jährlich hier stattfindenden European Media Art Festivals gezeigt. Teilweise interessant, teilweise lustig, teilweise aber auch eher ätzend oder langweilig. Insgesamt aber lohnenswert. Im Kino traf ich einige, die ich vom Frühstück im Schwulenreferat her kenne. Vom Stammtisch aus hatte niemand mitgewollt.


Tagebucheintrag vom 22. April 2005

Heute Nachmittag habe ich das Buchgeschenk von Thalia für das Doppelkopf- turnier abgeholt und bei der Buchhandlung Zur Heide gefragt, die wollen aber dieses Jahr nichts geben, da die Lagerhalle nichts mehr mit ihnen mache. Gegen Abend konnte ich mir noch von der Probebühne zwei Gutscheine abholen. Der Mann dort war sehr nett und interessiert.


Tagebucheintrag vom 23. April 2005

Nachdem ich mich Nachmittags um das Notebook unseres Ex-Schwulenreferenten von der Uni kümmern musste, weil auch er einen (noch stärkeren) Virenbefall hatte, fuhr ich dann abend mit einem anderen zusammen nach Münster zur KCM-Party.

Völlig unerwartet wurde das noch ein sehr interessanter Abend. Eigentlich nur dorthingekommen, um etwas zu tanzen, bekam ich mit, wie ein Bekanter von mir jemand anderen mit seinem (nicht so häufigen) Nachnamen begrüsste. Dieser ließ mich aufhorchen, weil der Systemadministrator eines Kunden von uns auch so heißt und aus Münster kommt. Auf meine Nachfrage hin stellte sich heraus, dass der das tatsächlich war. Bislang kannten wir uns nur vom Telefon. Er war noch erstaunter als ich, mich gerade dort mal kennenzulernen, und konnte es gar nicht glauben. Wir haben uns dann an dem Abend sehr viel über Firmendinge und privates unterhalten.


Tagebucheintrag vom 24. April 2005

Alex hat jetzt mal mit dem von mir vermittelten anderen Wiener gechattet, hat aber das Gefühl, dass der sich nicht sonderlich interessierte. Da wird wohl nichts groß draus werden.


Tagebucheintrag vom 25. April 2005

Bei tnstories.de gab es eine neue Story, die mit vielen Intimitäten gespickt die Geschichte eines Eishockeyspielers und seines Freundes von der Kindheit über Coming Out bis zur langjährigen Partnerschaft erzählt. Sehr schön zu lesen.


Tagebucheintrag vom 30. April 2005

Wieder ein KCM-Abend, selbe Begleitung wie letzte Woche, und wiederum lange, interessante Gespräche mit dem Kunden von uns, den ich letzte Woche kennengelernt hatte.


Tagebucheintrag vom 03. Mai 2005

Beim Gaycitytreff war ich mit einem der Cityscouts allein. Läuft mittlerweile doch mein eigener Stammtisch schon besser als der im Rosenhof *g*

Flo hatte heute Abschlussprüfung. Ich habe noch aber nichts von ihm gehört. Er hatte eigentlich zum Stammtisch kommen wollen.

Gestern abend hatte ich noch den Film "About a Boy" geschaut. Hat zwar nichts mit Schwulen zu tun, aber hat mir sehr gefallen.


Tagebucheintrag vom 04. Mai 2005

Letzte Vorbereitungen zum Doko-Turnier morgen gemacht. Freitag wollen wir mit ein paar Leuten wieder mal in die Aura nach Ibbenbüren fahren, weil Geburtstagskinder aus dem April mit 10 Leuten Begleitung kostenlos hineinkommen.


Tagebucheintrag vom 05. Mai 2005

Heute (Himmelfahrt) war das Doppelkopfturnier. Lief sehr gut, Bernd hat netterweise die Turnierleitung übernommen, so dass ich mitspielen konnte und einen 2. Platz belegt habe (16 Teilnehmer). Dafür habe ich eine Lilo Wander Karte gewonnen, die ich Max für einen günstigeren Preis verkaufen werde, da ich als Orga eh kostenlos reinkomme.

Danach war ich noch mit Frank auf der Maiwoche, wo wir jede Menge Schwule und Lesben getroffen bzw. (da teilweise nicht persönlich oder gar nicht bekannt - aber wenn sie Händchen halten, ist es ja offensichtlich) im vorbeigehen gesehen haben. Demgegenüber hab ich an Hetero-Bekannten eigentlich nur eine Organisten-Kollegin mit ihrem Mann getroffen.

Diese Nacht schlafe ich bei meinen Eltern, weil das Auto morgen in die Werkstatt muss zum Reifenwechsel (Sommerreifen).


Tagebucheintrag vom 06. Mai 2005

In der Aura hatten wir teilweise das Gefühl, auf einer Ibbenbürener Gaynight zu sein, auf der Tanzfläche umringt von Schwulen oder zumindest schwul wirkenden, vor allem als Max sein Shirt auszog... (welches er aber später wieder anziehen musste, als ihn von der Security jemand darum bat) Es ging auf jeden Fall einiges an Blicken zwischen uns und anderen Männern hin und her. Einer von uns hatte einen angesprochen, ging aber nach dem Gespräch davon aus, dass der wohl hetero ist.


Tagebucheintrag vom 07. Mai 2005

Das war dann ja heute nach einem bescheidenen Anfang noch ein toller Abschluss: Nachdem Max und ich wegen des anhaltenden Regens keine Lust auf den Szenebummel hatten und hinterher niemand mit ins N8 zur Gay Construction Party wollte, weil schon viele andere gesagt hatten, dass sie auch nicht hinwollten, fuhr ich dann alleine zur Party, weil ich eine Freikarte bekommen hatte und wenigstens mal schauen wollte. Außerdem wollte ich gerne noch ein bisschen nach House tanzen. Getroffen habe ich dort dann lediglich einen vom Rosenhofstammtisch und einen, den ich vom Doppelkopf und auch von den anderen Partys her kenne. Ich konnte allerdings meine Augen nicht von einem sehr süßen Typen abwenden, der in meiner Nähe stand, mit vier Kumpels da war, die aber häufiger mal tanzten, während er allein stehen blieb. Da er ein wenig so aussah, wie ein anderer, den ich hier häufiger an der FH sehe, und auf den ich ein Auge geworfen habe, raffte ich mich irgendwann auf, ihn zu fragen, ob er hier an der FH studiert. Das verneinte er zwar, aber es entwickelte sich ein nettes Gespräch, aus dem ich entnahm, dass er das erste Mal hier war, aus dem Kreis Warendorf kommt und z.B. auch letzte Woche im KCM war (wie ich ja auch). Ich erzählte dann noch über die Partys hier und alles mögliche. Irgendwann ging uns aber der Gesprächsstoff aus, er lächelte mich jedoch immer nochmal an, was ich sehr schön fand. Ich habe ihn im Laufe des Abends immer beobachtet, und hatte das Gefühl, dass er häufiger schüchtern zu mir sah, aber auch mit seinen Kumpels über mich diskutierte, bzw. darüber was er machen sollte.

Irgendwann machten die sich zum Gehen fertig, was ich schnell nutzte, um hinzustürzen und ihn zu fragen, ob er Interesse hätte, Nummern uszutauschen. Er stellte die Gegenfrage, ob ich bei Gayromeo sei, und gab mir seinen Profilnamen. Noch eine kurze Verabschiedung und weg war er. Für mich aber schonmal ein guter Anfang. Vor Freude tanzte ich erstmal noch wild eine ganze Zeit, und als ich gerade gehen wollte, kam noch Josef mit den Leuten vom Szenebummel. Sonst war auch fast niemand mehr dort (es waren eh max. 50 Personen dagewesen), und irgendwann, als die Musik schlechter wurde, fuhr ich dann auch.

Jetzt habe ich noch schnell dem Warendorfer eine Message geschrieben, dass ich ihn gerne näher kennenlernen würde, was in der Disco ja nicht so gut gehen würde. Ich hätte den Abend aber trotzdem schön gefunden. Nun kann ich nur noch hoffen, dass er antwortet, und dass die Antwort nicht so verhalten ausfällt, sondern enthusiastisch und es mal zu einem Treffen kommt. Ich weiß nicht genau, ob es Schüchternheit oder Desinteresse war, dass er nicht von sich aus zu mir kam, bevor er ging. Wobei er wie ein schüchterner 20jähriger Szeneneuling auf mich wirkte. In Wirklichkeit ist er 30. Szeneneuling kann er deswegen aber trotzdem sein. Er sieht auf jeden Fall ziemlich jung und gut aus!


Tagebucheintrag vom 08. Mai 2005

Er hat vormittags gleich geantwortet: Er nannte mir seinen Namen, und meinte, hauptsache wir hätten unseren Spaß gehabt, auch wenn auf der Party nichts los gewesen sei. Auf meinen Satz, dass ich ihn näher kennenlernen möchte, ging er nicht ein, und auch bisher keine Antwort auf meine nächste Message, obwohl er sie gelesen hat. Mal sehen, wie das weiter geht...

Abends habe ich noch zwei lange Telefonate mit Alex aus Wien geführt. Das zweite war eigentlich nur ein Test von Sipgate, mit denen ich jetzt sehr viel günstiger telefonieren kann als mit GMX (dazu musste ich das Konto erstmal per Kreditkarte aufladen), aber es wurde dann doch wieder ein fast zwei Stunden dauerndes Gespräch daraus.


Tagebucheintrag vom 10. Mai 2005

Ich habe "Formula 17" im Gay in May Kinoprogramm der Lagerhalle gesehen. Schöner und lustiger Film, und obwohl ich sonst nicht direkt auf Asiaten stehe, fand ich den Hauptdarsteller extrem süß. War aber sehr leer, ich kannte sonst nur eine andere aus dem Gay in May Team unter den paar Zuschauern.

Der Warendorfer war noch nicht wieder online. Ich warte noch mal bis zum nächsten Wochenende. Wenn ich dann nichts von ihm gehört habe, schreibe ich ihm einfach mal, dass ich mich gern mal mit ihm treffen würde und dass er mir bitte ehrlich sagen soll ob er Interesse hat.


Tagebucheintrag vom 11. Mai 2005

Heute habe ich mir abends noch "Goldfish Memory" angesehen, ebenfalls im Gay in May Kinoprogramm. Der ist noch besser als Formula 17, und äußerst lustig. Und hat auch ein sehr süßes Schwulenpärchen dabei.


Tagebucheintrag vom 13. Mai 2005

Bernd hat sich bei Gayromeo angemeldet, um mal zu schauen. Abends kamen die ersten beiden Teile von "Angels in America" im Fernsehen. Ich hatte überlegt, danach noch irgendwo hinzugehen, aber es war nichts vernünftiges los, schon garnichts schwules.


Tagebucheintrag vom 16. Mai 2005

Am Sonntag war auch der Warendorfer endlich mal online, möchte mich aber erstmal nicht treffen, sondern nur mit mir in Kontakt bleiben, "man weiß ja nie", und man sehe sich ja dann mal auf Partys und so. Also auch nur die Schiene "nette Bekanntschaft", mehr nicht.

Auf Partys war ich dieses Pfingstwochenende gar nicht, statt dessen habe ich mich mit meiner Steuererklärung beschäftigt und heute die Wohnung geputzt. Allerdings bin ich anscheinend zum Partybeauftragten geworden, da ich mehrfach von verschiedenen Leuten gefragt wurde, wo denn was los wäre. Für diejenigen, die unbedingt weg wollten, wurde es dann allerdings auch nur das Bivalent.

In zwei Wochen fahren Flo und ich nach Köln. Ich hoffe, diesmal klappt es dann letztlich auch. Gestern abend schrieb mir Flo dann noch, dass er gerade auf einem Geburtstag in Hetero-Gesellschaft sei, und schon so betrunken sei, dass er nahe dran wäre, einen Arbeitskollegen von ihm abzuknutschen... der sei so süß...


Tagebucheintrag vom 17. Mai 2005

Nachmittags wollte ich eigentlich in der Getrudenkirche für den Gay in May Gottesdienst üben, aber der Pförtner wollte mir so ohne weiteres den Schlüssel nicht geben. Zudem erfuhr ich auch noch, dass die Kirche Samstag bis 18 Uhr anderweitig belegt ist und wir vileleicht garnicht vorher großartig dort hineinkönnen. Mal sehen wie das alles so wird... Morgem unternehme ich noch mal einen Versuch, an den Schlüssel zu kommen.

Abends war ich beim Rosa Monitor in der Aidshilfe, wo die zweite Queer-gefilmt-Rolle gezeigt wurde. Es war sehr voll dort. Anschließend gingen wir noch mit ein paar Leuten in den Rosenhof.

Und jetzt gerade chatte ich mit jemandem, dessen erster Szenebesuch der Szenebummel war, den ich auch im N8 gesehen hatte. Das habe ich aber erst im Laufe des Chats herausgefunden. Er studiert auch am Westerberg, an der Uni, Bio und Physik oder so, auf Lehramt. Sehr schöner, interessanter Chat. Leider hat er Donnerstags nie Zeit für den Stammtisch, aber ich müsste ihn Samstag auf der Gala antreffen können.


Tagebucheintrag vom 18. Mai 2005

Heute Mittag habe ich zwei Jungs beobachtet, die Sachen aus dem Auto ausräumten und in die leerstehende Wohnung neben dem Hausmeister, eine Etage unter mir, einziehen. Vermutlich nur einer von beiden, aber aus dem Fenster auf die Entfernung sahen die nicht übel aus, vor allem der eine. Der hatte auch noch so enge Klamotten an, der könnte glatt als schwul (zumindest metro) durchgehen. Ich konnte leider nicht weiter gucken, weil sie dann hochschauten.

Abends habe ich mit Julian für Software Engineering programmiert und ihm nachher noch Ausschnitte von Sommersturm gezeigt, die er auch sehr lustig fand.


Tagebucheintrag vom 20. Mai 2005

Der Safer Sex Spieleabend gestern abend verlief sehr gut. Es waren ca. 20 Personen da, wir haben drei Gruppen gebildet, und nach einer Begrüßung und Einführung von mir hat Josef dann moderiert, Frank die Punkteverteilung gemacht und ich das Notebook mit dem Spielfeld bedient. Nach der Pause haben wir einen sehr lustigen Film aus der Queer gefilmt Rolle 1 laufen lassen ("Peter und Klaus"), der in der "Sendung mit der Maus" Manier beschrieb, wie man sich an einen interessanten Typen heranmacht und was man dabei falsch machen kann.

Beim Lilo Wanders Auftritt heute in der Lagerhalle haben Max und ich einen einsamen jungen, gar nicht mal schlecht aussehenden Mann gesehen, der allein dort war und in der Pause allein herumstand. Max schlug vor, ihm einen Stammtischflyer zu geben, was ich erst zu aufdringlich fand, aber ich habe es dann doch gemacht, während Max sich schnell zurückzog und das wohl selbst nicht getan hätte. Nun ja, der Typ war zumindest nicht uninteressiert daran. Ich bin gespannt, ob er mal reinschaut bzw. ob man ihn sonst nochmal irgendwo wiedersieht.

Eigentlich wollte ich danach noch mit ins Bivalent zur Warm Up Party von den Queerschießern, aber ich fühlte mich etwas matt und müde wegen einer Erkältung oder Heuschnupfen, und bin dann nicht mehr mitgegangen.


Tagebucheintrag vom 22. Mai 2005

Der Gay in May Gottesdienst lief gut und kam auch sehr gut an. Den Pastören gefiel auch mein Orgelspiel, und der katholische fragte, ob ich ggf. mal zur Verfügung stehe, wenn er jemanden brauche. Mit dem evangelischen habe ich mich noch über die Sicht der evangelischen Kirche in Bezug auf schwule Pastöre und deren Partner unterhalten. Zumindest Landesbischöfin Käsmann sieht das sehr offen und wünscht sich, dass mal einer eine Lebenspartnerschaft eingeht. Er selbst hat einen Freund (in Oldenburg, hauptsächlich Wochenend- beziehung), und das ist in der Gemeinde auch teilweise bekannt und macht anscheinend keine Probleme.

Später auf der Gay in May Gala traf ich sofort beim Reinkommen Jörg, den Studenten aus Gayromeo, den ich schonmal im N8 gesehen, aber nicht angesprochen hatte. Er stellte sich als äußerst lieb und nett heraus, und ich habe fast den ganzen Abend in seiner Gesellschaft (und natürlich mit Max und Flo, der später dazu kam) verbracht. Außerdem waren u.a. Bernd und Sven dort.

Das Showprogramm war gut, vor allem Duotica sehr lustig. Die Party danach hat uns nicht mehr ganz so gut gefallen, und irgendwann sind wir in den Rosenhof weitergezogen. Jörg und Max wollten da aber nicht mehr mit hin, und so habe ich mich mit zwei Umarmungen recht herzlich von Jörg verabschiedet.

Im Rosenhof war auch noch einiges los, aber wegen meiner Erkältung war ich schon recht müde und kaputt und nicht mehr so recht in der Laune, noch nach netten Jungs zu suchen und zu versuchen, jemanden kennenzulernen. In dieser Situation kam es mir nun allerdings so vor, als ob sich mehrere für mich interessierten. Aber angesprochen hat mich niemand. Es muss doch was dran sein, dass man eher ankommt, wenn man garnicht auf der Suche ist.

Im Gay in May Gästebuch beklagen sich einige über schlechtes Programm und zu hohe Preise. Es gibt aber auch positive Stimmen. Mal abwarten, wie unsere Bilanz aussieht. Es waren wohl nicht genug Besucher, um die Kosten reinzuholen, habe ich gehört.


Tagebucheintrag vom 24. Mai 2005

Martina hat durch den Zuspruch von mir und anderen ihre Meinung geändert und sagt sich "jetzt erst Recht". Wir werden im Nachtreffen über die sachlichen Kritiken beraten. Die Gala hatte 500 Gäste, üblich waren sonst um die 800.

Abends hat mir Julian DVD-Brenner und Gehäuse vorbeigebracht, die er für mich mitbestellt hatte. Danach kam er noch mit zum CCC-Treff, wenn auch nicht allzu lange. Waren aber auch nicht viele dort heute, insofern war es nicht ganz so interessant. Danach war ich noch bei Ulf, um mir DVD-Rohlinge zu kaufen (von seinem Bestand direkt vom Werk, billigere Mängelexemplare). Aus dem Keller habe ich mir einen Holz-CD-Ständer geholt, der beim Sperrmüll stand, aber noch sehr gut erhalten ist. Er riecht nur etwas.


Tagebucheintrag vom 26. Mai 2005

Gestern abend war ich mit Jörg im Kino in Star Wars Episode 3. Danach wollte er aber schnell nach Hause und ins Bett, ich wäre auch gern noch mit ihm was trinken gegangen oder so.

Beim Stammtisch heute waren einige der letztes Mal reinschnuppernden Neuen wieder da. Die Rechnung, über das Gay in May Programm neue Leute einzubinden, ist also aufgegangen. Wir haben wegen des warmen Wetters draußen vor der Lagerhalle im "Biergarten" gesessen. Danach bin ich noch zu Frank mit in die Wohnung gekommen und wir haben uns wieder eine Zeitlang unterhalten.


Tagebucheintrag vom 27. Mai 2005

Abends habe ich noch einen Spaziergang mit Max gemacht, der heute von einem Lehrgang wiederkam. Er hat mir die Aussicht an der Wetterwarte gezeigt. Ein schöner Platz, um z.B. mit Alex hinzugehen, wenn er mich mal besucht.


Tagebucheintrag vom 28. Mai 2005

Gerade komme ich aus Köln wieder. Wir waren zu dritt zur Kings and Queens Party im Bootshaus gefahren, Flo ist gefahren. Geht von der Fahrtzeit her eigentlich, wir sind wohl so um kurz vor 5 dort weggefahren und waren gegen halb 7 in Osnabrück. Jetzt ist es 07:10 Uhr und ich sitze in der Sonne auf dem Balkon. Um diese Zeit kann man es noch aushalten, noch nicht zu heiß.

In Köln haben wir sogar einen Osnabrücker auf der Party gesehen: Der eine stille Typ, der einmal auf der Gaynight still allein rumstand, ein anderes mal aber in Begleitung mehrerer Freunde war und ganz ausgewechselt erschien. Heute war er mit einem Freund in Köln. Er hat sich aber nicht anmerken lassen, dass/ob er uns gesehen hat. Da er mich in Osnabrück auch nicht beachtet hatte, bin ich jetzt auch nicht extra auf ihn zugegangen.

Als ich draußen am Rand der Außenarea stand, sprach mich ein Kölner an, ich solle mal lächeln, das würde mir besser stehen. Wir haben uns kurz unterhalten, bis er weiterging. Ist wohl doch was dran, dass die Rheinländer offener sind als die verbohrten Norddeutschen.

Eine Frechheit sind in Köln allerdings die Preise: Eintritt 10 Euro und Cola/Wasser 3 Euro für 0,3 Liter, allerdings so mit Eiswürfeln gefüllt, dass sicher nur 0,2 drin waren. Glücklicherweise hatten wir alle wenig Geld mit, so dass wir uns nur je zwei Getränke leisten konnten und nicht zuviel ausgeben konnten.


Tagebucheintrag vom 29. Mai 2005

Bin heute mit Max um den Rubbenbruchsee gegangen und später nochmal bei Tageslicht auf die Höhe an der Wetterwarte, einen Blick auf Osnabrück werfen. Sonst keine Besonderheiten.


Tagebucheintrag vom 02. Juni 2005

Beim Stammtisch waren heute 15-20 Leute, sehr voll, und gute Stimmung. Jörg hat gut Sprüche geklopft, wir haben viel gelacht. Er und ich machten auch einige Anspielungen gegenseitig darauf, dass ich wohl Sex mit ihm wollen würde. Morgen gibts erstmal einen "Sommersturm" Filmabend, bei dem allerdings auch Max und Frank dabei sind.


Tagebucheintrag vom 03. Juni 2005

Der Abend wurde sehr schön, angenehme Atmosphäre. Jörg hat sogar von sich aus von seinem ersten Sex vor etwa zwei Wochen erzählt. Er habe das einfach mit jemandem über Gayromeo abgesprochen, weil er gehört habe, dass das erste Mal nicht gut sein solle, und so könne er sich auf das bessere zweite Mal freuen.

Max bot ihm an, bei mir zu übernachten (weil er zum Bus aufbrechen wollte), was ich dann bestätigte und auch beim Gehen nochmal wiederholte, das wollte er aber dann doch nicht. Wobei es meiner Meinung nach keine grundsätzliche Ablehnung war, sondern eher ein unentschlossenes "nicht heute".


Tagebucheintrag vom 05. Juni 2005

Obwohl Max eigentlich garnicht mitwollte, kam er gestern doch mit nach Bielefeld zur Magnus-Party ins Triebwerk. Flo war ein paar Tage krank gewesen bzw. hatte auch was anderes vor und war nicht mit.

Erstmal hat es schon ewig gedauert, bis wir loskamen: Max konnte sich nicht entscheiden, was er anziehen soll. Er hatte schon fast eine ganze Flasche Wein getrunken und musste die dann auch noch auftrinken. Einen Schluck zum Probieren hat er mir aufgenötigt, der mir aber schmeckte wie die Tropfen gegen Übelkeit, die ich früher mal hatte (Iberogast). Letztlich war Max dann schon äußerst angeheitert und hat sich in Bielefeld sehr aus- und auffallend benommen. Außerdem zog er sich (inkl. Jeans) bis zur Boxershorts (unter der er aber noch eine Unterhose hatte) aus. Er machte sich außerdem darüber lustig, wie "schwul" doch die anderen alle seien und dass er das nicht mehr nötig habe, er habe damit abgeschlossen, noch jemanden finden zu wollen und sich angepasst verhalten zu müssen.

Insgesamt gefiel mir diese Party besser als die in Köln. Es wurde viel gute Musik gespielt, viel House, und es waren sehr viele süße Jungs da. Leider hat es mal wieder nicht geklappt, jemanden kennenzulernen. Ich seh immer wieder einen, den ich mal im Rosenhof aus Versehen angerempelt hatte, und oft habe ich das Gefühl, dass er sich absichtlich manchmal in meiner Nähe aufhält. Eine ganze Zeitlang stand er direkt vor mir, aber angesprochen hat er mich nicht. Bei Gayromeo habe ich ihn glaub ich noch nicht gesehen.


Tagebucheintrag vom 07. Juni 2005

Beim Coming Out Story Schreibwettbewerb habe ich den zweiten Platz belegt. Der Preis wird voraussichtlich ein Wochenende in Braunschweig zum CSD/Sommerlochfestival sein, mit 4 Sterne Hotel für 2 Personen. Bis dahin bräuchte ich echt einen Freund... Sonst nehm ich wohl Max mit. Oder Flo, falls er Zeit haben sollte. Leider ist die Preisverleihung an dem Samstag, an dem in meinem Heimatort Firmung ist. Ich habe eine andere Organistin per Mail gefragt, ob sich da eine Vertretung finden lässt. In der Mail habe ich auch erzählt, dass ich beim Schreibwettbewerb Zweiter geworden bin, worauf hin sie natürlich zurückfragte, was ich denn geschrieben hätte. Nun werd ich mich wohl outen müssen... momentan schiebe ich das noch etwas vor mir her, weil ich mich noch nicht überwinden kann.


Tagebucheintrag vom 08. Juni 2005

Heute schrieb mir Jörg:

Hallo Marc, ich wollte mich mal bei dir melden und mit dir schreiben/reden... Ich finde dich wirklich sehr nett und sympatisch, aber das ist genau der Grund weshalb ich Freitag nicht bei dir bleiben konnte. Ich könnte nicht bei dir bleiben um mit dir zu kuscheln und evtl. anderen erotischen Aktivitäten. Ich glaube du möchtest etwas anderes als das, aber ich kann derzeit für mich ausschließen dass ich mit dir eine engere Beziehung eingehen werde. Ich bin nicht verliebt und möchte auch nicht unbedingt zu enge persönliche Bindungen eingehen, weil es mir jetzt schon schwer genug fällt nach Oldenburg zu gehen. Ich hoffe das klingt für dich nicht blöd oder so. Ich muss gleich wieder zu einem Seminar und kann nicht weiter chatten. Ich wollte aber so etwas nicht am Donnerstag abend besprechen. Wir sehen uns auf jeden Fall dann, lieben Gruß Jörg

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Meine Antwort:

hi,

das hattest du ja vorher schon klargestellt, insofern musst du dir da keine Sorgen machen. Ich weiß auch nicht (und denke auch garnicht drüber nach) ob ich eine engere Bindung mit dir eingehen wollte/könnte.

Du kannst also unbesorgt solche Angebote eingehen und einfach den Moment genießen, wenn du es möchtest.

Es sei denn, das würde für dich selbst zu einer zu engen persönlichen Bindung führen, auch wenn es bei einem oder vereinzelten Malen bliebe? Das musst du für dich selbst klarmachen.

Wobei ich immer noch auf dem Standpunkt stehe, dass es blödsinnig ist, nur aus logischen Gründen (weil man "keine zu enge Bindung eingehen möchte") auf Distanz zu gehen.

Solange es keine falsche Rücksicht auf mich ist... sowas hasse ich immer. Ich hab schon von mehreren Leuten gehört "es wäre nicht gut für Dich, wenn wir jetzt Sex hätten, weil dein erstes Mal mit Deinem ersten Freund sein sollte"

*grr* das kann ja noch lange dauern ;-)

LG Marc

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Alex aus Wien meint, das sei eine gute Antwort, nun habe ich meinen Standpunkt klargestellt und es liege an ihm, was er macht.

Er möchte, dass Max ihn morgen um 22 Uhr, wenn er aus Oldenburg kommt, vom Hasetorbahnhof abholt und mit ihm zur Lagerhalle geht. Bin gespannt, ob er mit ihm über mich bzw. allgemein über die Situation reden möchte.


Tagebucheintrag vom 09. Juni 2005

Ich habe endlich meiner Mitorganistin geschrieben, was für ein Schreibwettbewerb das war. Sie hat auch ziemlich schnell und nett geantwortet:

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Hallo, Marc, das ist jetzt überraschend. Ich habe schon gemerkt, dass Du Dich in der letzten Zeit verändert hast. Du kommst mir viel lockerer und ausgeglichener vor. Dann ist Dir jetzt bestimmt ein "Stein vom Herzen" gefallen! Ich finde das sehr mutig, dass Du gleich was schreibst und einschickst! Und dann kriegst Du auch noch einen Preis!

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In der weiteren Mail ging es wieder ums "geschäftliche", und sie scheint mich weiterhin zu behandeln wie vorher. Es scheint ihr nichts auszumachen, darüber bin ich sehr froh. Möglicherweise wird es dadurch in der Gemeinde bekannt, aber ich vermute nicht, dass sie großartig darüber reden wird. Und wenn, dann wäre es mir auch egal, weil es an der Zeit ist.

Der Safer Sex Abend mit Josef war ziemlich interessant. Es waren so 16-17 Leute da, vom Alter her die Mehrzahl über 30. Jörg kam ja etwas später, als Max ihn abgeholt hatte, und blieb nachher noch, als wir nach unten gingen. Er war aber ruhiger und nachdenklicher. Meine Message hat er noch nicht gelesen. Ich habe ihm gesagt, das soll er erstmal machen, weil ich nicht alles mündlich wiederholen wollte, zumal mir von Max und Alex gesagt worden war, dass meine Nachricht gut geschrieben gewesen sei.


Tagebucheintrag vom 11. Juni 2005

Jörgs Antwort kam heute endlich:

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Uff du bist mir einer. Ich muss derzeit für mich ein paar Dinge klarkriegen und bin mir unsicher was einige Dinge, speziell "Liebe,Sex und Zärlichkeit" angeht *g*.

Ich hatte nie vor zu dir auf Distanz zu gehen. Ich schätze dich als Person und mag dich gerne, ich bin mir aber selbst im Unklaren ob es für mich selbst in Odnung ist, wenn ich naja einfach nur Sex habe oder ob ich mich dann moralisch schon zu mehr verpflichtet fühle gegenüber der Person. außerdem bin ich derzeit etwas überwältigt von dem Interesse, das mir gegenüber gezeigt wird. Daran bin ich noch nicht so gewöhnt, das ich aufandere evtl. anziehend wirken könnte.

Wenn du selber sagst du hast kein Problem damit wenn "keine Liebe" im Spiel ist, wird es einfacher. Ich hatte nur überlegt ob das für dich evtl. ein ungeeigneter Einstieg ins Liebesleben wäre. Ich kann auch verstehen wenn das für dich blöd klingt, da ich selber einfach mein erstes Mal hinter mich bringen wollte und mich dazu sogar mit jemandem getroffen habe, den ich vorher gar nicht kannte. Ich glaube ich könnte nicht so einfach mit dir "rummachen" weil ich evtl. Max damit verletzen könnte, da du ja glaubst er sei in dich verliebt und ich mag in und möchte ihn nicht verletzen, da ich ihn als guten Freund betrachte. Wie gesagt, ich muss mir über einge Dinge klar werden. Derzeit gibt es keinen Mann von dem ich sagen würde, WOW ich kann nicht mehr klar denken. Ich bin zusehr Kopfmensch, darum kann ich mich schlecht gehenlassen und mich von körperlichen Bedürfnissen leiten lassen. Vielleicht sollten wir mal privat drüber reden und Gedanken austauschen. Vielleicht kommt es dann ja zum Kuscheln oder so, wer weiß...Ich wünsch dir erstmal ein schönes Wochenende und alles Gute...

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Meine Antwort:

Moin Jörg,

Dass du ziemlich nachdenklich und unsicher bist, ist mir Donnerstag aufgefallen. Zumindest hatte ich den Eindruck. Du warst anders als eine Woche davor. Ruhiger. Unsicherer? Okay, Du hattest auch noch nicht gelesen was ich geschrieben hatte und wusstest nicht, was dich "erwartet".

Wegen Max mach Dir keine Sorgen. Der animiert mich immer noch (Anfang des Jahres bei Flo, jetzt bei Dir), und hat mir Donnerstag eine Karte "ich flieg auf Dich" zugesteckt, auf die er geschrieben hatte: "Viel Spaß zu zweit :-)"

Er sagte mir auch kürzlich, dass er weitestgehend über mich hinweg ist. Sonst hätte er auch nicht im Frühjahr was mit jemand anderem angefangen. Also von Max her geht das schon okay! Ich glaub sogar, er würde sich freuen.

Das mit dem privat Reden klingt gut :-)

Ich fand übrigens auch letzte Woche den Freitag abend sehr schön, wie wir nachher noch lange beisammen gesessen haben.

auch Dir ein schönes Wochenende LG Marc

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Ein oder zwei Messages später kam von ihm:

"Ich finde dieses Gepräch total seltsam. Ich mag dich und darum ist es so schwierig. Wenn du jetzt nur irgendwer wärst, könnte ich mit dir einen One-Night-Stand haben und das wars. Aber ich mache mir Gedanken über deine und meine Gefühle und das macht die Sache nicht einfacher. wenn es so einfach ist Gefühle auszustellen, warum bist du dann so wählerisch und machst nix mit Max?"

Meine Antwort darauf erklärte ihm, dass in gewisser Weise die Chemie stimmen muss. Es gibt einfach Leute, mit denen kann ich mir keinen Sex vorstellen, und bei anderen (die ich attraktiv bzw. sexuell anziehend finde) kann ich es oder wünsche ich es mir sogar. Bei mir persönlich hat das glaub ich was mit dem Äußeren und (wenn man ihn näher kennt) evtl. auch der Art/Persönlichkeit der jeweiligen Person zu tun.

Wenn ich jemanden unattraktiv finde, kann ich mir auch Sex nicht vorstellen, egal wie sehr ich ihn als Person schätze. Aber attraktiv ist eben nicht mit "verliebt" gleichzusetzen. Wär ja auch schlimm, wo es soviele gutaussehnde gibt ;-)

Er schrieb mir dann noch:

"Meine Gefühle sind leider nicht kopfgesteuert und lassen sich nicht so schnell wegblasen. Das muss sich entwickeln und zeigen zu wieviel wir beide bereit sind... Ich glaube über sowas lässt sich schlecht sprechen oder das überhaupt in Worte fassen zu wollen ist schwierig, sobald irgendwelche empfindungen im Spiel sind..."

Abends war ich mit Max und noch jemandem in Münster im Fusion. Ich habe dort immer das Gefühl (genauso wie in Bielefeld), dass man mehr Beachtung findet als in Osnabrück. Häufiger mal Leute, die anscheinend auf einen zeigen, über einen reden. Angesprochen hat mich aber keiner. Meinen ex-Kunden habe ich dort wieder getroffen und mich mit ihm unterhalten. Einer fiel mir auf, der mir bekannt vorkam und auch wohl gefiel, den ich aber nicht zuordnen konnte. So richtig ist mir das trotz gayromeo auch jetzt noch nicht gelungen. Ich hätte ihn wohl doch einfach ansprechen sollen.


Tagebucheintrag vom 13. Juni 2005

Heute habe ich draußen zwei Nachbarn getroffen: Mittags einen schüchternen, der kaum ein Hallo über die Lippen brachte, und abends einen mit dem ich gleich etwas ins Gespräch kam (Fahrstuhl ging nicht, er hatte mit dem Auto die Einfahrt zum Ausladen zugestellt). Der Mittags gefiele mir besser, schade dass er nichts sagte.

Um 18 Uhr war Gay in May Gottesdienst Nachbesprechung. Wir planen, weitere Queer-Gottesdienste auch außerhalb von Gay in May zu organisieren. Festgehalten ist dafür erstmal die Lutherkirche. Bei dem Treffen habe ich auch von Ärger mitbekommen, den der Arbeitskreis Homosexuellenpastoral momentan hat. Durch einen Zeitungsartikel sind feindliche Leute darauf aufmerksam geworden und verbreiten Unsinn über Internetseiten. Ein Pastor behauptet gar, dass Homosexualität ja heilbar sei und deswegen in den Bereich der Psychotherapie fallen würde, oder so ähnlich.

Danach war ich noch bei Max, nach seinem Computer schauen. Ein Bekannter von uns war auch gerade dort zu Besuch. Die beiden wollten Pizza essen gehen und kamen deswegen auf meinem Weg nach Hause zu mir mit. Wie wir vor dem Haus standen, beobachteten wir, wie etliche Besucher einer meiner Nachbarinnen aus dem Haus kamen, die ich kürzlich schon gesehen hatte und teilweise interessant gefunden hatte. Max sagte sofort "oh schau mal, Mormonen!". Mormonen sind das also. (Man sieht es z.B. an der Kleidung) Hmm, die haben Probleme mit Homosexualität und erkennen die nicht an, habe ich aus "Engel in Amerika" in Erinnerung. Also hat es keinen Zweck, sich an die süßen Typen ranzumachen, die dabeiwaren.

Über Gayromeo hatte mich Sonntag morgen, als ich von der Party zurückkam, einer angesprochen, der kein Foto und "Suche: Sexdate" im Profil hat. Er chattete aber erstmal ganz normal und nett, auch Sonntag abend wieder. Dann wollte er mich mal treffen, was ich mit Blick auf meine Klausuren erstmal etwas herauszögerte. Schwimmen gehen wolle er mit mir... ich schlug statt dessen Tee oder Pizza vor. Ob ich nicht doch mal einen Abend hätte? Auf meine Antwort "wenn Du noch ein Foto von Dir findest, und mir das gefällt, dann ja" kam dann nichts mehr. Wahrscheinlich will der nur Sex und ist unattraktiv.


Tagebucheintrag vom 14. Juni 2005

Morgens auf dem Weg zur FH traf ich zufällig Jörg. Wir verabredeten uns dann für abends zum Stammtisch im Rosenhof. Da war er dann hinterher aber "nicht drauf vorbereitet", noch mit zu mir zu kommen. Donnerstag nach dem Stammtisch oder Freitag wollen wir uns dann mal treffen und gucken, was so "passiert"...


Tagebucheintrag vom 15. Juni 2005

Heute abend war Gay in May Orgateam-Nachtreffen bei Martina. Wir haben bei ihr auf dem Balkon gegrillt. War sehr gemütlich.


Tagebucheintrag vom 17. Juni 2005

Es ist passiert. Ich hatte endlich mein erstes Mal. Nach dem Stammtisch fragte mich Jörg gestern, was wir denn dann noch so unternehmen wollten. Da er sich seiner Mitbewohnerin nicht outen möchte, sind wir zu mir gegangen. Ich habe erstmal den schönen letzten Track des "Beautiful Thing" Soundtracks angemacht, und wir setzten uns zum Reden aufs Bett. Wir redeten über den Film und verschiedenes anderes, und nach und nach kamen wir uns körperlich näher und kuschelten uns etwas aneinander. Da kam natürlich wieder das leidige Thema auf, ob er es nun verantworten könne, mit mir Sex zu haben. Ich habe wiederum erklärt, dass ich wisse, dass er keine Beziehung wolle und keine Liebe im Spiel sei. Für mich sei das in Ordnung, und er solle sich nicht solche Gedanken machen.

Irgendwann war es dann soweit, dass er anfing, mich zu küssen. Anfangs gefiel mir das gar nicht, weil es mir zu feucht und unangenehm war. Ich dachte zunächst: "Was finden nur alle am Küssen, erotisch ist das zumindest hier jetzt gerade nicht."

Gleichzeitig haben wir uns aber auch gestreichelt, drangen dabei nach und nach weiter nach unten vor und zogen uns dann zuerst das Shirt und dann die Hosen aus. Ich habe dann als erster angefangen, seinen schon steifen Penis zu wichsen, Jörg tat selbiges bei mir. Er hat mich zwischendurch dann auch noch oral "verwöhnt".

Danach küssten und kuschelten wir weiter, und nun gefiel mir auch das Küssen besser. Die Nacht durch klappte das Küssen nach und nach immer besser und wurde angenehmer. Es gehört wohl einfach etwas Übung und aufeinander einspielen dazu.

So gegen 7 Uhr war Jörg dann doch gefahren und ich habe mich noch bis 12 Uhr schlafen gelegt. Nachmittags musste ich dann Alex erst einmal erzählen, was passiert ist.

Ich bin selbst erstaunt, dass ich anscheinend keine rechten Gefühle für Jörg habe. Ich hatte befürchtet, dass ich mich nach dieser Nacht verlieben könnte und ihn vermissen würde. Ich fühle zwar in meiner Vorstellung noch sein Küssen, aber ansonsten komme ich gut damit klar. Die Nacht hat mir auf jeden Fall gefallen, auch wenn es sicher mit einem Partner, den man liebt, noch sehr viel schöner ist. Aber man muss sich ja auch noch auf was freuen können.

Ich sagte Jörg, dass ich mir häufiger anhören musste, woher ich denn wisse, dass ich schwul sei, wenn ich es noch nie ausprobiert hätte. Nun wisse ich das ja endlich. Er frotzelte daraufhin, dass ihm sicher einige Leute sehr böse gewesen wären, wenn er mich zum Hetero gemacht hätte. Da konnte ich ihm nur beipflichten und lachen.

Ich denke mal, dass ich nun entspannter an die Sache herangehen kann, weil ich mich nicht mehr gänzlich unerfahren nennen muss und ein paar Dinge schonmal erlebt habe. Abzuwarten bleibt, wie sich das Verhältnis zwischen Jörg und mir entwickelt und ob es möglicherweise zu einer Wiederholung kommt.


Tagebucheintrag vom 20. Juni 2005

Samstag auf der Gaynight habe ich zwei Leute persönlich kennengelernt, die ich bislang nur über Gayromeo kannte.

Daneben wurde ich noch von einem anderen Typen abgelenkt, der meinte, ich müsste ihn erkennen, wir hätten uns mal kennengelernt. Letztlich wusste er es aber selbst wohl auch nicht näher, weil er dann eine Freundin nach mir fragte, die ihm aber auch nichts dazu sagen konnte.

Da waren zwei süße Jungs, die zusammen rumliefen und zwischen denen ich mich nicht so recht entscheiden konnte. Ich hatte erst mal mit dem einen Blickkontakt, aber es kam nicht dazu, dass wir uns ansprachen, und später dann mit dem anderen. Dann war ich ganz verwirrt, weil ich nicht wusste, an wen ich mich ranmachen soll. Vielleicht hätte einer ja Interesse gehabt, aber wenn ich den falschen angesprochen hätte? Dann hätte sich der andere auch nicht mehr getraut, vielleicht...

Frank rief heute abend auch noch an, und war etwas geknickt, weil er Jörg auf mich angesprochen hatte und dessen Reaktion wohl etwas ungehalten war (nach dem Motto "warum weißt du eigentlich davon" bzw. "was sprichst du mich darauf an"). Frank interessierte, wie unser Verhältnis jetzt weiter ist und ob da mehr werden könnte. Das konnte Jörg wohl so auch nicht beantworten (ich auch nicht...), er ist sich wohl noch unsicher, ob er sich vielleicht auch mehr mit mir vorstellen könnte. Zumindest klang das für Frank so. Auf jeden Fall wusste Frank nicht, was ich nun davon hielte, dass er Jörg drauf angesprochen hatte, und wollte mir das daher "beichten". Ich selbst habe nichts dagegen, für Jörg kann ich natürlich nicht sprechen. Vielleicht frag ich ihn die Tage mal, ob das okay war, dass ich mit Frank über uns gesprochen habe. Er hat ja schließlich auch von dem Markus erzählt... Außerdem habe ich Frank (und auch Max und Flo) keine Details über den Sex erzählt. Das steht nur hier im Tagebuch (und wartet erstmal auf Freigabe durch Jörg, bevor es auf die Webseite kommt) und ich habe Alex davon am Telefon erzählt. Aber der ist ja weit weg und das kriegt Jörg ja eh nicht mit.

Ich habe heute dann wieder lange mit den beiden gechattet, die ich Samstag persönlich kennengelernt habe. Zum Lernen für die Regelungstechnik-Klausur bin ich viel zu wenig gekommen, hatte wegen des heißen Wetters aber auch keine rechte Motivation und war eher kaputt und schläfrig.

Auf dem Gehweg vorm Haus begegnete mir heute abend einer, der ein paar Häuser weiter wohnt. Wir hatten einen längeren (also länger als sonst bei Passanten-Begegnungen üblich) Blickkontakt und ich ging dann noch an dem Haus vorbei, wo er im Hof verschwunden war, und da ging er gerade ins Haus und sah mich noch einmal. Er kam mir bekannt vor, aber bei Gayromeo habe ich ihn nicht gefunden. Dieser Blick dauerte einfach zu lange, irgendwelche Hintergedanken hatte er dabei. Entweder überlegte er (wie ich) woher er mich kennen könnte, oder er ist schwul. Max glaubt nicht, dass ich ihn anspreche, woher wir uns kennen, wenn ich ihn mal wieder treffen sollte. So weit sei ich in meiner Entwicklung noch nicht. Na schauen wir mal, vielleicht ist das ja ein extra Ansporn für mich.

Ich habe Flo gefragt, ob er eigentlich schonmal Sex hatte, weil mich das wegen mit und Jörg interessiert. Er hat das verneint. Er hatte kleine Affären, aber mehr als Kuscheln und Küssen ist da nicht passiert. Er kann es sich aber mit einzelnen Leuten auch ohne Beziehung wohl vorstellen, wenn auch schwer. Aber er sucht da sehr genau aus, da müssen schon gewisse Gefühle und Sympathien da sein.


Tagebucheintrag vom 22. Juni 2005

Die Regelungstechnik-Klausur lief besser als erwartet, das könnte sogar zum Bestehen reichen. Viele meinen durchgefallen zu sein, das stimmt mich optimistisch.

Ich konnte gestern noch etwas mit Jörg chatten. War eigentlich ganz normal, eher etwas vertrauter als vorher, was ja auch kein Wunder ist. Er hat das Gespräch mit Frank ganz anders erlebt und war nicht ungehalten. Er war nur vorsichtig gewesen, weil er nicht wusste, ob ich damit einverstanden wäre, wenn er etwas sagen würde. Das haben wir nun geklärt und er hat mir auch die Erlaubnis gegeben, im Tagebuch über die Nacht zu berichten.

Heute sah ich am Rosenplatz einen, den ich ganz bestimmt schon in der Szene gesehen habe. Ich glaube er sah mir auch hinterher. Als er dann etwas später mit dem Rad nochmal an mir vorbei fuhr, sah er aber nicht zu mir. Auch ihn habe ich aber nicht bei Gayromeo gefunden.

Da ich mein Notebook bald vielleicht zur Reparatur wegschicken muss, habe ich mit Ulfs Hilfe meinen PC aufgerüstet. Nun kann ich auch damit DVD schauen. Die alte CPU war dafür einfach zu langsam, auch eine neuere Grafikkarte half nur bedingt.


Tagebucheintrag vom 23. Juni 2005

Oh Mist. Jetzt ist doch das passiert, was ich eigentlich nicht wollte: Ich habe mich in Jörg verliebt. Im Laufe des Stammtisch-Abends hat sich dieses bekannte Kribbeln in der Brust entwickelt. Jörg wollte nachher nach Hause und nicht noch mit zu mir, was mich zwar enttäuschte, aber auch etwas erleichterte, weil mir weiterer Sex in dieser Gefühlssituation nicht gut tun würde, wenn die Gefühle unerwidert bleiben.

Flo meinte allerdings, in der Art, wie Jörg mich angesehen hat, Gefühle/Zuneigung gesehen zu haben. Frank hat darauf nicht geachtet, meint aber, Jörg und ich würden gut zueinander passen.

Ich werde nicht darum herumkommen, mit Jörg über die Situation zu sprechen. Wenn Flo recht hat, wollte er vielleicht aus dem gleichen Grund nicht mit zu mir, weil er davon ausgeht, dass ich ihn nicht liebe und er sich damit weh tun würde. Oder vielleicht eher, weil er seine eigenen Gefühle wegen des Umzugs im Oktober nicht zulassen möchte und weiß, dass er sie dadurch verstärken würde. Ich muss also herausbekommen, ob bei ihm Gefühle bzw. deren Ansätze sind, und ob ich ihn vielleicht einfach nur dazu bekommen muss, sie auszuleben und nicht zu unterdrücken.


Tagebucheintrag vom 24. Juni 2005

Nachdem ich drüber geschlafen hatte, ging es mir besser und die Gefühle für Jörg waren erstmal wieder in den Hintergrund getreten. Trotzdem habe ich abends ein Treffen mit ihm verabredet. Er war beim Osnabrücker CSD (Sektempfang am Rathaus) gewesen, und später haben wir uns dann vor der Lagerhalle getroffen und sind ein Stück in eine ruhigere Ecke gegangen, wo wir uns hinsetzten und uns unterhielten.

Es ist in der Tat so, dass Jörg keine Beziehung möchte. Nicht nur wegen des Umzugs, sondern auch um sich nicht einzuengen. Er möchte sich nicht an einen binden, sondern offen für neue Erfahrungen sein. Außerdem habe er seine Semesterferien schon fest verplant. Ob er nun Gefühle haben könnte, wenn er sie zulassen würde, lässt sich so nicht herausfinden, aber für eine Beziehung ist er eindeutig nicht bereit, und eine lose sexuelle Beziehung kann ich meinerseits nicht mit ihm eingehen, weil ich genau weiß, dass ich mehr erwarten würde, was er mir einfach nicht geben könnte. Deswegen ist Sex zwischen uns jetzt von mir ausgehend erstmal ausgeschlossen, und ich werde, um es mir nicht unnötig schwer zu machen, von mir aus kein Treffen vorschlagen. Natürlich werde ich ihn beim Stammtisch und nächste Woche beim CSD Köln sehen, aber das wird schon gehen. (Okay, CSD könnte problematisch werden, falls wir da engeren Kontakt haben, ggf. Betten nebeneinander oder so - allerdings haben wir noch gar keine Unterkunft gefunden).

Ich bereue auf keinen Fall, was letzte Woche passiert ist. Das habe ich ihm auch so gesagt. Es war eine wichtige und schöne Erfahrung, die ich lange ungeduldig erwartet hatte.

Passend dazu kommt momentan auf Sunshine live häufig ein Lied mit dem Refrain "It was my first time". Obwohl ich den Text ansonsten nicht so verfolge bzw. verstehe, glaube ich, dass es da um genau diese Sache geht, allerdings auf heterosexueller Basis.


Tagebucheintrag vom 25. Juni 2005

Heute stand die Preisverleihung des "Herzrasen" Schreibwettbewerbs im Knackpunkt Hannover an, bei der ich für meinen zweiten Platz mit meiner (aus diesem Tagebuch entstandenen) Coming Out Story geehrt werden sollte. Der Tag war extrem geil und wir haben viel Spaß gehabt.

Flo und Max sind mit mir zusammen vormittags mit dem Zug nach Hannover gefahren, wo wir etwa eine Stunde vor Beginn der Preisverleihung ankamen. Ich fand meinen ausgedruckten Stadtplan nicht, hatte ihn aber noch soweit im Kopf, dass wir in die richtige Richtung liefen und zufällig genau auf den Knackpunkt (schwuler Info-Laden) zuliefen. Er war, mit regenbogenbunten Luftballons geschmückt, von weitem zu erkennen. Wir sagten kurz Hallo, gingen aber erst noch in eine Eisdiele, vorbei an zwei Szenecafes, bei denen wir schon erste Blickkontakte mit draußen an den Tischen sitzenden Gästen aufnahmen. Auch sonst (z.B. während wir vorm Eiscafe saßen) haben wir viele Schwule in der Stadt gesehen bzw. (wohl durch Maxs T-Shirt mit der Aufschrift "Delphine sind schwule Haie") Blicke auf uns gezogen.

Bei der Preisverleihung waren dann so einige nette und gut aussehende Gewinner, teilweise in Begleitung. Irgendwie war es eine schöne familiäre Atmosphäre mit einem offiziellen Teil und einem gemütlichen Unterhalten im Anschluss. Der Gewinner des ersten Preises (ich hatte ja den zweiten) war sehr charmant und interessant. Er hat über die Problematik der Homosexualität bei den Zeugen Jehovas geschrieben, was nach vielen Problemen und einer Identitäts-/Glaubenskrise zu seinem Austritt führte. Zudem ist er auch Fachinformatiker und aktuell als Programmierer in Hannover tätig. Wir haben Gayromeo-Nicknames ausgetauscht, leider ist er der einzige gewesen, mit dem es dazu kam. Falls von den anderen dort Anwesenden jemand diese Zeilen liest (was ja nicht unwahrscheinlich ist, da die Story auf dieses Tagebuch verweist): Ich würd mich freuen, wenn man in Kontakt kommen/bleiben könnte! Mailadresse steht ja hier oben links auf der Seite, wenn vorhanden vielleicht gleich den Gayromeo-Nickname dazuschreiben :-)

Hinterher haben wir noch bei Pizza Hut gegessen und auf dem Weg dorthin ein süß flirtendes Schwulenpärchen (ca. 40 Jahre alt) in einem Lokal sitzen sehen. Während wir bei Pizza Hut am Fenster saßen, beobachteten wir auch die Passanten und genossen, wie schon vorher in der Stadt, so einige nette Aussichten. Gegen 19 Uhr ging es dann mit der Bahn zurück nach Osnabrück, so dass wir etwa um 21 Uhr zuhause waren. Der Tag war sehr schön, hatte aber doch angestrengt, so dass ich mich erst einmal ausruhen musste. Dann erzählte ich Alex aus Wien am Telefon von den Erlebnissen, las in Ruhe die äußerst interessante und schön geschriebene Gewinnerstory vom Tobias und setzte mich dann daran, endlich mal die Juni-Einträge meines Tagebuchs online zu stellen. Schließlich sind jetzt mehr Besucher zu erwarten, die auch den Fortgang meiner Geschichte lesen möchten.

Die prämierten Geschichten inkl. meiner (überarbeitete Tagebuchtexte) sind unter folgender Adresse veröffentlicht worden:

http://knackpunkt.homelinux.org/cms/index.php?id=302

Übrigens hat Frank heute ein Hotel für den CSD Köln gefunden, in dem wir nächste Woche zu fünft unterkommen können. Ist garnicht mal teuer, etwas über 30 EUR pro Person für die eine Übernachtung.


Tagebucheintrag vom 27. Juni 2005

Sonntag habe ich weitere der Storys gelesen. Was mir in allen Geschichten auffällt: Mütter meinen immer erst, das Schwulsein sei nur eine Phase. Man erkennt in den ganzen Geschichten bei den Verhaltensweisen immer wieder sehr viele Ähnlichkeiten, auch wenn es sich um völlig verschiedene Personen handelt.

Flo wollte sich heute seinem besten Freund outen, hat das aber, wie er selbst sagt, mal wieder aus Feigheit nicht hinbekommen. Es habe einfach nicht rausgewollt. Das macht natürlich nicht gerade Mut, es bei den Eltern zu machen.


Tagebucheintrag vom 30. Juni 2005

Der Stammtisch war nicht so gut besucht wie die letzten Male, weil einige nicht konnten. War aber trotzdem nett. Ich hatte heute meinen Mobilfunkvertrag verlängert und habe nun ein Kamerahandy, mit dem ich beim Stammtisch ein paar Fotos gemacht habe. Jörg habe ich einmal sehr gut getroffen. Ein richtig süßes Foto. In Köln werde ich am Wochenende beim CSD auch sicher viele Fotos machen.


Tagebucheintrag vom 01. Juli 2005

Abends habe ich meine Sachen für morgen zusammengepackt. Um 10 Uhr fahren wir hier los nach Köln. Flo, Frank, Jörg und Christian kommen mit.

Mein Bruder hat eine sehr lange Mail zu meiner Coming Out Geschichte und seinen Eindrücken geschrieben, die ich jetzt gerade noch beantwortet hatte. Er hat auch interessante, teilweise mit meinen übereinstimmende, Ansichten und Eindrücke von dem Thema und der Erziehung bzw. dem familiären Umfeld bei unserem Eltern oder allgemein in der Gesellschaft.


Tagebucheintrag vom 04. Juli 2005

Samstag morgen sind wir dann nach Köln zum CSD losgefahren. Im Hotel konnten wir zunächst noch nicht auf die Zimmer, daher haben wir nur unser Gepäck dort gelassen und sind mit der U-Bahn in die Innenstadt zum Straßenfest gefahren. Das wurde erstmal dadurch erschwert, dass wir (bzw. einige von uns, die sich durchsetzten) die Fahrpläne nicht verstanden und mehrfach an falschen Haltestellen unnötigerweise ausstiegen.

Nach einem ersten Gang über das Straßenfest und Döneressens ruhten wir uns am Rheinufer vor einem Eiscafe aus. Das Bezahlen gestaltete sich zum Wartespiel, so dass wir letztlich reingingen und an der Theke zahlten. Dann ging an der Deutzer Brücke (über die Sonntag auch der Umzug führen sollte) zurück Richtung Straßenfest, beginnend am Heumarkt. Ich wollte ohnehin ein Regenbogenhandtuch und einen entsprechenden Regenschirm kaufen, und praktischerweise fing es gerade, als ich den Schirm gekauft hatte, stark an zu regnen. Da er aber kaum mich allein trocken halten konnte, geschweige denn zwei oder noch mehr Leute, stellten wir uns während des Schauers unter und bewegten uns danach langsam Richtung Hotel zurück, um endgültig einzuchecken und uns vor der Party noch etwas auszuruhen und frischzumachen. Ich ging mit Flo auf ein Zimmer, während Jörg mit einem Klappbett in Franks und Christians Zimmer vorlieb nehmen musste. Wir waren uns aber wohl stillschweigend einig, dass getrennte Zimmer besser wären. Jörg hatte vorher Flo schon gefragt, was er machen würde, wenn ich was von ihm wollen würde. Ich bekam, als ich dazukam, noch mit, wie Flo gerade erklärte, dass er dann einfach sagen würde, er wolle das nicht, und dann sei das auch gut.

Abends sind wir dann aufgebrochen, erst einmal bei Pizza Hut einzukehren und uns dann den Weg zur Kings&Queens Party im Bootshaus zu suchen. Jörg entschied sich kurzfristig, nicht mitzukommen, sondern sich mit einer Freundin in der Innenstadt zu treffen. Frank ging dann kurzerhand mit, während Christian, Flo und ich an der Steigerwaldsiedlung ausstiegen und zu Fuß in Richtung Zoobrücke/Rheinufer liefen. Das gestaltete sich etwas schwierig, weil die Deutz-Werke im Weg waren. Nachdem wir zwei Mädels nach dem Weg gefragt hatten und erfuhren, dass sie auch dorthin wollten, aber auf ein Taxi warteten, konnte uns schließlich der Taxifahrer bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Es hätte auch einen Shuttleservice gegeben, aber wir hatten nicht gewusst, wann und wo der abfuhr.

Im Bootshaus war es irre heiß. Im rechten Raum (ohne Ausgang zur Außenarea) war es nicht auszuhalten und wir waren nach kurzer Zeit klitschnass geschwitzt. Der linke Raum war ein wenig besser, aber auch da schlug einem beim Reinkommen von draußen direkt in der Tür eine heiße, feuchte Luft entgegen, dass es einem vorkam, als betrete man das Tropenhaus im Botanischen Garten. Ich musste immer mal wieder nach draußen flüchten, um mich abzukühlen. Dort trafen wir auch zufällig zwei Osnabrücker, die eigentlich erst Sonntag zum CSD wollten.

Um kurz nach vier brachen wir dann wieder auf und erwischten gerade noch den Shuttlebus, der im nächsten Moment abfuhr und uns in der Nähe des Neumarktes absetzte, von dem wir dann mit der U-Bahn weiter zum Hotel fuhren. Die Nacht war kurz, aber dringend nötig und hat uns wieder recht fit gemacht. Um 10 frühstückten wir und fuhren um 11 mit der U-Bahn zum Heumarkt, um dort die Parade zu verfolgen. Gut, dass hin und wieder Wolken vor die Sonne zogen. Trotzdem haben Flo und ich uns Sonnenbrände zugezogen.

Der Umzug bzw. die ganze Atmosphäre an diesem Tag war ziemlich geil. Ich habe etwa 60 Fotos von interessanten Wagen und Personen und vor allem von schnuckeligen Männern gemacht. Jörg hatte sich von uns getrennt und den Umzug am Bahnhof mit der Freundin angeschaut. Wir wollten uns, als er bei uns vorbei war, in Jörgs Richtung bewegen, was bei den Menschenmassen, die durch die Straßen strömten, nicht ganz einfach war. Während wir im Umzug schon zwei Leute aus der Osnabrücker Gegend gesehen hatten (aber nicht gesehen worden waren), trafen wir nun plötzlich auf zwei weitere, die wir von Osnabrücker Partys und Stammtisch her kennen.

Unterwegs fanden wir noch eine Bühne, an der geile Musik kam, quasi eine Open Air Fortsetzung der Party in der Nacht davor. Vorm Dom wollten die anderen dann noch eine Trommlergruppe anhören. Da wir Jörg noch nicht erreichten, gingen wir zum Ausruhen (die Füße taten uns schon ziemlich weh) wiederum in das Eiscafe am Rheinufer neben der Deutzer Brücke. Als dann per Handy eine Absprache mit Jörg gelang, trafen wir uns später mit ihm auf dem Domvorplatz. Wir wollten nochmal zu der Open Air Party zurück, aber da war es so voll, dass das nur noch ein einziges Geschiebe und Gedrängle war. Nun ging es Richtung Neumarkt, um zum Hotel zurückzufahren. Auf dem Weg besorgten wir uns noch an verschiedenen Stellen, je nach Geschmack, Kleinigkeiten zum Essen und Trinken.

Die Rückfahrt verlief ziemlich gut. Es gab nur um Köln herum einmal etwas stockenden Verkehr. Es wunderte mich wirklich, wie die ganzen Leute wieder nach Hause kämen, so voll wie die Innenstadt gewesen war. Aber vielleicht hatten wir auch lange genug gewartet, so dass die Massen sich in alle erdenklichen Richtungen etwas verlaufen hatten. Dennoch hatte ich erwartet, dass die U-Bahn und Autobahn proppenvoll sein müssten. 600000 Menschen sind 1-2 Stunden nach dem Ende der Parade schließlich nicht auf einen Schlag verschwunden, sondern sollten meiner Einschätzung nach eigentlich auf Stunden alles verstopfen... aber das ging dann doch sehr problemlos ab.

Um kurz vor 9 waren wir abends dann wieder zuhause. Mein Regenbogenhandtuch habe ich auf die Kofferraumabdeckung gelegt und auch noch dort liegenlassen. Heute bin ich damit sogar nach Ostercappeln gefahren. Langers von gegenüber müssen das eigentlich gesehen haben, weil sie draußen waren und auch am Auto vorbeiliefen. Gesagt hat keiner was, nichtmal mein Vater, der mir am Auto was zeigte.

Flo hat morgen mündliche Abschlussprüfung und wird abends mit seinen Eltern feiern. Dabei will er sich auch endlich outen. Ich bin sehr gespannt, ob er das hinbekommt.

In einer Sendung des Hannoveraner Lokalradios, die auch im Internet übertragen wurde, habe ich heute Interviews mit Thomas Adank und Toby im Rahmen der Preisverleihung von letzter Woche gehört.


Tagebucheintrag vom 06. Juli 2005

Endlich hat sich Flo bei seinen Eltern geoutet. Nach bestandener Abschlussprüfung hat er gestern abend etwas mit ihnen gefeiert und es ihnen dabei erzählt. Die Mutter hatte es zwar schon geahnt, weil er sich nie für Frauen interessiert hatte, aber kam dennoch mit der "Phase" an, wie wohl jede Mutter. Der Vater hat nichts groß dazu gesagt und der Bruder gar nicht reagiert. Ich würde ja denken, dass der Bruder auch schwul ist und jetzt ein Problem hat, aber das verneint Flo, weil der Bilder von nackten Frauen auf dem PC habe.

Frank war nachmittags hier, um meine MP3s durchzuhören und sich welche brennen zu lassen. Er hat sich bei einer Freundin geoutet, bei deren Sohn er Taufpate ist. Sie kannte vorher gar keinen Schwulen und wusste gar nichts darüber. Nun ist er dafür zuständig, den Sohn später in dieser Hinsicht aufzuklären. Klingt wirklich gut, was besseres kann Kindern nicht passieren, als dass sie mit einem Schwulen in der Familie, Verwandtschaft oder als Pate aufwachsen, so dass es zur Normalität wird.


Tagebucheintrag vom 07. Juli 2005

Das letzte Frühstück für dieses Semester im Schwulenreferat dauerte heute bis weit nach 15 Uhr und war in der Stoßzeit sehr gut besucht. Abends beim Stammtisch wurde erstmal Flo zum Geburtstag und natürlich auch bestandener Prüfung und Coming Out gratuliert, und er gab Süßigkeiten aus. Von mir hat er eine nett geschriebene Karte und eine CD mit den Fotos vom CSD bekommen. Er brachte mir seine Queer as Folk DVDs mit. Samstag fahren wir nach Münster zur Emergency-Party.


Tagebucheintrag vom 09. Juli 2005

Die Emergency-Party in Münster war heute total geil. Gute Musik (wenn man geschickt zwischen den Areas wechselte) und interessante Leute. Ich habe den wiedergetroffen, der bei der letzten Gaynight im N8 meinte, wir würden uns kennen. Erst behauptete er heute, das sei nur eine blöde Anmache gewesen, später stritt er das wieder ab. Ich bin nicht aus ihm schlau geworden, habe aber nun seinen Gayromeonamen und er meinen Stammtischflyer mit meinen Kontaktdaten.


Tagebucheintrag vom 11. Juli 2005

Heute abend war ein Kollege vom CCC-Chaostreff bei mir zu Besuch. Er hat, wie geplant, durch die Bilder an der Wand und mein offenes Gayromeo was gemerkt und fragte irgendwann "du bist schwul?". Daraufhin erzählte er, dass er sich seinen Imageberater beim Selbständigmachen ausgewählt hatte, weil schon auf der Webseite sichtbar war, dass der schwul ist. Das sei ein gutes Kriterium gewesen, gegenüber irgendwelchen Hausfrauen, die sich sonst so anboten. Er fragte dann noch ein wenig zum Coming Out und verglich das damit, wie er seinen Eltern erzählte, dass er Kiffen würde.

Er selbst ist aber auf jeden Fall hetero, weil er meinte, bei ihm würden entsprechende Frauenbilder an der Wand hängen.


Tagebucheintrag vom 13. Juli 2005

Ich komme gerade von der EW-Party, heute vom Schwulenreferat organisiert. War ein interessanter Abend: Zum Einen hat sich mir jemand vorgestellt, den ich schon länger vom Hörensagen als Ex eines anderen Bekannten kenne, aber bislang nicht zu einer Person zuordnen konnte.

Dann hatte ich noch eine nette Szene auf dem Klo, am Waschbecken. Zwei Studenten fragten mich, wer denn die Party heute ausrichtet. Das Schwulenreferat wollten sie mir nicht glauben und fragten noch jemand anderen, der es nicht wusste. Da kamen zufällig zwei andere dazu, die ich auch in Köln auf dem CSD getroffen hatte, und die bestätigen das dann nochmal. Einer der Frager meinte dann, er habe noch keinen Schwulen gesehen. Ich dann: "Es stehen gerade drei vor euch!" (und die waren ja nur zu zweit). Da tat er so, als ob er in Panik flüchten wolle, blieb aber letztlich stehen. Ich machte noch scherzhaft einen Spruch wie "ja, ihr seid von uns umzingelt" oder so und ging. War schon irgendwie lustig.

Vor allem ist mir im Nachhinein klar geworden, wie ich mich mittlerweile geändert habe. Vor anderthalb Jahren noch häte ich mich sowas nie getraut. Ich hätte vielleicht gesagt, wer das ausrichtet, aber wäre dann sofort gegangen und hätte mich nicht selbst als schwul geoutet. Mittlerweile sehe ich das locker und in solchen Situationen macht es echt Spaß, mal ein paar Heten zu ärgern bzw. sich über sie zu amüsieren..


Tagebucheintrag vom 17. Juli 2005

Max hatte gestern einen Zoo-Mitarbeiter bei der Party getroffen, mit dem er sich heute Nachmittag verabredet hatte. Sein Geschenk zu Florians Geburtstag war ein Zoobesuch gewesen, und so passte das gut. Ich kam auch mit, und uns wurden ein paar Dinge gezeigt, die Besucher sonst nicht zu Gesicht bekommen. Insgesamt haben wir einen schönen Nachmittag im Zoo verbracht.

Gestern hatte ich von meiner Mutter bzw. eigentlich meiner Schwester erfahren, dass meine Mutter mich einer Tante und einem Onkel gegenüber geoutet hat. Die Reaktionen waren aber positiv bzw. neutral. Der Onkel ist katholischer Pfarrer, hat aber in der Gemeinde auch schon Animositäten gegenüber Schwulen mitbekommen und steht da selbst neutral zu.


Tagebucheintrag vom 21. Juli 2005

Der Stammtisch hat sich heute im Divan getroffen, weil die Lagerhalle Sommerpause macht. Da war ein total süßer Kellner, aber wohl hetero, zumindest schien er seine Freundin an der Theke sitzen zu haben. Echt schade, der lächelte auch immer so nett, wenn er ankam.


Tagebucheintrag vom 23. Juli 2005

Heute mal keine Party. Morgen muss ich früh raus zum Orgel spielen, daher wäre ich höchstens in Osnabrück weggegangen. Ergab sich aber nicht, weil Max ein Date hatte und einen DVD-Abend machen wollte, Flo war irgendwo anderweitig unterwegs, und auch sonst wollte keiner so recht mit.

Dafür habe ich endlich mal wieder eine Folge Queer as Folk angesehen, Harry Potter gelesen, und übernachte bei meinen Eltern.


Tagebucheintrag vom 24. Juli 2005

Nachmittags döste ich etwas im Garten in der Sonne und stellte mir vor, ein ehemaliger Mitschüler würde einfach mal vorbeischauen, in den Garten kommen, wir würden uns zur Begrüssung umarmen und vielleicht einen Kuss geben... und wie ich fragen würde, woher er gewusst hätte, dass ich nichts dagegen habe. Naja, alles Phantasien.

Ein Kommilitone fragte mich abends, ob ich einen Freund hätte, Ulf habe das erzählt. Es stellte sich heraus, dass Ulf mich mit jemandem (vielleicht Max) auf der Straße gesehen hat und sich das dann nur dachte.

Mit Alex hab ich dann noch über die neueste Geschichte auf tnstories.de diskutiert. Ich finde sie nur etwas inkonsistent, er findet sie allgemein schlecht erzählt. Naja, ansich hat sie mir aber gefallen, nur dass sie in ihrer Handlung einen Punkt hat, ab dem sie nicht mehr zum Anfang passt.


Tagebucheintrag vom 29. Juli 2005

Gegen 14 Uhr sind Max und ich nach Braunschweig zum Sommerlochfestival losgefahren (das war ja mein Preis bei dem Coming Out Story Wettbewerb) und waren wegen einiger Staus gegen 17 Uhr (statt wie geplant um 16 Uhr) dort. Die Stände vom Straßenfest waren heute noch nicht aufgebaut, aber es gab Programm auf der Bühne am Burgplatz.

Als wir einen Passanten nach einer Sparkasse fragten und er uns den Weg beschrieb, sagte er "da ist heute so ein Treffen, da kommt man nicht durch", womit er offensichtlich den CSD meinte. Wir haben uns da noch das ganze Wochenende drüber amüsiert.

Abends wär ich gern zu einer Party gegangen, aber es gab zumindest keine Szeneparty. Die beiden Lokale, die im Programmheft angegeben waren, haben wir uns angeschaut, aber nicht so reizvoll gefunden, als das wir länger dortgeblieben wären. Im "Why Not" sagte einer "Selbst Schuld" als wir gingen. Max hatte aber keine Lust, das zu hinterfragen, wie das gemeint war. Ich hatte das garnicht mitbekommen.

So sind wir dann relativ früh ins Bett gekommen, was aber sicher in Anbetracht das folgenden anstrengenden Tages auch nicht schlecht war.


Tagebucheintrag vom 30. Juli 2005

Der Umzug war toll, schön familiär. Nur wenige Wagen, sich spontan an den Straßen formierende Zuschauermengen, und ein Zickzackkurs durch die Fußgängerzonen, so dass wir durch geschicktes Parallellaufen fünfmal den Zug an uns vorbeiziehen lassen und uns beim letzten Mal (als wir dann kleine Regenbogenfähnchen ergattert hatten) mit einreihen konnten. Nach dem Umzug war Programm auf dem Burgplatz, moderiert von Duotica. Zum Abschluss traten dort Right Said Fred auf.

Danach haben wir uns noch gestärkt und ausgeruht, bevor wir ins Toxic zur offiziellen Pridenight gingen. Dort haben wir einige wiedergetroffen, die wir schon die Tage vorher gesehen bzw. kennengelernt hatten. Die Musik wurde erst gegen 3 Uhr gut, vorher war es nicht mein Geschmack, obwohl es drei verschiedene Räume gab. War aber auch garnicht schlecht, so konnte ich auf dem Balkon mit zwei Braunschweigern ins Gespräch kommen.

Auf der Party haben wir sogar einen (gar nicht schlecht aussehenden) jungen Kellner aus dem Hotel gesehen.


Tagebucheintrag vom 31. Juli 2005

Beim Frühstück sahen wir den Mann von Duotica und einige andere schon bekannte Gesichter. Der Kellner hatte dann heute nach der Party wohl frei. Die Rückfahrt verlief schnell und problemlos, allerdings war das Wetter in Braunschweig sehr viel besser gewesen als dann in Osnabrück.


Tagebucheintrag vom 01. August 2005

Ulf wies mich vor der Mensa auf ein weiteres Rad mit Regenbogenaufkleber (außer meinem eigenen) hin. Wem das gehört, weiß ich nicht, aber man trifft häufiger mal andere Schwule in der Mensa, da sind sicher noch mehr, die ich gar nicht kenne.

Mit Fabian, einer meiner Bekanntschaften vom Samstag in Braunschweig bin ich über Gayromeo ins Gespräch gekommen. Wir hatten u.a. das Thema Beziehung / Liebe, mit unseren Erfahrungen. Er möchte mich gern mal hier besuchen kommen (ich hätte ihn neugierig gemacht), vermutlich wird er aber in den nächsten zwei Wochen keine Zeit haben, mich zu besuchen, weil er einige Fahrten unternimmt, aber er will es baldmöglichst mal dazwischen kriegen.


Tagebucheintrag vom 02. August 2005

Juhuu! Fabian will mich spontan Donnerstag nachmittag besuchen und wird wohl über Nacht hierbleiben. Ich bin sehr gespannt, was das gibt! Er meinte, er sei zu neugierig, um länger zu warten. Das klingt sehr gut. Meine Schwester schrieb mir zu ihm:

"ja, der gefällt mir auch. Und er paßt gut zu dir, gleiches Alter, Informatik, trinkt keinen Kaffee....perfekt. Den mußt du dir angeln."

In der Mensa habe ich schon wieder zwei Schwule gesehen, die ich von Stammtisch bzw. Schwulenreferat her kenne. Und wieder das Fahrrad mit dem Regenbogenaufkleber davor.

Einer Frau aus Osnabrück, die mir zu einer von mir betreuten Webseite eine Mail geschrieben hat, habe ich geschrieben, dass sie einen süßen Mann hat, der zudem auch noch aus Braunschweig kommt! Das verfolgt mich momentan ja regelrecht. Bei Gayromeo komm ich auch mehr mit Braunschweigern in Kontakt jetzt, hab ich das Gefühl. Bin gespannt, wie die Frau bzw. ihr Mann auf meine Mail reagieren. Sie sind aber noch jung und werden schon kein Problem damit haben, dass ich mich da so offensichtlich als schwul bekenne. [Anmerkung vom 24.09.2005: Leider kam nie eine Antwort]


Tagebucheintrag vom 06. August 2005

So, bevor es gleich zum Gay Rose Club im Rosenhof geht, muss ich erstmal noch die Ereignisse der letzten Tage nachtragen. Max kommt auch vorher noch vorbei, um sich anzuhören, was ich mit Fabian erlebt habe.

Donnerstag kam Fabian gegen 17:30 aus Hamburg in Osnabrück an. Ich habe ihn vom Bahnhof abgeholt und wir sind zu Fuß zu meiner Wohnung gelaufen. Dann erstmal geredet, bei Gayromeo und anderswo herumgesurft und dann bei Trattoria Pizza essen gegangen. Anschließend habe ich ihm kurz von außen das Bivalent gezeigt, woran sich ein Spaziergang au die Wetterwarte anschloss. Der Blick über Osnabrück hat ihm sehr gefallen, und auch sonst zeigte er sich von einigen Dingen (z.B. Osnabrücker Bussystem) begeistert.

Nun hatten wir überlegt, Goldfish Memory anzuschauen, aber Max war noch nicht vom Stammtisch wieder da. Alternativvorschlag war Beautiful Thing, da waren allerdings meine CDs kaputt. Dann war Max aber glücklicherweise irgendwann online und ich konnte noch Goldfish Memory schnell von ihm abholen. Fabian und ich setzten uns dazu aufs Bett und kuschelten ein wenig. Er war aber sehr müde und drohte einzuschlafen, so dass wir irgendwann abschalteten und den Film nicht zuende sahen.

Zwischendurch hatten wir kurz das Thema "Beziehung", wozu er meinte, er sei nicht der Typ für Fernbeziehungen. Er lädt mich auf jeden Fall demnächst nach Braunschweig ein, dann kann man das Thema ja nochmal aufgreifen, je nachdem, wie es da so läuft. Fest steht, dass ich mich bei ihm einfach wohl und richtig aufgehoben fühle.

Am nächsten Morgen wurde der Abschied leider etwas gehetzt, weil er seinen Zug nur noch mit Mühe rechtzeitig erreichte.

Abends war dann Flos Geburtstag. Da es stark regnete, wurde leider aus dem geplanten Grillen nichts und wir holten uns Essen von McDonalds und saßen einfach in Flos Wohnzimmer zusammen. Max neuer Freund sieht sehr gut aus, besser als auf den Fotos im GR-Profil. Er war sehr ruhig. Später ging es dann noch in die Aura, das war auch wieder klasse.


Tagebucheintrag vom 07. August 2005

Fabian glaubt momentan nicht, dass er sich in mich vergucken wird, aber er hat zugestimmt, dass wir erstmal schauen, was wird, und das es ohnehin noch zu früh für sowas ist. Er will mir auf jeden Fall nicht zuviele Hoffnungen machen, damit ich dann nicht enttäuscht bin. Da ich mich noch nicht merklich in ihn verliebt habe, habe ich da erstmal kein Problem mit. Ich weiß nur, dass ich mich sehr wohl bei ihm fühle und ihn gerne als meinen Freund hätte, weil es so gut passt.


Tagebucheintrag vom 11. August 2005

In den letzten Tagen habe ich mal wieder angefangen, die Mattenjahre zu lesen. Liest sich immer wieder schön, und vor allem wie Tim und Nils zusammenkommen, so romantisch!

Der Stammtisch war heute sehr interessant. Zwei, die sich schon länger mal angekündigt hatten, waren endlich mal da, und auch noch zwei andere neue. Gleich am Anfang fragte jemand nach den Go-Spielern, die normalerweise ein paar Tische weiter sitzen und spielen.. Wir konnten ihm nicht weiterhelfen, aber da er am Nebentisch saß, immer mal zu uns herüberschaute und Worte mit uns wechselte, bot ich ihm an, sich zu uns zu setzen. Er las interessiert den Flyer und zeigte gar keine Berührungsängste. Im Gegenteil, ich hatte einige sehr interessante Blickkontakte mit ihm. Später spielte er dann mit einem von uns Schach, wenn er schon nicht Go spielen konnte. Wobei ich mich dazu anbot, aber er musste dann weg, wird aber wohl in den nächsten Wochen wieder da sein.

Einer hatte ihn auch direkt angesprochen, ob er schwul sei, und die Antwort lautete, er sei bi. Meine Vermutung war, dass er vielleicht auch wirklich schwul ist, und das erstmal nicht so sagen wollte. Aber auf jeden Fall nicht hetero, und das war mir auch irgendwie klar. Sonst hätte er sich eher nicht so verhalten, wie er es uns gegenüber tat. Ich wollte ihn nur nicht so direkt ansprechen, um ihn nicht zu verschrecken, zumal wenn er sich noch nicht so ganz sicher ist.


Tagebucheintrag vom 12. August 2005

Abends habe ich mit ein paar Kollegen und Ex-Kollegen zusammen gegrillt. Ein paar von denen wussten schon, dass ich schwul bin, aber es kam nicht zur Sprache, weil das in der Runde ein eher schwieriges Thema sein dürfte. Ein Ex-Kollege erwähnte, dass seine ältere Tochter lesbisch ist. Da habe ich ein paar vorsichtige Fragen gestellt, mochte aber das Thema doch irgendwie nicht auf mich lenken.

Der Sohn des Gastgebers ist total süß geworden, jetzt wo er etwa 3 oder 4 Jahre alt ist. Er tat immer wieder so, als ob er eine Frau wär und ein Kind austragen würde. Und er versuchte, den kürzlich geborenen Sohn eines anderen Kollegen zu küssen. Ob der mal schwul wird? *g*


Tagebucheintrag vom 14. August 2005

Seit langer Zeit auch mal wieder ein Chat mit Jan. Er überlegt, am Freitag herzukommen und hier zu übernachten, um Alex auch kennenzulernen, der von Donnerstag bis Sonntag hiersein wird. Wir kamen wieder auf alte Themen zu sprechen und er meinte, er würde mich extra lieber besuchen, wenn wir nicht allein wären, um bestimmte Situationen zu vermeiden. Er weiß auch nicht, wie er sich verhalten würde, ob er mit mir schlafen würde. Er will diese Situation nach Möglichkeit einfach vermeiden, davor weglaufen. Dann meinte er noch, ich habe mich sehr gut entwicklt, ich sei weniger ängstlich, und ich sei auch realistischer geworden. Er hätte überlegt, ob er die Verantwortung tragen könne, mich durch das Lernen auf dem Weg dahin zu führen. Aufgrund von Selbstzweifeln und wegen der Entfernung habe er sich davor gedrückt und sei froh, dass ich es auch selbst geschafft habe. Als ich fragte, wie so etwas ausgesehen hätte, meinte er, er hätte mich dann besucht wenn es mir dreckig gegangen wäre, statt selbst ein Grund für letzteres zu sein. Und er hätte meine Fragen sinnvoller beantwortet. Ob das nun auch heißt, dass er eine Beziehung eingegangen wäre, ist mir daraus noch nicht so ganz klar geworden. Aber es wird eh keinen Zweck haben, das zu fragen, weil er darauf wiederum nicht sinnvoll antworten würde...


Tagebucheintrag vom 15. August 2005

Die Nacht war kurz, heute morgen habe ich beim Abschiedsgottesdienst zum Weltjugendtag in Ostercappeln Orgel gespielt. Wurde eine ziemlich große Veranstaltung, und im Anschluss sind die Gäste nach KÖln weitergefahren. Waren auch einige Schnuckels dabei, von oben hatte ich einen guten Überblick über die Kirche. Sehr interessant waren die englisch- und französischsprachigen Lesungen und Gebete. Das englische konnte ich sehr gut verstehen.

Mit Fabian wollte ich abends hauptsächlich Internettelefonie testen, da hatte ich gerade was neu konfiguriert. Er war auch sehr müde, aber wir haben trotzdem eine halbe Stunde geredet. Mit Alex gab es noch einige Dinge wegen seines Besuchs zu klären.


Tagebucheintrag vom 21. August 2005

Donnerstag Nachmittag ist Alex aus Wien angekommen und war auch mit zum Stammtisch, wo es ihm sehr gut gefallen hat. Er meinte, ich hätte die Personen ziemlich gut beschrieben, er habe alles wiedererkannt und sich prächtig amüsiert.

In der Nacht haben wir ein wenig gekuschelt, aber es ist nicht wirklich etwas passiert. Er ist einfach nicht mein Typ, da kann man nichts ändern.

Freitag war es sehr heiß, und wir sind etwas in der Stadt herumgelaufen. Später haben wir Max neue Wohnung besichtigt und sind beim Penny Markt einem Schwulen an der Kasse begegnet, der sich auch ziemlich mit/über uns amüsierte. Abends sahen wir ihn bei Theo wieder. Vorher waren wir zu viert (Max Freund war auch mit) im Kartoffelhaus zum Essen gewesen.

Samstag war schlechtes Wetter, daher nur Filme geguckt und wenig draußen unternommen. Abends stand die Gaynight an, Alex erste Szeneparty. Wenn ihm auch die Musik nicht so richtig zupass war, hat er es aber doch interessant gefunden. Auch dort lernte er noch ein paar Leute aus meinen Erzählungen kennen und hat sich z.B. mit jemandem unterhalten, der auch einen Freund in Wien hat.


Tagebucheintrag vom 23. August 2005

Der Ex-Arbeitskollege mit der lesbischen Tochter hat mich heute völlig unerwartet per ICQ gefragt, ob ich schon einen Freund hätte mittlerweile. Ich erfuhr dann, dass er schon seit über einem Jahr von einem anderen früheren Kollegen weiß, dass ich schwul bin. Da hätte ich ja garnicht so vorsichtig sein müssen, beim Flyer-Drucken damals im Büro, oder als ich zaghaft wegen seiner lesbischen Tochter zurückfragte.


Tagebucheintrag vom 28. August 2005

Gestern ist Max in eine neue, eigene Wohnung umgezogen (vorher wohnte er mit einer Freundin zusammen). Der Umzug war einigermaßen katastrophal. Er bekam dabei plötzlich Migräne, und seine frühere Mitbewohnerin hatte sehr üble Laune und außerdem die Küchengeräte noch nicht abgeräumt/abgebaut. So zog sich das dann von 11:30 bis etwa 17:30 hin.

Abends bin ich zu meinen Eltern gefahren (meine Schwester war zu Besuch) und bin dort über Nacht geblieben, weil ich zu kaputt war, um noch ins KCM nach Münster zu fahren. Dafür habe ich die Mattenjahre zuende gelesen und habe den Roman "Henningsstadt" angefangen, den Alex mir geschenkt hatte.


Tagebucheintrag vom 31. August 2005

Heute morgen hatte eine Kollegin in der Firma einen dran, der von ihr Sex wollte. Sie meinte noch nachher scherzhaft, der habe eigentlich auf meinem Telefon geklingelt, sie war nur drangegangen weil ich nicht im Platz war. Wenn die wüsste... Eine andere Kollegin, die Bescheid weiß, lachte dreckig, die hat die unbeabsichtigte Pointe verstanden.

Nachmittags beim Marktkauf hatte ich einen Blickkontakt mit einem Verkäufer, der mir länger/tiefer als normal erschien. Aber ich kannte ihn so nicht aus der Szene.

Abends war ich beim Queer Gottesdienst Planungsteam. Wir haben schonmal 1-2 mögliche Termine und ein Thema festgelegt sowie Aufgaben verteilt.


Tagebucheintrag vom 01. September 2005

Nach der Arbeit hatte ich Max noch ein paar letzte Sachen in die neue Wohnung bringen geholfen und bin mit ihm zusammen zum Stammtisch gegangen. Auf dem Weg dorthin sind uns auch wieder mehrere Schwule begegnet. Einen kannten wir vom Stammtisch, bei den anderen dachte bzw. eher hoffte ich es, und Max sagte von sich aus, dass das welche seien, er kannte sie irgendwo aus der Szene. Man sieht es aber auch oft schon an den Blicken, gerade wenn Max dabei ist ;-)


Tagebucheintrag vom 05. September 2005

In den letzten Tagen habe ich einige Mails mit einem früheren Mitschüler hin und hergeschrieben, der momentan ein Auslandssemester in China macht, und habe mich auch bei ihm geoutet, was bei ihm eine große Überraschung freisetzte. Wir werden die Tage mal versuchen zu telefonieren, über Sipgate (VoIP) geht das für 1,9 Cent pro Minute. Problem ist nur die Zeitverschiebung.

Ansonsten war heute ein Scheißtag. In der Firma ein größerer Ausfall. Dann habe ich mir eine Tasse und später ein Glas kaputtgeschmissen und meine Tapete dabei mit Tee bespritzt, und beim Abwischen die Farbe teils mitgenommen, zumindest an einer Stelle.


Tagebucheintrag vom 08. September 2005

Für die Broschüre mit den Coming Out Stories braucht der Knackpunkt noch ein Foto von mir. Ich habe gestern Julian welche von mir machen lassen, und da war ein schönes dabei. Laut Jan sehe ich darauf "fast erwachsen" aus *g* Mir gefällts auf jeden Fall auch, und bei Gayromeo habe ich gefühlt jetzt mehr Besucher mit dem neuen Bild.


Tagebucheintrag vom 10. September 2005

Heute war die Wohnungseinweihung von Max, die wieder in eine totale Kuschel- und Knutschorgie ausartete. Die größte Überraschung war dann aber, dass sein Cousin auch noch mit mir rumknutschte, was mir auch sehr gut gefiel. Allerdings bezeichnet er sich als "eigentlich hetero". Das gilt es nochmal näher zu untersuchen ;-)


Tagebucheintrag vom 12. September 2005

Ich komme über die Sache mit Max' "eigentlich hetero" Cousin nicht hinweg. Bis auf eine Ausnahme sagen alle, denen ich das erzähle, dass der nicht hetero sein kann, zumal der Kuss von ihm ausging, sehr innig war und länger dauerte. Ich werd die Tage nochmal Julian drauf ansprechen.


Tagebucheintrag vom 14. September 2005

Max will auch mal mit seinem Cousin sprechen. Er ist eigentlich der Meinung, der sei einfach so schräg drauf, aber was ich ihm alles so dazu sagte, gab ihm doch zu denken.

Nun ist Max auch endlich wieder online (endlich DSL Flat) und hat Telefon in seiner neuen Wohnung.

Ich habe etwas mit Fabian gechattet, er ist aber momentan noch beschäftigt und hat keine Zeit.

Endlich habe ich es geschafft, ein Fotoalbum auf meine Homepage zu packen. Bislang sind die Bilder vom CSD Köln, von Maxs Wohnungseinweihung und ein paar gesammelte Kuriositäten online. Weiteres wird folgen.


Tagebucheintrag vom 15. September 2005

Julian sagt, er könne sich höchstens vorstellen, einen anderen Mann locker auf den Mund zu küssen, aber auf jeden Fall ohne Zunge. (Wobei das nun wiederum ein anderer Kommilitone nicht von Julian glauben will *g*)

Max hat mir die ICQ-Nummer seines Cousins gegeben, damit ich ihn fragen kann, ob er ein Problem damit hat, wenn ich die Fotos vom Abend online stelle. Mir sehr willkommen, da kann ich hoffentlich etwas näher mit ihm in Kontakt kommen!


Tagebucheintrag vom 16. September 2005

Heute abend hat mich Meikys Cousin dann im ICQ freigeschaltet und wir sind ins Gespräch gekommen. Erst meinte er, ihm sei an dem Abend nur so danach gewesen, uns abzuknutschen, aber nach kurzer Diskussion bestätigte er dann meine These, dass er dann doch Bi sei. So, nun ist mein Weltbild wieder in Ordnung.

Max kocht schon ordentlich für morgen Abend, sein Dankesessen für die Umzugshelfer.


Tagebucheintrag vom 18. September 2005

Auf 7 Gänge hat es Max gebracht, aber ich habe sogar alles aufbekommen. War sehr lecker! Nur leider etwas kalt in seiner Wohnung, was ich aber schon von der alten Wohnung her kenne. Er ist halt ein ganz warmer ;-) Das nächste Mal muss ich mich wärmer anziehen. Danach gings noch zur Gaynight. Max und sein Freund waren sich unschlüssig und haben dann per Münzwurf entschieden, nicht mitzukommen.

Es war nicht so voll wie sonst, und der Eintritt war einen Euro teurer geworden. Der DJ hat teilweise nicht so gut gemixt, die Übergänge waren Mist. Aber ansonsten war es gut. Flo hat einen Freund mit jemand anderem bekannt gemacht, der wohl Interesse an ihm hatte. Er war dann plötzlich weg, aber sie haben sich heute über Gayromeo wiedergefunden. Ich nehme an, dass der sich über die Freundeslisten gehangelt hat, weil er auch mein Profil besucht hat.

Bei der Wahlberichterstattung von den Parteilagern waren heute abend im Hintegrund ständig irgendwelche jungen süßen Männer zu sehen, eher den Jusos etc. zuzuordnen als den "richtigen" Politikern. Ich frage mich, was die da taten. War auf jeden Fall schön anzuschauen.


Tagebucheintrag vom 19. September 2005

Semesteranfang, viele gut aussehende Erstsemester :-) Bei ein oder zweien meinte ich, sie schon bei Gay-Partys gesehe zu haben, aber bin mir wie immer unsicher. Endlich Software Engineering abgegeben und präsentiert, somit erstmal wieder etwas Luft und Freizeit.


Tagebucheintrag vom 21. September 2005

Gestern abend war ich zum Rosa Monitor in der Aidshilfe. Es wurde der Film "Die verlorene Sprache der Kräne" gezeigt, ein schöner (aber trauriger) Film, der das Coming Out eines Sohnes und dadurch auch dessen Vaters zeigt, mit ungewissen Ausgang.

Heute habe ich den Nachmittag bei meinen Eltern auf dem Balkon verbracht und Mama im Krankenhaus besucht. Dort lag sie jetzt ein paar Tage wegen ihres gebrochenen Arms. Sie erzählte, dass sie bei einem ganz jungen, netten und gutaussehenden angehenden Krankengymnasten war. Anscheinend wollte sie mir den schmackhaft machen ;-)

Ich hatte jemanden angechattet, der mir bekannt vorkam, vermutlich von der Gaynight, und der mehrfach mein Profil besucht hat. Er hat aber nicht geantwortet, selbst auf gezielte Nachfrage/Kritik daran nicht. Idiot.

Gestern beim Rosa Monitor hatte ich mir in der Aidshilfe einen schönen stylisch geschwungenen Regenbogenaufkleber (in so S-Form) geholt, den habe ich abends noch aufs Auto geklebt. Der kleine vorherige löst sich langsam auf.


Tagebucheintrag vom 22. September 2005

Den Tag habe ich viel in der Sonne verbracht. Hinterm Schölerberg, zur Autobahn hin, ist eine schöne Wiese am Waldrand.

Dann habe ich zwei Flyer-Prototypen gedruckt, mit zwei verschiedenen Fotos, die ich in den letzten Wochen gemacht hatte. Wir haben uns abends am Stammtisch für eins entschieden, das einladender und heller wirkt. Auf jeden Fall ist die Qualität besser als bei dem alten, und es sind Personen abgebildet, die auch tatsächlich noch kommen.


Tagebucheintrag vom 23. September 2005

Ich hab vorhin erstmal einen klärenden Chat mit Fabian geführt, ich wollte doch langsam mal wissen, woran ich da bin, da es noch nicht zu einem Wiedersehen kam.

Irgendwie haben wir uns im Kreis gedreht. Er hat immer wieder betont, dass er bei unserem bislang einzigen Treffen noch nicht den Wunsch nach einer Beziehung hatte, aber er es auch nicht komplett ausschließen wollte. Aber bislang habe sich das halt noch nicht geändert.

Ich kann diese Haltung nicht begreifen, weil ich der Meinung bin, dass sich nur etwas entwickeln kann, wenn man sich auch hin und wieder mal sieht, was ja nicht der Fall war. Ich befürchte auch, dass er Angst hat, er könne sich verlieben, weil er keine Fernbeziehung möchte, und es daher nicht zu einem Wiedersehen kommen lässt.

Fazit des Gesprächs war: Es kam bei ihm bislang nicht der Wunsch auf, mich häufiger zu sehen, daher kam er auch noch nicht zu der Einladung. Wenigstens haben wir nun mal drüber geredet. Ich warte einfach mal ab, ob er mich in den nächsten Tagen/Wochen mal einläd. Hoffnungen mache ich mir aber erstmal nicht mehr, dass da nochmal was laufen könnte.


Tagebucheintrag vom 24. September 2005

Ich bin spät aus dem Bett gekommen, war nicht so recht gut drauf wegen der Sache mit Fabian. Abends war ich mit Jens auf der KCM-Party in Münster, sonst wollte leider niemand mit. Es war auch nicht so voll wie sonst, aber dennoch nett. Nächsten Monat gibt es dort eine größere Party mit House-Floor, da müssen wir unbedingt hin.

Einen süßen habe ich auf der Party beobachtet, aber nicht ansprechen mögen. Ich glaube, ich habe ihn bei Gayromeo gefunden. Bevor ich ihn anschreibe, soll Jens das nochmal bestätigen, dass er das ist. Falls er das ist, sieht er jünger aus (er ist 26, ich hätte ihn auf 20 geschätzt) und kommt viel rum.


Tagebucheintrag vom 25. September 2005

Jens hat bestätigt, dass der Gefundene der von gestern ist. Ich habe ihn angeschrieben und bin gespannt, ob er antwortet. Meine Profiltexte habe ich mit Jens Unterstützung und Rat überarbeitet, um höflich (ohne negative Formulierungen auf Rat von Jens) darum zu bitten, mir doch auch zu antworten, wenn ich schreibe. Es hat mich in den letzten Tagen wieder tierisch aufgeregt, dass viele meine Messages einfach völlig ignorieren, obwohl sie sich das Profil durchaus angesehen haben.


Tagebucheintrag vom 27. September 2005

Der Münsteraner hat natürlich nicht geantwortet. Hat also der neue Profiltext auch nichts gebracht.

Gerade komme ich vom CCC-Treff. Hach, der süße Sebastian war wieder da. Ich kann jedesmal dahinschmelzen.

Vorher war Gay in May Treffen, als Auslotung, wer sich beteiligen möchte und wo die Motivation und Zielgruppe überhaupt noch liegt. Es waren glücklicherweise einige (teilweise von mir angesprochene) neue Interessenten dort, das hat Mut gegeben. Es wird eine thematische und organisatorische Neuausrichtung geben, mal sehen, wie das so wird.


Tagebucheintrag vom 02. Oktober 2005

Gestern Abend sah es erst so aus, als müsste ich mit wenigen Leuten in den Rosenhof (bei für mich eher schlechter Musik), da Flo und Jens wegen Krankheit absagten und Max erst noch auf seinen Freund warten wollte. Dann erfuhr ich aber (allerdings erst im Moment der Abfahrt) dass zwei andere nach Bielefeld zur Magnus-Party wollten, und ich hing mich da schnell dran. Wurde zwar stressig, weil ich nur die Zeit zum Fertigmachen zur Verfügung hatte, die die beiden vom Schinkel bis zu mir brauchten, aber das ging gerade so.

Dafür hatte ich dann sicherlich einen besseren Abend als im Rosenhof. Einen süßen, mit dem ich immer mal wieder Blickkontakt hatte, den ich aber nicht so recht deuten konnte, habe ich mich natürlich wieder nicht getraut, anzusprechen. Ich weiß nicht ob ich ihn bei Gayromeo gefunden habe, da müssen die anderen nochmal gegenchecken. Ich hoffe, sie können Gesichter besser wiedererkennen als ich. Der Typ war auf jeden Fall recht seltsam, wenn ich in seine Nähe kam, war er kurze Zeit später oft weg und dann gleich auf der ganz anderen Seite des Raumes, kam aber wenig später häufig von selbst wieder zurück. Irgendwie absolut nicht zu deuten.

Heute in der Kirche war ein interessanter (aber wohl noch jugendlicher) in der Kirche, aber ich musste nachher sofort weg und konnte nicht mehr schauen. Anfangs dachte ich, der müsse schwul sein, anhand der Art, wie er immer wieder (vor Beginn der Messe) den Kopf verdrehte und um sich sah. Als er von der Kommunion kam, konnte ich den Eindruck nicht mehr gewinnen, aber da war ich auch hauptsächlich mit Orgelspielen beschäftigt.

Zur Kommunion habe ich auf dem Klavier über das Thema aus "Beautiful Thing" improvisiert. Ich möchte ja gern wissen, ob jemand der Anwesenden den Film kannte bzw. das erkannt hat. Aber vermutlich nicht.

Abends habe ich den Film "Cowboys&Angels" zuende gesehen. Der Schluss bzw. die Message fand ich auch für mich sehr passend:

Did you ever feel like you were missing out? did you ever feel like you didn't belong? I used to feel that way. Big time. I thought that by changing the way that I looked and dressed I could plug all the gaps in my life. I wanted to be a part of something, of anything, I didn't care what, I didn't care how. I thought that I could buy a style. A style to change me. Create a new me. Make me someone else. It was only when I realized how wrong I was that I suddenly saw the person I wanted to be looking right back at me. Now for the first time in my life I can see what is beautiful, what is really important. And it's all around! So close, I just have to reach out. And it's there.

Damit endet der Film. Das Zitat stammt von einer Hete, der lebt mit einem Schwulen zusammen in einer WG und wird von dem positiv in seinem Stil beeinflusst und schafft es dadurch, sein Leben so zu wenden, dass er was aus sich machen kann. Dabei unterstützt er den Freund sogar noch. Und letztlich bekommt er auch das Mädchen, hinter dem er her ist.

Leider kommen die beiden Jungs nicht zusammen. So süß wie die sind, hätte ich mir das natürlich gewünscht. Aber auch so hinterlässt der Film einen sehr positiven Eindruck.


Tagebucheintrag vom 03. Oktober 2005

Einer der anderen beiden hat mir bestätigt, dass der bei Gayromeo der richtige war, und ich habe ihn angeschrieben. Er hat mir nicht geantwortet, dafür hat er aber dem anderen geschrieben, dass er in der Realität besser aussehe als auf dem Foto. Also hat er sich für den interessiert und nicht für mich, daher wohl auch das seltsame Verhalten.

Nachmittags war ich heute mit Max und seinem Freund am Rubbenbruchsee spazieren. Max hat die Schwäne gerufen und gefüttert. Ich habe schöne Fotos gemacht. War ein schöner Nachmittag bei sehr gutem Wetter.

Dann habe ich noch das von Ben empfohlene Buch "Easy zum Ziel" von www.aa-training.ch gelesen. Sehr interessant, ich werde mal versuchen, mir ein passendes Ziel (einen Partner finden, aber natürlich ohne andere meiner Freundschaften zu zerstören) zu setzen. Alex glaub nicht so recht daran. Aber Max z.B. kennt die Methode auch.


Tagebucheintrag vom 04. Oktober 2005

Heute morgen schaffte ich es nicht, zu Regelungstechnik aufzustehen, sondern schlief wieder ein. Und da träumte ich, ich wär in der FH, und in dem Raum, wo wir eigentlich Regelungstechnik haben sollten, wäre keiner. Da fragte ich im Treppenhaus einen, ob er wüsste, wo die anderen hingegangen sind. Er erzählte dann eine ganze Menge, ich habe garnicht aufgenommen was eigentlich, weil seine Stimme so schön war. Und wir hatten uns irgendwie kurz die Hand gegeben, ich hatte seine Hand dann einfach behalten, weiter festgehalten. Und irgendwann legte er sie mir auf die Brust und drückte mich etwas nach hinten gegen die Treppe, auf der ich saß. Das drückte zwar, aber war total schön! Und die ganze Zeit sahen wir uns in die Augen und ich war einfach hin und weg.

Für diesen Traum hat es sich definitiv gelohnt, liegenzubleiben. Ich habe noch eine ganze Weile dem nachgehangen, bis ich es schaffte, aufzustehen.

Nachmittags erzählte mir meine Ex-Arbeitskollegin, dass ein anderer Kollege es gar nicht haben kann, wenn sie über Schwule erzählt, oder auch im speziellen über mich. Ob sie nun meine Schwulenfreundin wäre, meinte er etwas abfällig. So hätte ich ihn garnicht eingeschätzt.

Abends erstmal etwa ausgeruht, dabei eine Trainingssession für das Einspeichern des Ziels vorgenommen (siehe gestern, letzter Absatz). Danach war ich beim Stammtisch im Rosenhof.


Tagebucheintrag vom 05. Oktober 2005

In der Mensa hatte ich heute einen gesehen, der war bestimmt schwul. Wie er aussah und sprach - und mit bester Freundin dabei, tief mit ihr im Gespräch. Er saß dann sogar zufällig genau Rücken an Rücken mit mir, ich bin aus Versehen beim Aufstehen gegen ihn gestoßen, aber er hat garnicht aufgesehen.

Bei os-community.de gibt es einen Thread zum Thema "Sind Maenner, die sich kuessen, schwul?" oder so ähnlich. Ich habe dort die Geschichte mit Maxs Cousin erzählt. Die Leute die dort posten sind aber teilweise ganz schön homophob. Was da alles für ein Unsinn geschrieben wird ...


Tagebucheintrag vom 10. Oktober 2005

Im Treppenhaus war ich gestern einem gut aussehenden Nachbar begegnet. Ich hielt ihm die Tür auf und er sprach mich auf mein gerade geholtes Essen vom Imbiss gegenüber an (das sei lecker dort). Ich war in dem Moment so perplex, dass ich leider nur einsilbig geantwortet habe und mir nichts einfiel, was ich noch hätte sagen können. Ich könnt mich ohrfeigen, eine gute Chance vertan, ein wenig mehr von ihm zu erfahren. Ich weiß nicht mal genau, in welcher Wohnung er wohnt.

Im Radio habe ich heute erfahren, dass morgen National Coming Out Day in den USA ist. Was es nicht alles gibt! Ich habe auch schon mein persönliches Coming Out für morgen geplant: Ein Süßer Teilnehmer des CCC-Treffs wird mit mir nach Münster fahren, wo wir uns morgen treffen. Ich habe ihm geschrieben, er kann ja bei mir vorbeikommen und dann fahren wir zusammen los. So wird er die Bilder hier in der Wohnung hoffentlich zur Kenntnis nehmen. Ich glaube zwar eher nicht, dass er mich drauf anspricht, weil er recht schüchtern ist, aber wenn ich sehe, dass er hinschaut, kann ich ihn ja fragen, ob sie ihm gefallen, und so das Thema darauf lenken.

In der Mensa hörte ich heute bei mir am Tisch, wie einer zum anderen sagte: "Ich könnte Dich in den Arm nehmen". Antwort: "Vielleicht würde mir das ja gefallen?". Nun ging er eine Stufe weiter: "Ich könnte Dich küssen." Das fand der andere dann aber doch nicht mehr so gut. Ich habe die drei immer mal etwas beobachtet, und der angesprochene schaute mich auch mal an. Vielleicht würde ihm ja doch auch das Küssen gefallen? Wer weiß :-)


Tagebucheintrag vom 11. Oktober 2005

So, den Coming Out Day habe ich genutzt, wenn ich auch nur mit Mühe noch die Kurve bekommen habe. Um kurz nach 18 Uhr hatte mich der erwähnte vom CCC-Treff hier abgeholt, aber nicht merkbar meine Bilder an der Wand gesehen. Wir waren auch nur kurz noch hier und sind dann direkt gefahren. Auf der Rückfahrt vom Treffen kam ich dann aber über das Thema "warum ich hin und wieder nach Münster fahre und mich daher ein wenig auskenne" und "was für Musik hörst du, auf was für Parties gehst du" dann dazu, dass ich sagte, dass ich meist auf Schwulenparties gehe (er hätte vielleicht meine Bilder im Zimmer gesehen), und da auch immer mal nach Münster fahre. Er ging leider nicht darauf ein, hatte aber wohl auch in meiner Wohnung nichts bemerkt gehabt. Ich frage mich, was er nun denkt. Wahrscheinlich hat er sich einfach nicht getraut, mich auf das Thema weiter anzusprechen. Ich habe das auf jeden Fall einfach so nebenbei erwähnt und keine große Sache draus gemacht, ich denke mal, das war ganz gut so. Chancen rechne ich mir bei ihm ohnehin nicht aus, da er seit mehreren Jahren mit seiner Freundin zusammen zu sein scheint.

In der Steuerungstechnik-Vorlesung und danach im Treppenhaus hatte ich das Gefühl, das Interesse eines E-Technik-Studenten erweckt zu haben, der immer mal rübersah. Zumindest hätte ich mich so verhalten wie er, wenn ich jemanden interessant fände. Mal sehen ob mir da nochmal wieder was auffällt.

Jörg hat mir seit langem mal wieder geschrieben und sich für sein Verhalten damals, als ich Interesse an ihm hatte, entschuldigt. Er habe sich nun selbst in eine Hete verliebt und kann das nun alles besser nachvollziehen. Er ist aber weiterhin der Meinung, dass er nicht so für die Szene bzw. den Stammtisch geschaffen ist, weil er nicht mit Leuten reden könne, mit denen ihn nur das Schwulsein verbinde.


Tagebucheintrag vom 12. Oktober 2005

Heute ein paar weitere Outings: Erst in der Mensa gegenüber einem Kommilitonen als das Gespräch darauf kam, dass angeblich morgen die FH-Party eine Single-Party sein soll und dass das ja für mich problematisch sei. Er hat das irgendwie nicht kapiert bzw. mitbekommen, so dass es einen zweiten Hinweis brauchte: Er wollte blutspenden gehen und ich meinte, das dürfe ich garnicht, und erklärte ihm dann, dass man da "ich hatte homosexuelle Kontakte" ankreuzen müsse. Er dann erst: "Was, Du bist doch nicht schwul!" und wollte mir das garnicht glauben. Als er es dann geschluckt hatte, haben wir aber auch nicht weiter drüber gesprochen. Er fragte nur noch, warum denn Schwule kein Blut spenden dürften.

Dann jetzt eine interessante Sache: Gestern hatte ein früherer Mitschüler in das Gästebuch von unserer Abiturjahrgangs-Webseite geschrieben, von dem ich schon länger im Kopf habe, dass er schwul sein könnte. Ich habe ihm eine Mail geschickt und ihn mehr oder weniger direkt gefragt, ich hätte gehört, dass jemand sich geoutet hätte, und hätte seinen Namen im Kopf. Mich interessiere das, weil ich mein Coming out auch in den letzten Jahren hatte. Ich bin gespannt, was er antworten wird. Ob er es selbst ist, oder ob er weiß, wer sonst.


Tagebucheintrag vom 13. Oktober 2005

Mein Ex-Mitschüler hat geantwortet: Er ist nicht schwul und wieß auch nicht, wer es aus unserem Jahrgang sonst ist. Er kennt nur einen weiteren von der Schule, aus einem anderen Jahrgang, der Name sagte mir aber nichts.

Jetzt gehts gleich erstmal zur FH-Party. Mal sehen, ob das wirklich eine Single-Party ist wie gesagt wurde, und ob sie auch was für Schwule haben ;-)

Nachtrag: Es wurden nur einfarbig Zettel mit Nummern verteilt, anscheinend nichtmal doppelt, sondern man konnte an einer Wand dann für eine Nummer eine Nachricht hinterlassen. Ich habe keine genommen (war eh ne Schlange vor), konnte dann aber gut aussortieren, weil ich davon ausgehen konnte, dass Männer mit Nummer wohl hetero sind. Waren aber auch nicht viele Schwule da. Haschi habe ich gesehen, und ein paar, bei denen ich es mir denken könnte, die ich aber nicht kenne. Einer sprach mich an, ob ich schwul wäre, weil das auf meinem Shirt stünde ("Loveboy Scout Summercamp", wohl wegen "love boy"). Der war aber komisch und wirkte eher so, als ob er mich anpöbeln wollte, daher habe ich nur sehr verhalten geantwortet ("ist doch egal, oder?"). Er zog dann von dannen und sagte dabei noch irgendwas, was "bist ja auch nicht allein" (wegen der fehlenden Nummer) oder "da bist du hier aber allein" (weil sonst vor allem Heten) geheißen haben konnte, keine Ahnung.


Tagebucheintrag vom 15. Oktober 2005

Nachmittags endlich wieder ein sonniger Nachmittag auf der Wiese am Schölerberg. Max ist heute von seinem Lehrgang wiedergekommen und ich bin noch bei ihm vorbeigefahren, um ihm Videocassetten zurückzubringen und die neuesten Geschehnisse in Osnabrück zu berichten.

Julian hat endlich seine Haare schneiden lassen. Jetzt sieht er wieder richtig gut aus.

Heute abend war Filmabend (Club der gebrochenen Herzen) bei Max. Später gings dann mit der ganzen Truppe zur Gaynight ins N8. Wir haben viel Spaß gehabt.


Tagebucheintrag vom 16. Oktober 2005

Wie geil, zur Glaubenswoche der Jugend wird in meiner katholischen Heimatgemeinde der Film "Sommersturm" gezeigt. Zwei Tage vorher referiert der Pastor über die Glaubensgrundsätze Ratzingers. Zum Filmabend werde ich nach Möglichkeit gehen und mal schauen, wie dort so die Reaktionen auf den Film sind. Wenn es passt, oute ich mich auch. Ich möchte ja gern wissen, wer den Film ausgesucht hat.

Nachmittags war ich beim Geburtstag eines Arbeitskollegen in Münster. Interessante Runde, es ging auch um das Coming Out seiner Ex-Freundin bei ihren Eltern und um Erfahrungen in ihrem Job, z.B. mit einem Jungen, dessen Schwestern lesbisch sind, und dessen Eltern nun Angst haben, er könne schwul werden, und ihn daher unter Druck setzen. Empfohlen wurde mir das Buch "Streitfall Liebe" von Valeria Hinck, in dem wohl die Bibel in Richtung Homosexualität ausgewertet und interpretiert wird.


Tagebucheintrag vom 17. Oktober 2005

Heute Nachmittag war ich wieder auf der Wiese am Schölerberg, bis es zu frisch wurde.

Es sind Fotos online, die Samstag auf der Party von uns gemacht wurden. Eines zeigt fast unsere ganze Gruppe, ein anderes Max, wie er seinen Freund küsst.

Flo wurde heute von einem ohne Bild angechattet, der seinen Nachnamen kannte. Es stellte sich dann irgendwann heraus (er wollte erst nichts näheres sagen), dass er ein Nachbar von Flo ist. Echt witzig.

Ein Gespräch mit dem Hausmeister über eine quietschende Tür ergab mal wieder, dass er über die Gewohnheiten seiner Nachbarn bestens Bescheid weiß und alles mitkriegt. Sollte ich mal einen Freund haben, wird er das sicherlich am ehesten wissen.


Tagebucheintrag vom 18. Oktober 2005

Heute in Steuerungstechnik wiederholte sich das Spiel von letzte Woche mit dem E-Technik-Studenten, der immer mal in meine Richtung sieht. Diesmal hatte ich im Treppenhaus 1-2 Sekunden Blickkontakt mit ihm, an der gleichen Stelle wie letzte Woche. Ich kann es wirklich schwer deuten. Wenn ich direkt neben ihm stehe, schaut er nicht rüber. Julian meint, ob er vielleicht nur gehört hat, dass ich schwul sein soll, und guckt, ob ich mich irgendwie besonders verhalte. Aber das glaube ich nicht. Er erzählte auch, dass der Kommilitone, dem ich mich letzte Woche geoutet hatte, ihn die Tage ansprach, dass er ja garnicht gewusst habe, dass ich schwul sei, und warum ihm das keiner gesagt habe *g*

Auf der RÜckfahrt im Bus saß ich auf einem engen Platz dicht neben einem auch garnicht unattraktiven Typen. Durch seine Sitzposition gab es anfangs Kontakt an den Knien, dann setzte er sich gerader, wodurch sich für den Rest der Fahrt unsere Schultern berührten. Das war ein sehr schönes Gefühl, für das ich sogar bis zum Neumarkt sitzen geblieben bin und auf einen Bucheinkauf in der Großen Straße erst einmal verzichtet habe. Leider blieb er dann weiter sitzen und beachtete mich beim Aussteigen auch nicht weiter.

Abends/Nachts bin ich mit Flo noch in der Aura in Ibbenbüren gewesen. Heute ist die Abschlussparty der Fachmesse "Disco Contact". War ein toller Abend, und wir haben auch einige Schwule identifiziert bzw. vermutet und jede Menge andere (aber wohl hetero) süße Jungs gesehen. Einer, der mir auffiel (vom Verhalten/Gespräch mit Kumpels her aber wohl hetero) geht glaube ich auch hier zu FH, ich achte mal drauf, ob ich ihn dort wiedersehe.


Tagebucheintrag vom 19. Oktober 2005

Weil ich gestern erst so spät ins Bett kam, habe ich es heute Mittag dann doch nicht geschafft, rechtzeitig zur Vorlesung aufzustehen und lag bis 15:30 Uhr im Bett. Abends war Gay in May Treffen, Max und sein Freund kamen auch mit hin, sind aber nicht so lange geblieben. Max hatte ein Interview mit dem Stadtblatt geführt, die über einen Schwulen berichten wollten, und wollte da ggf. den Kontakt für Gay in May vermitteln. Ansonsten sind wir so verblieben, dass wir vom Stammtisch im nächsten Monat eine Benefiz-Party veranstalten werden und dann mal schauen, wie das so läuft.

Anschließend sind wir noch zu viert zum Neumarkt gelaufen, wo sich heute jemand in die Luft gesprengt hatte. Es war noch alles abgesperrt, wir schauten uns das an, und dabei wurden wir von einem RTL-Kamerateam gefragt, ob sie uns ansprechen dürften. Zwei von uns haben ein Interview gegeben, das morgen in der Sendung Punkt 6 gesendet werden soll.


Tagebucheintrag vom 20. Oktober 2005

Es kam natürlich nichts auf RTL von den Interviews. Einer der interviewten meint, dass es vielleicht auch besser so sei.

In der Mensa saß ich wieder diesem süßen MI-Studenten gegenüber und er hat mich wieder so angelächelt und mir in die Augen gesehen. Ich habe jetzt gerade mal eine Message an einen Kommilitonen geschickt, ob er was über den weiß und z.B. mit Sicherheit sagen kann, dass er hetero ist. Dann brauch ich mir wenigstens keine weiteren Gedanken in der Richtung zu machen. Ansonsten muss ich doch mal sehen, dass ich ihn drauf anspreche oder so.

Beim Stammtisch gings anfangs noch weiter um die Benefizparty und Gay in May. Wir brauchen erstmal einen Raum. In der Lagerhalle ist bis April alles ausgebucht.


Tagebucheintrag vom 21. Oktober 2005

Bernd hat mir heute einen Link zum Video geschickt, auf dem er zu sehen ist: Ein Beitrag aus N3 Hallo Niedersachsen. Er wurde ebenfalls zum Unglück am Neumarkt interviewt und kam tatsächlich im Fernsehen.

Heute im Marktkauf war ich mir bei jemandem aber ziemlich sicher, ohne dass ich erklären könnte, warum, und habe ihm während wir im Gang aufeinander zuliefen, fest in die Augen gesehen. Er hat dann auch zurückgeschaut, bis er an mir vorbei war. Ich werte das mal als Zeichen dafür, dass ich Recht hatte. So langsam läuft mein Gaydar bzw. schwules Auge besser, glaube ich.


Tagebucheintrag vom 22. Oktober 2005

Max hat mir ein Bild geschickt, das ihn und seinen Freund beim Küssen mitten in der Aura zeigt. Der Fotograf hat sogar fast gedrängelt, das machen zu dürfen, wie ich das verstanden habe :-)

Abends wollten wir zu Theo und haben uns erst bei Max gesammelt. Von dort sind wir dann bei einem Bekannten vorbeigegangen, der wegen Erkältung nicht mitwollte, sich aber über unseren Besuch freute. Ich habe ihm noch schnell sein ZoneAlarm wieder funktionstüchtig gemacht, dann gings zu Theo weiter. Da waren auch ein paar süße, aber wir sind leider mit keinem in Kontakt gekommen. Jens und Frank sind dann noch ins Bivalent weitergegangen. Während wir noch davor standen, fragten uns drei junge Leute, wer da so drin sei, aber das wussten wir ja auch noch nicht. Sie kamen dann sofort wieder raus und meinten, das seien nur alte Leute und die starrten einen so an. Wir haben sie dann zu Theo weitergeschickt. Ich bin nach Hause gegangen, von dieser Aussicht ohnehin nicht sehr ermutigt, aber da ich morgen früh Orgel spielen muss, wollte ich ohnehin nicht mehr so lange weg (und die 5 EUR Mindestverzehr schrecken da ab).

Auf der Iburger Straße habe ich dann noch ein Pärchen überholt, die auch schon bei Theo gewesen waren. Alles voller Schwulen hier in der Ecke ;-)


Tagebucheintrag vom 24. Oktober 2005

Auf der Rückfahrt von der FH im Bus setzte sich jemand neben mich, der dann irgendwann plötzlich auf meinen Fuß trat. Wir grinsten uns an und ich sagte "macht nichts". Als ich ausstieg, hab ich ihn nochmal angegrinst, und er mich auch, blieb aber erst sitzen. Dann kam er aber doch noch raus und ich sah mich nochmal nach ihm um. Er lief dann aber schnell über den Neumarkt, wohl zu einem anderen Bus. Ich komme nicht umhin zu denken, dass das eine Art Anmache war, oder selbst wenn es aus Versehen war, dass er nicht ganz uninteressiert an mir war. Er war auch garnicht so übel. Bei Gayromeo habe ich ihn natürlich nicht gefunden.

Abends gings noch zu einem vom Stammtisch zum Geburtstag. Die Schwuppen saßen in der Küche, die Heten im Wohnzimmer. Schön artig getrennt ;-) Aber man kannte sich halt untereinander, nicht jedoch gegenseitig.


Tagebucheintrag vom 25. Oktober 2005

In Steuerungstechnik sah ich wieder den Kommilitonen, der mir bei den letzten Malen an mir interessiert erschienen war, aber das konnte ich heute nicht feststellen. Vielleicht habe ich mich doch getäuscht, oder es fiel mir weniger auf bzw. ergab sich heute einfach nicht so wie in den letzten beiden Wochen. Ein anderer Kommilitone erzählte seinem Sitznachbarn in der Vorlesung von seinem Praxissemester in San Francisco, und dass dort überall die Regenbogenflaggen in den Straßen hingen. Ich habe das am Rande mitbekommen, aber eh schon davon gelesen, es war nicht wirklich etwas neues, was er erzählte, daher habe ich mich da nicht eingeklinkt.

Ansonsten habe ich heute beim CCC-Treff den wiedergesehen, dem ich mich vor zwei Wochen auf der Fahrt geoutet hatte.. Er war aber wie immer, nicht irgendwie wegen meines Outings anders oder distanziert. Er hat aber auch, wie immer, kaum etwas gesagt. Diesmal waren wir in Osnabrück, so dass ich keine Autofahrt hatte, auf der ich mich mit ihm unterhalten konnte.


Tagebucheintrag vom 26. Oktober 2005

Auf der Fahrt zur FH fielen mir heute die Regenbogenfarben auf einem Auto auf. Als ich daran vorbeifuhr, sah ich, dass ich den Fahrer kannte. Ich glaube aber nicht, dass er mich gesehen hat.

In der Mensa saß ich neben jemandem, der sich mit seinem Kommilitonen unterhielt. In der Unterhaltung fielen ein paar Stichworte, die mich aufhorchen ließen, aber ich kann mich verhört haben. Auf jeden Fall schien es mir nicht ganz unmöglich, dass der neben mir sitzende schwul war. Als ich ging, habe ich noch einen Blick zurück auf ihn geworfen, den er auch erwiderte. Aber mit Sicherheit kann ich es nicht sagen. Auf jeden Fall sah er gut aus, hatte eine schöne Frisur.


Tagebucheintrag vom 27. Oktober 2005

Das war ein total schöner Tag in Hannover heute, wo die Broschüre mit den Coming Out Stories vorgestellt wurde.

Ich bin um halb 3 nachmittags zusammen mit Chris losgefahren, jemand den ich kürzlich kennengelernt hatte und der wohl Lust hatte, mir Gesellschaft zu leisten. Wegen eines Staus in Hannover kamen wir gerade noch rechtzeitig an. Das Programm war lustig und interessant. Zwei haben ihre Geschichten vorgelesen, dazu gab es mehrere Reden, einen Comedy-Auftritt und einen Kurzfilm.

Ich hab noch kurz Fabian begrüsst (aber da läuft ja nichts weiter zwischen uns), und Thomas Adank vom Knackpunkt hat mir eine ausgedruckte Mail von einem Radiosender aus Oldenburg/Bremen gegeben, die ein Interview mit den beiden Preisträgern aus der Region machen wollen. Da soll ich mich mal melden.

Dann bin ich mit Chris durch die Stadt gelaufen, haben uns einiges angeguckt, auch nochmal am Knackpunkt vorbei. Zwischendurch was gegessen, dann eine Runde auf teilweise dunklen Pfaden um den Maschsee. Unglaublich, wie dunkel es dort ist.

Dann sind wir zurückgefahren. Auf der Autobahn hat einer gehupt, der uns überholte. Chris meinte, der habe auch einen Regenbogenaufkleber gehabt. Kam aus Herford oder so, aber es war dunkel, wir haben nichts weiter gesehen. So 10, halb 11 waren wir dann wieder in Osna und haben uns noch ein paar Stunden bei Chris im Wohnzimmer unterhalten.


Tagebucheintrag vom 28. Oktober 2005

Nachmittags war ich bei schönem Wetter mal wieder (vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr?) auf der Wiese am Schölerberg. Ben leistete mir da eine Zeitlang Gesellschaft, da er noch CDs von mir abholen wollte. Ich erzählte ihm von gestern und wir unterhielten uns viel, auch über alternative (Heilpraktiker-)Heilungsmethoden etc.

Morgen gehts mit Jens ins KCM nach Münster. Ich hoffe, Chris kommt mit. Es kann aber auch sein, dass er bei seinem Onkel bleibt, wenn er noch lernen muss oder zu kaputt ist.


Tagebucheintrag vom 31. Oktober 2005

Chris war zu kaputt vom Arbeiten. Ich bin dann also mit Jens alleine ins KCM in Münster gefahren. Da ich erkältungstechnisch etwas angeschlagen war, habe ich es aber nicht so lange durchgehalten und war relativ schnell recht kaputt. War aber trotzdem gut, mit zwei Areas, unten House, oben wie üblich gemischt.

Ansonsten war ich Samstag und Sonntag bei meinen Eltern. Meine Schwester war zu Besuch. Bei gutem Wetter saßen wir viel draußen. Sie hat auch die ganzen Coming Out Stories gelesen und wir haben über einiges in dieser Hinsicht gequatscht. Gestern abend bin ich, kaum dass ich zwischen 5 und 6 wieder in Osnabrück war, gleich ins Bett gegangen, weil ich mich ziemlich kaputt und matt fühlte, und bin dann letztlich (ungeplant) bis heute morgen halb 9 liegen geblieben, wobei ich sogar die meiste Zeit geschlafen habe.

Als ich heute an der Caprivistraße vorbeifuhr, schaute ich noch zur FH, in der Hoffnung, Chris dort zu sehen. Und tatsächlich saß da jemand auf der Treppe, der ihm ähnlich sah. Mir war es leider zu blöd, zu wenden und genauer nachzuschauen, zumal da auch noch andere waren (er aber schon einzeln). Ich fuhr dann in die Sonne auf "meine" Wiese am Schölerberg und schrieb ihm von dort eine SMS. In der Folge erfuhr ich, dass er es tatsächlich gewesen ist. Schade, dass ich nicht angehalten habe.


Tagebucheintrag vom 01. November 2005

Hier mal gerade zum Amüsieren eine Liste von Suchbegriffen, die meine Blog-Leser in Suchmaschinen eingegeben haben (und die sie dann zu dieser Seite hier führten):

tante half mir wichsen robert stadlober bisexuell cocon nürnberg frisur fotos rosa wien mitbewohnerin gay kuss kuscheln streicheln information über das erstes mal für gay lilo wanders bei gayromeo mattenjahre männer müssen ihr shirt ausziehen und mit nacktem oberkörper nils robert stadlober bisexuelle rosa panther schinkel schwul seine tochter fing langsam an ihn zu wichsen

Wenn man das so liest, muss man ja echt meinen, dass ich wer weiß was für versaute Inhalte habe ...

Zum normalen Tagesablauf: Der eine Student in Steuerungstechnik hat heute nur einmal geschaut, die Blicke werden weniger. Und ich weiß auch immer noch nicht ob sie mir gelten oder jemand anderem.

Mit dem Kommilitonen, der letzte Woche von San Francisco erzählte, gab es eine Unterhaltung, wie man Schwule erkennt, ob ich ihn für einen halten würde (eher nicht, aber haben wohl schon welche gemeint), allgemein über San Francisco, wo er im Praxissemester war, und eine Diskussion, ob es ein schwules Gen oder ähnliches gibt.

Abends war ich noch im Rosenhof zum Stammtisch. War recht nervig, weil nebenan Heinz Rudolf Kunze auftrat und immer, wenn die Tür aufging (die Leute auf Toilette gingen) die Lautstärke sich verdoppelte.

Gestern abend hatte ich Max Buch "Bestellungen beim Universum" angefangen und mich gleich wiedererkannt: Man muss spontanen Eingebungen des Unterbewusstseins Folge leisten, statt sie zu zerdenken und zu ignorieren, wie ich gestern, als ich an Chris vorbeifuhr.


Tagebucheintrag vom 02. November 2005

Mittags chattete mich heute Jan an und fragte, ob ich Freitag Nachmittag Zeit hätte. Er kommt dann aus Köln wieder, fährt mit der Bahn durch Osnabrück und könnte einen Zug später weiterfahren. Leider habe ich jetzt schon gesagt, dass ich dann im Büro Telgte bin, und habe mir für die anderen Tage was vorgenommen, so dass ich das nicht verschieben kann. Wäre schön gewesen, ihn mal wieder zu treffen. Hätte er das einen Tag früher gesagt, wäre das noch zu organisieren gewesen.

Abends war noch Gay in May Orgatreff, wir haben das Thema festgelegt und ein paar Details besprochen. Danach habe ich jetzt gerade den Film "Der schönste Tag in meinem Leben" auf WDR gesehen.


Tagebucheintrag vom 03. November 2005

Nun wird es morgen doch zu einem Treffen mit Jan kommen: Er fragte nochmal, wann ich denn arbeiten müsse, weil er ja doch gern mal meine Wohnung sehen wolle. Ich erfuhr dabei auch, dass er garnicht nach Hause zurück muss, sondern zu seinen Eltern will. Da kann ich ihn ja auch mit dem Auto hinbringen. Ich habe außerdem überlegt, dass ich die Kommunikationsnetze-Vorlesung ausfallen lassen kann, dann schon eher in Telgte sein kann und rechtzeitig Feierabend machen kann. Dann können wir uns so zwischen 5 und 6 morgen nachmittag treffen. Gegen 8 muss ich ihn dann zu seinen Eltern bringen.

Der Stammtisch heute sehr gut besucht, insgesamt sicher so 17 Personen, denke ich. Vorher hatte ich noch mit Frank und Josef den Safer Sex Abend im Rahmen des Welt-Aids-Tages in zwei Wochen besprochen. Wir werden unter anderem ein Spielchen machen, in dem immer in unterschiedlichen Zusammenstellungen zwei Personen aufeinander treffen und über vorgegebene Themen diskutieren werden. Da haben wir uns einige interessante ausgedacht, die das schwule Leben betreffen (geht dabei weniger direkt um Safer Sex).

Gerade war ich noch auf der FH-Party und habe mir unten im Keller in der Techno-Area einen Spaß daraus gemacht, die Männer zu beobachten und in die Kategorien Homo/Hetero einzuordnen. Bei ein oder zwei war ich mir nicht ganz sicher, aber die meisten konnte ich (obwohl teilweise sehr attraktiv) recht sicher als Hetero einstufen. Auch bei mir schon länger in der FH aufgefallenen Schnuckels sah es doch sehr stark danach aus, als seien sie hetero, wenn sie mir heute abend über den Weg gelaufen sind. Auf den Partys sieht man das auf jeden Fall eher als so in der FH, weil sie dann teilweise Mädels dabeihaben oder mit denen flirten etc.


Tagebucheintrag vom 05. November 2005

War schön, Jan mal wieder zu treffen, aber Gefühle waren eigentlich nicht mehr im Spiel. Er scheint sich seiner Bisexualität sicherer zu werden und kommt gerade mit einer Frau zusammen. Insofern braucht er sich auch um das Coming Out bei den Eltern erst einmal keinen Kopf zu machen.

Heute Nachmittag war ich erstmal bei Max zum Kaffee gewesen, er hatte sein einjähriges Rosa Panther Jubiläum gefeiert. Es gab leckere Torten.

Abends gings dann mit Flo nach Bielefeld zur Magnus-Party. Waren total viele supersüße Typen dort. Flo hat einen kennengelernt, sie wollen morgen telefonieren.

Vor der Party hab ich noch Jens seinen Computer etwas in Ordnung gebracht: Er hatte immer mal Aussetzer in der Internetverbindung, wohl durch das APIPA verursacht. Ich habe das TCP/IP von seiner Netzwerkkarte runtergenommen, er fährt da nur PPPoE drüber.


Tagebucheintrag vom 06. November 2005

Heute Nachmittag nach dem Aufstehen bin ich erstmal etwas spazieren gegangen und war dann bei Meiky, um noch ein bisschen Rest-Kuchen von gestern zu essen und sein buntes Geschirr abzuholen, das er mir überlassen wollte. Dafür hat er von mir eine Flasche Wein o.ä. bekommen, die ich noch rumstehen hatte.

Wieder zuhause chattete mich jemand an, wie mir die FH-Party am Donnerstag gefallen hätte. Ich fragte erstaunt zurück, ob ich ihn da gesehen haben müsse. Er meinte, wir seien uns am Eingang begegnet, er sei gerade gegangen als ich kam. Wir hatten vor längerer Zeit wohl schonmal über den Stammtisch gechattet und er hatte dorthin kommen wollen, dann aber an dem Abend niemanden vorgefunden. Mein Bild hatte er anscheinend noch im Kopf. Wir haben länger nett gechattet und ich denke, er wird mal beim Stammtisch vorbeischauen.

Dann wollte Max noch auf den Jahrmarkt (heute letzter Tag), und gerade da meldete sich auch Chris. Der wollte eigentlich heute garnichts mehr machen, aber Max hat ihn dazu bekommen, dass er mit zum Jahrmarkt kommt. So haben wir uns hier gesammelt und sind dann zusammen dorthin gefahren. Es war nicht mehr viel los, aber wir haben dennoch einige Schwule getroffen. Danach haben wir noch im Osnabrücker Grill gegenüber gegessen.


Tagebucheintrag vom 09. November 2005

Im Edeka guckte ich heute gedankenverloren einem jungen Mitarbeiter (Azubi?) hinterher, der merkte das und schaute sich nochmal nach mir um. Ob er mich nun nur ansah, weil ich schaute, oder ob er schwul ist weiß ich natürlich mal wieder nicht. Aber vorstellen könnte ich mir es schon bei ihm.


Tagebucheintrag vom 11. November 2005

Gerade komme ich vom Filmabend mit "Sommersturm" im Rahmen der Glaubenswoche der Jugend in meiner Heimatgemeinde. Leider waren nur jugendliche Mädchen da, keine Jungen. Es war aber auch so interessant genug. Nachdem ich denen noch mit der Technik (sie haben vom Notebook aus abgespielt) geholfen hatte, fing der Abend mit einer Meditation an. Danach stieß die Gemeindereferentin dazu und wir schauten den Film. Sie hat dann anschließend durch eine Diskussion geleitet und das auch sehr gut gemacht. Ich habe mich bei einigen Themen fachkundig zu Wort gemeldet und gehe davon aus, dass sie es sich jetzt alle von mir denken können, dass ich schwul bin. Ich habe es aber nicht offen gesagt, und es hat mich auch niemand näher auf etwas angesprochen, was ich sagte.

Die Mädchen sind da ziemlich aufgeschlossen gewesen, fanden gut, dass auch ganz "normale" Schwule in dem Film gezeigt werden, die man nicht sofort als solche erkennt. Interessiert hätte mich die Reaktion von Jungen auf den Film.

Die Gemeindereferentin erzählte, dass sie einen schwulen Bruder hat, und dass er es ihr, als seiner kleinen Schwester, zuerst erzählt hatte. Sie fand das toll, weil es erst noch ein Geheimnis war, bevor er es den Eltern sagte.

Die Themen bei denen ich was sagte: Ist Robert Stadlober schwul, was sagen andere Schwule zu dem Film, wie gut gibt er selbst erlebtes und gefühltes wieder.


Tagebucheintrag vom 16. November 2005

Gestern war ich irgendwie den ganzen Tag in der FH, wegen Steuerungstechnik- Praktikum, was nicht so recht gelingen wollte. Danach war ich so k.o., dass ich weder beim Rosa Monitor noch beim Rosenhof-Stammtisch gewesen bin, sondern um 22 Uhr ins Bett gegangen bin.

Heute in der Mensa (bzw. in der Schlange davor) kam mir einer aus der Szene bekannt vor, aber ich bin mir nicht sicher, ob er das war. Er zeigte kein deutliches Erkennungszeichen bzw. war nicht sichtlich an mir interessiert. Beim Essen habe ich mich mit einem Kommilitonen über Bibel, Religion, Kirche und auch im Zusammenhang zur Homosexualität unterhalten. Er meinte, ich solle doch mal YMCA auf der Orgel spielen *g*

Dann war ich in Telgte zum Arbeiten und direkt anschließend zur Gay in May Vorbereitung in der Lagerhalle. Waren aber nicht viele Leute da und wir haben nicht soviel geschafft diesmal.

Ins Gästebuch der Rosa Panther Webseite hat ein Rüdiger einen komischen Eintrag geschrieben, der mich anspricht, auch Details zu mir (filigranes Orgelspiel, meine Gayromeo-Seite etc.), aber in der Formulierungsweise das wohl eher nicht positiv meint, sondern mich ärgern will. Ich weiß aber nicht, wer das sein soll. Er muss wohl über mein Gayromeo-Profil daraus gestoßen sein (da ist die Rosa Panther Seite verlinkt), aber ich seh in der Besucherliste keinen passenden.


Tagebucheintrag vom 18. November 2005

Zum Safer Sex Abend mit Josef waren anfangs nur 6-7 Leute da, ich hatte mit mindestens doppelt so vielen gerechnet. Im Laufe des Abends wurde es aber noch mehr, und so wurde es ein netter Abend mit interessanten Gesprächen. Vielleicht wars so auch besser, denn wir konnten in der ganzen Runde in Ruhe über diverse Themen diskutieren, wie z.B. Zukunftspläne, Partnerschaftsabsichten, wie man zu One Night Stands steht, was ein gutes Date ausmacht etc.


Tagebucheintrag vom 20. November 2005

Auf der Gaynight gestern war nicht soviel los wie sonst, einige waren auch krank oder anderweitig verhindert. Es war aber wieder ziemlich gut.

Als ich heute abends im Büro am Bänderwechseln war, kam jemand durch den Seiteneingang von außen rein und sagte im Vorbeigehen "hallo". Eine angenehme, etwas höhere Stimme, die durchaus einem Schwulen gehören könnte (auf jeden Fall nicht sehr hetero klang), und die ich nie vorher gehört hatte. Ich wurde sofort neugierig und schaute in einigen Büroräumen nach, wo ich ihn aber nicht fand. Als ich dann Bänder in den Keller bringen wollte, begegnete ich ihm im Flur, er kam aus den Büros im EG auf der Rückseite, wo eine kleine Firma oder Abteilung sitzt, deren Namen ist nie weiß.

Im Vorbeigehen (ich wartete vor dem Aufzug) lächelte er mich an und ich lächelte zurück. Er blieb aber nicht stehen und ich ärgere mich im Nachhinein, dass ich ihn nicht mit irgendwas belanglosem angesprochen habe ("na, auch am Wochenende arbeiten?" o.ä.). Aber dazu bin ich in solchen Situationen irgendwie nie fähig bzw. komme dann garnicht darauf, weil ich so baff bin. Ob ich ihn nochmal wiedersehen werde? Mal verstärkt drauf achten wenn ich dort bin!


Tagebucheintrag vom 24. November 2005

Nachmittags hab ich mich fast zwei Stunden mit Julian in der FH verquatscht. Abends rief er nochmal an und wollte mit mir mit zum Stammtisch, um dann anschließend zur FH-Party zu gehen. Ich war sehr überrascht, aber habe ihn natürlich gerne mitgenommen. Flo war auch endlich mal wieder da.

Julian erzählte interessante Dinge über Heteromänner und deren Verhältnis untereinander, was ich an den dabei erwähnten Kommilitonen nicht so ganz für mich nachvollziehen kann, sprich, teilweise verhalten sie sich Schwulen gegenüber dann doch wohl anders als anderen Heten gegenüber. Julian erwähnte so eine Art Grabenkämpfe, wer ist der Bessere, der ständige Wettbewerb. Ich steh ja da in gar keiner Konkurrenz und gehe daher ganz anders mit den Leuten um. Julian hat sich auch am Stammtisch sehr wohl gefühlt. Solche Gespräche wie mit uns kann er mit keinem Heteromann führen. Er ist auch noch keinem anderen Kommilitonen irgendwie näher gekommen, das sei alles sehr oberflächlich.

Ein anderer Stammtischbesucher fand Julian auch wohl ziemlich attraktiv und hat nachher noch versucht, ihn zu küssen, was Julian aber abwehrte. Andererseits hat es Julian aber zu denken gegeben, was Jens über Theorien erzählte, dass jeder erstmal bi ist und einige nur auf Frauen und noch weniger nur auf Männer stehen, aber die meisten irgendwo dazwischen liegen. Er ist auch nicht abgeneigt, wieder mit zum Stammtisch zu kommen. Darf man noch Hoffnung haben?


Tagebucheintrag vom 26. November 2005

Gestern herrschte Chaos in Osnabrück. Starker Schneefall, infolgedessen Nachmittags immer wieder Stromausfälle. Verkehrschaos auf den Straßen, und wegen Stromausfall auch bei unseren Servern, inkl. mehrerer Ausfälle. Gerade bin ich hier im Büro einem von einer anderen Firma im Haus begegnet, der Vertretung für den Haustechniker macht. Der war doch recht tuntig, in Stimme und Bewegung, da bin ich mir sehr sicher, dass der schwul ist. Leider hatte ich Gayromeo glaub ich gerade im Hintergrund. Es war auch noch einer dabei, der sicher ne Hete war, insofern kann es auch daran gelegen haben, dass der andere keine Anzeichen zeigte, dass er mich als schwul erkannt hat (falls er das hat, jenachdem wie gut sein Gaydar ist).


Tagebucheintrag vom 28. November 2005

Gestern war ich mit Jens und Ben in "Harry Potter". Wir haben uns gut amüsiert, zumal Madame Maxime wie eine Transe aussah.


Tagebucheintrag vom 01. Dezember 2005

Julian erzählte mir heute Mittag, dass er Bindungsprobleme hat und Frauen schlecht an sich heranlassen kann, auch wenn er wohl was von ihnen will. Er will deswegen mal mit einem Psychologen sprechen. Beim Stammtisch war er leider nicht. Christian meinte, ein gemeinsamer Freund von den beiden wäre nicht erstaunt gewesen, dass Julian zum Stammtisch gewesen wäre und hielte ihn wohl auch für bi. Vor dem Hintergrund, was Julian über Frauen sagt, ist dann eigentlich auch kein Unterschied mehr zu seinem Verhalten bei Männern erkennbar. Vielleicht lässt er die sogar noch eher näher an sich heran.


Tagebucheintrag vom 02. Dezember 2005

Heute abend war im emma Theater im Rahmen des Welt-Aids-Tages zuerst "6 Tanzstunden in 6 Wochen" und danach Party. Das Theaterstück war gut, die Party aber lief nicht besonders, was auch daran lag, dass der DJ anfangs viele Leute mit der Musik vergraulte.

Zwei süße waren dort, allerdings der eine hetero (als Künstler dort eingeladen, Josef kannte ihn etwas) und der andere hat anscheinend einen Freund, zumindest hing er den ganzen Abend mit ihm zusammen und hat ihn (haben die anderen gesagt) zum Schluss geküsst.


Tagebucheintrag vom 03. Dezember 2005

Heute Nachmittag dachte ich, der süße von gestern abend hätte mein Profil besucht. Auch Frank war sich nicht sicher und konnte es nicht ausschließen, dass er es vielleicht wäre. Also habe ich ihn mal angechattet und gefragt. Er war es zwar nicht, aber er hat wenigstens geantwortet - und abends im Rosenhof waren sowohl er als auch der andere von gestern abend mit seinem Freund wieder. Da die anderen bei dem von gestern abend wieder Küsse beobachteten, habe ich mich um den nicht weiter gekümmert, aber den, mit dem ich heute kurz gechattet hatte, sprach ich an. Wir haben den Abend über immer mal wieder kurz geredet, und zur Verabschiedung hatte ich fast den Eindruck, dass er mich etwas anschmachtete und es schade fand, dass ich gehen wollte. Auch wenn ich vorher den Eindruck gehabt hatte, dass er sich zwar ganz gern mit mir unterhielt, aber auch nicht überenthusiastisch war, passt das nach Lektüre seines Profils wohl, da er selbst über sich schreibt, dass er erst etwas braucht, um neuen Bekanntschaften gegenüber warm zu werden. Er wirkt auch ein wenig schüchtern und zurückhaltend. Ich werde einfach mal abwarten müssen, wie er sich im Chat weiter verhält.

Ansonsten war heute bei Max "schwules Plätzchenbacken", wo ich allerdings erst noch nicht dabei war. Abends lud Max aber noch zum Nudelnessen ein, und danach gabs dann die fertigen Plätzchen. Hinterher gings in den Rosenhof.


Tagebucheintrag vom 04. Dezember 2005

Ich habe den von gestern angechattet (ganz belanglos), aber keine Antwort. Er hat die Message jedoch gelesen und auch mein Profil nochmal angeschaut, daher habe ich heute abend nochmal hintergeschrieben, ob ich das so deuten solle, dass er kein Interesse hätte, weiter mit mir zu chatten, oder ob er nur noch keine Zeit hatte, zu antworten. Mal sehen, ob er darauf eingeht. Ansonsten ist er wohl leider einfach nur ein Idiot, auch wenn er garnicht den Eindruck machte.

Abends war ein Freund bei mir, wir haben uns zwei Folgen Queer as Folk und eine Folge Rawley High angeschaut, außerdem habe ich ihm Musik gebrannt. War ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen.


Tagebucheintrag vom 06. Dezember 2005

Auf meine Rückfrage hatte der vom Samstag, der erst nicht mehr geschrieben hatte, dann doch noch geantwortet. Er will zwar wohl mit mir in Kontakt bleiben und fragte auch interessiert wegen Klavier-/Orgelspiel, aber möchte mich ansonsten nicht näher kennenlernen oder mal treffen.

Heute Nachmittag musste ich einen neuen Personalausweis beantragen. Während ich im Stadthaus auf den Aufruf meiner Nummer wartete, sah ich die ganze Zeit einen jungen, freundlichen, gutaussehenden Mitarbeiter und hoffte schon, dass ich von ihm bedient werden würde. Es kam dann tatsächlich so hin, und er war wirklich nett.

Abends war Gay in May Orgatreff. Nun doch ein etwas anderes Thema, weil sich Protest bei den Lesben regte. Einfach nur "Lust auf mehr!". Von Jens Vorschlägen hat sich bei Josef und dem Schwulenreferat eine interessante Veranstaltungsidee für die Uni entwickelt: Schwule und Heten ins Gespräch bringen, warum man jeweils die andere Seite interessant findet (man sich als Schwuler in Heten verliebt etc.).


Tagebucheintrag vom 08. Dezember 2005

Gestern war ich mit Jens im Hasetorkino in "Wie im Himmel". Wirklich ein sehr schöner, berührender Film. Auf dem Hinweg aus dem Bus und auf dem Rückweg zu Fuß durch die Große Straße sah ich ein paar von den E-Techniker- Kommilitonen, darunter den seinen, der mir in Steuerungstechnik häufiger auffiel. Er hat mich aber nicht bemerkt.

Heute hatte ich eigentlich vor, mich mit Julian neben den interessanten Kommilitonen im Kommunikationsnetze-Praktikum zu setzen, aber leider waren die Plätze schon belegt, weil wir nicht rechtzeitig dort waren. Ich hoffe, er ist morgen noch dabei, da beginnt nämlich das Wahlpflicht- Praktikum Ausgewählte Kapitel der Kommunikationsnetze, da ist er nicht zwingend noch anwesend. Den CCNA macht er anscheinend nicht mit.

Mit dem Stammtisch waren wir abends auf dem Weihnachtsmarkt. Max lief nur im T-Shirt rum und zog daher wieder viel Aufmerksam auf sich. Es ist lustig, hinter ihm zu gehen und auf die Kommentare der entgegenenkommenden Leute zu achten.

Einmal haben Max und sein Freund händchenhaltend ein Hetenpärchen unter ihren Armen durchlaufen lassen. Der Junge guckte ziemlich komisch zurück. Das war witzig.

Aus einer neben uns stehenden Gruppe machte jemand ein Kompliment über Maxs Arme. Max meinte schon, der und mindestens ein weiterer seien schwul. Letztlich war es wohl die ganze Gruppe, da einer beim Gehen rief "Analkette!".

Ich habe einige Kommilitonen gesehen (keine näher bekannten, aber die man vom Sehen so kennt und die gut aussehen und mir daher auffallen), aber meist mit Freundin, wohl alles Heten.

Eigentlich wollte ich gleich noch zur FH-Party, aber bin ich jetzt doch zu müde zu. Vielleicht schaff ich dann ja dafür morgen Regelungstechnik. Gayromeo ist down, man fühlt sich so einsam ;-)


Tagebucheintrag vom 09. Dezember 2005

Ich hatte es bald befürchtet: Der Kommilitone war nicht mehr im Praktikum heute, er belegt das Wahlpflichtfach wohl nicht. Kann man nur hoffen, dass man ihn nochmal wieder irgendwo sieht.

Einer, der vor ein paar Wochen neu beim Stammtisch war, schreibt, dass er dachte, Julian sei mein Freund (der war da mitgewesen). Ich erzählte Julian das heute im Beisein eines anderen Kommilitonen, bei dem ich immer noch nicht sicher war, ob ich bei ihm eigentlich geoutet wurde (ich habe es nicht getan). Er hat zumindest nicht erkennen lassen, dass es neu für ihn war.


Tagebucheintrag vom 11. Dezember 2005

Gestern der Queer Gottesdienst war sehr schön und hat gut geklappt. Meine Eltern und meine Schwestern waren da, außerdem einige vom Stammtisch sowie einige Lesben. Insgesamt ca. 30-35 Personen.

Max hat sich noch eine ganze Zeit mit meiner Mutter und Schwester unterhalten. Mama heute: "Der redet ja ganz schön viel und hört garnicht wieder auf". Aber nett fanden sie ihn wohl, auch die anderen. Meine Schwester war von Frank begeistert, weil der so nett und gemütlich ist und sie an einen Arbeitskollegen erinnert. Laut Mama hat sich wohl eine Lesbe für meine Schwester interessiert, was die aber garnicht so recht bemerkt hatte.

Abends war ich noch mit Jens in Münster zur Emergency-Party. Auf dem House-Floor hat ein total süßer DJ aufgelegt und auch sehr geile Musik gemacht. Ich muss mal den anderen DJ wegen der Gay in May Benefizparty fragen und ihn dabei auch gleich auf den House-DJ ansprechen. Vielleicht finde ich ja seinen Gayromeo-Namen oder ähnliches heraus. Es waren auch noch einige andere süße Jungs dort. Mich sprach ein nicht so attraktiver an, ob ich allein da wäre bzw. ob ich da allein versauern wolle. Ich hab ihm beides nur sehr einsilbig mit Nein beantwortet und bin dann auch mit Jens nach Hause gefahren.

Eine Mit-Organistin erzählte heute, dass der Freund ihrer Tochter einen Kollegen hat, der auch schwul ist, wo die Mutter gestorben war, und der sich dann bei seinem Vater geoutet hatte, der daraufhin den Kontakt abgebrochen hatte. Nun steht er ganz ohne Eltern dar. Er kümmert sich jetzt ein wenig um diesen Kollegen, der aber auch wohl einen Freund hat. Die Organistin hat mit ihrer Familie über mich gesprochen, dort bin ich also geoutet. Selbst hatte ich es nur ihr selbst erzählt. Wir haben danach dann noch über den Sommersturm-Abend kürzlich in der Kirchengemeinde gesprochen, und wie die Reaktionen waren.


Tagebucheintrag vom 12. Dezember 2005

Mit der kleinen Freiheit, wo wir die Gay in May Benefizparty abhalten wollten, wird es wohl schwierig. Aber dafür hab ich heute mit dem Emergency-Stamm-DJ gechattet und schonmal erfahren, was er so für einen Auftritt nehmen würde und dass er es leider nicht für den Zweck kostenlos machen würde. Auf meine Frage zu dem süßen House-DJ habe ich nur erfahren, dass der aus Köln kommt und kein Gayromeo-Profil hat. Ich habe auch noch einen DJ aus Osnabrück bei Gayromeo angechattet, der aber noch nicht geantwortet hat.


Tagebucheintrag vom 13. Dezember 2005

Ich hab gerade in den Webserver-Logs gesehen, dass unser Geschäftsführer meine ganzen Webseiten unter die Lupe genommen hat, inkl. des Tagebuchs. Gesagt hat er nichts, obwohl ich ihn zwischenzeitlich schon gesehen habe.


Tagebucheintrag vom 14. Dezember 2005

Ich war heute abend bei Ben, einem vom Stammtisch, um nach seinem Computer und seiner Telefonanlage zu schauen. Er hat mir dafür leckeres Essen gemacht. War ein netter Abend. Ben rät mir, auch Sexdates zu suchen, und mir von vornherein klarzumachen, dass der andere normalerweise keine Liebe/Beziehung sucht, um zu verhindern, dass ich mich selbst verliebe. Dadurch könnte ich lockerer werden und von der eigentlichen Beziehungssuche abgelenkt werden, um nicht mehr so starr zu suchen. Anlass war meine Erzählung von jemandem, mit dem ich seit einigen Tagen chatte, und der eigentlich ein Sexdate sucht, aber anscheinend wenig Erfolg dabei hat. Ich treff mich vielleicht die Tage mal mit ihm, mal sehen wie er so ist. Das Foto sah ganz ok aus, auch wenn er darauf nicht so gut erkennbar ist.


Tagebucheintrag vom 15. Dezember 2005

Meine Chefin fragte mich heute per ICQ, ob ich sie in Bielefeld kürzlich mal garnicht gesehen hätte. Bei Rückfragen kam dann heraus, dass sie mich im November (vor 6 Wochen) im Triebwerk gesehen und mir zugewunken hat. Das habe ich garnicht gemerkt. Sie hatte befürchtet, es könne mir peinlich sein, dort gesehen zu werden, weshalb sie mich da nicht angesprochen hatte. Ihre Freundin habe sie aber nun doch gedrängt, mich mal danach zu fragen. Sie ging dabei aber weiter davon aus, dass ich nur mit jemandem mitgegangen wäre, da sie aus allen Wolken fiel, als ich schrieb, dass ich da halt mehr nach Männern als nach Frauen geguckt hätte. Dann wollte sie erstmal wissen, wann ich es denn gemerkt hätte und was meine Eltern gesagt hätten. Mama hat sie mal kennengelernt, und sie meinte, das könne für sie ja eher schwierig gewesen sein. Muss ich Mama mal erzählen ;-) Dann wollte sie noch wissen, wer es schon weiß, damit sie nichts unbekanntes rumposaunt. Ich habe ihr geschrieben, dass ich den genauen Überblick verloren habe, aber hab ihr die Namen aufgezählt, bei denen ich sicher weiß, dass sie Bescheid wissen.


Tagebucheintrag vom 17. Dezember 2005

Na super, der Typ von der letzten Party scheint mich nicht mehr großartig zu kennen oder ignoriert mich absichtlich. Er ging mehrfach an mir vorbei oder stand neben mir, vorhin auf der Gaynight im N8, aber hat mich nie angeguckt. Es war diesmal auch sonst nicht so gut wie sonst, wenig los.

Ich bin aber auch noch etwas erschöpft von gestern: Ich war mir Flo und Jens in der Aura zur Sunshine Live Party, das war ziemlich geil. Da waren so einige süße Kerle, aber wohl wieder alle hetero, wobei ich mir bei ein oder zwei nicht sicher war. Einer tanzte eine ganze Weile direkt bei uns und schaute auch mal rüber, war teilweise fast in unserem Kreis drin.


Tagebucheintrag vom 20. Dezember 2005

Ich habe mal mein Gayromeo-Profil etwas umgestellt und bei der Suche "Sexdate" mit reingenommen und ein paar Angaben und Sätze ergänzt, auf Anraten von Ben.

Vorgestern hatte ich die Dawsons Creek Folge wiedergefunden, in der Jack nackt für Joey posiert. Wirklich sehr schöne Folge, und schöner Jack ;-)

Beim CCC-Treff habe ich heute mal wieder den einen süßen Teilnehmer gesehen. Ist echt zum Dahinschmelzen - wenn auch wohl immer noch hetero. Auf dem Rückweg sah ich zwei Männer, die mir schwul vorkamen. Der eine sagte zum anderen "kennst du die Lagerhalle?" und dann drehten sie um und gingen dorthin. Wie er das sagte, ich glaube doch dass ich da Recht habe.


Tagebucheintrag vom 21. Dezember 2005

Heute abend war bei Max gemütliches Abendessen zur Wintersonnenwende. Er schenkte uns noch je zwei kleine Blumen dazu. Während des Abends rief seine Schwester an und erzählte, dass sie bei ihrem Trinker-Mann ausgezogen ist, zeitweise bei der Mutter wohnt und bald eine eigene Wohnung hat. Max hat sich darüber sehr gefreut. Ich mochte den Mann auch nicht so.


Tagebucheintrag vom 22. Dezember 2005

Beim Stammtisch waren etwa 10 Leute, ein Pärchen hatte noch drei Männer mitgebracht, die ich nicht kannte. Wir saßen unten, weil die Empore von anderen belegt war (geschlossene Gesellschaft). Ich habe mich lange und viel mit einem anderen FH-Studenten unterhalten, war sehr nett und interessant.

Gerade habe ich mit Matthias gechattet. Ich meine dass ich ihn schonmal angechattet hatte und keine Antwort bekommen hatte. Jetzt meldete er sich und wir haben uns gut unterhalten und wollen uns auch mal treffen. Es ging um Coming Out (er hat in der Familie da Probleme) und sowas. Also ein Treffen erstmal ohne Sexabsichten, dank meines veränderten, um die Sexsuche ergänzten Profils. Verkehrte Welt ;-)


Tagebucheintrag vom 23. Dezember 2005

Ziemlich ätzender Tag, die meiste Zeit nur gearbeitet. Mittags war ich in der Schlossmensa, da waren auch zwei, die ich flüchtig aus der Szene kenne, die mich aber wie üblich nicht sonderlich nur Kenntnis nahmen.

Unser einer Pastor, zugleich mein Orgellehrer hat mir eine Orgelpfeife zu Weihnachten geschenkt. Ich weiß nur noch nicht, wie ich sie vernünftig an diesen blöden Rigips-Wänden bei mir aufhänge.

Matthias hat mir noch schöne Festtage gewünscht, er ist echt nett. Leider konnte ich nicht online gehen und mit ihm chatten, weil es Routingprobleme im Internet gab, so dass ich nicht auf gayromeo kam.


Tagebucheintrag vom 25. Dezember 2005

Gestern abend war ich noch auf der Christmas-Gaynight im N8. Flo war nicht mit, weil sein Auto streikte bzw. er (laut jemand anders) dann zu müde war. War leerer als sonst im N8, aber für Hl. Abend doch gut gefüllt.

Bei OS-Community hat mich einer aus Ostercappeln als Freund hinzugefügt, ich denke ich kenne ihn hier aus der katholischen Jugend. Auf jeden Fall hat er bei Marvin ins Gästebuch geschrieben, dass er ihm mich zu Weihnachten schenkt. Er hat also den Hinweis "Gay" definitiv in meinem Profil gelesen. Dumme Sprüche im Gästebuch o.ä. gabs bei mir aber noch nicht, im Gegensatz zu anderen, die "Gay" im Namen haben und teilweise ziemlichen Unfug drinhaben.


Tagebucheintrag vom 27. Dezember 2005

Mit Matthias habe ich nun schonmal Handynummern ausgetauscht und auch zwei Bilder von ihm erhalten. Er sieht nett aus, ich bin sehr gespannt auf Freitag. Genauen Zeit und Ort wollen wir dann noch absprechen, ich muss noch was nettes in OS aussuchen und er weiß noch nicht genau, wann er kann.

Mit Flo und Jens werde ich Silvester ins KCM fahren. Max will privat mit ein paar Leuten feiern.

Eine Sache aus dem Broken Hearts Club hat mich letzte Nacht im Traum verfolgt. Ich war dabei, aufs Fahrrad aufzusteigen, etwas vor mir eine Gruppe von jungen Leuten, darunter einige Jungs. Einer davon sah mich und rief üübbrriiiigeeeennss?! Ich grinste, weil ich gemeint war, fuhr dann langsam auf dem Rad vorbei, da küsste er allerdings gerade seinen Freund. Daher fuhr ich weiter und dachte nur noch, sie können ja den Regenbogenaufkleber hinten auf dem Rad sehen. Max meint dazu, es sei gut, dass ich bewusst träume. Scherzhaft schrieb er aber auch, ob ich Hilfe bräuchte, das Schwulsein-Virus würde in mir stärker werden.


Tagebucheintrag vom 28. Dezember 2005

Ich habe abends mal das Jodokus erkundet, aber das scheint mir etwas klein und vielleicht zu hellhörig für das Date mit Matthias. Ben hatte auch noch Porto Fino und Pferde haben keine Flügel vorgeschlagen, das ist auch Matthias ganz recht, weil er sich im Bereich des Theaters wohl auskennt. Porto Fino kann ich mir vielleicht morgen nochmal anschauen, auf dem Hin- oder Rückweg vom Stammtisch.

Ich hab Alex die Fotos von Matthias gezeigt, der war gleich ganz begeistert und beneidet mich. Bin gespannt ob er in Wirklichkeit dann auch gut aussieht.

Gestern hatte ich noch festgestellt, dass meine Chefin sich jetzt, seit dem Outing, auch wieder mehr privat mit mir unterhält. Sie erzählt eher mal, was sie privat so macht, was sie vorher jahrelang nicht mehr gemacht hatte.


Tagebucheintrag vom 29. Dezember 2005

Ich habe jetzt den Termin um 17:30 Uhr morgen mit Matthias festgemacht, wir treffen uns vorm Theater und gehen dann ins Porto Fino. Da war ich vorhin nach dem Stammtisch noch mit Ben und habe es als gemütlich und schön empfunden. Mit Ben habe ich wieder sehr interessante Unterhaltungen über Erwartungen, Wünsche, vernünftige Vorgehensweisen und Beziehungstheorien geführt.

Beim Stammtisch hatten wir "Priscilla - Königin der Wüste" gesehen. Vorher war ich mit Julian im Serverraum und hab ihm alles gezeigt und erklärt. Er musste dann allerdings zu anderen schwulen Freunden, wo er zum Abendessen eingeladen war. Der eine ist auch Informatiker, aber schon Mitte/Ende 30 glaub ich.


Tagebucheintrag vom 30. Dezember 2005

Auf dem Weg zum Date traf ich doch glatt gleich nochmal Ben, der auch schon an mich gedacht hatte. Matthias schrieb mir noch, dass er sich etwas verspäte, so dass ich noch ein wenig durch einige Geschäfte lief. Im Porto Fino hat es uns gut gefallen und es wurde ein schöner Abend mit sehr angeregter Unterhaltung. Im Gegensatz zu anderen, die ich schon traf, denen ich schlecht in Gesprächspausen in die Augen sehen konnte, fiel es uns nicht schwer, uns gegenseitig anzulächeln und in die Augen zu sehen. Wir haben einiges an Szenetratsch und interessanten Stories ausgetauscht. Matthias Ex ist der aktuelle Freund von jemandem, mit dem Max und andere Bekannte kurz mal was hatten, das war natürlich ein heißes Thema.

Als wir rauskamen, war alles zugeschneit und die Straßen waren noch nicht geräumt. Ich schrieb, als ich das seh, noch eine SMS, dass er auch zu mir kommen könnte, wenn es zu schwierig ist, nach Hause zu fahren, aber er schaffte es und gerade chatten wir noch in Gayromeo. Ich habe ihn zu meinem Geburtstag nächste Woche eingeladen und hoffe, dass er es schafft.


Tagebucheintrag vom 01. Januar 2006

Gestern hab ich dann Jens und Marvin abgeholt und mich auf den Weg zum KCM gemacht. Flo fuhr mit zwei anderen mit. War anfangs noch leer, füllte sich aber später, und wurde ein schöner Abend.

Heute Nachmittag erfuhr ich von Max, dass einer, der bei ihm mitgefeiert hatte, letzte Nacht mit dem Krankenwagen abgeholt wurde, wegen Blinddarm. Er hatte erst nach Mitternacht zunehmende Schmerzen bekommen. Er schrieb mir auch selbst eine SMS und bat um Besuch. Ich bin dann mit Jens und Marvin abends hingefahren, worüber er sich sehr gefreut hat. Er war aber schon wieder lebhaft wie immer. Einen ganz süßen Zimmergenossen hat er, der auch immer interessiert rübergrinste. Sicher auch nicht alltäglich, vier Schwuppen auf einem Haufen ;-)

Matthias ist ganz überrascht, dass Max ihn zu seinem Geburtstag eingeladen hat, mit der Begründung, dass er bei mir ja auch eingeladen sei und die beiden ja auch schon nett gechattet hätten. Ich habe ihm erklärt, dass das so Maxs Art ist. Die beiden werden sich aber schon verstehen, da bin ich recht sicher. Ich freue mich schon sehr auf Matthias Besuch am Freitag, es hörte sich auch danach an, als ob das recht sicher klappen wird.

Als ich heute Nachmittag am Fenster stand und einem jungen Mann, der ins Auto stieg, hinterherschaute, sah er plötzlich hoch und winkte mir, nach draußen zu kommen. Er ist wohl selbst kein Hausbewohner und kam mit dem Auto nicht vom Hof. Sein Kumpel sei schon weg. Ich habe ihm dann das Tor aufgeschlossen. Aber aus der Nähe betrachtet war das eindeutig eine Hete.


Tagebucheintrag vom 02. Januar 2006

Ich war heute nochmal mit Flo im Krankenhaus, Max und sein Freund kamen auch noch dazu. Der Bettnachbar ist hetero und hat eine Freundin in Hamburg, hat er herausgefunden. Sie haben nicht darüber gesprochen, aber ich denke mal, der dürfte über die Besuche doch herausgefunden haben, dass unser Stammtischfreund schwul ist. Vielleicht traut er sich nicht, ihn darauf anzusprechen. Im Krankenhaus begegnete uns ein süßer Sanitäter, den Max beim Vorbeigehen natürlich gleich wieder anflirtete.


Tagebucheintrag vom 04. Januar 2006

Heute habe ich in der Firma unseren Steuerberater, gesehen, und horchte schon wegen der Stimme auf. Als er dann noch sagte, er "erscheine" diese Woche nicht mehr, dachte ich doch gleich an unseren Stammtisch und überlegte, ob er schwul sein könnte. Ein Kollege meinte, er habe ähnliches (auch nur wegen Klischees der Stimme halber) auch schonmal gedacht.

Abends war noch Julian zum Lernen bei mir. Er sah wieder ziemlich gut aus :-)


Tagebucheintrag vom 05. Januar 2006

Nachmittags chattete mich ein Kölner Student an, der momentan zuhause in Osnabrück ist und ein Sexdate suchte. Er meinte aber auch gleich, er könne ja auch mal beim Stammtisch vorbeischauen und interessierte sich auch dafür. Letztlich war er dann aber leider doch nicht da. Zu späterer Stunde ließ ich mich noch von Marvin massieren, und dann wurde es Mitternacht, mein Geburtstag begann, und Marvin nahm das zum Anlass, erst einmal eine ganze Zeit mit mir herumzuknutschen. Dann wurde reihum geknuddelt, anschließend war Aufbruchsstimmung. Ich habe mich dann aber wieder noch lange mit Ben im Auto unterhalten. Er hatte mir heute wieder solche "Glückstipps" geschickt, mit Tipps zum Aufbau einer Beziehung und welche Haltung man sich am besten antrainieren sollte. Letztlich muss man gegen seine Instinkte handeln, der noch aus alter Zeit stammen und heute nicht mehr passen. Es gibt Männer genug, muss man sich sagen, und man ist nicht von einem bestimmten abhängig. Dann kann man lockerer damit umgehen und alles fällt viel leichter. Ben meinte noch ergänzend, ich soll mir einfach vorstellen, ich hätte alles was ich mir wünsche, wie ich mich dann fühle, und dieses Gefühl konservieren und ausstrahlen, das ziehe die potentiellen Partner an.


Tagebucheintrag vom 06. Januar 2006

Ich hatte Marvin, Flo, Max+Freund, Jens, Frank und Matthias zum Geburtstag eingeladen, und es waren auch alle da, obwohl ich bei Matthias nicht ganz sicher war, ob er kommen würde. Sorgen habe ich etwas, ob er nicht von der ganzen Situation überfordert war, in diese Runde hineinzukommen. Aber eigentlich schien es ihm wohl zu gefallen. Marvin meinte gerade noch, dass ich es ruhiger angehen lassen solle und es beim Abschied zu deutlich geworden sei, dass ich Matthias auch gern noch länger dagehabt hätte. Er kennt Sommersturm noch nicht und ich hatte eigentlich vor, ihn mal darauf einzuladen, aber Marvin hat schon recht, da muss ich langsamer vorgehen. Ich versuche erst einmal nicht besonders an ihn zu denken und es locker laufen zu lassen. Die Tage kann ich ihn ja mal fragen, ob man mal wieder was trinken gehen will, sonst werde ich erstmal noch nichts ansprechen - und auch damit werde ich noch ein paar Tage warten. Fast tut mir meine SMS schon wieder leid, die ich ihm gerade noch geschrieben hatte, zumal sie noch unbeantwortet ist. Allerdings ist sie im Prinzip harmlos, ich habe nur gefragt, ob es ihm gefallen und und dass ich hoffe, es habe ihn nicht überfordert. Dann liebe Grüße und eine gute Nacht gewünscht.


Tagebucheintrag vom 07. Januar 2006

Matthias hat morgens geantwortet, es habe ihm schonmal gut gefallen, aber er müsse es sich nochmal durch den Kopf gehen lassen. Marvin meinte, er habe ihm geschrieben, dass es gewöhnungsbedürftig aber ausbaufähig gewesen sei. Na also, es wird schon werden.

Gestern hatte mich ein Karlsruher angechattet, der mein Tagebuch las. Ich habe mich heute weiter mit ihm unterhalten, er hat einiges über die Personen und Orte in den Mattenjahren herausgefunden. Es spielt in Aalen und er weiß sogar Tims Gayromeo-Profil, das er mir aber noch nicht genannt hat. Na da bin ich ja nochmal gespannt. Aalen hatte ich auch schonmal in Betracht gezogen, da es von der Anfahrtsbeschreibung am Beginn der Mattenjahre her passt und es dort eine Kochertalstraße gibt, sowie einen Bahnhof und Marktplatz. In Tims Profil soll man auch den Heiko aus Köln ausmachen können. Das wird äußerst interessant. Ich hatte bislang keinen Erfolg (habe aber auch nicht lange gesucht, weil Berlin aussichtslos erschien) das Profil zu finden.

Im Rosenhof bin ich abends kaum zum Tanzen gekommen, sondern habe tausend Leute getroffen. Jörg war sogar da, er war mit Frank bei der RFO-Tanzparty gewesen.


Tagebucheintrag vom 08. Januar 2006

Matthias schrieb mich heute von selbst an (ich hätte ihn noch in Ruhe gelassen) und erzählte von seiner Verabschiedung von den Kollegen gesteern. Montag fängt er in Bramsche an. Ich habe dann noch gefragt, ob er den Freitag schon verdaut hat, da meinte er, er sei noch dabei.

Max hat mir einen Porno (Schulzeit-Erinnerungen) zum Kopieren gegeben, ich habe mal reingeschaut, aber so toll gemacht finde ich ihn nicht. Und naja, ansonsten ist es eh immer das selbe (und das sage ich, wo ich erst zwei schwule Pornos kenne ... nein, drei).


Tagebucheintrag vom 09. Januar 2006

Nun hab ich auch die Profile von Tim und Heiko aus Mattenjahre, sie haben auch Mitch verlinkt, der die Webseite betreut. Tim und Heiko sehen auf den Fotos (soweit erkennbar) wirklich süß aus.

Marvin überraschte mich heute mit der Aussage, dass er immer noch nicht darüber hinweg sei, wie gut ich küssen würde. Und das war Donnerstag am Stammtisch! Seine Frage, wie ich ihn fände, konnte ich ihm leider nicht beantworten, weil mir die Erfahrung fehlt, um das beurteilen zu können. Ich brauche ohnehin länger, um mich fallen zu lassen und es genießen zu können, am Anfang ist es eher anstrengend und nicht direkt "schön", wenn auch nicht schlecht.

Noch eine weitere Überraschung kam dann auf mich zu: Während sich mein Chat mit Matthias in Richtung Sex entwickelte, schrieb er mir, dass er bei Freunden da vorsichtig sei, und nicht die Freundschaft zerstören wolle. Bei mir wüsste er noch nicht, was ich ihm wert sein könnte. Auf meinen flapsigen Kommentar, dass ich also aufpasen müsste, dass ich nicht sein Freund werde, wenn ich mit ihm ins Bett wolle, schrieb er zurück:

"ich brauch da auch eine weile! irgendwo will ich mir da auch sicher sein, ob da auch mehr vorhanden sein kann! symphatisch bist du mir! inwieweit das reicht? abwarten!"

Und dann ging er noch von sich aus auf mein Angebot, zusammen Sommersturm zu schauen, ein, und wollte das tun (mit mir alleine). Ich habe ihm geschrieben, dass wir das demnächst gern mal machen können, und dass wir beim Thema Einschätzung des Anderen wohl auf dem selben Stand seien. Ich würde zwar nicht lange brauchen, aber wir würden uns doch noch nicht lange genug kennen.

Mit diesen interessanten Aussichten gings dann ans Queer as Folk schauen. Die Synchronisation war erst gewöhnungsbedürftig, ist aber okay. Justin hat eine nette Stimme, und ist ja eh schon so süß, da kommt man direkt wieder total ins Schwärmen!

Als ich Ben von der Sache mit Matthias erzählte, meinte er, dass das an meiner Haltung liegen dürfte, erstmal nichts von ihm zu erwarten und das Schwärmen bleibenzulassen. Auch wenn wir nicht darüber geredet haben, würden solche Gedanken auf andere Arten zu ihm gelangen, und entsprechend der Glücktipps, die Ben mir weitergeleitet hatte, bewirkt die Unsicherheit was ich von ihm wollen könnte (oder auch nicht) dann im Gegenzug bei ihm ein "Habenwollen". Könnte er sich hingegen zu sicher sein, dass ich ihn will, würde das wiederum abtörnen.

Mir wird gerade klar, wie gefährlich bestimmte Gedanken sein können. Nicht nur dass man sich selbst mit negativen Gedanken und Erwartungen einengt und vorbestimmt, man kann es auch bei anderen durch unbedachte Gedanken und Äußerungen tun. Ich war drauf und dran, Matthias zu schreiben, dass ich mich zwar schnell verliebe, aber noch nicht weiss, ob es dann auch hält, weil immer der andere dann kein Interesse hatte in der Vergangenheit. Glücklicherweise fand ich, dass das blöd klinge, und habe es wieder gelöscht. Was für einen Floh hätte ich ihm damit für uns beide unbewusst ins Ohr bzw. Gehirn gesetzt! Er hätte möglicherweise unterbewusst darauf hingearbeitet, es scheitern zu lassen, um meine Erwartung zu bestätigen.


Tagebucheintrag vom 10. Januar 2006

Heute abend stand zuerst ein Treffen mit Mircooh von gaypeople.de und anschließend mit dem ganzen Gay in May Team an. Mircooh war sehr nett und kooperationsbereit und er bot uns interessante Dinge an. So werden wir nun dieses Jahr eine Kooperation und finanzielle Vorteile hinbekommen, statt wieder wie im vergangenen Jahr auf Konfrontation zu gehen und Besucherverluste wegen der Parallelität zur Gaynight zu verzeichnen.


Tagebucheintrag vom 12. Januar 2006

Gestern im Chat schrieb mir Matthias, als es um seine neue Arbeitsstelle ging: "jetzt bräuchte ich wieder so ein bisschen halt ,in arm oder so. einfach mal fallen lassen." Ich bot ihm direkt an, dass er den von mir bekommen könnte, und er ging dann auch direkt auf mein Angebot ein, dass er ja eben vorbeikommen könnte. Marvin schrieb ich davon, der meinte gleich "kein Sex, außer es geht von ihm aus". Hatte ich aber eh nicht vor. Ich wollte vor allem für Matthias da sein, ihm jemanden zum Ausweinen und zum Anlehnen bieten.

Die Situation gab mir dann auch jetzt die Möglichkeit, ihn in die Arme zu nehmen und beim Reden den Arm um ihn zu legen. Später haben wir dann am Tisch weitergeredet, er auf dem Stuhl, ich im Sessel. Ich räkelte mich etwas und er legte seine Füße hoch, zwischen meine Beine. Teilweise kitzelte er mit seinen Zehen an meinen Beinen, schon fast im Schritt herum. Als ich ihn belustigt darauf hinwies, dass mich das ja schon bald wuschig mache, sog er sie erst zurück, aber nach ein paar Minuten nahm er erst meine Hand und beugte sich dann herüber und küsste mich. Ich kam zu ihm mit auf den Stuhl (umgekehrt auf seinen Schoß) und wir knutschten erst einmal eine Weile herum und gingen uns auch schon unters Shirt. Dann musste ich auf Toilette und meinte dabei auch so, dass wir besser nicht weitergehen sollten und uns dafür Zeit lassen sollten. Das bestätigte er, und machte sich dann auch langsam auf den Weg (war über dem ganzen Reden fast 2 Uhr Nachts geworden). Zum Abschied gab es noch einen langen Kuss, der mit jetzt viel schöner vorkam. Ich brauche immer eine gewisse Zeit, um mich fallen lassen zu können, außerdem war die Position im Stehen angenehmer für mich als auf dem Stuhl, und ich musste nun keine Gedanken mehr daran verschwenden, ob ich mit ihm schon ins Bett wollte oder nicht.

Ich halte meine Gefühle aber noch im Zaum. Zwar habe ich es in Bauch und Brust ganz gut gespürt, als er bei mir war, aber ich hatte hinterher nicht das Gefühl, nun eine Möglichkeit auf Sex verpasst zu haben. Ich kann mich erstaunlich gut mit dem Gedanken anfreunden, mir dabei Zeit zu lassen und nichts zu überstürzen. Wahrscheinlich unterdrücke ich meine Gefühle, um eventuelle Enttäuschungen oder Kummer wegen des erforderlichen Wartens zu vermeiden. Das gelingt auch ganz gut, weil es Kleinigkeiten gibt, die mich an ihm stören, und auf die ich mich statt der positiven Dinge konzentrieren kann.

Heute war ich auch froh, dass ich mich gestern so zurückhaltend verhalten habe, da Matthias mir schrieb: "bin jetzt wieder so bisschen durch den wind. kann jetzt keinen vernünftigen gedanken fassen. ich brauch wieder ein bisschen zeit. die ganze umstellung schmeisst mich doch so ein bisschen aus der bahn. dann gestern abend mit dir das küssen, war doch überwältigt. in der firma muss ich mich einleben. das ist doch wohl alle zuviel für mich."

Wenn ihn schon das Küssen so überwältigt hat, war es gut, dass wir nicht weiter gegangen sind. Ich habe ihm geantwortet, dass er sich die Zeit nehmen soll, die er braucht, dass ich aber auch für ihn da bin, wenn er wieder jemanden zum Reden, Kuscheln oder was auch immer braucht. Ben meint, wenn er sowas schreibt, dann sei er sicher total verknallt in mich, wolle das aber noch nicht so recht zulassen.

Mit Jens habe ich die Party im Con3 weitergeplant. Wir wollen den Stammtisch nächsten Donnerstag dorthin verlegen und uns das genauer anschauen. Mal sehen, ob er DJ dann auch Zeit hat, das wär perfekt. Ich verfasse mit Jens schonmal einen Text, den ich dann an Hinnerk und Exit schicken kann. Flyer können wir in Kooperation mit dem Con3 gestalten, die haben dann eigene Werbung auf der Rückseite. Von den Kosten sind die uns sehr entgegen gekommen und verzichten auf die meisten Mietgebühren.


Tagebucheintrag vom 13. Januar 2006

Nachdem ich zwei Klausuren überstanden hatte, bin ich heute mit der Bahn nach Münster zum Firmen-Neujahrsessen gefahren. Für die Fahrt hatte ich mir Luis Algorri, Du hörst von mir, eingepackt, was ich zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte. Die Hälfte habe ich auf Hin- und Rückfahrt schon durch, gefällt mir sehr gut bislang. Die schüchterne Annäherung an den Bruder der Freundin, sehr süß geschrieben.

Während des Firmenessens hatte ich guten Ausblick auf einen Tisch mit drei Jungs. Das war schon nett.


Tagebucheintrag vom 14. Januar 2006

Man sollte sich wirklich überlegen, in einer Vollmondnacht wie heute zuhause zu bleiben. Was ging da alles wieder ab im KCM. Ich war mit ein paar Leuten da, die dann nachher erstmal ihre Beziehungskisten klären mussten und teilweise jemanden neu kennengelernt hatten. Jens und ich waren zum Schluss einigermaßen genervt, weil wir da noch auf eine Klärung warten mussten, bis wir nach Hause fahren konnten. Da war auch ein süßer, der Jens und mir hinterherschaute. Uns gelang nicht, herauszufinden, ob er sich für einen entscheiden möge. Bis dann jemand sagte, dass das ne Hete ist, der heute zum ersten Mal Kontakt mit Schwulen hatte und ausloten wollte, ob man sich auch normal unterhalten könne oder ob Schwule nur flirten und Spaß haben wollten. Schade, der gefiel mir wohl.


Tagebucheintrag vom 15. Januar 2006

Abends hat sich dann Matthias auch wieder gemeldet. Im Chat fallen doch recht viele Andeutungen, auch in die Richtung, ob sich bei uns mehr entwickeln könnte. Er hat sich glaube ich darüber gefreut, dass ich eine Beziehung generell für möglich halte, aber er sagte immer wieder, dass wir es langsam angehen lassen sollten.

Bei ihm war die Tage ein Heterokumpel zu Besuch, der ihn fragte, wie er denn andere Schwule kennenlernte und dann an meinem Gayromeoprofil sehr interessiert war und mich wohl gutaussehend fand. Wir haben dann darüber diskutiert, ob er vielleicht noch im inneren Coming Out steckt und dass er, wenn er es für sich noch nicht so recht klar hat, wohl auch noch nicht mit Matthias drüber sprechen wird, sondern vielleicht erstmal einfach Informationen und Eindrücke sammelt. Ich meinte dann noch so scherzhaft, dass er ja vielleicht auch mich einfach Matthias schmackhaft machen wollte.

Der schrieb mir übrigens auch noch, genauso wie Marvin, dass ich gut küssen würde. Als ich meinte, dass ich kaum Erfahrung hätte, meinte er, da sei schon etwas Leidenschaft dabei gewesen, das würd man merken, dass es nicht einfach nur so war. Als nächstes wollen wir Sommersturm gucken und dann mal weitersehen.


Tagebucheintrag vom 17. Januar 2006

Gestern meinte Matthias, wenn wir jetzt Sommersturm gucken würden, könne er für nichts garantieren, er sei total geil. Ich habe dann etwas abgewehrt, wir wollten ja nichts überstürzen. Er schrieb dann aber auch noch, dass er sich mit mir nichts verderben wolle. Wir haben uns zum Filmgucken auf Sonntag geeinigt, und ich habe schon angedeutet, dass nach dem Film so einiges möglich sei. Ich wolle mir da jetzt vorher keine Gedanken drüber machen, was ich dann vielleicht will oder auch nicht. Daraufhin verabschiedete er sich dann recht schnell und wollte noch Fernsehen schauen und schlafen gehen.

Heute Nachmittag habe ich mit Julian Prozessmesstechnik gelernt. Er meint, sein Schwanz sei 21 cm lang oder so. Das würd ich ja gern mal nachmessen ;-)

Danach war Rosa Monitor, Thema Coming Out. Ich habe meine Geschichte vorgelesen. Ss waren hauptsächlich ein paar Leute vom Stammtisch da. Einziger mir unbekannter war der neue Praktikant der Aidshilfe. Danach gabs noch einen Kurzfilm "Trevor".


Tagebucheintrag vom 19. Januar 2006

Gestern wieder den ganzen Tag mit Julian gelernt. Das ist angenehm und zwingt gleichzeitig dazu, auch was zu tun, das ist schon praktisch. Heute abend war der Stammtisch im Con3, um uns die Location anzuschauen. Christian, der von mir engagierte DJ, war auch dabei. Meiky und sein kennen ihn schon, er hatte bei einer Party aufgelegt, bei der die im Freundeskreis waren.

Heute in der FH, nach der Steuerungstechnik-Klausur, hätte ich den E-Techniker ansprechen können, bei dem ich immer schonmal den Eindruck von Blickkontakt hatte. Er lief durch die Eingangshalle, und ich auch, aber ich bin nicht auf ihn zugegangen. Ich hätte ihn ja leicht fragen können, wie er die Klausur fand. Aber ich war mir nicht sicher, ob ich das will, konnte mich nicht aufraffen. Dabei hatte ich, als er während der Klausur eine Frage stellte, seine Stimme als recht weich und durchaus für schwul durchgehend empfunden. Es könnte bei ihm wirklich sein.


Tagebucheintrag vom 20. Januar 2005

Wieder den ganzen Tag mit Julian gelernt und abends noch ein wenig selbst. Mittags war ich mit Ulf in der Mensa gewesen und bin natürlich direkt wieder anderen schwulen Studenten über den Weg gelaufen, wie sollte es dort anders sein.

Abends meldete sich noch Matthias. Ihm geht es wieder schlecht wegen der Arbeit, er fühlt sich dort nicht wohl und geht momentan sehr ungern hin. Er fühlt sich allein gelassen, auch wenn er eigentlich weiß, dass es nicht so ist. Wir freuen uns aber beide auf den Filmabend am Sonntag.


Tagebucheintrag vom 21. Januar 2006

Die Gaynight war ziemlich gut, ich bin aber nicht lange dageblieben, da bei mir anscheinend wieder eine Erkältung naht und ich mich lieber ausruhen möchte. Außerdem muss ich morgen früh raus. Ein Bekannter hat mir erzählt, dass er bei seiner Wohnungssuche auch eine Wohnung hier im Haus, ein Stockwerk über mir, jedoch zur Straße hin, angeboten bekommen hatte. Allerdings ist sie ihm wohl zu teuer und er kann auch erst zum 1.4. einziehen, weshalb wohl andere Interessenten bevorzugt würden. Er und jemand anders kennen auch noch weitere Leute hier in der Nähe, teilweise schräg gegenüber. Echt warme Wohngegend hier!


Tagebucheintrag vom 22. Januar 2006

Na das lief ja wieder toll. Lässt mich Matthias hier mit meinen gerade aufflammenden Gefühlen alleine. Der Film "Sommersturm" hatte uns so richtig in Kuschellaune gebracht.

Irgendwann fing Matthias aber an zu grübeln und meinte, dass ihm gerade alles wieder hochkomme, die Arbeit, das hier gerade ... Er wollte dann auch kurz darauf nach Hause. Vorher haben wir noch darüber gesprochen. Er ist ins Grübeln gekommen, ob er das überhaupt alles schafft, ungeoutet zuhause, was auch nur Probleme bei einer Beziehung bringt. Aber andererseits wollte er ja eine Beziehung suchen, ich finde da kommen diese Gedanken etwas spät. Er will erstmal eine Nacht drüber schlafen und sich nochmal alles durch den Kopf gehen lassen.

Als er weg war, brannte meine Brust und ich spürte noch seine Lippen. Langsam wird es etwas besser, aber ich spüre es noch im Brustbereich. Ich hoffe, dass es ihm ähnlich geht und sich die Sehnsucht nach Nähe gegenüber seinen Bedenken durchsetzt.


Tagebucheintrag vom 23. Januar 2006

Matthias schrieb heute abend:

"ich stehe vor einer situation und weiss nicht wie ich sie bewältigen soll. ich fühl mich irgendwie eingeschnürt, gebremst. kurz gesagt ich grübele zuviel! ich stehe unter zugzwang zu handeln.

mein leben eine neue richtung geben. aus angst ,schiebe ich diese entscheidung vor mir her. lange kann ich dies nicht mehr tun. schliesslich bin ich 25 und eigentlich alt genug um dies alles in die hand zu nehmen.

wenn ich das mit weiter ausbaue, kann ich noch nicht oft bei dir sein. da das sonst auffallen würde.

ich weiss nicht, wie ich dir das alles schreiben soll. es hat einiges durcheinander gewirbelt. es ist einfach mehr da. das ist schon mehr als freundschaft gestern abend gewesen."

Zuvor hatte ich ihm geschrieben, wie ich empfunden hatte, und dass ich auch als ich jetzt mit ihm chattete wieder etwas in der Brust verspürte. Dass man sich nie sicher sein könne, ob jemand zu einem passt und ob das wirklich was werden kann. Dass ich mir da auch nicht sicher sei. Dass ich aber auf jeden Fall das gestern gerne wiederholen und fortsetzen wolle.

Anschließend meinte ich dann noch, dass das mit seinem Elternhaus kein Hindernis, höchstens ein Problem darstellen würde, was man halt in Ruhe besprechen und planen müsste. Dazu hat er aber nichts mehr gesagt weil dann Queer as Folk anfing und er danach ins Bett wollte.

Ich gehe wegen seiner Formulierungen über gestern abend aber stark davon aus, dass er die Probleme irgendwie angehen und sich nicht deswegen von mir abwenden wird. Er hat Recht, da war mehr als Freundschaft.


Tagebucheintrag vom 25. Januar 2006

So, heute der letzte Lern-Tag, morgen früh die letzte Klausur (Regelungstechnik). Abends habe ich einen neuen Gayromeo-User angechattet, der International Business Management (oder so ähnlich) an der FH studiert und schwule Kommilitonen, die ich auch kenne, vom Sehen her kennt. Wir haben sehr nett gechattet. Er kommt aus Münster und ist auch ein Fan von Queer as Folk. Bei den BWLern ist echt alles voll von Schwulen, er ist schon der Dritte den ich kenne, und es gibt da noch mehr. Vom Stammtisch war er noch nicht so ganz zu überzeugen, er scheint die Szene eher zu meiden.


Tagebucheintrag vom 26. Januar 2006

Die Klausur ist ganz gut überstanden. Abends beim Stammtisch wollten die meisten recht früh weg, Marvin spielte noch mit jemandem Billard, da war ich irgendwie das dritte Rad am Wagen und ging dann auch. Draußen traf ich gerade Ben, und wir entschieden uns, noch ins Porto Fino zu gehen. Leider scheint das zugemacht zu haben (kann ja fast nur an der mangelnden Bedienung gelegen haben), so gingen wir ins Polly Esters. Auch nicht übel dort, nur stören die Lampen an der Wand, wenn man da genau gegen guckt.

Die neueste Entwicklung bei Matthias ist, dass ich ihn bat, dass wir uns mal treffen und in Ruhe über das ganze Thema reden. Daraufhin hat er mir ein wenig was von seinem Durcheinander im Kopf geschrieben, und dass es ihm fehlt, dass er mit Kollegen jetzt nicht mehr darüber sprechen kann. So hat er es verdrängt und will erst am Wochenende darüber nachdenken, wenn er die Zeit dafür hat. Wir sind aber übereingekommen, es bis Maxs Geburtstag in einer Woche zumindest einigermaßen zu klären, so dass wir mit sicherlich kommenden Fragen umgehen können, wenn wir zusammen dort hingehen. Je nachdem, wie es dann wird, habe ich auch vor, ihn einzuladen, nach Maxs Geburstag bei mir zu übernachten. Wegen seiner Kollegen schrieb er übrigens auch noch, dass er seit dem Arbeitsstellenwechsel den Mut verloren hat, etwas neues anzufangen. Vorher hat er das noch anders gesehen. Hätte er nicht gewechselt, wäre das ganze vielleicht leichter jetzt. Andererseits sind wir uns ja auch darüber näher gekommen, dass ich für ihn da war, als er dort unzufrieden war und jemanden zum Anlehnen brauchte.


Tagebucheintrag vom 27. Januar 2006

Bei Wer Wird Millionär war heute ein 26jähriger Kandidat aus Halle/Saale, der ganz bestimmt schwul ist. Und er war echt süß. Muss ich Montag unbedingt wieder reinschauen, da ist er nochmal dort. Ich musste die ganze Zeit grinsen, weil seine Gesichtszüge so witzig tuntig waren, und dazu seine sanfte Stimme. Er erinnerte mich etwas an die Tucke aus Sommersturm ("Mir schmeckt der Salat nicht mehr" / "Und Du hast keine weibliche Seite, oder was").


Tagebucheintrag vom 28. Januar 2006

Den Abend habe ich bei meinen Eltern verbracht, und gerade endlich mal wieder das Tagebuch aktualisiert, allerdings nur bis zum ersten Date mit matthias und ein wenig darüber hinaus, aber noch nicht bis zum Geburtstag, weil ich da erst seine Zustimmung haben müsste. Schließlich schreibe ich da, dass ihn das erst überforderte etc., das ist schon recht persönlich. Damit möchte ich ihn aber jetzt nicht belasten, erstmal müssen wir die Situation klären, bevor ich daran gehen kann, etwas über ihn zu schreiben.


Tagebucheintrag vom 29. Januar 2006

Matthias meldete sich von selbst, will zwar nicht morgen mit ins Kino in "Wie im Himmel", weil er nachmittags kein Auto hat, aber will abends vorbeikommen, damit wir über unsere Situation reden. Was mich da erwarten wird, weiß ich auch nicht. Der Chat war teilweise etwas komisch, teilweise aber auch ganz normal. Ich kanns nicht abschätzen.

Ben hat mir noch ein paar Glückstipps weitergeleitet. Einer passte wieder wie die Faust aufs Auge: Man solle vor der Sorge über Probleme auf der Arbeit nicht die Liebe vergessen und ins Hintertreffen geraten lassen, was leicht passiere.


Tagebucheintrag vom 30. Januar 2006

Vor der Mensa traf ich zwei schwule Bekannte mit ein paar Freundinnen, wir haben uns aber nur im Vorbeigehen gegrüßt.

Abends kam dann Matthias zu mir. Ich hatte es fast schon erwartet, es überraschte mich zumindest nicht und erleichterte mich fast sogar etwas, dass er meinte, er sei zu dem Schluss gekommen, er sei momentan nicht bereit für eine Beziehung, es fehle ihm der Rückhalt bei der Arbeit und allgemein und er müsse erstmal wieder rausgehen, gewohnte Tätigkeiten ausbauen und sich einen festen Standpunkt suchen. In ein paar Monaten könnte das viel besser aussehen, aber er erwartet natürlich nicht von mir, dass ich auf ihn warte. Die ganz großen Gefühle sind wohl auch bei uns beiden nicht da. Er meint, er hat sich auch ein wenig geärgert, dass er vielleicht zu schnell vorgegangen ist.

Bei gayromeo habe ich erstmal wieder das Sexdate mit reingesetzt und den Onlinestatus auf "Date" geändert. Über die Klausuren und wegen der Sache mit Matthias hatte ich das zwischendurch wieder rausgenommen gehabt.


Tagebucheintrag vom 01. Februar 2006

Abends war das Ehrenamtleressen der Aidshilfe. Es war nett, aber kühl dort, vor allem Fußkalt.

Mich chattete jemand an, mit dem man sich aber schlecht unterhalten konnte. Er stellte seltsame Fragen über den Stammtisch stellte, nämlich ob die Leute da auch gut aussehen würden und wen ich denn am besten aussehend fände. Da habe ich ihm aber keine Antwort drauf gegeben. Von ihm kam dann auch nichts mehr.


Tagebucheintrag vom 03. Februar 2006

Heute war ein interessanter Tag. Nachdem ich morgens in Telgte zum Arbeiten war, fuhr ich nachmittags auf dem Rückweg bei Ben vorbei. Erst einmal musste ich ihm am Computer einiges machen, dann haben wir lecker gegessen. Da ich verspannt war, bat ich ihn, mir da noch etwas zu helfen, und er hat erst einmal meine Wirbelsäule gerichtet, dann diverse andere Verspannungen beseitigt und bot mir noch eine Tefra-Behandlung (von Tesla entworfene Methode mit elektrostatischen Feldern oder so) zur Stärkung des Immunsystems und anderer Dinge an. Das war gewöhnungsbedürftig, da man den Strom spürte, aber interessant.

Da er nun meinen Körper weitestgehend nackt gesehen hatte, meinte er, ich sähe echt gut aus, und man solle ruhig mal so Fotos von mir machen, für mein Profil oder so. Da haben wir dann so einige in verschiedenen Posen gemacht, mit seiner und meiner Handykamera, leider sind sie nicht so ganz guter Qualität. Ich muss mal sehen, was davon für Gayromeo taugt. Er empfahl mir, von Jens nochmal richtige Bilder machen zu lassen, wie er und Marvin es auch gemacht haben.

Ich habe mir dann einen Spaß daraus gemacht, Matthias ein paar Bilder zur Anschauung zu schicken, um zu sehen, wie er reagiert. Er meinte aber nur, dass das garnicht so zu mir passen würde, solche Bilder zu zeigen, und machte noch Kommentare zu der Qualität. Und wenn ich Sex suchte, wär ich mit solchen Bildern wohl richtig. Naja, abgeneigt bin ich da ja nicht.

Er nahm auch auf mein Tagebuch Bezug und hatte die Einträge über sich gelesen. Er wollte wissen, wer denn Alex ist, der ihn gutaussehend gefunden hatte. Ich habe dann gleich mal gefragt, wie es mit den aktuelleren Einträgen über ihn aussieht. Bis auf das, was nach dem Sommersturm-Gucken passiert ist, darf ich alles schreiben. Das freut mich und hatte ich kaum erwartet, dass er da gar kein Problem mit hat.


Tagebucheintrag vom 05. Februar 2006

Gestern morgen waren Jens und ich im Dom zur Orgelführung des VKKO (Kirchenmusikerverband) mit dem Domorganisten. Das war sehr interessant und ich kann Jens recht geben, dass die Orgel zu gedämpft klingt durch die ganzen Kästen, die darum herum gebaut sind. Danach war noch Mitgliederversammlung, wo Jens als Nicht-Mitglied dann aber nicht mehr hinging. Als jüngster Teilnehmer wurde ich direkt zum Protokollführen verdonnert und als Beisitzer in den Vorstand gewählt. Interessant ist der Kassenführer, ein ca. 28jähriger Theologiestudent, der in Münster studiert, aber aus Nordhorn oder da in der Gegend kommt, wohl Priesteramtskandidat ist, und Jens und meiner Meinung nach (wir kamen unabhängig voneinander zu dem Schluss) wahrscheinlich auch schwul ist. Aber da das mit den katholischen Priestern ja so ein Problem ist und die nach den neuen Regeln drei Jahre vorher keine Szenekontakte haben dürfen, spreche ich ihn wohl lieber nicht drauf an.

Abends kam Matthias zu mir und wir sind dann zu Maxs Geburtstag gegangen. Max hat Matthias wie wild abgeknutscht (ich hatte ihn immerhin vorgewarnt, dass sowas da passieren kann), aber er wollte das eigentlich nicht, hat sich jedoch auch nicht gewehrt. Er meinte nachher zu mir, er sei dann so überfahren, dass er erstmal mitmacht und es nicht schafft, da abzuwehren. Im Laufe des Abends habe ich wieder mehr Gefühle für Matthias entwickelt und konnte irgendwann nicht anders, als ihn in den Arm zu nehmen. Als wir uns verabschiedeten, habe ich ihn noch geküsst, was er aber nur flüchtig zuließ und dann mit "es reicht" abwehrte. Ich hätte ihn in dem Moment am liebsten direkt mit nach Hause ins Bett genommen. Heute geht es wieder etwas besser.

Wie anscheinend fast üblich, wenn bestimmte Leute bei solchen Veranstaltungen aufeinandertreffen, gab es wieder so einige Beziehungsprobleme und ein paar Tränen.

Einige sind dann noch in den Rosenhof gegangen, aber ich war zu müde und kaputt vom langen Stehen. Beine und Füßte taten mir weh. Dabei waren garnicht so viele bei Max wie erwartet, er hätte auch gut Sitzgelegenheiten aufstellen können.

Nachtrag, am Abend: Es gab noch eine Sexanfrage, aber nachdem ich ein Bild sah, habe ich dann doch davon Abstand genommen. Ein anderer war ganz okay, aber das Bild habe ich schonmal gesehen. Auf die Frage, ob er mal unter anderem Namen aktiv war, hat er jedoch nicht geantwortet. Auf jeden Fall hat sich durch die neuen Bilder die Besucherzahl auf meinem Gayromeo-Profil verdoppelt.

Danach habe ich den Film "Eating Out" gesehen. Wirklich schön gemacht, mit (in der ungeschnittenen Version) einigen attraktiven Szenen mit viel nacktem Fleisch :-) Die Story ist witzig: Eine Hete interessiert sich für eine Frau, geht zu ihr aber den Weg über ihren schwulen Mitbewohner, indem er sich als schwul ausgibt und ein Date vereinbart. Tatsächlich kommt er ihr dadurch näher, nun soll er aber sein Date mit seinem schwulen Freund verkuppeln. Das gibt wunderbare Verwicklungen bis zum "Coming Out" der Hete vor seinen Eltern, um den Schein zu wahren.

Gerade schrieb mir ein Leser meines Tagebuchs, dass er den Eindruck habe, ich hätte ein falsches Suchraster und suchte nur die ganz süßen, die ich aber eh nicht kriegen würde. Ich solle aufpassen, dass ich nicht selbst durch mein Suchraster falle. Um es mal hier festzuhalten: Ich falle nicht durch mein eigenes Suchraster, ich finde die neuen Fotos echt schön und ansehnlich, sonst würde ich sie kaum ins Profil stellen, da ich damit ja doch eine ganze Menge von mir preisgebe. Und ich suche auch nicht nur die ganz süßen, sondern habe durchaus schon auf den ersten Blick unscheinbarere Jungs mögen gelernt. Und dass besonders gutaussehende erstmal den Blick und das Interesse auf sich ziehen, ist wohl kaum etwas ungewöhnliches ...

Und um es mal mit der BZGA-Werbung zu sagen: Ich bin für alles offen, aber ganz bestimmt nicht für jeden!


Tagebucheintrag vom 06. Februar 2006

Bei der Scholaprobe hatte ich heute das Gefühl, dass ein 16jähriger Junge zu mir hinschaute und dann mit einem Mädel über mich tuschelte. Nachher schnappte ich da auch noch was auf, wie ein Mädel was von "Gay???" ausrief. Aber ich kann mich verhört haben, vielleicht ging es um ganz was anderes. Ich glaube, dass er Sommersturm für die Glaubenswoche ausgesucht hatte, und er wird von den anderen gehört haben, dass ich bei dem Filmabend war und was ich so gesagt habe. Insofern könnte das schon so hinkommen. Die Scholaleiterin (die Mitorganistin, bei der ich geoutet bin) erzählte nachher, dass bei dem besagten Jungen immer ganz viele Mädels sind, im Gegensatz zu ihrem Sohn, der in dem Alter nur saufende Jungs eingeladen hatte. Also könnte das sogar passen, kein Macho sondern ne Tunte? Er ist 16, also weiß er das möglicherweise auch selbst noch garnicht so genau. Ich find ihn auf jeden Fall ganz niedlich. Allerdings befürchte ich, dass er von sich aus eher nicht auf mich zugeht, auch wenn er es möglicherweise gern würde.

Von ihr erfuhr ich auch, dass der Kassenführer vom VKKO nicht Priesteranwärter ist, sondern Gemeindereferent werden möchte. Also kann er sich doch als schwul outen, falls er es denn ist, wovon Jens und ich ausgehen. Sie findet ihn nett, hatte aber nichts bemerkt und fragte, wie man das merken würde, ob wir da ein spezielleres Gespür für hätten.


Tagebucheintrag vom 07. Februar 2006

Meine Anfrage beim Rechteinhaber der Pink Panther Figur ist voll nach Hinten losgegangen. Heute verbot mir die deutsche Vertretung der Firma, den Namen Rosa Panther überhaupt zu nutzen. Auch die Domain soll ich löschen. Nun werden wir uns Donnerstag erstmal Gedanken über einen neuen Namen machen müssen. Wir dieses Tagebuch habe ich eine eigene Domain registriert, www.coming-out-tagebuch.de.

Abends haben Jens, ich und der DJ und nochmal im Con3 getroffen und die Werbung und einige organisatorische Dinge besprochen. Jens hat nochmal seine Absicht, aus Orgelmusik eine Techno-Nummer zu machen, bekräftigt. Ich schlug ihm vor, das dann auf der Party im März zu spielen.

Danach gab es wieder einen komischen Chat mit Matthias, der damit endete, dass er meinte, er habe keine besonderen Gefühle für mich feststellen können und er würde jetzt schlafen gehen. Er kann mir viel erzählen, aber ich habe Gefühle bei ihm gespürt, die er wohl jetzt unterdrückt, weil er keine Beziehung möchte


Tagebucheintrag vom 08. Februar 2006

Nachmittags war ein schwuler Freund hier, um sich eine Wohnung hier im Haus anzuschauen. Ich habe dann gleich mal mitgeguckt, aber uns beiden gefiel sie nicht so gut. Er wird daher nicht hier einziehen.

Mit Matthias gab es noch eine Aussprache. Er habe die Notbremse gezogen, um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Er wolle mit mir nichts anfangen. Es endete darin, dass ich ihm einiges schrieb, was aus meiner Sicht nicht zusammenpasste, dass er es zukünftig ggf. beachtet, z.B. bei Unsicherheit nicht so schnell von sich aus die Initiative zu ergreifen, wie er es tat.


Tagebucheintrag vom 09. Februar 2006

Glücklicherweise habe ich Sebastian, der letztes Mal neu beim Stammtisch war, heute nochmal gefragt, ob er wieder dabei ist. Er war noch etwas unschlüssig, aber ich konnte ihn leicht dazu überreden.

Es wurde dann ein schöner Stammtisch-Abend mit vielen Besuchern. Über einen neuen Namen für den Stammtisch konnten wir uns noch nicht endgültig einigen. Ich hab eigentlich die ganze Zeit neben oder gegenüber von Sebastian gesessen und mich viel mit ihm unterhalten. Ich hatte auch wieder das Gefühl, dass er mich öfter ansah/lächelte. Ich mag ihn sehr und entwickele schon leichte Gefühle für ihn. Er will Samstag auch mit zur Party nach Münster und fragte mich draußen noch nach meiner Telefonnummer. Ich freu mich schon, ihn Samstag wiederzusehen. Sein Ex ist Theologiestudent und will Priester werden, wie er erzählte. Er kann auch nicht verstehen, warum der freiwillig ins Zölibat gehen will.

Sebastian würde auf jeden Fall besser zu mir passen als Tobi. Ben hat auch ein gutes Gefühl bei ihm.

Erstmals war heute auch Bens Exfreund dabei, auch ein sehr interessanter Mann, mit dem sich auch Sebastian gerne unterhielt.


Tagebucheintrag vom 10. Februar 2006

Sebastian hat mich heute, glaube fast zum ersten Mal, von sich aus angechattet und schrieb auch von selbst, dass er auf jeden Fall morgen mitkommt zur Party. Ich freu mich schon sehr darauf.

Ich war das erste Mal in der neuen Kantine hier im Bürohaus in Osnabrück. Einen Mitarbeiter des dort auch ansässigen Callcenters, der dort aß, kannte ich aus Gayromeo. Er schaute auch im Vorbeigehen zu mir rüber, ich nehme an, er hat mich auch erkannt. Besonders interessieren tut er mich so aber erstmal nicht.

Ben sagte gestern, dass meine kaputten Stellen im Gesicht Herpes seien. Da hab ich mir heute eine Salbe gegen aus der Apotheke geholt. Das breitet sich auch gerade irgendwie recht stark aus in meinem Gesicht. Um nicht noch jemanden anzustecken, habe ich erst einmal bei Gayromeo wieder auf "Chat" geschaltet und "suche Sexdate" rausgenommen.


Tagebucheintrag vom 12. Februar 2006

Gestern morgen beim Betreten der Firma hielt mir der nette Hausmeister- Vertreter die Tür auf, und kam auch später bei seiner Runde bei uns vorbei. Ich hörte ihn schon nebenan und habe schnell ein wenig in Gayromeo herumgesurft. Er kam kurz rein, meinte "ach hier ist ja noch jemand", grinste mich an, und ging wieder raus. Ich konnte nicht erkennen, ob er Gayromeo erkannt hat. Vielleicht deswegen das grinsen, aber das kann auch nur einfach so gewesen sein. Mein Kollege meinte, ich sei ziemlich verschlagen, gerissen, und würde fiese Fallen stellen.

Sebastian rief mich auch an und meinte, er sei schon in Münster, würde aber zur Party kommen. Da kam er auch gleich auf mich zu, jetzt konnte ich ihn auch schon besser Drücken, bisher war er da immer noch recht zurückhaltend gewesen. Das bessert sich aber auf jeden Fall. Später hat er aber viel mit anderen geredet und getanzt und irgendwann war er einfach weg. Vielleicht hatte er uns nicht auf die Schnell gefunden, wir waren oben im House-Floor. Auf der Rückfahrt habe ich die ganze Zeit mit Jens über Regelungs- und Steuerungstechnik sowie Quantenphysik geredet. Unser weiterer Mitfahrer muss uns für verrückt gehalten haben, nachts um 4 Uhr nach der Party.

Mein Herpes wird dank starker Pflege mit der Freitag gekauften Creme langsam besser. Aus einem Infoheft aus der Apotheke habe ich gelernt, dass 80% der Menschen mit Herpes infiziert sind, aber er nur manchmal ausbricht, z.B. in Stresssituationen. Man soll auf Oralsex verzichten, weil er sich sonst aber noch auf die Geschlechtsteile übertragen kann. Küssen ist dann ansich aber wohl nicht ganz so gefährlich wie ich dachte, da für vier Fünftel der Männer ja egal. Es las sich nicht so, als ob was passiert, wenn der andere schon infiziert ist, aber momentan keine Probleme damit hat.

Auf der Party hatte Ben mich massiert, weil es mich am einen Schulterblatt ziemlich schmerzte. Das hat auch wunderbar geholfen, damit hatte ich dann gar keine Probleme mehr. Heute abend hat er mich auch nochmal ein wenig bearbeitet, nachdem ich tagsüber schon Kopfschmerzen hatte, sicher auch wegen der Verspannungen.

Heute war ich abends mit Jens und Ben in der Kirche in meinem Heimatort, die Orgel anschauen und ausprobieren. Jens ist völlig begeistert von der Orgel und auch von meinem Orgelspiel. Er selbst kann aber auch toll improvisieren und hat mich zu einigen interessanten Ideen inspiriert, die ich dann umsetzte. Auf dem Weg in die Kirche waren wir noch bei uns zuhaus vorbeigefahren. Die beiden haben sich mit Mama auch gut unterhalten.


Tagebucheintrag vom 13. Februar 2006

Ich glaube, ich habe mich in Sebastian verguckt. Das merk ich jetzt, wo ich gerade Queer as Folk geschaut habe, doch irgendwie gerade ganz gut. Vielleicht treff ich ihn morgen, er möchte das sehr gerne, will aber momentan wegen Semesterferien spontan sein. Ich weiß auch noch nicht, wann ich aus der Firma rauskomme.


Tagebucheintrag vom 14. Februar 2006

Sebastian chattete mich gleich wieder an, als ich online ging, es kam ihm dann aber noch der Liebeskummer einer Hete dazwischen, so dass er noch wegmusste. Abends war er auch ne Zeit am Telefonieren und hat kaum noch geantwortet, wenn dann nur recht verhalten und kurz. Der Chat lief abends überhaupt nicht zu meiner Zufriedenheit, vor allem so schleppend, dass es schnell zu spät für ein Treffen wurde. Daher wurde ich dann etwas expliziter:

Ich: ich hätte ja auch nichts gegen jemanden zum Kuscheln *g*

Sebastian: ja, wer hätte das schon...an so einem tag wird man immer dran erinnert

Ich: und? Interesse? (das soll jetzt keine plumpe Sexanmache sein, auch wenns vielleicht so klingt ;-o )

Sebastian: hmmm, wenn ich ganz ehrlich bin: es klingt gerade so;-)

Ich: du darfst es meinetwegen in jede dir genehme Richtung interpretieren ;-) eigentlich wollte ich aber nur mal wieder den Bogen in Richtung eines ja schon angedachten netten Abends mit gemütlichem Plausch schlagen *g*
Sebastian: ach so:-) na dann...;-) ja, das mit dem gemütlichen abend...hmmm, das problem wird nur sein einen termin zu finden, aber das kriegen wir shcon hin, werde jetzt erstmal etwas schlafen, aber wir hören uns auf jeden fall ok? dir eine gute nacht und schöne träume, lieben gruß sebastian

Das war mir nun dann doch etwas sehr abrupt, und so wirklich eingegangen ist er auf meine Andeutungen auch nicht. Daher schrieb ich noch hinterher:

"'das problem wird nur sein einen termin zu finden'? - hey, du hast Ferien, dachte ich.

Wegen deiner hastigen Verabschiedung wirkt der Satz (angesichts mieser Erfahrungen) gerade recht negativ auf mich :-(

Falls ich dich irgendwie überfahren habe, tuts mir leid. Der Valentinstag ist halt auch nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Ich wollte was nettes schreiben und in Erfahrung bringen, wie es gerade so bei dir aussieht. Und ja, ich hatte gehofft, dass man sich heute sehen würde, und bin schon etwas enttäuscht dass es nicht geklappt hat.

Sei gnädig mit einer verunsicherten Seele und verunsichere mich nicht noch mehr :-) (soll heißen: sag bitte, wenn ich was schreibe/andeute, was dir widerstrebt)"

Bin nun gespannt, was er morgen darauf antworten wird. Hoffentlich war er nur etwas schlecht drauf bzw. wollte nicht so schnell konkreter werden. Es kann aber auch sein, dass ihm das definitiv zu weit ging und er so ein Interesse nicht hat, und das nicht so sagen wollte.


Tagebucheintrag vom 15. Februar 2006

Morgens hat Sebastian gleich geantwortet, wenn auch zunächst wieder nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte:

Sebastian: guten morgen marc-du bist verunsichert? mein tagesplan verlief gestern wirklich etwas chaotisch-ich gebe zu...aber da ich momentan einfach gern spontan bin und nicht so gern plane-passiert es manchmal, dass sowas wie gestern dabei rauskommt...lasse das leben momentan einfach ein wenig auf mich zukommen und schaue, was alles so passiert-und wer... hast du denn gut geschlafen und den valentinstag noch überlebt;-) einen lieben gruß vom Sebastian

Ich: moin, ja, irgendwie hab ichs geschafft ..

Sebastian: gut:-) dann ist doch alles in butter;-)

Ich: weiß nicht

Sebastian: hmmm, du klingst wirklich ein wenig traurig oder so, kann es nicht genau sagen

Ich: ja, ich denke das trifft es. bzw. noch immer verunsichert

Sebastian: hmmmm, allgemein oder in bezug auf mich?

Ich: es mag an mir liegen, dass ich mal wieder viel zu kompliziert denke, aber wirklich klar war deine Message vorhin noch immer nicht für mich. Was wolltest du mit dem "was auf mich zukommt - und wer" ausdrücken?

Sebastian: hey, du machst dir wirlich zu viele gedanken denke ich;-)

Ich: das war schon immer mein Problem ;-(

Sebastian: hmmmm, dann stopp, aufhören damit:-) und einfach mal weniger denken:-)

Dann wurde ich etwas klarer und es klärte sich einigermaßen auf:

Ich: es ist halt so, dass ich dich ziemlich mag, obwohl wir uns ja noch kaum gesehen haben. Und dass ich dann einfach geneigt bin, überall einen viel zu tiefen sinn reinzuinterpretieren *g*
Sebastian: du bist sehr offen und direkt...auch mit komplimenten und gesten, das ist etwas was ich sehr sehr schätze... und das mit dem reininterpretieren..naja, manchmal liegt man richtig, manchmal falsch, das weiß man erst, wenn man jemanden besser kennt;-))))

Ich: dann hoffe ich, dass ich Gelegenheit bekomme ;-)

Sebastian: mal etwas zum nichtinterpretieren müssen-weil eindeutig: ja

Mehr war dann erstmal nicht, ich musste zur Arbeit und er war tagsüber auch weg. Es hat mich aber erstmal beruhigt. Er mag mich und hält noch alles offen.

Philipp, unser neuer Praktikant, hatte heute seinen ersten Arbeitstag. Später kam auch noch ein anderer Kollege in Büro. Ich hatte dann irgendwann einfach Gayromeo offen, und er muss das auch gesehen haben, da er genau auf meinen Bildschirm guckte, während ich im Putty etwas tippte, aber im Hintergrund sehr offensichtlich Gayromeo offen hatte (das Putty überdeckte nur einen kleinen Bereich). Gesagt hat er nichts, angemerkt habe ich ihm auch nichts.

Philipp hat es vermutlich auch gesehen, als wir weggingen und ich mich abmeldete. Auch da keine Reaktion. Ich vermute aber, dass er meine Homepage eh schonmal aufgerufen hatte oder sonst was von mir im Netz gefunden hat und eh Bescheid weiß.

So, und nun freue ich mich auf den Stammtisch morgen, wo ich wohl Sebastian wiedersehen werde!


Tagebucheintrag vom 16. Februar 2006

Sebastian begrüßte mich beim Stammtisch gleich mit "oh was riechst du gut". Ich hatte garnichts besonderes und kam sogar gerade verschwitzt vom Fahrrad (das meinte er aber nicht). Auch mal ein Kompliment von ihm, das war schön :-)

Ansonsten hat er seinen Spaß daran, etwas mit mir zu spielen, glaube ich. Erst wollte er sich nicht in meine Nähe setzen, später kam er dann plötzlich doch rüber, als Ben gerade einen Stuhl freigemacht hatte. Mit Glück klappts morgen abend, dass wir uns treffen.

Ich merkte heute abend auf jeden Fall sehr deutlich, dass ich mich in ihn verguckt habe.


Tagebucheintrag vom 17. Februar 2006

Letzte Nacht konnte ich lange nicht einschlafen und musste an Sebastian denken. Heute Nachmittag wars auch wieder recht schlimm und ich fühlte mich total veknallt. Das hing auch stark damit zusammen, dass er sich im Chat nicht so verhielt, als ob er das begriffen hätte, ich fühlte mich nicht so recht ernstgenommen. Zeit hatte er auch nicht für mich, da er sich wieder um seine Hete mit Liebeskummer kümmern wollte. Und ich stand da mit meinem eigenen Liebeskummer, der sogar von ihm verursacht war, und hätte es in meinen Augen viel nötiger.

Als seine letzte Message bei mir nicht so toll ankam (er wünschte mir noch einen schönen Abend, mit nem Smiley, obwohl ich angedeutet hatte, wie es mir geht), schrieb ich eine SMS, in der ich meine Verärgerung über seinen Kommentar und sein Nichteingehen auf meine Gefühle zum Ausdruck brachte. Das veranlasste ihn zu einem Anruf, und da habe ich ihm dann sehr offen und genau geschildert, wie ich empfinde. Währenddessen kamen mir wiederholt die Tränen, mein Gesicht war nachher tränennass.

Das Gespräch hat aber sehr geholfen: Es ging mir danach viel besser. Und er weiß nun, wie ich empfinde. Allerdings hatte er damit weder gerechnet noch sich schon Gedanken in so eine Richtung gemacht, weshalb er erstmal garnichts dazu sagen konnte und sich Gedanken darüber machen will. Montag wollen wir uns dann endlich mal treffen und darüber sprechen. Wahrscheinlich sehe ich ihn auch morgen auf der Party.

Ansonsten wurde heute mein Kollege fristlos entlassen, wobei er gegen das fristlose vor Gericht angehen wird. Abzusehen war das zwar fast, da er zunehmend Ärger mit der Chefin hatte, aber dennoch etwas unerwartet und vor allem ärgerlich, weil ich damit auf der Arbeit sitzen bleibe.


Tagebucheintrag vom 18. Februar 2006

Meine Gefühle für Sebastian haben sich wieder etwas gelegt, es ist heute okay. So hat es mich auch nicht so stark mitgenommen, dass er nicht auf der Gaynight war, obwohl er es fast zugesagt hatte (er war aber noch etwas unentschlossen).

Im N8 war einer, der mir durchaus gefiel, und der mir bekannt vorkam. Wo ich gerade so überlege, glaube ich fast, dass ich den von der FH her kenne. Dumm, dass jetzt gerade Semesterferien sind. Muss ich versuchen, das Gesicht irgendwie im Kopf zu behalte bzw. bei den nächsten Szenepartys mal wieder drauf achten, ob ich ihn wiedersehe. Oder kenne ich ihn einfach nur von den Partys? Ich weiß es echt gerade nicht.


Tagebucheintrag vom 19. Februar 2006

Nach dem Scholakonzert habe ich heute mal wieder die Tochter der Scholaleiterin und ihren Freund getroffen. Er schaute mir einen Moment in die Augen, aber das hat er sonst auch schon gemacht. Muss also nicht darauf zurückzuführen sein, dass er jetzt weiß, dass ich auch (wie sein Kollege) schwul bin. Oder er versuchte zu ergründen, ob ich derjenige sei, von dem erzählt worden war.


Tagebucheintrag vom 20. Februar 2006

Während der Arbeit rief heute jemand an, um noch was für Gay in May abzuklären. Philipp fragte anschließend, was ich da planen würde. Ich habe ihm dann davon erzählt und es ging dann auch noch ein wenig um andere schwule Partys etc. Er wirkte nicht überrascht, wahrscheinlich wusste er doch schon Bescheid und hat Gayromeo auf meinem Bildschirm oder auch mal meine Homepage schon gesehen gehabt.

Um 17 Uhr kam dann Sebastian zu mir, um endlich unser klärendes Gespräch zu führen. Es war sehr nett, und auch nicht so wie erwartet. Da er erst lieber in der Stadt einen Kaffee trinken oder einen Sparziergang machen wollte, dachte ich schon, er hat eher unerfreuliches zu sagen und möchte nicht so privat mit mir werden. Aber ich wollte doch lieber zu ihm, oder dass er zu mir kommt, um sowas nicht in der Öffentlichkeit besprechen zu müssen. Er kam dann hierher, und das Fazit ist eigentlich, dass wir uns noch kaum kennen und er deswegen garnichts weiter sagen kann. Er hat aber noch andere in letzter Zeit kennengelernt und weiß auch da noch nicht, ob da irgendwo was draus werden könnte. Er möchte da auch garnicht groß drüber nachdenken, sondern lässt das einfach laufen und sich entwickeln. Tja, Konkurrenz belebt das Geschäft ... ich kann wohl nur abwarten. Ob ich von den anderen jemanden kenne (z.B. vom Stammtisch) wollte er nicht sagen. Es sah aber fast so aus, als ob das der Fall ist.

Auf jeden Fall ist es gut, reinen Tisch gemacht zu haben. Ich kann das jetzt gelassener angehen und habe meine Gefühle einigermaßen im Griff. Er schätzt auch sehr, wie ich darüber reden kann.

Sein Kommentar eingangs beim Betrachten meiner Wohnung: "Oh, das ist ja eine völlig unschwule Wohnung", was er aber ironisch meinte, angesichts meiner Jungs an den Wänden. Es hat ihm aber hier gut gefallen.


Tagebucheintrag vom 21. Februar 2006

Heute Mittag in der Mensa - ich war mit Philipp da - traf ich einen schwulen Freund. Er erzählte, dass sein potentieller Freund jetzt jemand anderen hat. Ich meinte dann nachher so zu Philipp, dass es mich trösten würde, dass es anderen auch so geht. Der sagte darauf, dass es "auf der anderen Seite" (bei den Heten) auch nicht anders sei.

Abends war Rosa Monitor, es standen drei Filme zur Auswahl. Mit Mehrheit wurde einer angenommen, wo es um einen Priester geht, der eine Leidenschaft für Jungen hat (Pianese Nuntio). Allerdings war der Film sehr langatmig und schlecht gemacht, oder es fehlte uns der Horizont dafür. Immerhin waren einige Dinge immer wieder für Erheiterung gut und wir haben die Schlechtheit des Films mit Humor genommen.

Anschließend war ich noch im con3 und habe einen Tisch für Donnerstag reserviert, da in der Lagerhalle Weiberfastnacht ist. Hab mich nett mit den Betreibern unterhalten, Suse hat die Flyer für die Party leider noch nicht fertiggemacht, aber kümmert sich in den nächsten Tagen drum.


Tagebucheintrag vom 24. Februar 2006

Beim Stammtisch im con3 waren gestern nicht soviele Leute. Leider habe ich auch Sebastian nicht noch dazu überreden können. Heute versuchte ich, einen Termin für ein Treffen mit ihm abzusprechen. Das gestaltete sich aber schwierig und er meinte schließlich, dass wir das spontan sehen müssten. Da hab ich ihm geschrieben, dass das dann von ihm ausgehen muss, weil ich besseres zu tun habe, als jeden Tag nachzufragen wie es aussieht. Er hat das bestätigt. Da bin ich dann mal gespannt. Tendenziell bin ich aber momentan eher etwas verärgert über ihn (wegen dieser Diskussion heute) und spüre auch im Moment nicht soviel für ihn.

Heute abend war ich bei dem Freund, den ich die Tage in der Mensa traf, um mich um seinen Computer zu kümmern. Er hat noch Essen gekocht, und wir haben zusammen Musik gehört und gemacht, er hat gesungen und ich habe E-Piano gespielt. Hat viel Spaß gemacht und das wollen wir mal wiederholen. Er möchte auch gern Brokeback Mountain in zwei Wochen mit mir im Kino schauen. Bei den Männern macht er ähnliche deprimierende Erfahrungen wie ich. Wegen Studiums-Stress etc. will er momentan aber auch nichts anfangen. Sein Gayromeo-Profil hat er erstmal deaktiviert.


Tagebucheintrag vom 27. Februar 2006

Hatte heute ein interessantes Telefonat mit Thomas Wilde vom Schwulen Forum Niedersachsen. Wir haben uns u.a. über Kennenlernen von Männern, Sex und Partnerschaft und die eigenen Vorstellungen in der Hinsicht unterhalten. Thomas wird Donnerstag zum Stammtisch kommen, um das sfn vorzustellen und zu erklären, wie eine Förderung unseres Stammtisches aussehen kann/wird.

Die Flyer für die con3-Party sind Freitag fertig, erfuhr ich heute. Dann geht das große Verteilen los.


Tagebucheintrag vom 28. Februar 2006

Im Bus 41 heute auf dem Rückweg vom CCC-Treff stieg am Neumarkt ein Süßer mit seiner Freundin(?) ein. Wegen der Freundin war ich gehemmt und traute mich nicht so hinzuschauen, obwohl sich unsere Blicke durchaus manchmal trafen. Als ich ausgestiegen war, sah ich, dass er sich umgedreht hatte und mir aus dem Fenster nachsah - und das obwohl er mit dem Rücken zum Fenster gesessen hatte und über seine Schulter zurückschauen musste. Mist, hätte ich mich man doch eindeutiger verhalten, ihn z.B. mal angelächelt.

Kurz darauf sprach mich bei Gayromeo jemand an, mit dem ich gestern schon kurz (aber recht unerfreulich) gechattet hatte, der ein reines Sexprofil, recht abstoßender Natur, hat. Er fragte mich, ob ich gerade in dem Bus gewesen wäre. Ich dachte erst schon, dass es der besagte Typ gewesen sein könnte, aber vom Alter her kam das nicht so recht hin, und es stellte sich dann auch heraus, dass er jemand anders war, der erst eine Haltestelle bevor ich ausstieg dazugestiegen war. Er ist mir nicht aufgefallen und konnte mir auch kein Foto schicken. Der Chat drehte sich wegen der Sache von gestern eh noch seltsam im Kreise und wir kamen nicht voreinander. Auch egal, da er wahrscheinlich eher nichts für mich wäre, so von Alter und Verhalten her. Auch wenn er mich für diese Vorurteile wieder maßregeln würde ;-)

Schade nur, dass mir der andere Interessante durch die Lappen gegangen ist. Es wirkte zwar so, als sei das seine Freundin gewesen, aber sowas kann täuschen. Vielleicht wars die Schwester oder einfach eine sehr gute Freundin. Was sollte schließlich sonst der Blick hinter mir her, als der Bus weiterfuhr? Außerdem war es wieder so wie in dem Buch "Bestellungen beim Universum": Ich hatte einen Bus verpasst und bekam zufällig die 41. Dann kam mir spontan die Idee, eine Haltestelle länger sitzenzubleiben und durch die Wörthstraße zu laufen statt über die Iburger Straße. Ohne die 41 hätte ich den süßen nicht getroffen, und wäre ich Rosenplatz ausgestiegen, hätte mich der andere wohl nicht gesehen, da er dort erst einstieg. Ich habe nur dummerweise das Paket in Form des Süßen mit seiner Freundin nicht angenommen ...


Tagebucheintrag vom 01. März 2006

Heute Abend hatte mich Jens eingeladen, über ein paar Dinge zu reden und ihm noch was am Computer zu zeigen. War ein interessanter langer Abend mit allen möglichen Gesprächen, auch über Sexdates und Verhaltensweisen etc. Er trifft sich auch nicht direkt zuhause mit jemandem, der Sex will, sondern geht erstmal was trinken, wo sich meist stundenlange Gespräche entwickeln, bis es vielleicht ernster wird. Ich glaube, den Weg sollte ich auch einschlagen, wenn bei Gayromeo mal ein interessanter dabei ist. Nachts um 2 hab ich eh meist keine Lust mehr, wenn die dann ankommen (weil dann hätten Kneipen auch zu ;-) ).


Tagebucheintrag vom 03. März 2006

Gestern in der Mensa traf ich ganz unverhofft Sebastian. Er hat sich auch gefreut, mich zu sehen, allerdings habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nicht mehr so richtig etwas für ihn fühlte, das Kribbeln war weg und eine Unsicherheit da. Ich denke aber auch mal nicht, dass da in nächster Zeit was draus werden würde, insofern egal. Er will vielleicht morgen zur Rosenhof-Party kommen.

Beim Stammtisch gab es einen neuen Rekord: Insgesamt 23 Leute. Thomas Wilde vom Schwulen Forum Niedersachsen aus Hannover war da, stellte seine Arbeit vor und gab eine Teilnehmerliste rum, um uns für die Erwachsenenbildung als Gruppe zu registrieren und somit Anspruch auf Förderung zu haben.

Ich habe heute die Flyer vom con3 abgeholt. Dummerweise haben die auf der Rückseite nicht ihre Anschrift drauf, nur die Homepageadresse. Dann hoffe ich, dass die Leute das con3 auch finden ... Nun kann das Verteilen losgehen. Im Rosenhof dürfen wir morgen auch auslegen, wenn da der Gay Rose Club stattfindet.

Die Hinnerk hat übrigens den Artikel und auch den Termin gar nicht veröffentlicht. Die Exit gefällt mir da sehr viel besser. Die sind sogar so auf Zack, dass sie mir noch eine Werbeanzeige angeboten hatten.


Tagebucheintrag vom 04. März 2006

Sebastian hatte überlegt, mit in den Rosenhof zu kommen, aber war sich den ganzen Abend unsicher und entschied sich dann dagegen, weil er müde war und Kopfschmerzen hatte. Warum erwisch ich eigentlich immer diese langweiligen und wehleidigen Zögerer und Schwanker?

Ich hab dann um kurz nach 10 erstmal Flyer für die con3-Party in den Rosenhof gebracht und bin nach 12 rumgegangen und habe welche an Autos in der Umgebung geklemmt. Dann ging ich selbst rein. Flo ist nicht aufgetaucht, obwohl er es vorhatte. Wohl wieder Stress bei den Eltern. Der muss da echt raus, wenn er sich da nicht von freimachen kann solange er dort wohnt.

Waren so einige süße Kerle auf der Party, aber alle anscheinend unerreichbar oder vergeben.


Tagebucheintrag vom 11. März 2006

Oh je, fast die ganze Woche nichts eingetragen. Na dann will ich mal ein wenig nachholen.

Das Semester ging wieder los, da gabs einige neue interessante Gesichter zu sehen. Wahrscheinlich eh alles wieder Heten, aber das wird die Zeit zeigen.

Gestern bin ich mit Flo nach Herford in den Go-Parc gefahren. Dort war Sunshine Live "welcome to the club" Party. Das Publikum war leider sehr jung (größtenteils eher unter 18), und am Anfang war es ultra voll und heiß. Von der Raumaufteilung her fand ich es auch ungünstig, wenn man die Aura gewohnt ist, da ist irgendwie alles großzügiger und verstopft nicht so leicht. Im Go-Parc war das ein einziges Geschiebe und Gedrängel. Nachher, als die Kiddies weg waren, sah man noch ein paar Schnuckels, aber wahrscheinlich dort alles Heten. Immerhin war Flo mal wieder mit weg, nachdem er wegen Stress bei der Arbeit und bei den Eltern in letzter Zeit oft nicht mitkam. Er hat jetzt das OK vom Chef, dass er Urlaub nehmen darf, da hoffe ich, dass er sich eine eigene Wohnung suchen wird, um von den Eltern mit ihren Zankereien wegzukommen.

Eigentlich wollte ich dann heute mit Frank, Jens und vielleicht Sebastian nach Münster ins Fusion, aber nachdem es abends noch schneite, haben wir das abgeblasen. Frank wollte eh nicht mehr, und Sebastian war noch bei einer Heten-Feier und es gefiel ihm dort auch gut. Ich bin dann mit Max und seinem Freund zu Theo. Eigentlich wollte Jens dort auch hinkommen, aber wir sind nicht so lange geblieben und ich sah ihn nicht mehr. Vielleicht ist er dann auch direkt ins Bivalent gegangen.

Gerade als wir gingen, kamen ein paar Schnuckels rein, aber im Viererpack. Meikys Freund wollte nach Hause, und da Jens nicht aufgetaucht war, ging ich dann mit raus. Ich hätte mich wohl eh schwergetan, von denen einen anzusprechen, wo die in der Gruppe waren. Hätte man noch Gesprächspartner gehabt, hätte man natürlich schauen können, ob man mal Blickkontakt bekommt.


Tagebucheintrag vom 12. März 2006

Ergebnis des Tages: drei oder vier Leute angechattet, keiner hat geantwortet. Dafür habe ich mich länger mal wieder mit Matthias unterhalten, war auch sehr nett. Ich habe jetzt die Sexdates im Profil wieder aktiviert und wieder eines der leicht bekleideten Fotos nach Vorne gestellt (die letzte Zeit war der Partyflyer als erstes Bild). Jetzt sinds auch mal wieder ein paar mehr Besucher.

Dann hab ich mir heute endlich mal Sommersturm mit Audiokommentar angesehen. Ist wirklich sehr interessant, was die da so zu erzählen. Ich erzählte dann im Chat Sebastian davon, der gab zu, den Film noch garnicht gesehen zu haben. Er hatte damals mit einem Besonderen reingehen wollen, aber das klappte dann nie. Auf mein Angebot, ihn gemeinsam zu schauen, ging er gerne ein, und bestätigte auch, dass ich eine solche besondere Person für ihn bin. Na da werd ich mal gespannt sein, ich habe ihn schon vorm Kuschelalarm vorgewarnt. Vorerst haben wir aber noch keinen Termin dafür, er ist mal wieder recht ausgebucht, was ihn aber auch selbst nervt.

Ich hab gerade die neuesten Probelinsen drin: Die funktionieren endlich mal ganz gut für die Bildschirmarbeit und für Lesen mit künstlichem Licht. Morgen mal nochmal bei Tageslicht ausprobieren, vielleicht sind das ja jetzt endlich die passenden.


Tagebucheintrag vom 13. März 2006

Heute habe ich die einzige Vorlesung verschlafen und hatte dann die Idee, dass ich Sebastian fragen könnte, ob er zufällig Lust und Zeit hat, mit mir in die Schlossmensa zu gehen. Er war dann auch gerade auf dem Weg, aber ich schaffte es nicht so schnell, da ich gerade erst aufgestanden war und dann auch noch meine Kontaktlinsen einsetzen wollte, um damit dann zum Optiker zu gehen.

Mit den letzten Linsen bin ich jetzt übrigens sehr zufrieden und habe die nun auch bestellt. Damit kann ich ziemlich gut sehen, kein Vergleich zu denen, die ich bisher probiert hatte. Freitag müssten sie dann da sein.

Abends habe ich mit Jens eine Tour durch die Stadt gemacht, um Flyer zu verteilen. Vor der Mensa will Suse vom con3 sich mal hinstellen, ich werde sie aber auf die Tische am Westerberg verteilen. Jens war beim Verteilen sehr begeistert vom Acai, da gibts wohl eine Etage höher sowas wie eine Art Wohnzimmer, wo man es sich sehr gemütlich machen kann. In ein Lokal ging gerade als Jens da Flyer hineinbrachte ein sehr süßer Typ rein, der gefiel auch Jens. Und dann setzte er sich auch noch ganz allein da an einen Tisch. Jens meinte, vielleicht wartet er auf ein Date. Ich wäre ja gern zu seinem Date geworden, aber wir mussten ja weiter. Aus der Rolle fiel das Bivalent: Peter will keine Flyer auslegen, das con3 gehöre nicht zur Szene und wolle nur daran teilhaben, dass die Partys der anderen gut laufen würden. Ihm würde das nur das Publikum wegziehen. Aber wer geht schon wirklich gern ins Bivalent, wenn er andere Alternativen hat ... Die anderen Lokale waren sehr nett und freundlich, auch wenn sie nicht zur Szene gehörten.


Tagebucheintrag vom 15. März 2006

Heute Abend war ich mit einem schwulen Freund und einigen Kommilitonen von ihm in "Brokeback Mountain". Im Kino haben wir noch so einige andere Schwuppen gesehen, Meiky und Markus waren auch dort. Der Film war schön - und traurig.


Tagebucheintrag vom 17. März 2006

Heute abend Wohnungseinweihung bei einem Kommilitonen. Dort war auch ein Student eines anderen Studienganges, den ich nicht uninteressant war. Leider erfuhrt ich erst, als schon weg war, dass der angeblich (laut Meinung eines anderen) auf jeden Fall in beide Richtungen offen sei. Mist, hätte ich das eher gewusst, dann hätte ich mich anders verhalten können. Ich muss da mal noch mehr rauskriegen. Jetzt haben die mir einen ganz schönen Floh ins Ohr gesetzt und ich muss öfter an ihn denken.

Derweil ärger ich mich mal wieder über Sebastian: Nachdem es gestern Mittag gut geklappt hatte, mit ihm Essen zu gehen, war er dann entgegen erster Planungen abends nicht beim Stammtisch und es gestaltet sich auch schwierig mit ihm einen Termin für den Sommersturm-Abend zu vereinbaren. Als ich ihm heute per SMS schrieb, dass ich morgen unverhofft (da ein Orgeltermin ausfällt) den ganzen Tag frei habe und doch erst um 1 Uhr nachts ins N8 gehe, kam garnichts zurück. Als ich ihn über Gayromeo, als er dort online war, darauf ansprach, meinte er nur, das Handy sei lautlos gewesen, hat aber immer noch nicht den Inhalt beantwortet. Das ist immer alles so unkonkret bei ihm und wird dann doch nichts.


Tagebucheintrag vom 19. März 2006

Gestern abend war die Gaynight im N8. Ich bin erst spät hin und habe erstmal an allen Autos Flyer hinter die Scheibenwischer geklemmt. Die Party wurde dann ziemlich gut: tolle Musik, viele unbekannte Gesichter, darunter viele Schnuckels, auch recht voll diesmal, und sie hatten so eine Art Singleparty gemacht, mit Nummern und Nachrichten für jemanden hinterlassen. Mir hat nur Ben scherzhaft was hinterlassen. Ich habe leider keine aufgegeben für einen Schnuckel, den ich die ganze Zeit im Blick hatte. Ich traute mich nicht so recht ran, weil der jemand anderem dort war und immer mit dem zusammenhing. Beim Tanzen hab ich ein paar Blicke auffangen können, aber ihn anzusprechen traute ich mich nicht, weil ich immer den kritischen Blick seines Begleiters daneben hatte. Bei Gayromeo habe ich keinen von beiden gefunden. Dafür einen anderen, der mir letztes Mal schon auffiel und wo ich den Verdacht hatte, der könne an der FH studieren. Tut er aber nicht, der ist erst 18, und hat auf meine Fußtappse nicht reagiert, wie eigentlich angesichts des Alters auch erwartet.

Am geilsten war gestern bald noch, dass ich Kontaktlinsen drin hatte und gut damit klarkam. Es war viel schöner ohne Brille in der Disco. Und ich meine auch, viel mehr Blicke aufgefangen zu haben, als sonst. Ben findet ebenfalls, dass ich so gut aussah. Marvin allerdings meinte, ich sei so ruhig gewesen und hätte ausgesehen, als käme ich von einer Beerdigung. Das soll ich nicht so ernstnahmen, sagt Ben.


Tagebucheintrag vom 20. März 2006

Mit der Mensaleitung habe ich heute abgeklärt, dass ich morgen die Flyer am Westerberg verteilen kann. Erst war er nicht so begeistert, aber als er hörte, dass das ein Benefiz für Gay in May sei, fand er die Idee gut und hat es kostenlos erlaubt und noch viel Glück für die Party gewünscht. Das zieht echt gut.

Mit Suse und Jens sind jetzt letzte Details abgesprochen wegen Wechselgeld etc. Ich muss noch klären, ob wir den Beamer vom Schwulenreferat kriegen, um Queer as Folk abspielen zu können.

Abends war ich bei Jens, um sein Linux einzurichten. Vorher hatte sich noch Sebastian kurz gemeldet, dass er Zeit hätte, aber erkältet ist und sich matschig fühlt. Ich hab mich vorsichtshalber etwas zurechtgemacht (Kontaktlinsen etc.), aber er meldete sich dann doch nicht mehr, was ich auch schon erwartet hatte. So hatte ich mehr Zeit für Jens und für die FH-Vorbereitung für morgen, war auch gut.


Tagebucheintrag vom 22. März 2006

Das Verteilen der Flyer in der Mensa verlief unproblematisch. Ein paar Leute haben komisch geguckt und es wird wohl auch Kommentare gegeben haben, aber so direkt habe ich nichts mitbekommen. Als ich sie wieder einsammelte, wollte einer seinen mitnehmen. Ich habe das zwar begriffen, aber nicht verstanden, ich glaube er sprach kein deutsch. Er schaute mir aber nachher noch nach, er wird wohl schwul sein.

Ben meint, ich sei sehr mutig, dass ich die Flyer da verteilt habe. Müsste ich den Mut nur auch noch aufbringen, tatsächlich Leute anzusprechen, wenn sie mich interessieren.

Heute habe ich dann noch beim Spazierengehen an ein Auto mit Regenbogenaufkleber in der Wörthstraße einen Flyer geklemmt.


Tagebucheintrag vom 24. März 2006

Beim Stammtisch waren gestern nicht soviele, da einige krank waren. Max war auf Lehrgang. War aber doch ganz interessant.

Heute war ich den ganzen Nachmittag in der Uniklinik Münster zur Zahn- untersuchung und -behandlung. Die haben mich ordentlich getriezt. Ich bin nur etwas verwirrt, weil mein Zahnarzt mich dorthin schickte, weil er die Wurzelbehandlung so schwierig fand, und dort sieht man irgendwie gar keine Probleme. Na mal sehen, was das erstmal gebracht hat, und was er dann dazu sagt.

Abends hatte ich mich mit einigen Leuten vom Stammtisch zur Probebühne verabredet, das Stück "Liebkosungen", wo Jens mitspielt. Frank hatte auch mitgewollt, war aber krank. Das Stück war echt toll, Jens hat auch super gespielt, und hat auch dazu noch eine Rolle, die gut zu ihm passt. Auch der Nach(t)klang danach war lustig und gut.

Dann ist Ben noch mit zu mir gekommen und hat meine Wirbel und meinen Atlas in Ordnung gebracht. Die letzten Tage hatte ich parallel zu den Zahnschmerzen auch, vermutlich durch verschobenen Atlas, im Hals- und Ohrbereich Schmerzen.


Tagebucheintrag vom 26. März 2006

Die Party war eine tolle Sache. Zwar sind nur 150 Leute gekommen, ich hatte eher mit 200-300 gerechnet, aber wir haben dennoch genug eingenommen, die Resonanz war gut und es wirkte auch wohl gefüllt, zumindest nicht leer. Ich bin immer mal oben am DJ-Pult gewesen und mich mit ihm unterhalten, ihm Getränke gebracht etc. Er hatte noch einen süßen Hetenfreund dabei, der mich auch immer so anlächelte - aber dennoch eine Hete.

Da die Party nun vorbei ist, musste ich meinen Profiltext bei Gayromeo überarbeiten. Da habe ich nun, wegen meines Nicks PantherMarc, das Panther-Gedicht von Rilke etwas umgedichtet. Kam mir gerade so spontan in den Sinn.


Tagebucheintrag vom 28. März 2006

Der CCC-Treff heute war witzig. Ich hatte Gayromeo offen und dann parallel bei Google gesucht. Einer der anderen kam rum, um sich die Seite auch anzugucken. Ich überlegte noch kurz, ob ich Gayromeo zumache, aber habe es dann als Tab im Hintergrund offen gelassen. Das ist mir mittlerweile echt zu blöd, das dann schnell zuzumachen, ich will mich nicht verstecken. Er bemerkte das und rief dann laut "guckt mal, was der hier offen hat" oder so in der Richtung. War aber keine große Sensation, da bis auf einen neuen Teilnehmer und ihn selbst eh alle Bescheid wussten. Ich sagte dann noch, dass ich nebenbei auf der Datesuche sei, und machte danach noch einen Spruch, dass ich den Pizzaboten ja mit auf Klo nehmen könnte, wenn ich ihn unten träfe, oder sowas in der Richtung. Wie ich später erfuhr, fragte mein "Zwangsouter" dann, als ich dann unten war, erstmal die anderen, ob ich mich gerade geoutet hätte, was sie bestätigten und wohl sagten, dass sie das schon gewusst hatten. Gab ansonsten keine weiteren Reaktionen. War eigentlich sehr lustig, und nun weiß es mittlerweile fast die ganze CMOS-Runde.

Später hab ich noch mit einem Oldenburger Studenten gechattet, der dort auch mal Schwulenreferent war. Ein sehr netter und auch garnicht mal schlecht aussehender Physikstudent, der auch bei Marvin auf dem Geburtstag war, aber da musste ich leider arbeiten. Er kommt vielleicht mal hierher zum Frühstück des Schwulenreferats, zwecks Vernetzung der Unis.


Tagebucheintrag vom 01. April 2006

Im Rosenhof liefen heute wieder eine ganze Menge Schnuckels herum. Flo war auch dort. Mittwoch gehts dann mit ihm und ein paar anderen wohl auch in den Rosenhof, zu den Disco Boys.

Vor der Party war ich noch bei Jens, um ihm seinen DVD-Player zurückzubringen, den ich noch von der Party letzte Woche hatte. Wir sprachen unter anderem über die Problematik Erstes Date und wie man sich verhält, ob es z.B. schädlich sein könnte, Sexavancen zu machen, oder ob das in Ordnung ist. Er meint, wenn sich das aus der Situation als passend ergibt, ist das in Ordnung, und Angst, dass man dadurch eine mögliche Beziehung verspiele, sei da nicht hilfreich. Leute, die schon nach 1-2 Tagen mit jemandem zusammen kommen, haben nur deshalb so schnell einen Freund, weil sie einfach frech Initiative zeigen und nicht aus Angst, was kaputtzumachen, garnichts unternehmen.


Tagebucheintrag vom 02. April 2006

Ich bin ziemlich müde vom wenigen Schlaf der letzten beiden Nächte, aber morgen lass ich die Netzwerkprogrammierungs-Vorlesung sausen, die bringt eh nicht viel, und hab dadurch einen freien Tag.

Heute Abend habe ich die neue Stammtisch-Webseite fertiggestellt und meine Steuererklärung auf den Weg gebracht.


Tagebucheintrag vom 03. April 2006

In der Stadt heute im Vorbeigehen unerwartet Blickkontakt mit jemandem. Nicht irgendwie auffällig interessant, aber vom Blick her recht wahrscheinlich schwul. Abends hat mich ein ganz süßer angechattet und dann auch noch angerufen. Suchte ein Sexdate, fragte aber auch nach Stammtisch etc. Klang am Telefon nicht so, wie ich vom Foto her gedacht hätte. Hoffe er sieht auch so aus. Wir werden uns vielleicht die Tage mal treffen.


Tagebucheintrag vom 04. April 2006

Der Typ von gestern wollte sich eigentlich heute abend melden, hat er aber nicht, obwohl er online war. Ich wollte da aber auch nicht hinterherlaufen. Wenn er Lust hat, wird er sich schon melden. Ich hab trotzdem schonmal die Wohnung geputzt, falls es dann mal spontan zu einem Date kommt. Außerdem kommen morgen abend Frank, Flo, und noch ein Freund von ihm hierher, um dann zusammen in den Rosenhof weiterzugehen. Da sind morgen die Disco Boys mit ihrer aktuellen Tour. Freitag gehts in die Aura, da freu ich mich auch schon.

Die Gay in May Webseite ist jetzt auch endlich fertig. Erstmal einiges vom Tisch.


Tagebucheintrag vom 06. April 2006

Gestern abend war ich mit Frank und Flo im Rosenhof, da haben die Disco Boys aufgelegt. Abgesehen davon, dass wir ewig anstanden, war es ein klasse Abend mit total geiler Musik. Wir haben noch ein paar andere Schwuppen getroffen, und Flo und ich haben am Ende, als die anderen schon weg waren, noch bis fast 5 Uhr durchgetanzt, waren dann aber auch total k.o.

Einige interessante Begegnungen hatten wir da: Erstmal ein Paar in unserem Alter, beide in T-Shirts mit einem Hasen drauf, aber verschiedene Farben. Der eine in Rosa. Blickkontakt hatte ich mehr mit dem anderen, der gefiel mir auch besser, und der guckte auch häufiger. Bei dem glaube ich auf jeden Fall, dass er schwul ist. Bei dem anderen hatte ich zwischendurch meine Zweifel, aber da die beiden dann zusammen und ohne Begleitung irgendwann gingen, gehörten sie vielleicht wirklich zusammen.

Eine Hete (nehmen wir an) tanzte uns eine Zeitlang an, grinste aber immer zu seinem Kumpel rüber, und der beobachtete das auch ganz genau. Das scheint eher eine Verarschung gewesen zu sein. Dabei sah der Typ gut aus. Aber es fehlte der subtile schwule Ernst bei der Sache, es war zu merken, dass er nur mit uns spielte und nur so tat. So zumindest mein Eindruck.

Zum Schluss fiel uns noch einer Fünfergruppe auf, wo ich gleich meinte, die könnten schwul sein. Zwischendurch kamen auch da wieder Zweifel auf, die sich aber schnell zerstreuten. Zwei davon gehörten eindeutig zusammen, kamen mir auch aus Münster etwas bekannt vor. Und zwei weitere machten sich bei dem fünften am Hemd zu schaffen und knöpften es auf. Flo und ich stierten rüber und grinsten, die grinsten zurück, alles war klar *g*

Insgesamt ein sehr gelungener Abend. Ich sah auch noch einen Nachbarn, den Max für schwul hält, aber mit einem Mädel zusammen, und er wirkte doch sehr hetero. Einen früheren Arbeitskollegen traf ich auch, der meinte, ich sähe sehr gut und fröhlich aus (er ist aber hetero).

Heute in der Mensa begegnete ich einem vom Stammtisch, und sah einen von der Probebühne, der beim Nach(t)klang mitgemacht hatte. Später beim Spazierengehen lächelte mir einer vom Fahrrad aus zu, ich war so perplex, dass ich so schnell leider nicht reagieren konnte. Den Nachbarn traf ich im Treppenhaus wieder, ein längeres Gespräch ergab sich aber nicht, er wollte weiter. Ich halte ihn aber auf jeden Fall für hetero.

Beim Stammtisch haben wir den Film "Latter Days" gesehen. Ich kannte ihn ja schon, aber er hat mich wieder sehr mitgenommen, wie auch alle anderen auch. Max hatte Oliver, einen Neuzugang, mitgebracht. Der gefällt mir eigentlich ganz gut, ich bleibe auf jeden Fall mit ihm in Kontakt und seh ihn beim Stammtisch oder auf Party hoffentlich bald mal wieder.


Tagebucheintrag vom 09. April 2006

Freitag war ich mit Flo in der Aura zur Sunshine Live Party. Direkt beim Reingehen fiel uns ein äußerst schnuckeliger Mitarbeiter am Sunshine Live Stand in der Eingangshalle auf, zu dem wir hinschauten und lächelten, und auch direkt ein Lächeln zurückbekamen. Wir sind etwas später nochmal hin und haben uns ein wenig mit ihm unterhalten, und als wir rausgingen, und sonst niemand mehr dort war, hat er uns schon aus der Entfernung total angegrinst. Der war unter Garantie schwul. Aber der Arme musste gestern und heute den ganzen Tag noch auf der Timewarp in Mannheim stehen.

Max hat mir nachher vorgehalten, dass wir keine Kontaktdaten von ihm haben, man hätte mal den Gayromeo-Nick (bzw. ob überhaupt wirklich schwul) herausfinden müssen. Naja, vielleicht sieht man ihn dort noch einmal. Er wird eh weiter weg wohnen.

Oliver ist gestern mit ins Fusion gekommen, zusammen mit Flo, einem Freund von ihm, Jens und mir. Dort hatte ich nicht das Gefühl, dass ich ihn näher interessiere, sondern eher, dass er Flo umwarb. Heute hat er mich aber angechattet und will wohl jetzt in seinem Urlaub gerne was mit mir machen. Na mal abwarten.

Die Party im Fusion war aber sehr gelungen. Total voll, da 5jähriger Geburtstag, aber die Musik in der House-Area war echt geil. Jens hat sich die Kontaktdaten des DJs geben lassen. Ihn würde der für unsere Partys hier interessieren. Ich war gestern auf jeden Fall besser drauf und weniger kaputt als Freitag in der Aura. Techno bzw. die Aura ist aber auch anstrengender als House im Fusion.

Als wir schon fast gehen wollten, habe ich das erste Mal so einen Flirterfolg gehabt wie ich es sonst nur bei anderen sehe: Im Begegnen schaute ich einen an, wie ich es sonst auch tue, aber er schaute zurück und wir grinsten uns automatisch an. Wir haben uns, als wir aneinander vorbei waren, beide immer wieder umgedreht und zurückgeschaut, bis er mir winkte, ich solle zu ihm kommen. Wir haben uns da nur kurz unterhalten und zum Abschied kurz geküsst (ohne Zunge), er meinte aber heute im Chat, wir hätten mit dem Küssen früher anfangen sollen. Ich habe ihm jetzt vorgeschlagen, dass wir uns treffen, mal sehen ob er Zeit hat.


Tagebucheintrag vom 11. April 2006

Morgen abend treffe ich mich mit Oliver, der Urlaub hat und gern mal was unternehmen wollte. Wir haben uns jetzt vor der Lagerhalle verabredet und wollen dann in die Acai Lounge gehen. Soll ja sehr gemütlich dort sein.

Gestern und heute war ich in der Uniklinik Münster zur Zahnbehandlung. Der beaufsichtigende Arzt "meines" behandelnden Studenten ist ein total süßer junger Typ. Wenn er bei mir nachschaut, sehe ich ihm immer in die Augen :-)


Tagebucheintrag vom 12. April 2006

Abends hatte ich ein sehr schönes Date mit Oliver. Wir sind in die Acai Lounge gegangen, sehr gemütlich dort. Den einen Kellner halte ich auch für schwul und meine ihn auch bei Gayromeo schon gesehen zu haben. Aber der, der ich dachte, hat kein Foto, und war online obwohl er noch hätte dort im Laden sein müssen. Also weiß ich es erstmal nicht.

Oliver ist sehr süß, und uns beiden hat der Abend gefallen. Ob da mehr drin sitzt, kann ich so nicht beurteilen, muss man mal abwarten. Er sagte auch, dass er sich in seine letzte Beziehung zu schnell gestürzt hat, weil er unbedingt einen Freund haben wollte, und das bei ihm daher jetzt eher komplizierter ist, weil er erstmal sicher sein will, dass das auch was wird.


Tagebucheintrag vom 14. April 2006

Gründonnerstag nach dem Gottesdienst, in dem ich Orgel und Klavier spielen musste, habe ich mich schnell fertiggemacht (Kommentare Mama: "Du siehst ja ganz anders aus", und mit Brille und ohne gegelte Haare fände sie es aber besser) und dann ab nach Osnabrück zum Stammtisch. Oliver war da, und andere machten hin und wieder Sprüche über uns, weil wir viel zusammenhingen und auch zusammen vom Klo kamen. Wobei da "Toilettendisco" von der Tiefenrauschparty war, die an dem Abend stattfand, da war also auch normal Party unten. Anfangs war das ganz nett, und Martina will das gerne auch für Gay in May dort machen, damit sich nicht alles so verläuft, aber später wars ziemlich eklig und siffig, wirkte mit der Musik zusammen wie ein Darkroom bei Queer as Folk. Da werd ich doch am Dienstag beim Treffen gegen argumentieren.

Schön war die Chill-Out-Lounge der Tiefenrausch-Party. Als wir dort eine Zeitlang saßen, habe ich es auch mal gewagt, mich an Oliver anzukuscheln, was er auch zuließ, aber ansonsten nicht reagierte. Überhaupt stelle ich fest, dass er nicht abwehrt, sondern geschehen lässt was ich an Annäherungsversuchen starte, aber auch von sich aus keine Initiative ergreift. Wahrscheinlich wartet er lieber noch etwas ab und will nicht zu schnell irgendwas machen. Er bot mir aber an, zusammen den Narnia-Film zu sehen, den er sich auf DVD gekauft hat. Vielleicht ergibt sich da ja eher eine Chance, ihm näher zu kommen. Gestern habe ich auf jeden Fall gemerkt, dass ich Gefühle für ihn entwickele und ihn sehr interessant finde. Die Gefühle merke ich auch jetzt ein wenig und hätte ihn gerne bei mir. Morgen sehen wir uns auf der Gaynight, ich fürchte nur, dass er da wieder eher distanziert wirkt, weil er beim Tanzen immer woanders hinschaut und nicht zu mir, das war auch gestern in der Lagerhalle so.


Tagebucheintrag vom 15. April 2006

Ich bin stinksauer auf einen "Freund" vom Stammtisch. Naja, mittlerweile geht es schon wieder, habe mich beim Tanzen abreagiert. Mit hatte heute jemand geschrieben, er habe den mit Oliver knutschend im Aldi gesehen. Ein Blick in Olivers Profil zeigte mir dann auch, dass er "Ich habe einen Partner" dort stehen hat und der andere mit dem Smiley mit Herzen in den Augen verlinkt ist.

Dem anderen hatte ich dann erstmal eine SMS geschrieben, dass ich das verdammt frech von ihm fände, aber da kam erwartungsgemäß keine Antwort drauf. Es ist ja okay, wenn die beiden sich verlieben, kann ich nichts daran machen, aber diese Frechheit, mir zu einem Zeitpunkt, als sich das bei denen bereits abzeichnete, mir noch zu schreiben, er könne nicht beurteilen, ob Oliver Interesse an mir hätte, er würde ihn zu wenig kennen. Wie ich vorhin erfuhr, hatte zu dem Zeitpunkt Oliver schon einem Freund erzählt, dass er sich wohl verliebt habe. Auch mit Oliver habe ich hinterher noch gechattet, er hat auch nichts erwähnt. Und dass ich was von ihm will, wusste er, denn er hat dem besagten Freund auch gesagt, dass ich nicht sein Typ sei. Aber mit mir redet natürlich keiner.

Ich habe Oliver jetzt gerade noch eine Message geschrieben und mir das damit von der Seele geschrieben, was ich ihm mit auf den Weg geben möchte: Dass er bitte in Zukunft den Mut haben soll, Verehrern eine Abfuhr zu erteilen, bevor er mit einem derer Freunde was anfängt, und dass mir das sehr weh tat und es mir nicht hilft, wenn er jemand anderem all das erzählt, was für mich wissenswert gewesen wäre. Außerdem habe ich geschrieben, dass ich erstmal das sacken lassen muss und die Zeit zeigen muss, wie man weiter zueinander stehen kann.

Mal sehen, ob und wie er darauf eingeht. Eigentlich denke ich mal, dass er vernünftig darauf reagieren wird, sich vielleicht sogar entschuldigen wird.


Tagebucheintrag vom 16. April 2006

Entschuldigt hat sich Oliver nicht, sondern gemeint, ich würde vielleicht etwas überzogen reagieren. Er ist der Meinung, durch sein Verhalten am Donnerstag klargemacht zu haben, dass er nichts von mir will. Aber das kann ich so ja nicht bestätigen. Ich habe noch ein paar Dinge klargestellt und gesagt, was ich erwartet hätte, aber da ist er nicht mehr drauf eingegangen. Ist auch besser so, ich habe keine Lust auf lange Diskussionen, die zu nichts führen.

Mir ist im Nachhinein klargeworden, dass mal wieder der Vollmond seine Finger im Spiel hatte. Das war nämlich am Donnerstag, und da stellten sich auch die Weichen für die beiden, wenn ich das richtig verstanden habe. Aber an so einem Tag zuhausezubleiben hätte in diesem Fall auch nichts geändert.

Bei Gayromeo habe ich heute meinen 10000. Besucher gehabt, allerdings kein interessanter. Ein anderer hat mich noch angechattet, der scheint ganz nett zu sein, mal sehen was der Chat in den nächsten Tagen noch gibt.

Gestern auf der Party hatte Frank einen hin und wech Stand, wo auch die Herzrasen-Hefte auslagen. Ein flüchtig Bekannter hatte in einem gelesen und als ich ihn ansprach, meinte er, das sei komisch gewesen, mein Foto zu sehen und dann stehe ich plötzlich vor ihm.


Tagebucheintrag vom 17. April 2006

Olivers Kumpel, mit dem er vor mir über die Geschichte geredet hatte, hae mir empfohlen, ichselbst zu sein und meinem Impuls zu folgen, Zuneigung direkt anzusprechen. Dann hätte Oliver vielleicht auch direkt gesagt, dass er kein Interesse hat.

Ich entgegnete ihm (und auch meiner Schwester, als ich das mit ihr jetzt besprach), dass es ja besser sein könnte, nicht so mit der Tür ins Haus zu fallen, um niemanden zu verschrecken und sich erstmal was entwickeln zu lassen.

Er sagte dazu, ich solle mich nicht verstellen und es so machen, wie es mir am besten liegt, wie ich es selbst am besten finde (das wäre: recht direkt ansprechen).

Meine Schwester meinte, diese Sache mit den Glückstipps, von wegen Unsicherheit stärkt das Verlangen, wäre eher erst im zweiten Schritt, erstmal aber müsse man Interesse wecken, und das täte man nur, wenn man auch direkt zeigt/sagt, dass man jemanden sehr mag und vielleicht mehr von ihm will. Sie führte als Beispiel an, wenn jemand zu schüchtern ist, um seinen Schwarm anzusprechen, wird er ihm vielleicht nie auffallen. Aber fällt er erstmal auf, merkt der vielelicht, dass ein sehr lieber Mensch dahintersteckt.

Hat auch was wahres!


Tagebucheintrag vom 18. April 2006

Beim Gay in May Meeting haben wir Plakate und Programmhefte verschickt und letzte Dinge für die einzelnen Programmpunkte geklärt. Auf der Hinfahrt im Bus sah ich einen sehr süßen, leider nur seitlich und von hinten beim Ein-/Aussteigen und während er saß, aber hatte was von Justin aus Queer as Folk.


Tagebucheintrag vom 19. April 2006

Der gutaussehende junge Zahnarzt war leider heute nicht in der Uniklinik im Dienst, statt dessen eine ebenfalls junge Zahnärztin, die sicher Heten gut gefallen hätte. Der behandelnde Student hat NaOCl auf meinen Pullover geplörrt und ihn damit gebleicht. Nun darf ich mir einen neuen kaufen und die Kosten einreichen. Aber erstmal einen finden ...

Hab noch wieder mit einem Hannoveraner Maschinenbaustudenten gechattet, den ich über Max mal kennengelernt hatte. Wir haben in Punkte nicht erfolgreicher Partnersuche einige Gemeinsamkeiten, aber er ist so frustriert, dass er gar keinen mehr treffen will, auch mich nicht, selbst wenn ich mal in Hannover wäre. Aber vielleicht auch nur ein Vorwand.


Tagebucheintrag vom 20. April 2006

Heute hab ich Sweat- und T-Shirt gefunden. Der Verkäufer bei S.Oliver war bestimmt schwul, aber hat leider keine Möglichkeit zum Flirten gegeben. Max hat abends bestätigt, dass da zwei schwule Verkäufer sind. In der Mensa hatte ich vorher auch einen gesehen, den ich von Gayromeo oder Partys her kenne, der hat aber nicht merklich reagiert, obwohl ich ihn unverholen angesehen habe. Gesehen hat er mich aber.

Bei Gayromeo fragte mich der "Freund", mit dem Oliver jetzt zusammen ist, wegen einer Gay in May Sache an und entschuldigte sich dann auch für die Sache letztes Wochenende. Er fragte, ob wir abends beim Stammtisch in Ruhe abseits der anderen drüber sprechen könnten, das wäre ihm wichtig. Das haben wir dann auch so gemacht, und er hatte von sich aus eingesehen, dass das scheiße war so. Er hatte mich auch garnicht belogen, da er zu dem Zeitpunkt, als ich fragte, gerade erst mit seinem Ex schlussgemacht hatte und noch garnichts von Oliver wollte. Er hatte ihn dann nur zum Reden gebraucht, und dabei hätte es hinterher dann gefunkt. Vor der N8-Party hätte er sich noch bei mir gemeldet, aber da bin ich ihm ja zuvorgekommen mit meiner SMS, und da war er dann selbst bratzig und hatte keine Lust mehr, noch mit mir zu reden. So haben wir dann im Endeffekt bis heute kein Wort mehr miteinander gewechselt ... (auf der Party hatte ich beide einfach ignoriert) aber jetzt hatte sich das ganze etwas gelegt und es ging ganz gut.

Es war aber schon schwierig, die beiden am Stammtisch zusammen zu sehen. Sie haben mich auch nicht geschont und sich schon als Paar aufgeführt. Aber ich habe gesagt, da muss ich durch, man kann es nicht ändern, es wird schon gehen.


Tagebucheintrag vom 21. April 2006

Wieder alle möglichen Schwuppen in der Stadt gesehen. Komisches Wetter, warm, gab nur Kopfschmerzen und Müdigkeit. Abends war Gay in May Gottesdienst Treffen. Max schlug vor, dem Verkäufer bei S.Oliver ein Gay in May Programmheft zu bringen und will das tatsächlich morgen machen.


Tagebucheintrag vom 23. April 2006

Gestern fuhr ich mit einem Theologiestudenten zu einem Vorstandstreffen des Kirchenmusikerverbandes, und zeigte ihm mein Buch "Streitfall Liebe, biblische Plädoyers wider die Ausgrenzung homosexueller Menschen". Er war auch dem Thema sehr aufgeschlossen und wusste gut Bescheid. Er hat mich nicht gefragt, ob ich denn schwul sei, aber denkt es sich vielleicht nun. Aus meinen Fragen über seine Lebensplanung entnahm ich aber, dass er sich für hetero hält (ich sehe das anders - wie er mir bei der Bahnfahrt in die Augen lächelte!) und Frau und Kinder haben möchte.

Abends war ich mit Jens im KCM. Ich bin froh, dass ich dort war, da ich endlich mal jemanden sah, mit dem ich schon länger chatte. Leider wusste ich seinen Namen nicht mehr, und traute mich daher nicht, ihn anzusprechen. Wir hatten mal Blickkontakt, aber danach schaute er immer nur in die andere Richtung.

Heute habe ich ihn dann aber angechattet, ihm gleich ein paar Komplimente gemacht, und er freute sich auch darüber, dass ich ihn ansprechen wollte, auch wenn ich es nicht getan hatte. Er ging zwar nicht auf die Frage ein, ob wir mal was trinken gehen wollen, aber er bot an, dass wir uns nächste Woche im KCM unterhalten, er wird wahrscheinlich zur Party kommen. Wir haben dann auch noch nett gechattet, das sieht eigentlich erstmal alles gut aus. Und er ist echt süß.

Max hatte dem Verkäufer bei S.Oliver ein Programmheft gebracht, aber der wusste damit erst nicht so recht was anzufangen und Max konnte sich leider auch nicht länger dort aufhalten. Ist also ungeklärt, ob er schwul ist und ob man ihn mal bei Veranstaltungen sehen wird.


Tagebucheintrag vom 25. April 2006

Ich hab ziemlich starken Heuschnupfen, zum ersten Mal so heftig wie im Moment. Das ist ziemlich ätzend.

Abends hatte ich im con3 Besprechung mit Jens und dem Eigentümer. Wir wollen jeweils am vierten Samstag im geraden Monat die Party wieder machen, also alle zwei Monate. Angefragt war eine CSD-Party, aber das wäre der Freitag vor dem vierten Samstag, und da der CSD hier nicht sehr gut läuft und eher negativ im Kopf der Leute verankert ist, haben wir uns dagegen entschieden, da eine Party zu machen, und starten lieber dann schon die Regelmäßigkeit mit dem Samstag.


Tagebucheintrag vom 28. April 2006

Gestern konnte ich endlich mal Matthias dazu bekommen, zum Stammtisch mitzukommen. Er hatte Urlaub und daher Zeit. Heute hat er sich bedankt und meinte, es hätte ihm gut gefallen, er würde sicher mal wiederkommen.

Am Nebentisch saß einer, der uns die ganze Zeit den Rücken zukehrte und telefonierte, oder vorgab das zu tun. Anhand seiner Sitzhaltung und seiner Bewegungen war er aber doch eindeutig als Tucke zu erkennen. Max hat ihn unten an der Theke mal gegrüßt, als er dort war, und wir haben ihm während dessen oben einen Flyer und ein Gay in May Programmheft auf den Tisch gelegt. Unseren Flyer hat er sogar mitgenommen, aber zur Kontaktaufnahme kam es nicht mehr.

Heute dann klingelte erst zweimal mein Handy und der andere legte direkt wieder auf. Dann bekam ich eine SMS von jemandem, der meinte, ihm sei gestern in der Lagerhalle unser Flyer zugesteckt worden, wer ich denn sei. So kamen wir ins Gespräch, es handelte sich also tatsächlich um den von gestern abend, und ich vermittelte ihm auch Max, der darum bat. Er erinnerte sich auch noch an ihn. Nun wird sich zeigen, ob die sich mal treffen bzw. ob man ihn nächsten Donnerstag wiedersieht. Er arbeitet wohl hier in der Klinik, kommt aber aus Hannover und ist nicht immer hier.


Tagebucheintrag vom 29. April 2006

Vormittags/Mittags war der Gay in May Infostand in der Fußgängerzone (vor Thalia) angesetzt. Ich habe da mitgeholfen, Programmhefte an die Passanten zu verteilen. Sehr lustige Reaktionen teilweise, wenn sie merkten, was das ist, was ich ihnen da geben wollte. Aber viele haben es auch gerne genommen, und so einige Treffer waren auf jeden Fall dabei, wo es tatsächlich Schwule oder Lesben waren (bei den Frauen kann ich es weniger beurteilen). Einer drehte sich noch mehrfach um und konnte sich kaum an uns sattsehen :-)

Abends war ich mit Jens und seinem fast-Freund im KCM. Gefreut hatte ich mich darauf, meiner lange Chatbekanntschaft zu treffen. Als erstes lief mir aber dann derjenige über den Weg, den ich vor drei Wochen auf der Emergency-Party kennengelernt hatte. Das passte mir jetzt garnicht, weil er möglicherweise auch was von mir wollen würde, und ich ignorierte ihn erstmal. Dann sah ich auch mein eigentliches Date, aber er war gerade im Gespräch. Während ich ihn beobachtete, sprach mich dann aber der andere zuerst an. Ich unterhielt mich kurz mit ihm, sagte aber auch, dass ich gerade jemand anders ansprechen wollte, und da ging er erstmal wieder. Als wir dann endlich im Gespräch waren, kam der aber wieder vorbei und es stellte sich heraus, dass die beiden sich auch kannten. Im weiteren Verlauf des Abends standen die häufiger mal zusammen und tanzten zusammen und ich kam an keinen von beiden heran.

Der eine ging dann relativ früh, die Verabschiedung war aber auch nicht irgendwie sonderlich erwähnenswert. So erstmal nicht großes Interesse erkennbar. Dafür habe ich dann um so mehr versucht, mich an den anderen heranzumachen, aber er zickte rum, er ist hier bei seinen Eltern, da wolle er niemanden mit hinnehmen, und sie würden sich Sorgen machen wenn er nicht nach Hause käme, außerdem sei das zu umständlich nach Osnabrück, und er brauche seinen Schlaf. Nichtmal einen Kuss zum Abschied wollte er so recht. Ein Freund meinte aber auch, dass das bei ihm sehr tagesformabhängig sei, wie er drauf ist und sich verhält, das könne einen anderen Tag wieder ganz anders aussehen.


Tagebucheintrag vom 01. Mai 2006

Nachdem ich dann gestern, nach der Party, endlich aus dem Bett gekommen war, gings auf Maitour mit Max und seinem Freund, Frank, und noch einem Paar vom Stammtisch und deren Freundin. Hinterher wurde gegrillt, das Wetter war auch eigentlich die ganze Zeit sehr gut. Unterwegs hatte eine 16jährige Hete Bier abhaben wollen und dank seines Aussehens auch bekommen. Max musste ihn natürlich noch fragen "ein Freund oder dein Freund?", als er meinte, er müsste noch zu einem Freund. Natürlich "ein Freund", und der dürfte auch ohne die Frage gemerkt haben, wen er da vor sich hat, wie einige die ganze Zeit am turteln waren ...

Max erzählte dann jetzt offiziell, dass er bei seinem Freund einziehen will. Der bisherige Mitbewohner zieht spätestens im Juli aus, Max hat seine Wohnung zum 1.8. gekündigt und will im Juli nach und nach rüberziehen. Die Wohnung ist auch wirklich schön dort, nur etwas weit draußen, und kein DSL. Aber das ist für die beiden wohl kein Problem.

Abends gings dann ins N8 zur Gaynight White Edition. Ich hatte ein oder zwei Tage vorher mit einem Berliner gechattet, der momentan hier ist und ein Sexdate suchte. Der war auch auf der Party, aber er hatte sich nicht mehr bei mir gemeldet, und ich habe ihn dort auch nicht angesprochen, ganz so mein Typ war er eigentlich auch nicht.


Tagebucheintrag vom 02. Mai 2006

Bei Gayromeo habe ich einen gefunden, der auch Student ist und jemanden mit ebenso wenigen Erfahrungen sucht wie er selbst. Er kommt mir auch irgendwie entfernt bekannt vor. Ist aber Uni, nicht FH. Mal sehen, ob es zu einem Treffen kommt.

Abends haben Max und ich den "Zaungast" vom Stammtisch letzte Woche getroffen. Wir waren bei Theo, war nett dort.


Tagebucheintrag vom 04. Mai 2006

Bei wunderbarem Wetter konnte ich mich heute Nachmittag endlich mal wieder auf die Wiese am Schölerberg legen. Frisch gewachsenes, noch nicht gemähtes Gras, das war total schön dort. Ging auch mit dem Heuschnupfen, obwohl es recht windig war.

Später haben Jens und ich mit Suse vom con3 das Finanzielle für die Party geklärt. Die Vorbereitungen laufen nun an, damit wir in die nächste Exit kommen und bei Gay in May schon Flyer verteilen können.

Parallel zum Stammtisch lief dann zunächst die Lesung von Rainer Hörmann über sein Buch "Samstag ist ein guter Tag zum Schwulsein". War sehr interessant, und es gab anschließend noch eine Diskussion über die angesprochenen Inhalte. Da war auch Jens wieder in seinem Element bei einigen der Themen. Witzig scheint das Kapitel zu Gayromeo zu sein, da findet man sich doch sehr wieder.

Anschließend gings dann runter, aber etliche waren schon wieder weg vom Stammtisch.


Tagebucheintrag vom 07. Mai 2006

Freitag Abend sehr interessant, die Podiumsdiskussion zur Oberbürgermeister- Wahl mit den Kandidaten über die Lesben- und Schwulenpolitik. Hat doch einiges gezeigt und Meinungen gebildet. Beim Rausgehen grüßte mich jemand, den ich aber nicht zuordnen konnte. Einen Tag später merkte ich dann im Chat, dass es jemand war, den ich noch nie irgendwo erkannt habe, während er mich immer mal sieht. Ich hoffe, er stellt sich auch mal vor, wenn es das nächste Mal zu einer Begegnung kommt. Auf dem Weg zurück fiel mir an der Johanniskirche ein händchenhaltendes Schwulenpaar auf - im Vorbeifahren sah ich dann, dass es zwei waren, die auch bei der Veranstaltung gewesen waren.

Gestern abend hatten wir dann einen Infostand von Gay in May auf der Rosenhof-Party. Ein russischer Gaststudent, ging mehrfach vorbei und schaute so interessiert rüber, dass ich ihn dann ansprach. Er kann kaum Deutsch, aber auf Englisch kann man sich sehr gut unterhalten. Das habe ich dann auch die meiste Zeit getan am Rest des Abends, er ist echt süß und nett, und ich konnte gut mein Englisch trainieren, auch im Hinblick auf die Gäste aus Derby zur Gay in May Gala.

Wir kamen uns im Laufe des Abends (von ihm ausgehend) auch körperlich näher und er wollte mit zu mir nach Hause kommen. So haben wir den Stand eher abgebrochen als eigentlich geplant, weil niemand die Sachen sonst mit nach Hause nehmen wollte, und er hat mir noch Tragen geholfen. Hier sind wir dann auch schnell im Bett gelandet, aber so wirklich schön war es nicht. Er war sehr passiv, finde ich. Vielleicht einfach müde, vielleicht hatte er auch nicht so wirklich Lust, aber andererseits hatte er ja vorgeschlagen, hier mit hinzukommen. Wirklich befriedigend war die Nacht auf jeden Fall nicht. Ich habe ihn heute abend noch angerufen, weil er darum gebeten hatte, da war er aber gerade im Internetcafe. Er will sich morgen abend melden. Zumindest ist er wohl interessiert, in Kontakt zu bleiben. Allerdings kennt er hier auch außer Tammo sonst noch niemanden.

Heute war dann das Gay in May Doppelkopfturnier. Da nur 8 Leute teilnahmen, gab es ziemlich viele Preise für jeden, lauter Gutscheine und sowas. Ich hatte einen mittleren Platz, ca. -15 Punkte.


Tagebucheintrag vom 10. Mai 2006

Nach der Arbeit bin ich noch kurz auf der Wiese am Schölerberg gewesen. Dort lag schon einer, den ich zwar nicht von ganz nah gesehen habe und daher das Alter leider nicht so recht schätzen konnte, aber er schien durchaus attraktiv zu sein. Leider bin ich natürlich nicht bei ihm vorbeigegangen/gefahren, sondern habe Abstand gehalten. Immer diese blöden Konventionen und Werte, mit denen ich großgeworden bin ...

Danach habe ich mit Lars im Schloss das Lied für den Gottesdienst am Sonntag geübt.

Den con3-Partyflyer habe ich nun fertiggestellt und auch auf die Webseite und in mein Profil gestellt.


Tagebucheintrag vom 12. Mai 2006

Gestern beim Gay in May Frühstück im Schwulenreferat kam plötzlich ein alter Kindergartenfreund von mir rein. Auf die Frage, was er denn dort macht, meinte er nur trocken "frühstücken". Ich wollte ihn nicht so direkt fragen und wir haben uns mehr über allgemeines unterhalten (aber auch nur wenig), aber ich habe andere nach ihm befragt, die in letzter Zeit Kontakt mit ihm hatten. Sie wussten aber auch nicht so genau, ob er nun bi oder nur interessiert ist. Rein schwul wohl nicht, da er auch mal ne Freundin hatte. Ich selbst habe seit dem Kindergarten eigentlich nicht mehr richtig mit ihm zutun gehabt.

Ansonsten war einer da, den Frank und ich beide erst für eine Frau gehalten hatten, bis er meinte, er hätte ein Gayromeo-Profil. Anfangs außerdem ein paar Schüler, die eine Befragung für ein Referat machen wollten. Der russische Gast war auch da, will weiterhin mal mit wenn ich Orgel spiele, aber ich habe da erstmal nichts genaues zu gesagt, irgendwie muss das nicht sein. Es kommt mir so vor, als ob er nur die Leute zu seinem Vorteil ausnutzt, wie auch in der Samstagnacht.

Nach dem Frühstück habe ich die Regenbogenflaggen vom Rathaus abgeholt und war dann mit Ben auf der Wiese am Schölerberg. Danach war Stammtisch, vor den anderen traf ich allerdings erstmal zwei Kommilitonen, die ich von der Projektwoche vor einem halben Jahr her kenne. Denen habe ich aber nicht gesagt, wo ich hinwollte, nur dass ich Freunde treffe. Wir saßen dann draußen, und Flo war sogar dabei, obwohl er direkt von der Arbeit kam. In der Lagerhalle war das European Media Art Festival (EMAF) und es liefen immer so einige interessante Jungs vorbei. Später auf Toilette unterhielten ein anderer und ich uns am Waschbecken, da lief ein süßer Kerl vorbei, und wir beide guckten dem nach. Der andere kam ins stottern und meinte "ich bin sprachlos". Wir sahen den Typen dann wieder, als der Filmblock zu Gay in May begann. Möglicherweise ist er sogar schwul. Er war da mit einer Gruppe von fränkisch sprechenden jungen Leuten, die wohl zum EMAF zu Besuch waren. Der Filmblock selbst war sehr komisch, mit den meisten Kurzfilmen konnten wir nichts anfangen bzw. uns nur über den Unsinn amüsieren. Wir sind wohl doch nicht so das angesprochene Publikum des EMAF, fürchte ich.


Tagebucheintrag vom 14. Mai 2006

Gestern nachmittag gab es noch ein Treffen zur Probe einiger Sachen für den Gay in May Gottesdienst. Das Lied "Somebody" von Depeche Mode mit Wiebke aus dem Taktlos-Chor scheiterte erst einmal daran, dass wir unterschiedliche Vorstellungen vom Schluss hatten, aber wir haben dann noch eine Lösung gefunden, die wir heute nochmal kurz vorher ausprobiert haben, und so ging es dann gut. Das Lied mit Lars hat schön geklappt.

Gestern abend hatte Flo dann Kopfschmerzen, Frank sich erkältet und Jens und sein Freund wollten einen ruhigen Abend machen. Letztlich bin ich dann alleine nach Münster zur Emergency-Party gefahren. Ben kam später auch noch, und es hat auch so Spaß gemacht.

Heute vor und nach dem Gottesdienst musste ich noch jemandem sein Notebook in Ordnung bringen, er hatte sich sein Windows zerschossen.

Der Gottesdienst selbst war sehr gelungen und schön. Eine aus unserem Team hat Mama zum Muttertag ein Buch über lesbische Frauen geschenkt, weil sie sie so toll findet und Mama wohl gesagt hatte, sie kennt gar keine Lesben.


Tagebucheintrag vom 17. Mai 2006

Montag in der Zahnklinik war die Behandlung wieder ziemlich anstrengend und schmerhaft. Aber es liefen einige interessante Studenten dort herum, einen halte ich nach wie vor für schwul.

In der FH war noch was lustiges: Vor mir ging jemand ins Klo, mit einem Gay in May Programmheft in der Hand. Seine Kommilitonen, die weitergingen, redeten dann: "Jetzt geht der mit dem Gay in May Heft da rein, und nachher ist da einer, der denkt dann .... ahhh" oder so ähnlich. Ich überlegte, ob ich einen Spruch machen soll, aber habe es dann gelassen. Bin dem anderen auch nicht hinterhergegangen, war nicht so interessant und dem Gerede der anderen nach wohl vielleicht auch eine Hete.

Heute abend nach der Arbeit bin ich bei Ben gewesen. Wir haben erst an einem Teich in seiner Nähe Fotos von mir gemacht, wozu ich ein rotes und ein schwarzes Oberteil von ihm anzog, weil das gut wirkte. Dann rief sein Sohn an und Ben musste da erst hin: Der hatte sich beim Onanieren am Penis verletzt und das blutete noch. Ben hat sich ganz gut darüber amüsiert. Das dauerte aber nicht lange, so dass Ben mich, nachdem ich noch nicht weit gefahren war, anrief, dass er gleich wieder zuhause sei. So konnte ich noch nach seinem PC gucken und mit ihm das geplante Abendessen verwirklichen.


Tagebucheintrag vom 19. Mai 2006

Gestern abend war ich bei der Gay in May Veranstaltung zum Coming Out und Leben als Schwuler/Lesbe mit Behinderung, von Lambda. Das war sehr interessant, da waren eine Reihe Gehörloser und ein Gebärdendolmetscher, und da wurde noch lebhaft diskutiert.

Ein Student hat aus einem Rechnerpool der FH in mein Gästebuch auf meiner privaten Homepage geschrieben: "Du bist schwul? Schäm dich". Hätte ich eigentlich von einem Studenten eher weniger erwartet sowas ... Wer es war, weiß ich natürlich nicht.

Meine neuen Bilder von Mittwoch kommen gut an, ich habe eine ganze Menge Besucher und auch einzelne Fußtapsen. Bisher aber kein Interessanter dabeigewesen.


Tagebucheintrag vom 21. Mai 2006

Die Gaynight gestern war für mich schön billig. Ich hatte vorher Gay in May Materialien hingebracht und dabei schon kostenlos einen Stempel erhalten. Da ich auch nicht so lange da war, weil alle anderen auch früh gingen und ich ziemlich erkältet bin, hatte ich nachher nur 2,50 Euro bezahlt.

Von Flo hab ich mal wieder das ganze Wochenende nichts gehört, er war nicht im N8.

Mit dem Studenten, der ein Date mit einem anderen Unerfahrenen suchte, hab ich endlich mal wieder gechattet. Er muss noch etwas auftauen und traut sich noch nicht so recht, hat aber viel erzählt, z.B. dass er bi ist und vorher eine lange Beziehung zu einer Frau hatte.

Heute habe ich erfahren, wen ich kommendes Wochenende von den Engländern hier aufnehmen werde. Es ist ein Gay Single, aber aus dem Namen kann ich kein Alter ableiten. Muss ich mich überraschen lassen, ob er für mich interessant ist, ein richtiges blind date. Erst hatte Sebastian mich damit geschockt, dass er irrtümlicherweise in der Mail geschrieben hatte, ich würde den Busfahrer und seinen Mann beherbergen. Aber ich kann ja ohnehin nur einen unterbringen.


Tagebucheintrag vom 24. Mai 2006

So, der Großteil der Wohnung ist geputzt und aufgeräumt, für den Besuch des Engländers am Freitag. Die Flyer für die con3-Party sind fertig, ich hab gestern beim CCC-Treff schon welche im Haus der Jugend ausgelegt, und in der Uni natürlich auch. Auf dem Weg dorthin hatte ich zwei schwule Bekannte getroffen, aber nur im Vorbeifahren Hallo gesagt. Sie haben auch nicht großartig reagiert. Auf dem Rückweg überholte ich dann noch einen von den Aidshilfe-Ehrenamtlern und wir haben ein paar Worte gewechselt.


Tagebucheintrag vom 25. Mai 2006

Heute habe ich noch den Rest geputzt, Bett bezogen, und bin dann abends zum Essen mit den Franzosen gegangen. Das war im Fricke Blöcks, was mir aber nicht so klar war, da ich eigentlich vom Unicum ausging. So bin ich vom Unicum, wo niemand war, über die Lagerhalle zum Fricke gefahren, wo ich die anderen dann fand. Die Franzosen können teilweise Deutsch und Englisch, was sehr gut ist, da ich mich auf Französisch überhaupt nicht mehr verständigen kann.

Irgendwie ist mir wohl was an einem Zahn abgebrochen, da habe ich jetzt Schmerzen. Muss ich morgen leider erstmal zum Zahnarzt, ich sehe zu dass ich da direkt um 8 Uhr bin, dann schaffe ich es hoffentlich noch zu 10 Uhr ins Stadtgalleriecafe zum Brunch. Wenn ich da etwas später komme, ist sicher auch nicht schlimm. Die Verteilung der Engländer soll ohnehin dort stattfinden und nicht schon am Dom, wo sie mit dem Bus ankommen.

Letzte Nacht hatte ich einen interessanten Traum: Ich kam an meinem alten Gymnasium zu ein paar Jungs aus meinem alten Jahrgang, und zwei davon wollten, dass ich sie küsse, was sie dann auch richtig mit Zunge zuließen. Ich weiß leider nicht mehr genau, wer sie waren, es müssen nichtmal wirklich welche aus dem Abijahrgang gewesen sein, sondern vielleicht auch Kommilitonen von jetzt, die im Traum aber dazu gehörten. Es war auf jeden Fall ein total schönes Gefühl, dass sie wussten, dass ich schwul bin, und wohl selbst auch zumindest etwas bi waren, dass sie wollten, dass ich sie küsste.


Tagebucheintrag vom 28. Mai 2006

Freitag hatte ich erst einmal eine Zahnarzt-Odyssee zu überstehen: Mein normaler Zahnarzt war nicht da, kein Aushang, keine Info, nichts. Ich bin dann zu einer Zahnärztin am Rosenplatz gegangen, die meinte, das ginge aber nicht, dass der keine Vertretung aushängt, denn eigentlich müsste ich dort dann hingehen. Aber da niemand wusste, wer Vertretung macht, und ich Schmerzen hatte, hat sie mich behandelt, was recht schmerzhaft war, weil ich keine Betäubung haben wollte, um noch zum Frühstück gehen zu können.

Dann eilte ich zum Frühstück, aber die Engländer waren noch garnicht da und wir saßen dort erst einmal nur mit den Franzosen. Gegen Mittag kamen die Engländer endlich an, und ich war erst einmal negativ überrascht, wie alt die alle waren. Nur zwei Jüngere waren dabei, davon einer recht tuntig und gutaussehend. Da es weniger als erwartet waren, wurde eine neue Zuteilung gemacht, und ich bekam einen 39jährigen Gärtner namens David. Der war sehr nett und lieb und wir sind das Wochenende gut ausgekommen. Mein zuerst zugewiesener wäre wohl auch okay gewesen, aber der war auch recht tuntig und ausgefallener. Auf jeden Fall wohl im selben Alter etwa wie David.

Der interessante jüngere hieß Alastair und ist zusammen mit einem Freund bei einem anderen untergekommen. Abends in der Lagerhalle beklagte er sich allerdings über den und wollte ins Hotel ziehen. Es ergab sich, dass (da ich schon geäußert hatte, dass er mir gefiel) mir ein Tausch von David und Alastair angeboten wurde. Aber der Freund von Alastair hat auf ihn eingeredet und ihm das wohl ausgeredet. Ich hätte ihn gerne genommen, das hätte eine interessante Nacht (oder zwei?) werden können. Ich habe Alastir mit Brian aus Queer as Folk verglichen. Zwar heißen die in der britischen Version anders, aber er wusste sofort wen ich meine und sagte, das würden alle sagen, er würd das garnicht verstehen. In jedem Satz kamen drei "fuck" vor und er ist wahrscheinlich auch so ein Betthüpfer. Zumindest fragte der Freund mich "do you fuck on the first date?" und schaute aufmunternt zu Alastair, als ich sagte "sometimes". Später bei Theo meinte der allerdings noch, er würde keine Nummern von anderen annehmen, nur selbst seine geben, und vielleicht würde er den Tag danach tauschen wollen, wenn er keinen besseren finden würde. Sebastian fand das schon wieder unmöglich, aber mich hat das eher belustigt, es passte einfach so gut ins Bild.

Das Konzert mit den Franzosen war total schön. Die waren auch interessanter anzuschauen als die Engländer, irgendwie. Und schöne Musik.

Samstag hab ich wegen schlechten Wetters nachmittags mit David Sommersturm geguckt und ihm zwischendurch erklärt, was vor sich geht, weil er das Deutsche schlecht verstand. Der Film hat ihm gut gefallen. Abends gings dann zur Gala, nachdem ich nachmittags noch rumtelefoniert hatte, weil die DJane für den Saal unten sich krankgemeldet hatte. Martina bat mich, unseren DJ aus dem con3 zu fragen, hat dann aber, bevor der mit seinen Freunden klären konnte, ob er kann, schon einen von den Tiefenrausch-Leuten engagiert, der aber meiner Meinung nach nicht so gut war. Am Anfang kam Funk und Soul, das war okay, aber auf Dauer wär das wohl zu eintönig gewesen. Er hat dann auch Schlager und Pop einfließen lassen, aber schlecht gemixt, und teilweise hörte ich auch Klagen, dass es zu lahm war. Ich war die meiste Zeit oben, wo Minimal/Electro kam. Für Christian, Frank und mich toll, aber es war dort sehr leer, sehr viele riss das nicht vom Hocker.

Seit langem habe ich in der Lagerhalle auch mal wieder einen Bekannten getroffen, der vor einiger Zeit nach Kiel gezogen war und das Wochenende in der Heimat war. Wir haben uns nett unterhalten. Von Flo habe ich leider das ganze Wochenende garnichts gehört. Der Sound im Spitzboden wäre für ihn auch gut gewesen.

Heute habe ich David noch die Uni und den botanischen Garten gezeigt, dann gings in die Lagerhalle zum Café Rosé mit dem Sänger Renée, der wirklich gut war. Anfangs gab es Irritationen, weil Martina krank war (später aber trotzdem dazustieß) und einiges den anderen Mitarbeiten unklar war. Das führte dazu, dass sein Manager (der auch die Gaynights veranstaltet) bei mir anrief und sich etwas darüber beklagte. 5 Minuten vor Ende der Show sagte mir einer aus dem Team, dass ich just dafür auserkoren wurde, die Blumen zu überreichen. Naja, ich hoffe, dass ich keine allzu schlechte Figur dabei gemacht habe. Anschließend haben die Engländer noch das Mikrofon ergriffen, sich bei uns bedankt, Marvin musste noch was sagen, und dann ging es an den Aufbruch. Wenigstens bekam ich noch Küsse auf die Wangen von Alastair, aber die bekamen andere auch.


Tagebucheintrag vom 02. Juni 2006

Mittwoch war Nachtreffen des Queer Gottesdienstkreises. Bernd berichtete, dass er unsicher geworden war, weil er keine richtige Beauftragung hatte, als Homosexuellenpastor aufzutreten. Daher hat er sich nun bei seiner Vorgesetzten rückversichert und sie will ihn wohl offiziell beauftragen. Er war sich nur noch nicht sicher, ob das gut ist, für seinen beruflichen Werdegang. Aber er möchte auch seinen Freund nicht verstecken, insofern spielt es keine Rolle. Nur in der Schule ist er sich noch nicht so sicher, was das für Kreise dort zieht. Schüler vermuten es bei ihm aber schon manchmal und er geht da sehr cool mit um. Er ist Schulbeauftragter und meinte, er würde dadurch ja nun zum Sch(w)ulbeauftragten :-)

Gestern beim Stammtisch waren nur wenige Leute, bzw. sie gingen alle sehr früh. Ein neuer war dabei, den Ben auf der Gala kennengelernt hatte.

Ingo hat mir Fotos vom Wochenende gebrannt, auf denen die Engländer und Franzosen gut zu sehen sind. Sind einige sehr schöne und andere recht witzige dabei.

In der os-community hat einer in mein Gästebuch geschrieben, der kam mir gleich bekannt vor und ich habe ihn dann auch bei Gayromeo wiedergefunden. Hauptsächlich kam ich darauf, dort zu suchen, weil er jemand anderen verlinkt hat, bei dem ich sofort wusste, dass ich ihn aus Gayromeo kenne.


Tagebucheintrag vom 05. Juni 2006

Ich war gerade mit Jens und Simon Flyer verteilen. War sehr lustig. Wir waren im "Treppchen", wirklich komischer Laden. Aber kein Verließ, wie schonmal jemand sagte. Und Jens dann beim Bezahlen voll die Schote gebracht: "Weshalb wir eigentlich hier sind: Dürfen wir Flyer auslegen?" Ist ihm dann aber selbst hinterher aufgegangen, dass das wohl nicht so höflich formuliert war *grins*

Als wir dann unten die Räder losschlossen und wieder ablegten, schaute die ganze Zeit ein süßer Kerl rüber und hinter uns her. Leider fuhren die beiden weiter, ich konnte da nicht hin und ihn mir aus der Nähe angucken ;-(

Dann waren wir im Mens Life. Keiner von uns war da vorher dringewesen, und zumindest ich mochte da immer kaum allein reingehen. Dann waren wir zu dritt drin und keiner konnte sich so recht aufraffen, wieder rauszugehen, alle waren wir am Gucken nach den schönen Bildern auf den DVDs und Zeitschriften ...

War schon ein witziger Abend!

Ich bekomm jetzt irgendwie immer öfter Sexangebote. Heute von einem Münsteraner, nur heute hätte ich nicht gekonnt, mal sehen, ob das nochmal zustande kommt. Ein anderer, der Sex da stehen hatte, chattete mich auch an, aber hat letztlich nicht gefragt, sondern nur so etwas allgemein herumgeredet, dass er im Rosenhof an der Cocktailbar bedient und ich doch bei der nächsten Party mal vorbeikommen soll, und dann ging es noch um die Disco Boys, da möchte er auch hin.


Tagebucheintrag vom 09. Juni 2006

Heute am späten Nachmittag war ich auf der Wiese am Schölerberg, und weil es so schön war und ich gern Gesellschaft gehabt hätte, schrieb ich Ben eine SMS, wie schön es dort sei. Er war gerade in Oesede und kam glatt vorbei, und wir haben erstmal gepicknickt und er hat meine Verspannungen behandelt. Abends bin ich dann in die Aura gefahren, wo Flo schon mit zwei Freunden war. Es war aber insgesamt nicht so viel los. Allerdings viele süße Kerle, aber wohl alle hetero, zumindest sprang keiner so recht auf uns an. Dafür tanzte mich eine Frau ziemlich penetrant an, hat es dann aber auch glücklicherweise schnell wieder aufgegeben.


Tagebucheintrag vom 10. Juni 2006

Ich übernachte heute bei meinen Eltern. Vorhin beim Spazierengehen im Wald - es war traumhaftes Wetter, total schön, auch lauter tolle Gerüche - kamen wieder die alten Hoffnungen auf, dort zufällig einen hübschen jungen Mann zu treffen, ihn vielleicht zu küssen, sich auf jeden Fall näher zu kommen. Das sind Phantasien, die ich bei langen Spaziergängen während meines Liebeskummers wegen Ulf vor zwei Jahren schon hatte. Hier kommt das leicht wieder hoch


Tagebucheintrag vom 16. Juni 2006

Heute habe ich fast bereut, so selten in Managementmethoden gewesen zu sein in diesem Semester: Da waren so schnuckelige Jungs, vor allem einer hat mir total gefallen. Aber sicher wieder alles Heten, waren wohl vor allem E-Techniker. Morgen steht die Klausur an.

Momentan merke ich, dass ich mich wieder sehr stark nach potentiellen Partnern umschaue und häufiger einen solchen vermisse. Beim Spazierengehen oder durch die Stadt gehen hoffe ich immer, dass mir an der nächsten Ecke der Traumprinz begegnet und man irgendwie in Kontakt kommt.

Morgen gehts erstmal mit Flo nach Münster zu den Discoboys.


Tagebucheintrag vom 21. Juni 2006

Bei den Discoboys wars ziemlich cool, auch viele Schnitten, wenn auch wohl überwiegend Hetero. Da am Hafen ists wirklich schön, auch morgens dann im Hellen zurückzugehen.

Eigentlich wollte ich morgen in der Mensa Flyer für die con3-Party verteilen, aber das wurde mir nicht erlaubt. Das sei studentischen Sachen vorbehalten, und kommerzielle wollten sie da nicht haben.

Heute im Büro in Telgte hatte ich das starke Gefühl, dass ein neuer Kollege schwul ist - vermutet hatte ich das eh schon, seit ich ihn das erste mal sah. Er kam zum Drucken rüber, sagte irgendwas wie "ich verbrauch mal wieder euer Papier" und grinste mich dabei so an und schaute mir in die Augen ... ich müsste mich schon sehr täuschen.


Tagebucheintrag vom 25. Juni 2006

Gestern war die con3-Party. Wie immer hat sich das con3 wieder gut für neue Begegnungen geeignet: Der Freund vom DJ steckte mir, dass ich Dirk, einem Freund von ihm, schon beim Reinkommen (ich hatte Eintritt kassiert) aufgefallen war und der mich wohl ganz gut aussehend fände. Ich konnte das selbe über Dirk ebenfalls sagen, und er hat uns dann mehr oder weniger bekannt gemacht. Dirk schien aber erst noch etwas scheu und mochte noch nicht so recht mit mir reden. Bens Tipp, ihm was zu trinken auszugeben, hat dann aber gut geholfen, und so kamen wir gut ins Gespräch. Er ist echt süß, und wurde auch im Laufe des Abends offener. Er hatte aber auch schon einiges getrunken.

Als wir die Party beendeten, fuhren der DJ und sein Freund nach Hause und überließen Dirk sozusagen meiner Obhut. Erst wollte er noch was Essen und dann zu der Wohnung eines Bekannten, wo er schlafen wollte, aber wir sind dann erstmal zu mir nach Hause, weil ich ihn im Zweifel im Auto hingebracht hätte. Schließlich entschied er sich, bei mir zu bleiben, und wir knutschten erstmal etwas herum, um dann ins Bett zu gehen. Dann folgte das für ihn bisher längste (aber geile) Vorspiel und ich habe einige schöne Sachen das erste Mal ausprobieren können.

Irgendwie gings uns dann aber morgens beiden nicht so gut, ich hatte Kopfschmerzen und Verspannungen, und ihm lag noch der Alkohol im Magen. Es war aber auch furchtbar schwüles Wetter. Nach einem Frühstück habe ich ihn dann zur Bremer Straße gebracht, wo er sich mit dem Bekannten treffen wollte, bei dem er eigentlich übernachten wollte. Der war dort bei seinem Ex oder so zum Frühstück. Zum Abschied gab es noch einen schönen Kuss. Es wird zwar wohl fast zwei Wochen dauern, bis wir uns wiedersehen können, aber es klang so, als ob es dazu kommen wird. Ich hoffe mal das beste.

Auch mit einem anderen bin ich durch das Eintritt Nehmen in Kontakt gekommen: ein 19jähriger aus Damme, der noch Probleme mit dem Coming Out hat. Frank hatte ihm schon die Herzrasen-Broschüre gegeben, und ein Freund von ihm hatte mich dann von dem Foto wiedererkannt, als sie gingen. Ich hatte dem 19jährigen aber ohnehin unseren Stammtischflyer zugesteckt, und so wieß ich dann noch einmal darauf hin, dass er mich gerne ansprechen könnte, Kontaktdaten stünden auf dem Flyer. Er fragte noch, ob ich aus Osnabrück komme und wie alt ich sei. Naja, mal sehen ob ich von dem noch was höre. Er war auch etwas überrannt von der ganzen Aufmerksamkeit. War wohl seine erste Szeneparty gewesen.


Tagebucheintrag vom 28. Juni 2006

Dirk erzählte Montag im Chat, dass die erste Frage seitens des "Kupplers" am Sonntag abend war, wie die Nacht war. Auch der DJ sprach mich gestern drauf an, aber er hatte dann wohl schon über seinen Freund was gehört gehabt und fragte nicht genauer nach.

Momentan denke ich öfter an Dirk. Ich glaube, falls es zu einem weiteren Treffen kommt, werde ich mich spätestens da so richtig in ihn verknallen. Momentan habe ich aber auch schon Gefühle. Naja, ich muss das Risiko eingehen - ich denke aber auch mal, dass ich, falls es zu einem zweiten Date kommt, schon merken werde, was von ihm zurückkommt. Gerade habe ich ihn auch wieder im Chat, aber da kann ich das schlecht einschätzen. Momentan ist er in Kiel in einer Akademie.

Nachtrag: Jetzt kam das Gespräch doch gerade noch auf unsere "Zukunft":

"ich will schon ehrlich zu dir sein...

Ich bin mir momentan nicht ganz sicher, was ich überhaupt will. Ich glaub, ich könnte zur Zeit auch keine Beziehung führen, frag mich nicht warum. Das hat auch nichts mit dir zu tun; denk halt momentan sehr viel über mich selbst nach und was ich eigentlich will.

Ich hoffe, du verstehst das und bist jetzt nicht allzu enttäuscht? Konzentriere dich mal lieber auf die Prüfung, das ist jetzt erstmal wichtiger, oder? :)"

Ich habe ihm dann eine Freundschaft vorgeschlagen, bei der auch Sex möglich ist, und geschrieben, dass ich hoffte, dass er sowas nicht grundsätzlich ausschließt (wie ja z.B. Matthias). Seine Antwort:

"nee, nee so spießig bin ich dann doch nicht... *g* wir bleiben im Kontakt, okay? Vielleicht klappt es ja am 7.07.06, dass du mal bei mir vorbei schaust.

So, muss jetzt aber wirklich in die Kiste, sonst krieg ich noch vom Hausmeister nen Anschiss..."

Bleibt mir einfach nur zu warten. Auf jeden Fall darf ich ihn ja besuchen, das ist ein Hoffnungsschimmer. Er wird dann sicherlich auch nicht abgeneigt sein, mit mir ins Bett zu gehen. Und vielleicht entwickelt er dann ja auch selbst Gefühle und will dann doch eine Beziehung - es wird sich zeigen.


Tagebucheintrag vom 03. Juli 2006

Samstag war Party im Rosenhof, war gut und viele Schnuckels dort. Freitag hatte ich mich mit Frank und Flo bei Max getroffen, der noch ein letztes Mal in seine alte Wohnung einladen wollte. Flo hat wieder viel Stress durch seine Eltern, die einen regelrechten Psychokrieg führen, möchte aber seine Mutter nicht damit allein lassen, da sie nicht damit klarkäme. Daher will er auch noch nicht ausziehen. Aber er zerstört eigentlich sein Sozialleben damit, weil er es z.B. nie zum Stammtisch schafft, weil der so genervt ist von den Sachen zuhause.

Gestern nachmittag fingen bei mir Gliederschmerzen an, abends hatte ich auch Fieber. Heute morgen war das wieder etwas besser, und ich habe mich mit Aspirin zur Klausur "Wissensbasierte Systeme" geschleppt, die auch ganz gut lief. Gesund bin ich aber noch nicht wieder.

Gerade war Dirk online und meinte, er kann noch nicht versprechen, dass es Freitag klappt, weil er vielleicht seinem Bruder auf dem Bau helfen müsse. Aber er sagt, wir sollten erstmal davon ausgehen, dass es geht. Ich muss immer noch häufig an ihn denken, und als ich gestern ziemlich krank im Bett lag, hätte ich ihn sehr gerne an meiner Seite gehabt. Ich hoffe, dass es Freitag klappt, oder sonst am Sonntag oder so. Samstag läd FLo zum Geburtstag zum Grillen ein.


Tagebucheintrag vom 09. Juli 2006

Mit Dirk wurde es jetzt schon aus anderen Gründen vorerst noch nichts: Weil eine vom letzten Donnerstag stammende Wunde am Knie nicht besser, sondern eher schlimmer wurde, bin ich Dienstag zur Notaufnahme des Franziskus-Hospitals am Harderberg gefahren, wo dann eine Entzündung der Wunde sowie Blutvergiftung festgestellt wurden. Ich sollte gleich dableiben und habe nur noch kurz meine Sachen geholt und ein paar Leute informiert.

Samstag wurde ich endlich entlassen, habe dadurch also den Stammtisch und das geplante Date mit Dirk verpasst. Dirk musste aber wohl ohnehin auf dem Bau helfen, hätte also vermutlich auch sonst nicht geklappt. Beim Stammtisch waren zwei neue, wie ich hörte, ein netter 21jähriger, sein erster Szenebesuch, recht zurückhaltend und möglicherweise verschreckt durch ein paar etwas lebhaftere Leute.

Dirk hat am nächsten Wochenende keine Zeit, ich an dem darauf nicht. Vielleicht klappt es Donnerstag, dann könnte ich wieder nicht zum Stammtisch. Das wäre es mir aber auf jeden Fall wert, man muss Prioritäten setzen!

In den letzten Tagen haben mich gleich zwei Leser meines Tagebuchs angemailt, der eine wegen einer Frage zu den Mattenjahren, der andere mit der Frage, wann es bei mir denn mit einer Fortsetzung weiterginge. Jetzt hab ich Semesterferien, da werd ich das in den nächsten Tagen wohl mal schaffen.

Flos Geburtstag gestern war schön. Wir haben draußen im Garten gegrillt,


Tagebucheintrag vom 11. Juli 2006

Heute abend war Gay in May Nachtreffen mit Grillen bei Josef. War sehr gemütlich dort im Garten, und leckeres Essen.

Ziemlich enttäuscht bin ich, weil Dirk den Donnerstag doch wieder abgesagt hat. Die Freundin, die Geburtstag hat, will doch feiern, und er könne ihr das nicht absagen, sei ne sehr gute Freundin. Aber er hat sich entschuldigt und gefragt ob ich böse sei, das fand ich sehr nett. Trotzdem würd ich ihn gerne so bald wie möglich wiedersehen. Ob es nächste Woche klappt, wollte er so direkt auch noch nicht zusagen. Wir könnten Anfang der Woche drüber sprechen.

Vielleicht muss ich mir doch erst noch ein anderes Date suchen. Ben meint, das wär nicht schlecht, das würd helfen, ihn etwas aus dem Kopf zu kriegen und entspannter zu sein.


Tagebucheintrag vom 12. Juli 2006

Mittags war ich bei S.Oliver einkaufen, um meinen Gutschein vom Gay in May Doppelkopfturnier einzulösen. Natürlich war wieder der (sicherlich schwule) junge Verkäufer dort, und beim Bezahlen war er sehr nett zu mir, hat den Gutschein noch eingelöst, obwohl schon abgelaufen, und mir noch eine Flasche Eistee dazugegeben. Im Nachhinein dachte ich dann so, eigentlich müsste man ihm doch mal eine Telefonnummer zustecken. Und je mehr ich darüber nachdachte (und da ich ihn nicht im Internet fand), dachte ich: "Das machst du jetzt einfach mal". Irgendwie hatte ich den Drang, da jetzt wirklich hinzugehen, einfach der Aktion wegen, unabhängig davon, ob das nun sehr vielversprechend schiene oder nicht.

Ich fand noch so eine gaypeople.de Datingcard, auf der ich angekreuzt habe "Lust auf mich [x] beim Kaffee?" und das leere "sonstiges"-Feld mit "bei Langeweile" ausgefüllt habe, und dann meine Namen und Nummer eingetragen. Dann ging ich nochmal hin, wartete, bis Kundschaft weg war und er am Klamotten sortieren war, und sagte "ich wollte dir noch was geben, weil du mich so nett bedient hast" und drückte ihm die Karte in die Hand. Er hat etwas sparsam geschaut, und weil ich mich zum Gehen wandte, sagte er dann nur noch "Danke" und "Tschüss". Ableiten kann ich da jetzt erstmal nichts draus, man muss es abwarten. Er wird wohl sehr überrumpelt gewesen sein.


Tagebucheintrag vom 13. Juli 2006

Gestern abend war ich noch mit Ben im Schloss beim Konzert "Dido and Aeneas" vom Unichor, bei dem auch Lars mitsang. Die eine oder andere Schnitte war da auch durchaus dabei.

Heute in der Mensa traf ich gleich einen Bekannten vom Stammtisch. Danach habe ich mich für die CCNA-Prüfung angemeldet, die ich dann nächsten Dienstag machen werde.

Mit einem Grevener ergab sich noch ein Date für morgen Mittag in einem Grevener Eiscafe, und einen anderen will ich Samstag vor der N8-Party treffen. Bin mal gespannt auf beide.

Beim Stammtisch waren die Neuen von letzter Woche wieder dabei. Ich habe mich nachher noch viel mit dem stilleren unterhalten, der mich in mancher Hinsicht stark an mich früher erinnert. Vom Werdegang her durchaus in meiner Richtung, obwohl er schon immer weiß, dass er schwul ist. Geoutet hat er sich noch nirgendwo. Er braucht definitiv Leute zum Reden, das merkte man sehr stark. Er will wohl auch Samstag zur Gaynight gehen, da sehe ich ihn dann wieder. Was mich auch sehr beeindruckte und an mich erinnerte, ist sein strenges Verfolgen und Durchziehen eines einmal gefassten Plans. So wie ich mein Coming Out und meine Entwicklung mehr oder weniger geplant und dann entsprechend durchgezogen habe, macht er das auch. Er wollte zum Stammtisch, also ging er auch hin. Da gab es dann kein Zaudern und erstmal dran vorbeilaufen und wieder wegfahren, dazu wäre auch sein Weg zu weit. Und genauso bleibt er nun auch dabei, trotz Anlaufschwierigkeiten. Und er scheint sich auch wirklich darauf gefreut zu haben, wieder hinzugehen. Er berichtete von einem Gefühl in der Brust. Beengend, aber ich vermute auch etwas wie Verliebtsein, ihm gefällt was er da neu erlebt und möchte mehr davon. Ich kann das sehr gut nachvollziehen.


Tagebucheintrag vom 14. Juli 2006

Der Grevener war nett, aber hat mich noch nicht so vom Hocker gerissen. Wäre aber sicher eine gute Partie, er hat eine Eigentumswohnung, ein tolles Auto und noble Einrichtung. Und er scheint ziemlich auf mich abzufahren. Witzig war dann eher, dass das Eiscafe nur ein paar Häuser vom 1 Euro Shop, wo Marvin arbeitet, und davon gegenüber der Laden der Eltern seines Freundes ist. Der half gerade den Eltern und war daher draußen. Er meinte, er hätte gedacht, er sehe ein Phantom. Marvin haben wir auch noch kurz im Laden besucht. Auf der Hinfahrt nach Greven hatte ich von der Autobahn ab auch schon ein Auto mit Regenbogenaufkleber vor mir. Greven ist doch sehr warm.

Jetzt freue ich mich auf das Date morgen und den anschließenden Besuch der Gaynight im N8. Er erzählte mir heute, dass er auch wahnsinniges Glück mit 16 Jahren hatte, mit seinem Angebeteten allein auf dem Zimmer zu sein bei einer Klassenfahrt, und dass die beiden dann auhc noch zueinander fanden, sich gegenseitig gestanden, schwul zu sein, und dann gleich dort Sex hatten. Wahnsinnig, ich kann das nicht fassen. Wie leicht es manche haben!


Tagebucheintrag vom 15. Juli 2006

Mein Date musste wegen Krankheit leider absagen, und so ging ich allein ins N8. Dort war Meiky schon mit dem neuen vom Stammtisch. Die Party war ziemlich schlecht besucht, angesichts des Wetters und des Kölner CSDs. Ein süßer war dort, der an der Kasse stand und später aber auch mal tanzte, aber er hat mich nicht weiter groß beachtet, selbst als ich ging und er auf der Treppe saß, hat er mir nicht hinterhergeguckt. Dafür sprach mich dann ein Münsteraner an, der noch auf seinen Zug ein paar Stunden später warten musste, verwickelte mich in ein Gespräch und fragte mehrfach, ob ich nicht noch Lust auf Sex hätte. War aber nicht mein Typ und auch ein wenig komisch, da hatte ich jetzt keine Lust drauf. (Grundsätzlich schon, aber nicht mit dem).


Tagebucheintrag vom 16. Juli 2006

Letzte Nacht, als ich schon im Bett war, schrieb mich noch der DJ aus der kleinen (Rosenstolz-)Area an, der mich von der Party her wiedererkannt hatte. Beim Chat heute stellte sich heraus, dass er selbst einer der Veranstalter der Party ist. Wir haben nett gechattet. Zu dem am Eingang hat er nur gesagt, dass er das erste mal für sie gearbeitet hätte und auch aus Hannover kommt.

Flo hat auf dem CSD in Köln irgendeinen kennengelernt und meint, sie würden sich wiedersehen. Aber wenn der nicht gerade aus Osnabrück kommt, bezweifele ich das doch sehr stark.

Bei os-community.de im Gästebuch eines anderen Studenten fand ich ein Foto mit zwei total süßen Typen, die sich aneinanderlehnen. Er hat meinen Gästebucheintrag dazu aber sofort gelöscht, und meinte auf Nachfrage, die seien hetero. Das Löschen hätte nichts damit zu tun, ob er ein Problem damit hätte, der Eintrag hätte ihm nur einfach nicht gepasst. Find ich echt schade.


Tagebucheintrag vom 17. Juli 2006

Ich hatte mal wieder Kontakt zu Dirk, der versucht, dass wir uns Sonntag sehen können, wenn ich von einem Wochenende in Süddeutschland wiederkomme. Er scheint ehrlich dran interessiert zu sein, dass das mal klappt. Flo meint, der klingt wie er selbst. Also wirklich schon so gemeint, aber halt zeitlich immer ein Problem.

Einem Freund aus Münster hatte ich von dem Date mit dem Grevener erzählt, und der fiel aus allen Wolken: Der hat einen Freund, mit dem zusammen hat er auch das Haus gebaut. Der ist nur momentan in Ostdeutschland. Er hätte nicht gedacht, dass dieser Typ dann Sexdates mit Fakeprofil sucht. Außerdem ist er viel älter als 30, was er da angibt.

Selbst ein mittlerweile in Kiel wohnender Freund kennt ihn von früher vom Münsteraner Youngs-Stammtisch: "dann ist er es.....herzliches beileid....der jagd immer jüngeren hinterher....hieß früher in münster aus gutem grund der 'gurkengrabscher'"

Naja, soll er Sex suchen, wenn er meint, aber dass er mich bei sich zuhause angelogen und seinen Freund quasi verleugnet hat, das nehm ich ihm übel. Zumal ich ja eh nichts weiter von ihm wollte (auch wenn das bei ihm wohl anders aussah).


Tagebucheintrag vom 19. Juli 2006

Abends bin ich zu meinen Eltern gefahren, meine Wäsche fürs Wochenende holen, und habe die Gelegenheit genutzt, bei dem heißen Wetter im dunkeln noch zum Kanal zu fahren und zu baden. Das war wunderschön, das Wasser total angenehm warm.

Jetzt habe ich gerade eine N24-Sendung über Beschneidungen gesehen. Interessant, aber teilweise auch recht heftig, was die da alles zeigen. Die Heten haben aber einen Knall, die behaupten da, das Ding sehe ja eh nicht schön aus und sowas.


Tagebucheintrag vom 24. Juli 2006

Donnerstag konnten wir mal mit dem Stammtisch die ganze Zeit draußen bleiben, es hat sich nachts kaum abgekühlt. Anschließend habe ich mich noch bis halb 3 mit dem neuen unterhalten. Er möchte morgen hierher kommen, um mal bei Gayromeo online zu gehen und so.

In der Nacht konnte ich dann wegen der Hitze schlecht schlafen. Freitag gings los nach Süddeutschland zu einem Treffen von beruflich Gleichgesinnten. Einen gutaussehenden Bisexuellen (der aber eine Freundin hat) habe ich dort das erste mal getroffen. Chatten tu ich mit ihm schon ewig. Ich musste natürlich ein paar Fotos von ihm mit nacktem Oberkörper machen.

Die Rückfahrt wurde dann sehr witzig, weil eine Mitfahrerin wohl noch nicht mitbekommen hatte, dass ich schwul bin. Als wir auf das Thema kamen, meinte sie, dass sie eigentlich das immer ganz gut erkennen würde. Ihr Kollege fand das dann ziemlich lustig, weil sie es offensichtlich bei mir nicht gemerkt hatte. Ich habe sie dann irgendwann erlöst, indem ich ihr die regenbogenfarbene Autofahne zeigte, die Flo mir vom Kölner CSD letzte Woche netterweise mitgebracht hatte. Sie fragte dann sehr interessiert nach einigen Sachen und erzählte von einem zurückliegenden Besuch der Magnus-Party in Bielefeld mit einer Lesbe, die damals wohl was von ihr wollte.

Die Autofahne habe ich jetzt auch ans Auto geklemmt. Mal sehen, ob in Telgte am Mittwoch jemand was sagt.

Während der Fahrt hatte ich dann noch mit Dirk SMS-Kontakt gehabt, und es stellte sich heraus, dass er tatsächlich abends mal Zeit für mich hatte. Ich bin dann direkt nach Lingen durchgefahren, damit es nicht allzu spät wurde. Ich hatte ja ohnehin von der Reise noch alles dabei, was ich brauchte, und plante eigentlich, bei ihm zu übernachten. Es kam dann allerdings anders.

Zuerst hat er mir noch ein wenig zu Essen gemacht und ich habe bei ihm geduscht, dann wollte er gern Sommersturm schauen, den ich mitgebracht hatte. Aber schon da kam er mir etwas distanziert und unsicher vor. Danach wollte er nicht im Schlafzimmer (wo wir geguckt hatten) bleiben, sondern wieder ins Wohnzimmer, lies noch den Fernseher laufen (was mich eher nervte) und setzte sich auf die andere Couch. Als ich ihn fragte, ob er nicht zu mir rüberkommen wolle, fing er dann an, er müsse mir was sagen. Er war einen Tag vorher auf einer Party in seiner Heimat, wo er einen alten Schwarm, den er für hetero hielt (nein, eigentlich nicht wirklich, aber der hatte halt sonst eine Freundin gehabt) mit jemandem stehen sah, den ein schwuler Freund aus der Szene kannte. Später, als sich Dirk von ihm verabschieden wollte, sagte der dann plötzlich: "Du bist schwul, oder?". Dirk, schon betrunken, konnte in dem Moment damit nicht umgehen und lief einfach weg. Aber es hat ihm sehr zu denken gegeben, und er war dann im Laufe des Sonntagabends zu dem Schluss gekommen, dass er für den Gefühle hat und es da jetzt mal versuchen wolle, und dass er gerade kein gutes Gefühl dabei hätte, mit mir ins Bett zu gehen. Überhaupt würde er nach One Night Stands immer ein schlechtes Gefühl haben, wenn er nicht in den anderen verliebt sei. Bei unserem Date hätte er gemischte Gefühle gehabt. Aber jetzt nochmal, das mochte er nicht mehr tun. Ein paar Wochen vorher hätte das wahrscheinlich anders ausgesehen, aber nun, nach dem Erlebnis, nicht mehr. Insofern wohl ganz gut, dass wir uns nicht eher sehen konnten, dann wäre das sicher noch schlimmer für mich gewesen.

Aber auch so war ich hart getroffen, obwohl ich es von seinem Verhalten an dem Abend her eigentlich erwartet hatte, dass so etwas kommt. Ich wollte in dem Moment nur mit ihm kuscheln, ihn küssen, Sex haben. Einen Kuss konnte ich ihm noch abringen, aber auch nicht allzu lange. Die Nacht allein zu verbringen und noch nach Osnabrück zurückfahren zu müssen, das war keine tolle Vorstellung, und das habe ich ihm auch deutlich gezeigt. Ich war ziemlich down in dem Moment.

Als ich zuhause ankam, war es aber schon besser, und ich konnte auch gut schlafen. Heute ist es eigentlich okay. Es wäre schön mit ihm gewesen, aber es geht.


Tagebucheintrag vom 26. Juli 2006

In der Firma hat keiner was zur Fahne gesagt, aber der vermutlich schwule Kollege hat mich heute wieder so angelächelt, als ich mein T-Shirt wegen der Hitze etwas lüftete, das war doch schon wieder recht eindeutig, fand ich.

Alex aus Wien hat eine Story bei nickstories.de veröffentlicht. Die gefällt mir echt gut.


Tagebucheintrag vom 28. Juli 2006

Der Stammtisch war gestern im con3, bzw. bei der Sommerhitze draußen. War sehr gemütlich dort. Die Hitze hat mir in den letzten Tagen ziemlich zu schaffen gemacht. Heute abend gab es wenigstens etwas Abkühlung mit nettem seichtem Regen.

An Dirk denke ich noch wenig, aber es ist eigentlich okay. Am größten wiegt die Enttäuschung, dass die ersehnte Möglichkeit zu mehr oder weniger regelmäßigem Sex mit einer vertrauten Person entfällt, bzw. die Wiederholung der schönen Nacht nicht stattfinden konnte.


Tagebucheintrag vom 30. Juli 2006

Gestern habe ich morgens Max beim Umzug geholfen. Irgendwie war ich dann abends zu müde, um noch nach Münster zu fahren. Ich hatte dort im KCM schauen wollen und ansonsten zu Flo und zwei Freunden in den Go!Parc gehen wollen. Allerdings erfuhr ich heute von Flo, dass die auch nicht mehr so spät nach Münster fahren mochten und letztlich in der Aura gelandet sind. Da war allerdings Shawn Baker, der hätte mich auch interessiert. Aber auf N-Joy und 1live kam auch geile Musik, von Milk&Sugar und Moguai.

Gestern abend hatte das erste Mal ein in meiner Heimatgemeinde lebender schwuler Orgelbauer und Organist bei uns in der Messe Orgel gespielt. Sein Freund war auch mit oben an der Orgel, und dann bat er mich, auch dort zu bleiben, weil er die katholische Liturgie nicht so kennt. Letzlich waren wir also mit drei Schwuppen da, und keiner in der Kirche wusste das. Höchstens einige wenige von mir. Heute habe ich die beiden noch zuhause besucht, um das finanzielle zu regeln. Die sind wirklich nett und wohnen da sehr schön.


Tagebucheintrag vom 31. Juli 2006

Auf dem Weg von der Mensa zurück traf ich den bisherigen Schwulenreferenten der Uni, der sich aber nicht wiederwählen lassen möchte. Die Wahl des neuen Schwulenreferenten verzögert sich wohl noch, und der Kandidat ist auch garnicht so sicher, weil er dann auch irgendwann was anderes macht. Es gibt nur keine geeigneten anderen Kandidaten, die an der Uni studieren und auch noch länger Zeit haben (nicht im Praxissemester sind oder so). Dabei gibt es so viele schwule Studenten an der Uni. Echt ein Armutszeugnis. Wenn sich keiner findet, gibts das Schwulenreferat vielleicht irgendwann nicht mehr.

Danach habe ich beim Fotografen in der Johannisstraße ein Bewerbungsfoto machen lassen. Knapp 25 Euro wollten die für die Rechte am digitalen Bild haben, schon ganz schön happig. Aber das Bild ist wirklich schön geworden. Ich konnte aus mehreren wählen. Eines war mit Schlafzimmerblick, das wär für Gayromeo gut gewesen, aber nicht für eine Bewerbung.

Abends war ich mal wieder auf der Wiese. Heute ist der erste Tag gewesen, wo das Wetter wieder erträglich schön war. Die Hitzewelle ist erst einmal vorbei. Jetzt ist es sonnig mit wolkigen Abschnitten, angenehm frischer Wind dabei, um die 25 Grad. Und abends kühlt es auf unter 20 Grad ab, da kann man wenigstens wieder besser schlafen.

Ich habe mein Gayromeo-Profil um die Info erweitert, dass ich im September auf Sylt bin. Mal sehen, ob sich jemand findet, der dann auch dort ist.


Tagebucheintrag vom 05. August 2006

Ich hatte heute auf der Party im Rosenhof eine seltsame Begegnung, bzw. ein seltsames Spiel. Zwei, die mir schon bei der letzten con3-Party aufgefallen waren, tanzten auffallend meist in meiner Nähe, und der eine schien den anderen aufzufordern, mich doch anzusprechen, und der schien sich aber nicht zu trauen. Ich hab da mitgespielt, über deren Diskussionen gegrinst, den betreffenden auch mal anzulächeln versucht, auf jeden Fall öfter Blickkontakt gehabt, aber so richtig bewirkte das alles noch nichts. So liefen und tanzten wir den ganzen Abend umeinander herum, ohne dass weiter etwas passierte. Als ich dann weg wollte, hatte ich die Nase voll, und passte ihn allein ab, als er gerade vom Klo kam. Ich legte ihm im Vorbeigehen die Hand auf die Schulter und sagte "Hi". Er guckte nur komisch und lief weg. Ich weiß nicht, ob das seiner Schüchternheit zuzuschreiben war, oder ob ich die Situation den ganzen Abend falsch eingeschätzt habe. Vielleicht ist ihm auch was dazwischen gekommen, weil er häufiger SMS las und direkt vorher noch eine geschrieben hatte. Kann ja auch Stress mit seinem Freund / Ex sein, und dann war er nicht mehr in der Stimmung. Kurz darauf waren die beiden dann weg, ich sah sie von der Kneipe aus draußen vorbeilaufen, bin dann hinterher raus, aber wurde noch von jemandem aufgehalten und hab sie dann nicht mehr gesehen.

Den anderen, der ihn meiner Meinung nach immer animierte, habe ich bei Gayromeo gefunden und jetzt dort gefragt, was das eigentlich für ein Spiel war, und warum die schroffe Reaktion des Freundes. Mal sehen, ob er mir antwortet. Eigentlich schätze ich ihn so ein, dass er das tun wird, er kommt offen und direkt rüber.


Tagebucheintrag vom 06. August 2006

Er hat tatsächlich geantwortet. Anscheinend ein großes Missverständnis. Zuerst kam:

"wie bitte?? man kann sich blicke auch einbilden!!! außerdem fand mein kumpel die aktion auf dem klo von dir sehr aufdringlich und er hatte auch kein bestreben dich kennenzulernen, da er einen freund hat, der leider nur keine zeit hatte mitzukommen... genauso wie mein freund!!"

Ich habe erstmal klargestellt, dass ich "auf dem Klo" nichts gemacht habe und auch nicht aufdringlich war, sondern nur "hi" gesagt habe. (vielleicht meinte er die Hand auf der Schulter, aber da kann ich auch nichts schlimmes dran finden, irgendwie musste ich ihn ja kurz anhalten). Und denn habe ich erklärt, wie das ganze bei mir ankam. Antwort:

"ohjee... stimmt wir haben über dich geredet... aber nicht weil wir interesse an dir hatten, sondern nur weil wir deinen tanzstil sehr lustig fanden.. .mehr nicht!!! sorry, falls du dir irgendwelche hoffnungen gemacht hast... aber würdest du den freund von meinem kumpel und von mir sehen, dann hättest du dir denken können, dass wir kein interesse an dir haben... sorry, aber so ist das, soll auch nicht zu hart klingen!"

Naja, das muss man wohl nicht weiter kommentieren. Abgesehen davon, dass ich bezweifele, dass man sich einen ganzen Abend lang über den Tanzstil von jemandem reden kann. Aber was soll man machen, ich muss es so glauben.

Auf einem Spaziergang heute abend begnete ich in der Miquelstraße zwei Jungen, höchstens 18 würde ich sagen, zumindest einer sah nicht übel aus. Ich wollte sie eigentlich garnicht anschauen, aber aus dem Augenwinkel guckte ich ein wenig und hatte dann doch tatsächlich nacheinander mit beiden Blickkontakt, sprich sie haben beide im Vorbeigehen in meine Augen geschaut. Ein schwules Paar? Schwule Freunde? Ich glaube auf jeden Fall nicht, dass das bei Heten so gewesen wäre, zumal ich ja eher unmerklich aus den Augenwinkeln einen kleinen Blick riskierte und ansonsten keine Miene verzog. Normalerweise guckt da jeder geradeaus und nicht in meine Augen. Also kann ich mir da wohl recht sicher sein. Hätte man ja doch offener gucken und vielleicht lächeln können ... aber naja, die waren zu jung.


Tagebucheintrag vom 09. August 2006

Gestern hatte ich Manuel angechattet, nachdem er ständig mein Profil besucht hat. Er meinte, er klickt immer alle an, die gerade online sind, aber wir kamen trotzdem sehr nett ins Gespräch und haben uns schnell für heute abend verabredet. Etwas misstrauisch wurde ich schon, als ich zufällig nebenbei von Max erfuhr, dass er ihn auch gefragt hätte, ob er ins con3 käme, und das Misstrauen war auch angebracht, da er dann jemanden mitbrachte, den ich flüchtet kenne, und dann unbedingt noch ins Bivalent weiter wollte, wo er noch zwei andere treffen wollte. War zwar ein ganz netter Abend, aber ich habe keine Sekunde mit Manuel allein verbracht, was mich schon störte, da ich ihn nett und attraktiv finde und ihn gerne persönlicher kennenlernen würde. Außerdem mach ich mich im Bivalent bestimmt nicht an ihn ran, damit dann die ganze Szene über einen redet. Also bin ich irgendwann alleine gegangen und hab die anderen da zurückgelassen. Muss ich ihm jetzt mal schreiben, dass ich ihn gerne allein treffen würde.

Bevor er ankam, während ich auf dem Bahnhofsvorplatz wartete, sah ich jemanden über den Platz laufen, das könnte der Verkäufer von S.Oliver gewesen sein, dem ich mal meine Nummer zugesteckt hatte. Leider konnte ich ihn nicht genauer sehen, er lief zu schnell, ich habe ihn nicht eingeholt und er lief dann auf einen Bahnsteig.


Tagebucheintrag vom 10. August 2006

Manuel hat eingesehen, dass das nicht so toll war, er hatte auch gemerkt, dass ich mich nicht wohlgefühlt habe. Das nächste Mal wollen wir uns allein treffen.

Frank kommt wohl gerade mit jemandem zusammen, den er Samstag schon im Rosenhof mithatte. Mit dem hatte ich sogar schonmal kurz gechattet, aber da war er recht reserviert gewesen.

Nach dem Stammtisch habe ich dann auf Bens Anraten schonmal ein Profil in Westerland/Sylt angelegt, um dort Kontakte für den Urlaub zu finden. Erst einmal haben sich alle möglichen gruseligen Leute das Profil angeschaut, aber auch ein süßer aus Münster und der Leiter vom Gaycityclub aus Hannover, bei dem ich bei den neuen Usern auf der Startseite auftauchte. Der fragte, ob wir uns nächste Woche im N8 sehen.


Tagebucheintrag vom 11. August 2006

Manuel war wieder etwas komisch: Fragt mich, ob ich schon was vorhabe, meint das müsse man ändern, dass ich noch nichts vorhabe, lehnt dann meinen Vorschlag "Aura" mit "darauf keine Lust" ab und schreibt dann plötzlich, dass er jetzt losmuss, mit zwei Freunden die Osnabrücker Kneipen und Discos unsicher machen. Ich hatte das schon so aufgefasst, dass er überlegt, was mit mir zusammen zu machen, und er erwähnt wieder mit keinem Wort, was er sonst schon so alles geplant hat. Insofern bin ich da weiter etwas vorsichtig und argwöhnisch und warte mal ab, was wird.

Das neue Profil auf Sylt hat in den ersten 24 Stunden etwa 300 Besucher angelockt, schon der Wahnsinn. Aber das meiste sind irgendwelche älteren und/oder unattraktiven Typen.


Tagebucheintrag vom 12. August 2006

Maxs Wohnungseinweihung: das übliche wilde Treiben. Frank war mit seinem Freund da, der Freund von Jens war auch dort. Jens ist momentan in Süddeutschland am arbeiten. Bernd kam hier vorbei und hat mich mit hingenommen (Zurück bin ich mit Frank gefahren). Flo scheint sich jetzt definitiv eine Wohnung suchen und in seinem Urlaub im September vielleicht schon umziehen zu wollen. Franks Freund wohnt auch ganz hier in der Nähe, in der Magdalenenstraße, ich habe sein Auto (bzw. seinen Aufkleber, den gleichen wie auf meinem Auto) auch schonmal dort gesehen.


Tagebucheintrag vom 13. August 2006

Meine Schwester ist jetzt mal wieder für ein paar Tage zuhause, hab mich heute viel mit ihr unterhalten, wo ich sowieso da war. Unter anderem auch über Sex, sozusagen Frauengespräche ;-)

Aus Manuel werd ich wieder nicht schlau, ob er überhaupt Interesse hat, mich zu treffen. Hab ihm zu verstehen gegeben, dass ich keine Lust auf unklare Situationen/Chats habe und schon wissen möchte, wenn er auf was keine Lust hat, aber da kam so noch keine Äußerung zu.


Tagebucheintrag vom 14. August 2006

Ich hab diese Nacht einen Unsinn geträumt ... Ich lag im Bett und stellte fest, dass mein Schwanz auf einmal viel länger war als normal. Und dann konnte ich ihn ohne Probleme selbst in den Mund nehmen. Aber so besonders wars dann auch nicht. Ich war auch verwundert im Traum und hab noch nachgemessen: 22 cm. Aber das dürfte kaum reichen dafür ...

Abends habe ich den Film "Männer sind auch nur Frauen" gesehen. War zwar ganz gut und witzig, aber das Ende hat mir nicht gefallen. Er hätte den Bruder seiner Frau kriegen sollen oder sowas, auf jeden Fall dann mit nem Mann glücklich werden sollen, finde ich.


Tagebucheintrag vom 15. August 2006

Abends war ich bei Jens Freund, ihm ein paar Dinge am Computer zeigen/kontrollieren, wir haben dann auch einen Beitrag über schwule Priester im Fernsehen gesehen, der gerade kam. Außerdem habe ich mir eine Reihe DVDs, meist schwule Filme, von ihm ausgeliehen. Das hatte dann auch gleich ein gutes: Da Manuel auch keinen davon kennt, habe ich ihn für morgen zum DVD-schauen eingeladen und er hat zugesagt. Nun bin ich gespannt, wie nahe wir uns kommen werden.


Tagebucheintrag vom 17. August 2006

Der Abend mit Manuel war schön, wenn auch nichts weiter passiert ist. Wir haben zuerst auf seinen Wunsch "Texas Chainsaw Massacre" gesehen und dann "Kreuz & Queer" ("Bedrooms and Hallways"). Ein wenig konnte ich Körperkontakt bekommen, aber weniger als erhofft. Ich wollte ihn kaum gehen lassen. Er war dann zuhause noch wieder im Chat, und nach einer unvorsichtigen Bemerkung, aus der hervorging, dass ich es nicht gern sehen würde, wenn ich mitkriegen würde, dass er mit jemandem anderen nach Hause geht, kitzelte er letztlich aus mir heraus, dass ich ihn interessant finde und ihn gern noch hierbehalten hätte. Das hatte ihn erstmal etwas verwirrt und er wollte drüber schlafen. Den eigentlich heute geplanten Stammtischbesuch hat er nicht geschafft, aber dafür sagte er, ich solle mir schonmal überlegen, wann wir den nächsten DVD-Abend veranstalten können. Also hat ihn das zumindest nicht abgeschreckt und er scheint nicht ganz uninteressiert zu sein. Muss ich mal weiter abwarten.

Heute war ich mit zwei schwulen Bekannten in der Mensa. Das war das erste Mal, dass ich mich mit dem einen von beiden richtig unterhalten habe, sonst sind wir uns nur so ziemlich jeden Tag über den Weg gelaufen. Später war ich noch etwas auf der Wiese (seit längerem war das Wetter mal wieder gut), und dann zum Stammtisch, wo heute aber nicht soviel los war. Ben rief um kurz nach 10 an, ob es sich noch lohnt zu kommen, aber da Jens Freund nach Hause wollte und sonst nur noch ein weiterer da war, brachen wir die Zelte ab und Ben blieb zuhause.


Tagebucheintrag vom 18. August 2006

Einen Termin für den nächsten DVD-Abend haben wir leider noch nicht, aber ich musste mich schon wieder etwas ärgern, weil Manuel fragte, ob nicht Max und seinen Freund auch vielleicht mitgucken wollten. Ich hab ihn direkt darauf angesprochen, dass er es bitte sagen sollte, wenn er jetzt Bedenken hat, mit mir allein zu sein oder ähnliches, nach dem, was ich ihm schrieb. Er hat das zwar nicht abgestritten, meinte aber, er würd schon sagen, wenn ihn was stören würde, und wir seien ja beide erwachsen und würden das schonu hinkriegen. Jetzt warte ich eigentlich nur sehnsüchtig darauf, dass er sagt, wann wir uns treffen können. Morgen sehen wir uns vielleicht im N8 auf der Party, aber er geht mit anderen hin. Ich muss ohnehin noch Flyer an die Autos stecken.


Tagebucheintrag vom 19. August 2006

Gegen Abend war ich kurz im con3, die 3. Geburtstag feierten und dazu u.a. grillten, was ich als Abendessen nutzte. Dabei konnte ich auch direkt nochmal vor der Party mit denen sprechen. Sie wollen nächste Woche bei unserer Party dann auch grillen.

Nachts dann ins N8, vorher aber Flyer verteilen. An jedes Auto (ca. 100 in der Umgebung des N8) und ein paar Fahrräder. Innen drin auch noch teilweise die Leute so angesprochen, die ich so kannte, nun sollte es wohl bekannt sein, dass die Party stattfindet.

Flo hat nun eine Wohnung in Osnabrück ab 1.10., die Vormieterin zieht aber wohl schon Mitte September aus. Nun hat das lange Drängen endlich ein Ende.

Manuel hatten wir erst garnicht gesehen, aber als Flo schon weg war war er dann auf der Tanzfläche, und meinte, er sei schon seit kurz nach 11 da, aber hätte wohl die meiste Zeit gesessen. Er hat mich aber insgesamt eher wenig beachtet und verschwand auf einmal ohne sich zu verabschieden, obwohl er gerade noch vorher neben mir getanzt hatte. Mein Interesse war im N8 aber auch wieder ziemlich weg irgendwie, insofern versuche ich es auf die leichte Schulter zu nehmen.

Als zu später Stunde noch sehr gute Musik kam, hab ich dann noch richtig abgetanzt, um meine Agressionen und Zweifel rauszulassen und vor allem mal richtig körperlich was zu tun, wo ich momentan dank Semesterferien und Urlaub sehr wenig mache und ewig im Bett liege. Das tat da mal sehr gut, und es war mir völlig egal, wer da über mich redet.


Tagebucheintrag vom 20. August 2006

Heute habe ich endlich mal einen interssanten 22jährigen auf Sylt im Chat gefunden. Er bestätigt, dass die meisten dort eher über 30 sind. Aber er scheint sich wohl dort mal mit mir treffen zu wollen.

Ein weiterer Film von den von Jens Freund ausgeliehenen hat mir gut gefallen: "Like it is". Den habe ich heute gesehen. Gestern hatte ich vor der Party noch "Walking on water" angefangen und heute zuende gesehen, aber der gefiel mir nicht so. War auch recht heftig. Der war eigentlich erste Wahl von Manuel gewesen am Mittwoch, gut dass wir ihn wegen der englischen Sprache (deutsche Untertitel) nicht geguckt hatten.

Gerade lade ich Sommersturm mit englischen Untertiteln herunter, um mal zu sehen, wie die das übersetzt haben. Eine engliche Sprachfassung gibts leider nicht, das wäre mal interessant gewesen.

Manuel hat heute nur über einen Freund grüßen lassen, bei dem war er wohl, und mit dem chattete ich gerade. Sonst habe ich nichts weiter von ihm gehört. Ich werde mich auch nicht mehr von selbst mit ihm in Verbindung setzen, sondern warten, ob er sich meldet, und ob er nach nem Filmabend fragt.


Tagebucheintrag vom 21. August 2006

Mit Manuel habe ich ein wenig gechattet, aber ich bin da wenig enthusiastisch mittlerweile, und antworte nur, wenn er schreibt. Heute abend schrieb er, dass er sich fürchterlich erkältet hätte, er hielt es auch nicht lange am Rechner aus und legte sich wieder hin.

Dann war auch Dirk mal wieder online und ich habe nochmal nachgefasst, weil ich doch immer nochmal an ihn denken muss, zuletzt letzte Nacht. Aber er schließt mehr als eine Freundschaft dann leider doch aus. Seinen alten Freund sieht er erst Anfang September, aber der soll sich nach ihm erkundigt haben, hat er gehört. Mich wundert, dass er das aushält, zu warten bis sie sich auf einer Party eh sehen.

Nach Queer as Folk habe ich noch "Red Dirt" geschaut, aber der ist ziemlich länglich und hat wenig wirkliche Handlung. Hat mir nicht so gefallen. Aus der Story hätte man mehr machen können.

Nebenbei überraschte mich ein Bekannter, der Bock auf Outdoor-Sex hatte und - nachdem ich meinte, er könne auch bei mir vorbeikommen - mich sogar einlud, zum Tingel zu kommen, und ihm einen zu blasen. Aber zu mir nach Hause wollte er wohl nicht, auch nicht, nachdem er dort niemanden angetroffen hatte. Er fragte immer nur wieder nach Outdoor. Es ist aber wirklich kühl und regnerisch heute, ungemütlich. Da ziehe ich mein Bett vor. Ich weiß auch nicht, ob er es wirklich ernst meint, oder nur spielt. Bisher ist er auf Annäherungsversuche nie so recht eingegangen. Oder ob er dann doch etwas ängstlich/schüchtern ist, auch wenn er sonst nicht so rüberkommt? Kann man schlecht sagen.


Tagebucheintrag vom 22. August 2006

Mit dem Chaostreff waren wir heute in Greven unterwegs, wardriven. Zum Schluss hat Philipp aus meinen Beschreibungen auch gefunden, wo mein damaliges Date wohnt, mich interessierte ja doch, ob da ein WLAN ist und man sich mal reinhacken kann, aber wenn es seins war, war es zu schwach.

Zeitgleich lief der Film "Mein Weg zu Dir führt über Liebe" oder so ähnlich, mit Kostja Ullmann. Hach, ist der süß und lieb. Der Film war auch ziemlich gut, ich hatte ihn aufgenommen und eben noch geschaut.

Entgegen meiner ursprünglichen Pläne hab ich dann doch noch wieder Manuel angechattet, weil ich es für unhöflich hielt, mich nicht wenigstens nach seine Gesundheit zu erkundigen. Es ging ihm auch schon wieder besser und wir haben uns noch länger unterhalten, auch über die Gestaltung von Profilen und was man überhaupt so sucht. Das war aber nur allgemein und hat mir auch nicht weitergeholfen. Naja, schon insofern, dass ich nicht glaube, dass er weitergehende Interessen an mir hat. Aber ich habe sie ja momentan auch garnicht mehr unbeding selbst. Oder weiß es nicht.


Tagebucheintrag vom 24. August 2006

Gestern abend war ich noch bei Max und seinem Freund zu dessen Geburtstag. Heute dann erst Vorstellungsgespräch bei Osnatel, aber ob sie eine Stelle haben, wissen sie wohl erst im November. Ich denke aber, dass ich einen guten Eindruck gemacht habe. Danach habe ich mir angesehen, wo Flo bald seine Wohnung hat: Ein schönes Haus, nettes Umfeld. Sieht so erstmal von außen gut aus. Dann war ich kurz in der Mensa, wo ich in der Schlange ein schwules Paar oder zumindest zwei schwule Freunde sah, die mich aber nicht weiter beachteten (zumindest den einen hab ich schon häufiger gesehen und kenn auch sein Profil, das ist üblich so). Danach war Sommerkaffee vom Schwulenreferat, wir saßen wieder draußen, und konnten die vorbeigehenden Leute beobachten. Einer war sicher schwul, ich hab ihn etwas angelächelt und er schaute auch die ganze Zeit rüber. Sowas bräuchten wir fest in Osnabrück, ein Szenecafe, wo man draußen sitzen und gucken kann. Frank erzählte, wie extrem das in Köln ist, wo das richtig Fleischbeschau ist.

Für Josef bzw. die Aidshilfe habe ich beim Hellmann Lagerverkauf in einer Anzeige einen passenden PC entdeckt. Er braucht einen neuen. Morgen früh fahren wir hin und schauen mal.

Abends dann Stammtisch: Die ersten zwei Stunden war wieder eine ganze Menge los, ab 10 wurds leerer, aber diesmal ging es noch ganz gut. Irgendwann um kurz vor 12 haben wir aber dann auch die Zelte abgebrochen, nachdem Ben mir noch ein paar Sachen eingerichtet und mich massiert hat.


Tagebucheintrag vom 25. August 2006

Den PC haben wir bekommen, war ganz interessant, den Lagerverkauf bei Hellmann mal zu sehen. Anschließend habe ich ihn gleich mit Linux eingerichtet, aber erstmal bei mir stehen lassen.

Vorhin habe ich mir ein DJ-Programm näher angeschaut und komme auch ganz gut damit zurecht. Dank eingebautem Sound und gesonderter Soundkarte kann ich auch damit per Kopfhörer vorhören, und die Übergänge versucht es automatisch zu berechnen (was aber Nacharbeit erfordert). Es fühlt sich besser an, da notfalls was in petto zu haben, falls unser DJ zur con3 Party mal spontan krank werden sollte, wie die DJane zu Gay in May. Passende Musik hab ich eh genug.


Tagebucheintrag vom 27. August 2006

Diesmal habe ich auf der con3 Party niemanden neu kennengelernt, und obwohl es nicht voller als beim letzten Mal war, war es doch sehr gelungen, mit toller Musik und guter Stimmung. Die letzten beiden Stunden hat der DJ nur noch House gespielt, das war sehr geil. Ich hörte auch wieder viel Lob für den DJ und die Location, es kommt eigentlich gut an. Es waren diesmal viele Frauen da, dabei haben wir bei denen garnicht so viel Werbung gemacht. Am Ende kam noch einer rein, der sich nur mal mit einer Lesbe kurz unterhielt, sonst aber wohl keinen kannte, und viel schaute, meinem Gefühl nach auch zu mir. Er blieb da auch noch sitzen, als wir schon abbauten, war dann aber plötzlich verschwunden. Ich weiß nicht, ob er noch gewartet hatte, ob er jemanden abschleppen könne? Er hat aber keinen angesprochen (außer vielleicht die Frau).

Ich hab mir jetzt mal Sommersturm mit englischen Untertiteln angeschaut. Anscheinend hat das aber jemand selbst privat untertitelt und dann ins Netz gestellt, denn es ist ziemlich schlecht, und es steht als Untertitel- Autor auch nur ein Nickname dort. Hier ein best-of der schlimmsten Fehler:

"Nachher erzählen sie Dir noch, dass du es ja nur selbst noch nicht weißt": "Perhaps they would not even be aware of it themselves"

"The guy who designed Olli's tent probably also believes that the Sayn is a river in Paris" (wobei das lautsprachlich sogar richtig aufgeschrieben ist, da "Seine" da ja deutsch ausgesprochen wird.

"Ja dann muss er abpissen!": "Then he must take a diet!"

"And what do we get from Farming Machines Gruber if we loose?" (loose = locker, lose / verlieren = lose)

Bei der Vorstellung der Personen beim ersten Aufeinandertreffen der Teams wird Malte mit Waldo übersetzt. Am Ende, bei der Bekanntgabe des Ergebnisses des Wettkamps, wird Malte Peters mit "Walter Peters" übersetzt.

"Unser Trainer, Hansi Daschler, Sportler, Mensch und Bauernfänger" "Our trainer Hansi Daschler, Sportsman, human being and and FC Bayern fan"

"Hansi! Warum können wir nicht da oben wohnen?" "... Damit Du auch mal was mitkriegst von der Natur. Du für sowas zahlen gestresste Manager Zwoatausend Euro! Außerdem ist die Jugendherberg' zu!":

"Hansi, what if we could go live up there?" "Better enjoy the good that nature gives you. That's a much better experience. You have to be a stressed manager to be able to afford that."

"You lied my in the face"

"Übermut" = "Overconfidence"

"Aber ein kleiner Kuss ist gleich ne riesen Katastrophe!": "But a small kiss is not a total catastrophy!"

"carefull" (schreibt sich nur mit einem l)

"Suachts euch a Zimmer, irgendwo wird ja noch was frei sei": "Find a room for yourself, those wo are not gay"


Tagebucheintrag vom 28. August 2006

Gerade habe ich noch das schöne Lied aus "Crazy" gefunden, nach dem ich jetzt schon ein paar Tage suchte. Ich wusste aus dem Making Of, dass es von Vic Chesnutt ist, allerdings hat es dort einen anderen Text und einen anderen Titel als auf dem Album, auf dem es veröffentlicht ist: Album "Is The Actor Happy", Titel "Guilty By Association" (bei Crazy heißt es "Yesterday, Tomorrow and Today" und hat einen anderen Liedtext).


Tagebucheintrag vom 30. August 2006

Heute ist ein verrückter Tag. Zuerst stelle ich fest, dass der Strato- Rootserver doch denselben Fehler aufweist, den andere schon feststellten, also nicht stabil läuft. Nachdem ich ein anderes Angebot herausgesucht hatte und zur FH gefahren war, um Verträge und Kündigungen einzuscannen, nahm das Folgende mit Beginn des Heimweges seinen Lauf.

An der Bushaltestelle wartete bereits jemand, der mir entfernt bekannt vorkam. Ich konnte ihn aber erst nicht zuordnen und versuchte, ihn nicht weiter zu beachten. Er setzte sich im Bus aber so, dass ich ihn wieder seitlich im Blickfeld hatte und er mich auch sehen konnte. Irgendwann während der Fahrt dämmerte mir, dass er Ähnlichkeit mit dem Foto hatte, das mir mal ein Student geschickt hatte, der noch keine schwulen Erfahrungen hat und diese suchte, sich dann aber doch nicht so recht traute. Der Kontakt war irgendwann eingeschlafen, zumal er auch sein Gayromeo-Profil wieder gelöscht hatte. In der Situation fiel mir natürlich sein Name nicht ein, und so wollte ich ihn auch nicht ansprechen. Zufällig fuhr er dann, nachdem ich ihn am Neumarkt kurz aus den Augen verloren hatte, auch den zweiten Teil der Strecke im selben Bus wie ich und setzte sich wieder so, dass er mich direkt im Blickfeld hatte. Er hat sich aber nicht umgedreht, als ich ausgestiegen war. Ich habe ihm jetzt vorhin eine Mail geschrieben, ob er das war, mal sehen ob und was er antwortet.

Dann chatteten mich fast zeitgleich zwei Leute an: Ein Hamburger, der Samstag in Osnabrück ist und ein Sexdate sucht. Der sieht sogar gut aus, da wär ich wohl interessiert. Er will sich dann Samstag per SMS melden, er hat mir selbst keine Nummer gegeben. Also erwarte ich erstmal garnichts, meist hört man dann ja nie wieder was von den Leuten. Er sammelt sicher erstmal und sucht dann aus ...

Der zweite kommt aus Osnabrück, ist aber gerade bei seinem Bruder in Hamburg und fährt auch noch nach Sylt, vielleicht zeitgleich mit mir. sehr nett zu sein, sieht auch garnichtmal schlecht aus, mal sehen, ob ich den nochmal kennenlernen kann, auf Sylt oder dann hier in Osnabrück.

Ben